Helmut Wurm

Sokrates und die Führungskrise der CDU

Sokrates sitzt in einer typischen Eckkneipe in einer Stadt, dort wo die einfachen Leute sitzen und wo man den Puls des Volkes erlebt. An seinem Tisch sitzen einige andere Gäste, einfache Arbeitnehmer, die bekanntlich leicht beeinflussbar sind und sich oft schnell und wenig überlegt eine Meinung bilden. Da stürzt ein Zeitungsträger herein und zeigt eine Zeitung, auf deren Titelblatt fett gedruckt steht: AKK ist zurückgetreten – wer wird jetzt Kanzler, wer bekommt den CDU-Vorsitz?

Ein Tischnachbar: Gut dass die Kleine weg ist, jetzt kann Merz Kanzler werden. Der bringt neuen Wind in die CDU.

Die Bedienung: Schade, dass die aufgibt, Frauen müssen auch weiterhin zeigen, was sie können.

Ein anderer Tischnachbar: Auf die Merkel muss ein Mann folgen, ein junger Mann wie z.B. der Spahn… Die AKK hat zwar im Saarland gezeigt, was sie kann, aber für die große Politik ist sie wenig geeignet.

Im Hintergrund beginnt bei den anderen Gästen eine Diskussion, die immer heftiger wird. Sokrates muss beruhigend eingreifen.

Sokrates: Frau AKK hat es richtig gemacht, von der CDU-Führung und dem Ziel einer künftigen Bundeskanzlerin zurück zu treten. Langfristig wäre sie dafür nicht geeignet gewesen. Sie war eine gute Politikerin im Saarland, für darüber hinaus wäre sie nicht die Persönlichkeit, zumindest noch nicht, denn für die Bundesebene und die Weltpolitik braucht ein Kandidat nicht nur Unbekümmertheit, Ehrlichkeit und jungenhaftes Outfit. Sie erinnert an die Hoffnungen und das Scheitern von Rudolf Scharping. Und bei Frau AKK kommt noch die enorme Doppelbelastung als CDU-Chefin und als Verteidigungsministerin hinzu. Das kann nur ein politisches Mega-Arbeitstier leisten, was sie nicht ist. Lasst sie sich die nächste Zeit beruhigen.

Die Bedienung: Aber es ist trotzdem sehr schade, wie die AKK dazu gedrängt wurde, die "politischen Brocken" hinzuwerfen. Sie war ehrlich und voller guten Absichten. Aber selbst in einer Partei, die das christliche "C" ganz vorne in ihrem Namen trägt, herrschen der Machtkampf, das Ehrgeizgerangel und der gnadenlose Egoismus der Egomanen. Da haben es Frauen schwer.

Ein weiterer Tischnachbar: Dass sich Frauen durchsetzen können, hat doch die Merkel gezeigt. Die hat die Fäden im Hintergrund gezogen. Vielleicht war sie zu stark im Hintergrund und hat alle verunsichert.

Ein anderer Gast: An der ganzen Krise ist nur die Merkel schuld. Die ehrgeizige Merkel leidet an der gleichen Krankheit wie Bismarck, nämlich tüchtige Leute mit Ideen und Weitblick in ihrer Umgebung nicht dulden zu können. Jeden hat sie weggedrängt, der politisch tüchtig, selbstbewusst und nicht in allem ihrer Meinung war und ein politischer Zukunftsträger war. Und diese Weggedrängten wollen sich jetzt dadurch an Frau Merkel rächen und zeigen, dass sie doch tüchtige Politiker sind. Für diese Weggedrängten musste die biedere AKK aus dem Weg.

Sokrates: Das zeigt, dass ein guter Führungspolitiker neben und hinter sich tüchtige Andere und Jüngere dulden und heranziehen sollte, die in eine Nachfolge eingearbeitet sind. Das konnte Frau Merkel nicht, diese Unfähigkeit, diese Egozentriertheit sieht man ihr nicht an.

Die Bedienung: Aber die AKK sollte trotzdem nicht entmutigt und als beleidigte Leberwurst im politischen Hintergrund verschwinden. Sie sollte als Verteidigungs-Ministerin die internationale Ebene kennen lernen und politische Erfahrungen sammeln. Und wenn sie gereifter für die Politik geworden ist, kann es vielleicht ein politisches Comeback geben. Denn Herr Merz ist emotional zu heftig und unbedacht, Herr Laschet ist ein typischer NRW-Landespolitiker-Typ und Herr Spahn ist noch viel mehr unerfahren als die AKK.

Sokrates (gibt der Bedienung die Hand): Das war eine gute Bemerkung. Hoffentlich hat die AKK Berater, die ihr das auch so sagen.

 

(Aufgeschrieben vom discipulus Sokratis, der mit in der Eckkneipe saß)

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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