Daniela Hoppaus

Depression

„ich mag nicht mehr“ dachte sie sich, als sie am Morgen aufwachte. Wieder ein Tag. Ein leerer Tag ohne Sinn. Es gab keinen Grund, weiterzuleben und doch machte ihr Körper weiter, stur, unerbittlich, tag für Tag.

Sie sah aus dem Fenster. Die Sonne schien, der Himmel war blau. Vögel zwitscherten. Aber in ihr war Leere. Sie hatte es eihnmal anders gekannt, Sie hatte einmal das Leben geleibt. Sie hatte sich einmal darüber gefreut, dass es solche tage gab. Wolkenloser Himmel. Aber jetzt?

Die Welt war so verrückt. Jeden tag brachten sich Menschen um, Jeden Tag zerstörten sie mehr von ihrer Umwelt. Wofür? Wozu? Damit einige wenige in Saus und Braus leben konnten, mussten viele sterben. Tiere, Pflanzen … und Menschen

Früher einmal hatte sie dagegen aufbegehrt. Hatte versucht, aufzuzeigen, was geschah. Hatte versucht, etwas zu unternehmen. Gegen diese sinnlose Zerstörung. Gegen die Gewalt. Aber sie wurde ausgelacht, beschimpft, beleidigt, gedemütigt. Sie hatte weitergemacht, gegen des Unverständnis, gegen die Ignoranz

Für eine Welt, in der das kleinste Lebewesen leben durfte. Aber sie war gescheitert. Ihre Kraft war verbraucht, verdampft. Zurückgeblieben war die Leere, die Sinn- und Hilflosigkeit. Sie dachte daran, wie sie es nannten. Als Krankheit einstuften. Depression. Und dagegen gab es Tabletten. Damit man wieder funktionierte. Damit man wieder einer sinnentleerten Tätigkeit nachgehen konnte, ohne all das Leid ringsum zu spüren.

Sie hatte es versucht. Es hatte den Schmerz betäubt, aber es hatte in ihrem Kopf eine Wolke hinterlassen. Eine dumpfe Wolke. Kein Gefühl konnte durch diese Wolke dringen. Kein Schlechtes, aber auch kein wirklich Gutes. Gute Gefühle. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt ein gutes Gefühl gehabt hatte. Nur bei den kleinen Dingen. Eine Biene retten. Einen Regenwurm vom Asphalt tragen. Spinner! Ökotussi! Hallte es in ihren Kopf. Die ist doch verrückt! Es ist ja nur ein Tier! Was bringt es, einen zu retten?

Sie wusste, wie viele Tiere jeden Tag starben, Auf der Strasse, in Schlachthöfen. Gequält und geschunden von herzlosen Menschen, ausgesetzt, sich selbst überlassen. Von Menschen, die nur ihr eigenes Wohl im Kopf haben,. Die blind für alles andere nur an sich dachten.

Die Übermacht dieser Menschen war zu groß. Sie konnte sie nicht erreichen. Sie konnte ihnen nicht erklären, dass sie letztlich sich selbst damit schadeten. Sie hörte ihren Spott, ihre Häme in ihrem Kopf. Bleib liegen. Verfluchte ihr Herz, das immer weiter schlug, verfluchte ihre Lungen um jeden Atemzug.

“Künstler gestorben“ las sie. „Schön“ dachte sie er hat es hinter sich. Ich muss weiterleben. Wozu? Wofür? Sich das Leben zu nehmen, kam nicht in frage. Alles Leben war heilig. So hoffte sie auf einen Gott, der erbarmen mit ihr haben würde, sie erlösen würde. Aber der grausame Gott dachte nicht daran. Ob sie trank oder rauchte, sie blieb gesund. Bei jeder Krankheit dachte sie: lass mich sterben. Aber sie starb nicht, Wurde wieder gesund, Wozu, wofür?

“Ob es jemanden auffallen würde, wenn ich sterbe?“ dachte sie. Es gab niemanden, der ihr nahe genug stand, niemanden, dem es auffallen würde – die virtuellen Freunde, die im Internet nur darauf aus waren, sich selbst darzustellen , würden vielleicht bemerken, wenn sie nicht mehr da war. Es vielleicht bemerken und sich dann wieder ihrer Selbstdarstellung widmen.

Die Nachbarn würden vielleicht etwas merken. Aber würden sie sich kümmern? Oder würden sie nur feststellen sie schon lange nicht mehr gesehen zu haben und weitermachen wie bisher?

Sie fühlte sich einsam. Und verloren. Wofür lebe ich, fragte sie sich. Und jeden Tag sagte sie sich vor: für meine Tiere. Nur für meine Tiere, um die sich niemand kümmern würde, wenn sie weg wäre. Sie konnte nicht zulassen, dass ihre Tiere alleine blieben oder irgendwo hinkamen, wo sie nicht geliebt wurden, nicht gewollt. Sie wusste, wie es war, nicht geliebt oder gewollt zu werden.  Das konnte sie ihnen nicht antun.

Und so lebte sie weiter, quälte sich jeden tag. Quälte sich durch die sinnlosen Phrasen der Psychologen. Und betete dennoch darum, zu sterben

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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