Thomas S. Lutter

Grundrecht auf geschäftsmäßige Tötung!


Grundrecht auf geschäftsmäßige Tötung auch für nicht Sterbenskranke
Zu 99% ein fatales Urteil!

Was ist am Leiden und Kranksein so unwürdig? Warum ist alles andere und angenehmere darum zugleich würdiger? Warum soll es würdig sein, wenn sich ein psychisch Kranker, der oft jenseits aller Bewertungsfähigkeit ist, aus seiner Ausnahmesituation heraus frei entscheiden können, aus dem Leben zu scheiden? Wie frei ist denn so ein Entschluß, der sich gänzlich aus dem subjektiven Leidensdruck des Leidenden ergibt und dessen Entscheidungsfähigkeitshorizont voller schwarzer Wolken hängt? Und wie objektiv kann eine solche Bewertung ausfallen?
Ja, man macht sich unbeliebt, wenn man eine Lanze für das Leben bricht. Das zieht auch eine Menge Spott und Beleidigungen nach sich. "Komm mir bloß nicht mit Gott!" oder "ist doch alles überholter alter Sch...!" 
Daß es Moral ohne Spiritualität gibt, ist kaum möglich. Resultiert sie doch aus den Grundlagen der mittlerweile verhassten Theologie. 

Leid ist nicht unwert! Bis zu einer gewissen Grenze kann man als Mensch sogar an Würde zunehmen. Dieser vom Bundesgerichtshof erlassene Beschluß heute, macht es dem Leben schwerer und den Tod nur schmackhafter.
Man pocht und pocht auf ein Recht auf Wohlbefinden, Genuß, Liebe, Rechte und Freiheiten, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Nirgendwo steht geschrieben, oder wird traditionell und kulturell belegt, ein Recht auf all diese Dinge zu haben. Wo, außer in der esoterischen Krimskrams-Bibel, steht, daß es ein Grund- oder Anrecht auf all das hat. Darüber gibt es weder ein Gebot ( was für den glaubensimmunen Taufchristen eh für den Arm ist) noch ein Gesetz, weil weder Religion, Staat oder Gesellschaft in der Lage sind, das zu garantieren. Woher also das Recht auf verlangte "geschäftsmäßige" Tötung, desen Begriff schon im Grunde amoralisch ist. 

Wenn jeder, auch ein nicht Sterbenskranker, zu jeder Zeit entscheiden kann, wann er glaubt, es für würdig zu halten, aus dem Leben zu gehen, dann gibt es weder eine Obergrenze noch eine effektive Kontrolle für all das.
Ich habe im Laufe meines Lebens bislang 16 Menschen gekannt, die sich suizidierten. Manche aus einer Situation heraus, in der eine  vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit bestand, oder Menschen, die sich viel zu jung (und zu Unrecht) verabschiedeten. Schade um jeden Einzelnen. Man könnte natürlich jetzt argumentieren, daß sich ein Lebensmüder ohnehin und auch ohne geschäftsmäßiges Töten verabscheiden kann, aber diese letzte Gewissenshürde, evtl. Unrecht zu tun, fällt dann eben komplett weg. Nicht zuletzt hat die aber oft dafür gesorgt, es nicht getan zu haben.

Dieses Urteil ist nicht "bahnbrechend". Als sei der Tod, den sich dann auch ein 'Gesunder' leisten kann, eine wahre gesellschaftliche Errungenschaft, die wie ein Sieg gefeiert werden müsste. Ich bin Menschen begegnet, die im Nachhinein dankbar waren, daß man sie von diesem finalen Schritt abgehalten hat.
 
Einige Ausnahmen soll man machen können. Aber das muß ein Rat entscheiden, der sich aus Medizinern, Psychologen, Philosophen und Ethikern zusammensetzt. Von den Kirchen erwarte ich ein klares Ja zum Leben. Eine Entscheidung dieser Tragweite darf nicht von Juristen, egal welchen Ansehens oder Amtes, abhängig gemacht werden. 
Die Palliativmedizin kann heute den Großteil der Patienten im Sterbeprozess schmerzfrei in's Ableben begleiten. Dort, wo sie an ihre Grenzen stößt, soll dieser Rat in jedem Falle einzeln entscheiden können. Denn ein unmenschliches Leid kann und soll man sich nicht mitansehen müssen und soll auch keinem Menschen unnötig zugemutet werden. Wobei dort schon die heikle Frage auftaucht, wo unmenschliches Leid beginnt und wo es endet und wie es gar definiert werden soll.

"Dieses Recht schließt die Freiheit ein, (auch als Gesunder) sich das Leben zu nehmen!" Man kann über einer solchen Aussage, die grundgesetzlich verankert werden soll, nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. 

Es läuft immer auf die selben grundsätzlichen Fragen heraus. Und jeder, der ein wenig tiefer und weiter denken kann, als der namenlose Kommentarfunktions-Primitivling, der über den eigenen geistigen Hutrand nicht hinausblicken kann, wird an seine Grenzen stoßen. 
Was ist menschenunwürdig? Was gleich dahinterstehen muß, dann die Frage: Was ist lebens- und menschenunwert?
Wenn ich bedenke, daß eine hirntote Frau noch vor wenigen Monaten ein gesundes Baby zur Welt brachte, wohingegen sie medizinisch schon für tot und als Ersatzteillager für Organbedürftige galt, dann ist dieses Thema mehr als ein Grenzgang, der kaum gerade zu gehen ist. 

Und auch für die, die sich um spirituelle Gesetze einen feuchten Kehricht scheren und sich bei religiösen Themen am liebsten übergeben würden, gilt, zu überdenken, was durch unsere Glaubensgrundlage übermittelt wurde.
Ist es nicht so, daß gesagt wurde, daß es dem Menschen unmöglich sei, aus purem Willen auch nur ein einziges Haar grau werden zu lassen? Ist es nicht so, daß uns geraten wurde, es uns schmecken zu lassen und uns nicht zu sehr zu sorgen, weil wir auf das, was uns widerfährt keinen Einfluß haben? 

Und ist es nicht so, daß wir NICHT selbstbestimmt zur Welt kommen? Ist es nicht so, daß wir uns NICHT selbstbestimmt selbst gezeugt haben? Haben wir uns selbstbestimmt in's Leben gebracht? Leben wir wirklich so selbstbestimmt, ohne das Ergebnis unserer Umwelt, Erziehung und aufgezwungener Lebensumstände zu sein? Wie selbstbestimmt werden wir enttäuscht? Wie selbstbestimmt widerfährt uns Kummer und Leid? Wie selbstbestimmt begegnen wir der Liebe? Wie selbstbestimmt entscheiden wir, in der Blüte unseres Lebens mit einer lebensgefährlichen Krankheit kämpfen zu müssen? Und woher, zum Teufel, nehmen wir dann das Recht, uns dieses Leben selbstbestimmt nehmen zu wollen. Es ist schon schlimm genug, daß wir im Falle massenhafter Abtreibungen uns als Herren über Tod und Leben erheben und lebenswertes Leben radikal verweigern und verhindern. Wo bleibt dann das Selbstbestimmungsrecht eines getöteten, werdenden Menschen auf sein selbstbestimmtes Daseinsrecht? 

Ich sehe in diesem Richtsbeschluß keine übernotwendige Maßnahme. Vielmehr sehe ich darin auch eine Geschäftsidee, mit der sich neue Märkte erschließen lassen.
Es wäre schon ein großer Gewinn, mehr und bessere Stellen für Psychologen und psycholigisch-qualifizierte Sterbebegleiter zu schaffen, die dem Leidenden den letzten Gang erleichtern. Auch Seelsorger sollten verstärkt für diesen Bereich eingebunden werden. Es fehlt hier wie auch in anderen Bereichen an jedem Eck an Personal.

Gut möglich, daß ich hiermit einige Sympathie-Boni verspielt habe. Das muß ich akzeptieren. Aber dieses Thema ist für mich von fundamentaler Bedeutung. Wie ein paar andere, die mittlerweile als altmodisch, überholt und auch verzichtbar gelten.
Ich bin eben auch ein altmodischer Mensch. Gott sei Dank! Sonst müßten mir die wesentlichen Dinge des Daseins ebenso egal sein, wie denen, die sich überhaupt keinen Kopf um Irgendwas - außer ihres eigenen Wohlbefindens - machen und klag-, teilnahms- und urteilslos alles hinnehmen, was ihre eigene Welt nicht unmittelbar in's Wanken bringt. 

Also; kein grundsätzliches "Recht auf geschäftsmäßige Tötung" für jedermann!

T.S. Lutter
 

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