Gisela Segieth

Coronavirus

Der neue Coronavirus bringt in Deutschland sehr viele Menschen in Wallumg, zumal die Medien sich deshalb ebenso mit Nachrichten überschlagen, wie die vielen Menschen, die sich in sozialen Netzwerken tummeln. Und so ist es auch kein Wunder, dass Massenhysterie und Panik vielerorts um sich greifen, was unter anderem auch zu Hamsterkäufen führt. Warum allerdings in vielen Geschäften ausgerechnet Nudeln und Toilettenpapier die Hamsterkauf Renner sein sollen entzieht sich für mich jeder Logik. Dennoch liest und hört man immer wieder: Toilettenpapier ist Mangelware! 

Toilettenpapier Mangelware?

Nicht bei mir ... Deshalb erzähle ich Euch jetzt (m)eine wahre Geschichte. 

Während vielerorts gejammert wird, stehen seit Dezember 148 Rollen Klopapier in der Dachkammer, auch wenn sich das jetzt noch so lustig anhört.

Wie kam es dazu?

Im November 2019 ging es mir gesundheitlich so mies, dass ich  wochenlang nicht vor die Tür kam, und so wurde Toilettenpapier bei mir  knapp. 

Was sollte ich tun? 

Nachbarn zu bitten für mich Klopapier zu kaufen war mir äußerst peinlich, doch selbst einkaufen zu gehen oder zu fahren war ausgeschlossen, da ich unfähig war mit dem rechten, in 2019 zweimal operierten Fuß aufzutreten. Für mich gab es deshalb nur eine mögliche Lösung, ich musste es per Internet bestellen, schließlich bekommt man im Netz ja fast alles.

Zuerst war mir das zu dumm, doch als ich sah, die letzte Rolle ging zur Neige bot Groupon gerade Toilettenpapier an. Wie viel in einem Paket war, danach schaute ich ehrlich gesagt gar nicht, denn ich ging davon aus, es würde sicher nur in haushaltsüblichen Mengen verkauft werden.

Ich bestellte und zahlte auch sofort, denn Groupon war mir nicht fremd.

Bereits 2 Tage später klingelte ein DHL Bote an meiner Tür. Vor ihm stand ein richtig großer Karton, fast so groß wie ich es bin. Ich kontrollierte zuallererst ob dieses Paket wirklich für mich war und woher es kam, denn ich konnte mich nicht daran erinnern irgendwas Großes irgendwo bestellt zu haben, doch es war eindeutig an mich adressiert. Also nahm ich es an. Als der Bote weg und ich allein war öffnete ich das Paket vorsichtig von oben. 

Was sah ich? 

Das ganze Paket war voll Toilettenpapier, säuberlich verpackt in 10 Einzelpakete á 24 Rollen. Ich starrte es an, wie das Kaninchen die Schlange. 

Was sollte ich nun damit machen? 

Ich schloss das Paket  erstmal wieder und stellte es in eine Ecke des Raumes, völlig geschockt. Fakt war, ich hatte in meiner kleinen Wohnung (43 qm) keine Chance es unterzubringen und der Keller ist feucht, was keine Option für die Aufbewahrung von Papier sein kann. Außerdem hätte ich ihn in meinem Zustand gar nicht erreicht. Und zwei Stockwerke höher, bis zu meiner trockenen Dachkammer, kam ich erstrecht nicht.

Ich beruhigte mich erst einmal und  entnahm dem Paket ein 24 Rollenpäckchen, das in mein Bad kam. Dann verschloss ich das Paket wieder sorgsam, denn ich hielt es für unverfänglicher das große braune Paket in meiner Wohnung, im Wohnzimmer um ehrlich zu sein, stehen zu haben,  als die in durchsichtiges Plastik verpackte Toilettenpapier. In der ganzen Wohnung gab es keine andere Möglichkeit das Paket zu deponieren. Gleichzeitig war mir klar, es musste mir etwas einfallen, ewig konnte ich es im Wohnzimmer nicht stehen lassen, zumal sich meine Schwester aus dem hohen Norden der Republik angekündigt hatte, die mich genau an dem darauf folgenden  Wochenende besuchen und bei mir übernachten würde, worauf ich mich ehrlich gesagt auch riesig freute. Doch für das Toilettenpapier mir fiel keine praktikable Lösung ein, obwohl ich täglich Besuch hatte, oder vielleicht auch gerade deshalb. 

Meine Schwester kam, und natürlich blieb auch die Frage danach, was in diesem Paket sei, nicht aus. Ich gestand es meiner Schwester, sehr kleinlaut, die es nur äußerst lustig fand und sofort meinte: "Ist doch prima, schenk doch einfach jedem zu Weihnachten ein Paket Klopapier. Das braucht  doch wirklich jeder. Wer weiß ob es nicht gerade zur rechten Zeit kommt ...". 

Ich war zuerst einmal völlig baff und nicht in der Lage zu reagieren. Auf die Idee, meine Schwester zu bitten das Papier unters Dach zu bringen, kam ich nicht. Und auch nicht auf die Idee ihr zumindest einen Teil davon mitzugeben, dabei fuhr sie von mir aus in unsere gemeinsame Heimat an der Saar, wohin ich sowieso Weihnachtspäckchen schicken wollte, alletdings mit anderem Inhalt. Diese, äußerst günstige, Gelegenheit verstrich ungenutzt, und so blieb das Toilettenpapier im braunen Pappkarton erstmal im Wohnzimmer stehen.

Irgendwann fragte mich meine Nachbarin und Freundin danach, was es mit dem Paket auf sich habe, und ich erzählte es ihr. Auch sie fand die Sache amüsant, bot aber sofort an, das Toilettenpapier in meine Dachkammer zu bringen.

In dem Moment klingelte ihr Bruder an meiner Tür, der am Tag zuvor Geburtstag hatte. Er war auf der Suche nach seiner Schwester ...

Kurz entschlossen holte aus dem Wohnzimmerpaket ein 24 Rollen Paket und schenkte es etwas verlegen dem Bruder meiner Freundin nachträglich zum Geburtstag, der sich  lachend dafür bedankte. Dann nahm ich ein weiteres Paket aus dem Karton und schenkte es meiner Freundin, als Dankeschön dafür, dass sie bereit war das Klopapier in die trockene Dachkammer zu bringen, was sie anschließend auch sofort tat. Für mich war das, als fiele mir ein riesen Brocken von der Seele ...

Seitdem stehen in meiner Dachkammer 7 Pakete á 24 Rollen Toilettenpapier, die wohl noch sehr, sehr lange reichen werden, sofern ich nicht auch unter die Dealer gehe und es auf dem Schwarzmarkt verkaufe ... 🙈🙉🙊

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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