Heinz-Walter Hoetter

Die schöne Prinzessin und der junge Bauersmann

 

 

Ein Märchen für Kinder

 

 

In einem Königreich, das Märchenland hieß, lebte einmal eine außergewöhnlich schöne Prinzessin, die wegen ihrer unglaublichen Schönheit alles überstrahlte, sogar die Sonne.

 

Das war auch der Grund dafür, dass ihr Vater, der König vom Märchenland, ein Gesetz erlassen musste, dass jeder, der seiner wunderschönen Tochter gegenüber trat, eine Sonnenbrille tragen musste, um nicht von der Schönheit der Prinzessin geblendet zu werden.

 

Der König und seiner Tochter waren beim Volk außerordentlich beliebt, denn beide waren sehr gute Menschen. Vor allen Dingen die Prinzessin sorgte sich tagaus und tagein um das Wohlergehen ihrer Untertanen.

 

Es kam die Zeit, da wollte der König seine Tochter verheiraten und beschloss daher, im ganzen Land die Prinzen dazu aufzurufen, sich am Hof einzufinden, um die Hand der schönen Prinzessin zu gewinnen.

 

Weit draußen auf dem Land wohnte auch ein junger Bauersmann, der sich schon sehr früh in die Tochter des Königs unsterblich verliebt hatte, die er schon einige Male durch Zufall gesehen hatte, als sie mit ihrem Hofstaat bei ihm vorbei gekommen war.

 

Als sich die Kunde im Märchenland verbreitete, dass der König seine Tochter mit einem passenden Prinzen verheiraten wollte, kamen diese aus allen Ecken des Landes nach und nach herbei, um sich bei der Prinzessin vorstellen.

 

Doch der junge Bauersmann sah jeden Tag, wie die abgewiesenen Prinzen auf dem Weg an seinem Hof wieder geknickt vorbei kamen, was ihm irgendwie gefiel, denn er befürchtete, dass eines Tages ein Prinz kommen würde, mit dem die Tochter des Königs vielleicht zufrieden sein könnte.

 

„Was kann ich nur tun, um die Hand der Prinzessin zu gewinnen?“, fragte er sich immer wieder und hatte auf einmal eine tolle Idee, die er gleich in die Tat umsetzen wollte.

 

Also ging er in die nächste Stadt, kaufte sich gleich mehrere Sonnenbrillen und eine langen Mantel mit Kapuze, um sein Gesicht damit bedecken zu können. Dann marschierte er schon bald hoch zur Burg des Königs.

Als er am Burgtor ankam, wurde er vom Wächter aufgehalten, der ihn sogleich fragte, mit welchem Begehren er zum König wolle.

 

„Ich bin ein wunderschöner Prinz und möchte um die Hand der Prinzessin anhalten. Ich bin so schön, dass ich mein Gesicht hinter einer Kapuze verbergen muss, um niemanden zu blenden, auch dich nicht. Nimm diese Sonnenbrille und setze sie dir auf. Dann bringe mich zur Prinzessin und sage ihr, dass ich um Einlass bitte.“

 

Der Burgwächter setzte sich die Sonnenbrille mit den extra dunklen Gläsern auf und führte den vermeintlichen Prinzen zur Prinzessin.

 

„Hier ist ein neuer Prinz, der so schön ist, dass er sein Gesicht mit einer Kapuze bedecken muss, hochverehrte Prinzessin. Deshalb verlangt er von jedem, sich eine seiner mitgebrachten Sonnenbrillen aufzusetzen, damit keiner der Anwesenden von seiner Schönheit geblendet wird, wenn er sein wunderschönes Antlitz freigibt.“

 

Der König, die Prinzessin und einige Diener bekamen jeder eine dunkle Sonnenbrille ausgehändigt, die sie sich aufsetzten mussten. Neugierig fragte die Prinzessin: „Hast du wirklich so ein schönes Gesicht, mein Prinz oder bin ich nur einem Scharlatan aufgesessen?“

 

„Mein Gesicht ist genauso schön wie deines. Um das zu beweisen, dass ich die Wahrheit sage, darfst nur du die Sonnenbrille abnehmen und mich anschauen.“

 

Die Prinzessin nahm vorsichtig die Sonnenbrille ab und schaute ihrem Verehrer mit großen Augen ins Gesicht, der nicht gelogen hatte. Sie war sofort von seiner Schönheit hingerissen und verliebte sich sofort in den jungen Mann, der breit lächelnd vor ihr stand. Beide fielen sich augenblicklich in die Arme, lachten und küssten sich eine Weile, bis der König sagte: „Meine Tochter hat endlich ihren Prinzen gefunden, den sie über alles liebt. Bald werden wir am Hofe Hochzeit feiern und es wird ein großes Fest geben.“

 

Und so kam es auch.

 

Das Geheimnis aber, dass der vermeintliche Prinz nur ein junger Bauersmann war, der jetzt eine schöne Prinzessin zur Frau hatte, kam nie ans Tageslicht, denn ihre Liebe zueinander überstrahlte einfach alles, was sich auch darin zeigte, dass ihre Liebe im Laufe der Jahre viele Nachkommen hervor brachte. Darüber freute sich besonders natürlich der König selbst, denn so wurde auf diese Weise die Herrschaft über sein Königreich Märchenland für lange Zeit gesichert.

 

Nun, ich weiß nicht, wie alt die beiden Liebenden geworden sind, aber in jedem Märchen heißt es doch schön: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

 

Wer weiß?

 

ENDE

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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