Sonja Soller

Besuch beim (Meister) - Friseur

Wenn die Haare zu Berge stehen, geht man schon mal zum Friseur, um sich von ihm verwöhnen zulassen.
Mit Schere und anderem Zubehör, damit das Haupthaar wieder hübsch gemacht. D
er Meister meinte, „wär doch gelacht“.
Der Überwurf über die Schulter gelegt, zum Schutz vor dem Haareschnitz.
„Hm, Tschuldigung, die Brille noch“. „Aber ohne Brille seh' ich nichts“, wagte ich zu protestieren (nur ganz leise). Dachte, wer schön sein will muss leiden. Kann also in der Yellow Press nicht lesen, was die Schönen und Reichen so treiben.
„Nur schneiden, keine Farbe für das Haar, flockig, locker, ganz natürlich soll es sein“.
Der Meister nickte nur, von Ideennot keine Spur. Er rollte das Haarwaschbecken herbei.

„Den Kopf bitte nach hinten legen, ist es so angenehm?“ Ich nickte mit den Augen und spürte wie das angenehm warme Wasser mir langsam, hinterrücks in die Schuhe lief. Wagte mich aber nicht zu bewegen, sondern forderte ohne Worte ein Handtuch an. Ansonsten war der erste Gang ohne größere Schwierigkeiten verlaufen. Das Duschen hätte ich mir heute auf jeden Fall sparen können. Nun wurde ich vor den Spiegel geschoben, die Brille noch immer in der Tasche. Genau sehen konnte ich also noch immer nicht.

Der Meister mir das Haar vorsichtig trocknete, mit einer Grandezza, wie es nur ein Meisterfriseur kann. Kamm und Schere schon in der Hand. „Nicht zu kurz, das steht mir nicht“, konnte ich ihm gerade noch zurufen, denn er klapperte bereits lautstark mit dem Schneidegerät.
Den Geräuschen nach musste ich kurz vor einem Kahlschlag stehen. Versuchte mich in meinem Stuhl zu drehen, mich bemerkbar zumachen, aber der Meister war so in seinem Element, hatte nur meinen Kopf mit den noch ( ich hoffte, es waren noch genug) vorhandenen Haaren im Blick. Machte mir etwas Sorgen um mich. Nun sprang ich auf, der Meister entsetzt und erschrocken zugleich. Seine Mimik sprach Bände. Setzte meine Brille auf, dann sah auch ich das Malheur. Der Meister verschwand und kam mit einer Flasche Prosecco und zwei Gläsern zurück. Er sagte kein Wort, schenkte ein und in einem Zuge war sein Glas auch schon wieder leer, schenkte nach, dann tranken wir beide, besahen uns den Schaden genauer und mussten so von Herzen lachen, bis wir nicht mehr konnten. Das Haar kurz, mit langen Strähnen drin, fragte; „Kriegen Sie das wieder hin?“ Der Meister hatte sich sehr viel Mühe gegeben, mir die Haare „schön“ zumachen, ich konnte ihm einfach nicht böse sein.

Jetzt hieß es Schadensbegrenzung zu leisten. Als der Meister wieder zur Schere griff, zogen sich meine Augenbrauen skeptisch nach oben. Vorsichtshalber legte ich die Brille auf die Konsole.
Die Haare waren ab, da war nichts mehr zumachen.

Er hatte mir dann doch noch eine tolle Frisur gezaubert, mit der ich mich auf die Straße trauen konnte. Zum Schluss bekam ich eine Flasche Prosecco als Entschuldigung in die Hand gedrückt.
Wir nahmen uns ganz herzlich zum Abschied in den Arm. Er hatte eine neue Kundin gewonnen und ich einen Friseur fürs Leben.
Meine Haare waren zwar kürzer als ich es wollte, aber wie so oft heilte die Zeit auch diese Wunde. Als sie nach einer Weile eine gewisse Länge hatten, bin ich wieder hingegangen, zu meinem „Meisterfriseur“.

 

 

09.03.2020 © Soso.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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