Christa Astl

Träume - Albträume

 

 

Nur selten kann ich mich an einen Traum erinnern. Meist sind es allerdings Träume, aus denen ich schweißgebadet erwache. Albträume, Horrorszenen, wie ich sie mir am Tag nie vorstellen könnte, da ich ja keine Horrorfilme, Psychothriller, ja nicht einmal Krimis ansehe oder lese.

So ein Traum erschreckte mich letzte Nacht:

Nachdem ich schon lange nicht einschlafen konnte, tauchte ich dann ab in eine Horrorszenerie. Woher dieses Bild kam, ist mir unerklärbar.

Ich war irgendwo, in einem großen, alten, nicht sehr bewohnten Haus. Irgendwo hauste in einem Zimmer versteckt eine alte Frau. Grau in Gesicht, mit zu einem Dutt aufgesteckten grauen Haaren, grau auch ihr Gewand, nur etwas farblich aufgefrischt durch eine allerdings auch schon verwaschene bunt geblümte Schürze, wie ich ab und zu beim Kochen oder Backen trage. Bei dieser Frau war ich zu Besuch. Musste ich ihr etwas bringen, wollte ich sie nur in ihrer Einsamkeit besuchen, ich weiß es nicht. Anscheinend hatte war ich schon öfter bei ihr verweilt. Der unruhige, suchende, beinahe furchtsame Ausdruck in ihrem abgehärmten Gesicht fiel mir diesmal besonders auf, und ich sprach sie darauf an.

Einen ängstlichen Blick warf sie zur nur angelehnten Türe, dann stand sie auf und drückte die Klinke nieder. So fühlte sie sich sicherer. Doch während des Erzählens flackerte immer wieder ein lauernder Blick zum Eingang, auch schien sie auf jedes Geräusch zu lauschen.

Mit verhaltener leiser Stimme berichtete sie nun von ihrem Sohn, der seit kurzem nach langer Abwesenheit wieder bei ihr eingezogen war. Er musste zurück kommen, weil er krank war, mehr sagte sie nicht. Ihre Augen weiteten sich, ein furchtbares Bild muss vor ihrem inneren Blick entstanden sein! Was hatte der Sohn? Ich kannte ihn von früher, er war groß, sportlich, sah gut aus, machte auf mich aber damals schon einen gehetzten Eindruck. Vielleicht war er auch nur überarbeitet?

Dem Weinen nahe erzählte die Frau, die inzwischen ganz nahe zu mir gerückt war, dass er einige Zeit in der Psychiatrie verbracht hatte und nun viele Medikamente nehmen müsse. Genaueres wusste sie nicht. Oft rumore er nachts in den angrenzenden leeren Zimmern herum und redete mit verschiedenen Stimmen, sein Gesicht wirkte blass, angespannt und verzerrt. Sie fürchtete sich manchmal vor ihm. -

Draußen war es mittlerweile Nacht geworden, am Himmel jagende Wolken sah man durch das vorhanglose Fenster, kahle Baumkronen bogen sich im Wind, der ab und zu kräftige Regenschauer ans Fenster warf. Auch mir begann es unheimlich zu werden.

Da erklangen im Flur dumpfe Schritte, schwere Schuhe flogen gegen die Wand. Zitternd umklammerte die Frau meine Hand, die ich beruhigend fest drückte.

„Warum sitzt du denn im Finstern?“, fragte er mit ruhiger Stimme beim Eintreten und schaltete das Licht ein. Mit sichtlicher Freude begrüßte er nun mich. Meine ängstlichen Gedanken verscheuchte ich, er sah doch ganz normal aus und sprach auch so wie früher. Die Mutter gab sich einen Ruck, stand auf und ging in die Küche um Tee zu kochen. Ich unterhielt mich mit ihm über belanglose Dinge, sehr gut kannten wir uns ja nicht. So nebenbei blätterte er in der Zeitung. Plötzlich schien er sich zu verändern. Sein Gesicht verfärbte sich rot, die Augen waren weit geöffnet und die Pupillen rot angelaufen, als er auf das Papier starrte. Er redete plötzlich unklar, abgehackt, Worte ohne Zusammenhang.

Ich konnte ihn nicht mehr ansehen, Entsetzen packte mich. Ich dachte an Flucht! Als ob er das bemerkt hätte, sagt er: „Geh jetzt bitte. Bitte geh, es wird gefährlich.“ Mein „Warum“ blieb mir im Halse stecken, als ich sah, wie er die Zeitung zusammen knüllte. Seine Fingernägel waren dunkel geworden, fast schwarz, dicke Adern traten an Armen und Fingern hervor, auch sie dunkel oder blutrot. Das Gesicht war nun zur Fratze verzerrt, die Haut blutig, mit weit vorstehenden Zähnen, rot gefärbten Pupillen,  zu Berge stehenden Haaren, die Arme schienen länger geworden zu sein. Mich packte das Grauen, ich war wie gelähmt.

Erst als er die Arme nach mir ausstreckte, dachte ich in der Schrecksekunde meines Lebens an seine Mutter, und dies löste meine Erstarrung. Ich sprang auf, warf dabei den Stuhl um, der somit zwischen uns lag, und rannte in die Küche, von der ich wusste, dass sie einen zweiten Ausgang hatte.

 

Was war das für ein Traum?

Warum dieses schreckliche Bild?

Wer verfolgt mich und macht mir solche Angst?

Fragen, die mich lange beschäftigten, bevor ich wieder einschlafen konnte.

 

 

ChA 26.02.20



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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