Wolfgang Scholmanns

Verliebt in ein Lächeln


„Lass bloß die Finger von dieser Frau, die macht doch mit jedem rum. Sieh nur, wie sie mit den Hintern wackelt. Das macht sie doch nicht umsonst. Die will uns Kerle verrückt machen, glaub mir.“
Mein Nachbar und Freund Jason brodelt mal wieder vor Vorurteilen.
„Weiß gar nicht, was Du gegen diese Frau hast. Sie ist hübsch, freundlich und eher ein bisschen scheu. Was die Weiber aus der Nachbarschaft über sie quatschen interessiert mich wenig. Ist doch der pure Neid.“
„Mensch Maik, wenn Du nen Rockzipfel siehst, wirst du gleich verrückt.“, lacht Jason. „Na ja, kann Dich ja verstehen, wo Du so lange keine Frau hattest.“
„Was denkst Du eigentlich, Du blöder Kerl. Meinst wohl ich will die nur flachlegen, was. Stell Dir vor, da gibt`s auch Männer die anders drauf sind.“
„Und davon bist Du einer? Hi hi, dass ich nicht lache.“
„Leck mich!“
Maik wohnt neben Jason, Balkon an Balkon. Sie sind seit Jahren befreundet, na ja, was man so Freundschaft nennt.
Die Wohnung der jungen Frau, Vera heißt sie, grenzt an Maiks Wohnung. Einige Male hatten sie sich unterhalten, immer nur flüchtig. Sie habe eine Tochter, hatte sie ihm mal erzählt. Sieben Jahre sei sie und ginge in die zweite Klasse. Er hatte schon manches Mal beobachtet, mit welchen Leuten sie verkehrte. Sozialschwache Existenzen, stadtbekannte Kneipengänger und Lebenskünstler. Das sollte ihn allerdings nicht davon abhalten, sie näher kennen zu lernen.
„Hallo Maik, bist Du zu Hause?“
Das war Vera. Maik hat es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht und war schon fast eingepennt.
„Hallo Vera, was gibt es denn?“
„Siehst verschlafen aus. Entschuldigung, ich will nicht stören.“
Sie senkt ihren Blick und will wieder in die Wohnung zurück.
„Halt, bin schon wieder fit, keine Sorge. Was hast Du für`n Problem?“
„Meine Waschmaschine sagt keinen Mucks mehr. Gestern lief sie noch.“
„Komme gleich rüber, sehe mir das Teil mal an.“
Bezaubernd sah sie aus, in ihrem weißen Jogginganzug. Ihr dunkler Teint war dazu ein toller Kontrast.
„Entschuldige, ich bin ganz schön verzweifelt. Was mache ich nur wenn das Ding kaputt ist?“
Maik fällt auf, dass das Licht im Bad, dort wo auch die Waschmaschine steht, nicht funktioniert.
„Wo ist denn er Sicherungskasten? Ach so, natürlich da, wo er in meiner Wohnung auch ist, ich Trottel. So, wollen wir doch mal sehen. Na klar, da haben wir den Übeltäter. Die Sicherung ist rausgesprungen. Das passiert schon mal, in diesen alten Häusern.“
Ein paar Minuten später ist die Waschmaschine wieder auf Touren.
„Weiß gar nicht wie ich Dir danken soll, Du Lieber. Möchtest Du noch ein Glas Wein mit mir trinken?“
Maik ist froh, dass sie ihn noch nicht gehen lässt und nickt.
„Gerne, ich freue mich.“
Im Laufe des Abends spürt er, wie sich Vera immer mehr öffnet. Aus Berlin ist sie hierher an den Rhein geflüchtet. Ihr Exmann war Alkoholiker, hatte sie und die Tochter oft geschlagen.
„Es wurde immer schlimmer, Maik. Dann wurde er von seinem Chef gefeuert und soff nur noch. Ich ekelte mich schon bald vor ihm aber wenn er mich wollte, Du weißt was ich meine, nahm er mich einfach. Immer unter Androhung von Prügel.“
„Warum bist Du nicht schon viel früher abgehauen? Hast Du wenigstens mal die Polizei verständigt?“
„Ich hatte viel zu viel Angst. Er drohte, wenn ich jemandem etwas erzähle, würde er mich totzuschlagen.“
Tränen laufen über ihr Gesicht. Sie schämt sich, geht ins Badezimmer. Maik will sie in den Arm nehmen, sie trösten aber sie stößt ihn zurück.
„Mich fasst kein Mann mehr an, dass habe ich mir geschworen. Ich kann das alles nicht mehr.“
Nach dieser Reaktion lässt sie es zu, dass er ihr übers Haar streichelt.
„Lass gut sein. Hab Dir gerne geholfen. Wenn irgendetwas ist, melde Dich nur bei mir. Ich bin für Dich da.“
Was jetzt passiert, ist kaum zu begreifen. Sie geht zu Maik, der schon die Klinke der Wohnungstür in der Hand hat und küsst ihn zärtlich auf den Mund.
Lange denkt er in dieser Nacht noch über Veras Verhalten nach. Er hat sich in sie verliebt. Damals schon, als sie hier einzog und ihm ein zartes Lächeln schenkte.

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Wolfgang Scholmanns).
Der Beitrag wurde von Wolfgang Scholmanns auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Wolfgang Scholmanns:

cover

Gedankenreisen (Anthologie) von Wolfgang Scholmanns



von Mona Seifert, Markus P. Baumeler und 16 weiteren Autorinnen und Autoren,

Worte rund um das Leben und die Liebe mit wunderschönen handgezeichneten Skizzen zu Texten, Gedichten und Gedanken. Werke von 18 Autoren und Künstlern des Forums Gedankenreisen (http://31693.rapidforum.com) in einer zauberhaften Anthologie.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Wolfgang Scholmanns

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Oma Dorfhexe Teil 13 - Opa Scholten von Wolfgang Scholmanns (Kinder- und Jugendliteratur)
...erst wenn die Gehwägelchenzeit anbricht Teil 2 von Karin Schmitz (Liebesgeschichten)
Chanel N° 5 von Monika Hoesch (Wie das Leben so spielt)