Barbara Greskamp

Just Monthy

Just Monthy


Monthy steht auf seiner Weide in Ostfriesland, umringt von seine Freunden, Friesen und Pintos, und lässt sich den Wind um die Nüstern wehen. Eigentlich geht es ihm gut. Er wartet auf seine Besitzerin – Wibke- die ihn regelmäßig besucht. Doch eines Tages wartete er umsonst. Wibke kam nicht mehr. Den Grund sollte man erst viel später erfahren. So stand ein wunderhübscher braun-weiß-schwarz gescheckter Pinto mit einer schwarz-weißen Zigeunermähne einsam und verlassen auf der Weide und wieherte leise vor sich hin.

und Monthy’s Odyssee begann!

Monthy stand in einem Zuchtbetrieb. Sein Vater war ein bekannter Zuchthengst und Monthy sollte seine ersten wilden Jahre auch dort an der Nordsee verbringen.

In diesem Betrieb, dem Monthy nun überlassen wurde, hatte man nicht viel Zeit für Pferde… schon gar nicht für kleine halbstarke zweijährige Hengste. Aber das interessierte Monthy nicht. Monthy hatte alle Zeit der Welt, wenn er auf seiner
Weide graste. Im übrigen hatte man ihm ja auch noch nichts beigebracht Er wusste gar nicht, was man von ihm wollte. Seine zweibeinigen Widersacher sahen das jedoch anders. Mit Gerten und anderen Hilfsmitteln gingen sie auf ihn los um ihn einzufangen. Monthy galoppierte panisch von einem Ende der Weide zur anderen um ihnen zu entfliehen. Dieses Spiel wiederholte sich fast täglich bis eines Tages Monthy so sehr in die Enge getrieben wurde, dass er zum Sprung über den Weidezaun ansetzte…

Auf der anderen Seite des Zaunes lagen alte Eisengitter und anderer Unrat, welchen man achtlos dort liegengelassen hatte. Monthy sprang los – und landete mit seiner rechten Seite auf dem Schrotthaufen. Schwer verletzt, mit offenen Wunden und zahlreichen Blutergüssen an seiner rechten Flanke, führte man ihn schließlich in den Stall. Zum Glück fand sich eine gute Seele und versorgte den geschundenen Körper mit Salben.

Monthy hatte jegliches Vertrauen in die Zweibeiner verloren. Alles was von Menschenhand kam, seien es Halfter, Gerten, übergeworfene Decken o.ä. bedeutete für ihn eine potentielle Bedrohung. Auch die Menschen, mit denen er dort seine
Erfahrungen gemacht hatte, ließen ihn nervös auf der Stelle treten und mit vor Angst verdrehten Augen am Strick zerren. Er hatte sich mit seinen zwei Jahren bereits ein Bild von den Menschen gemacht.

Einige Zeit nach den Geschehnissen in diesem Zuchtbetrieb erschien seine ehemalige Besitzerin Wibke auf dem Hof, um sich nach ihm zu erkundigen.

Die Auskunft war: Monthy wurde unhändelbar. Er ist tot!


 

Meine Tochter und ich waren sehr traurig. Wir hatten gerade unsere Stute Missi verloren, die an einer „simplen“ Trittverletzung gestorben war.

Missi war etwas ganz Besonderes. Mit Missi musste man nicht reden – man musste nur denken. Das genügte.

Sie war eine Vollblut-Fuchsstute, die früher Galopprennen gelaufen war. Da sie nach ihrer Karriere als Rennpferd für die Zucht nicht geeignet war, verkaufte man sie – und so kam sie zu uns.

Missi’s Tod hatte eine leere, sehr schmerzende Stelle in unseren Herzen hinterlassen.
Mir war klar, ich könnte sie nicht ohne weiteres durch den Kauf eines neuen Pferdes ersetzen. Das Pferd, das vielleicht einmal einen Platz in meinem Herzen finden würde, müsste etwas Besonderes sein. Es wird kein Pferd sein, das ich mir
aus der Zeitung oder in diversen Zuchtbetrieben aussuchen werde. Wenn es sein soll, werden wir uns finden – egal wann, egal wie und egal wo. Es wird einfach geschehen.

Während der Zeit meiner Trauer um Missi lernte ich Karina kennen. Karina ist ein wunderbarer Mensch, die die Sprache der Tiere, insbesondere die der Pferde, versteht. Unsere Gespräche über Missi gaben mir sehr viel Trost und Vertrauen in die Zukunft, dass „Missi“ irgendwann einmal in irgendeiner Form zu mir zurückfinden wird Zwei Jahre vergingen, in denen Karina und ich sporadisch immer wieder Kontakt miteinander hatten. Eines Tages sagte sie zu mir: „He , dein Pferd wartet
auf dich.“ „Oh!“ sagte ich enthusiastisch: „Ich habe mich auf einer Paint-Ranch in Niedersachsen zu einem Reitkurs angemeldet. Vielleicht begegnet mir dort mein Pferd!?“ „Das ist gut, dass du reiten lernst.“ sagte Karina „Du wirst es
gebrauchen können, denn dein Pferd ist noch ganz roh. Aber du wirst es nicht dort finden. Dein Pferd steht ganz in deiner Nähe. Irgendwo wo es sehr grün und hügelig ist.“

Dieses Gespräch fand ca. im Oktober/ November statt.

Das Jahr ging zu Ende, und mit der Ausnahme, dass ich mich weiterhin durch meine Tochter in Pferdeställen aufhielt, passierte nichts Pferdisches. Es hatte auch keine Eile – denn ich wusste ja, mein Pferd wird mir begegnen.

Das Frühjahr kam, und kurz vor Ostern bat mich meine Tochter, sie ins Bergische zu begleiten, da sich eine Freundin von ihr dort ein Pferd ansehen wollte. Gerne tat ich ihr den Gefallen.

Nachdem wir uns die in Frage kommenden Pferde angesehen hatten, wollte sie noch gerne bei Ronni vorbei, der auch einen „Stall“ betrieb, eine alte dunkle Scheune, in die man Pferdeboxen eingebaut hatte. Unglaublich!

Ich betrat diesen Stall. Es dauerte einen Moment, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Es waren dort zwei Boxenreihen eingebaut, die mit halbhohen Boxentüren zur Stallgasse hin versehen waren- glücklicherweise ohne
Gitter.

Ich ließ meine Blicke schweifen. Plötzlich stutzte ich. Ich schaute in ein verwegenes Gesicht mit einer riesigen weißen Blesse auf braunem Fell, in wissende braune Augen die mich unverwandt ansahen und sah auf die wilden schwarzen und
weißen Ponyfransen auf der Stirn.

Mir schossen Tränen in die Augen, die sich in wahren Sturzbächen über mein Gesicht ergossen.
Meine Tochter fragte mich äußerst besorgt, ob etwas mit mir nicht in Ordnung sei. Ich war unfähig, ihr zu antworten!

Wie hypnotisiert ging ich auf die Box zu und legte meine Hände auf die Tür – und weinte weiter. Das Pferd senkte seinen Kopf und begann, meine Hände zu lecken, so wie man es nur bei einem Hund kennt, und hörte nicht mehr auf. Ich weinte
und das Pferd leckte meine Hände – und wir wollten nicht damit aufhören.

Es muss eine gespenstische Szene gewesen sein, die durch Ronni ihr Ende fand:
Er fragte, ob er das Pferd aus seiner Box holen sollte. Ich zuckte zusammen und trat beiseite. Ronni betrat vorsichtig die Box und versuchte noch vorsichtiger, dem Pferd das Halfter umzulegen. Er war sichtlich unsicher. Ich nahm ihm das
Halfter aus der Hand und sagte „Ich mach das schon“ und ging mit dem Pferd nach draußen. Dort sah ich erst, wie hübsch er war – ein braun-weiß-schwarz gescheckter Pinto mit einer schwarz-weißen Zigeunermähne!

Ich fragte nach seinem Namen. Ronni schaute in die Papiere und sagte, er heißt Monthy, einfach nur Monthy.


Da war er - Monthy – ich wusste es – das war mein Pferd!


Am nächsten Tag holte ich ihn ab!






 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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