Heinz-Walter Hoetter

Ist Freiheit nur eine Illusion?

 

Ist Freiheit nur eine Illusion oder leben wir in einer deterministischen Welt?

 

Wenn man mich jetzt fragen würde, "Glauben Sie, dass Sie frei sind?", dann würde ich sicherlich aus innerer Überzeugung heraus bestimmt umgehend diese Frage mit "Ja, ich bin frei" beantworten.

 

Allerdings stört mich an der Aussage, dass sie wohl nicht ganz stimmt, wenn man tiefer darüber nachdenkt, denn häufig ist es eben nichts als der Glaube, da man sicherlich noch nicht weitergehend darüber nachgedacht hat, wie man beweisen könnte, dass es "tatsächlich" so ist.

 

In der Tat können die meisten Menschen die Behauptung "Ich bin frei" nicht durch fundierte Gründe oder Argumente belegen. Wenn dem so ist, dann frage ich mich natürlich schon, warum um alles in der Welt glaube ich denn, dass ich frei bin, obwohl ich es (möglicherweise) in Wahrheit gar nicht bin? Woher kommt dieser "Glaube an die eigene Freiheit", der eigentlich nur eine "subjektive Illusion" ist?

 

Wir wissen schon lange, dass das Bewusstsein eine wesentliche Quelle für Sinnestäuschungen sind. Nun, wenn "Freiheit" nur eine Illusion ist, bedeutet das noch nicht, dass es Freiheit(en) in gewissem Umfang nicht gibt, aber dennoch danach streben sollten, freier zu leben.

 

Ich persönlich würde es allerdings etwas anders sehen und auch anders formulieren.

 

Anstatt zu sagen "Lebe frei!" würde ich das durch "Lebe freier!" ersetzen. Letzteres wiederum wäre dann gleichbedeutend mit "Lebe besser!" oder "Lebe ein humaneres Leben!". Aber wie kann ein "humaneres Leben" überhaupt gelebt werden, wenn es unter anderem auch von den politischen Bedingungen in seiner näheren sozialen Umgebung, in der Stadt, der Region und dem Land abhängt?

 

Wir sind doch alle "abhängig" von gesellschaftlichen und ökonomischen Kräften, die deutlich mächtiger sind als die isolierten Individuen. Unter "isolierten Individuen" verstehe ich all jene, die nicht alleine leben können und auch noch nie alleine gelebt haben. Diese Menschen haben genauer betrachte nur einen erheblich eingeschränkten Grad von individueller Autonomie und können von "Freiheit" im eigentlichen Sinne nicht sprechen, weil sie noch nicht einmal eine "Wahlfreiheit" haben.

 

Nun, wenn wir also dem einzelnen Individuum "Freiheit" im wortwörtlichen Sinne nicht zuschreiben können (weil sie eine Illusion ist, auch eine persönliche), dann komme ich zu der Erkenntnis, dass der Mensch an sich ein völlig "deterministisches Wesen" ist.

 

Die Idee eines freien Willens ist in diesem Zusammenhang gesehen auch nicht richtig, weil wir keinen "echten freien Willen" haben. Selbst dann, wenn wir zwischen "ja" und "nein" oder einem "Jaein" die Wahl hätten, hat das nichts mit dem freien Willen zu tun, denn am Ende ist auch jede dieser Entscheidungen als "deterministisch" zu betrachten (Zwang zur Entscheidung).

 

Auch die Philosophie beschäftigt sich schon lange mit diesen Fragen, ob wir in einer sog. "deterministischen Welt" leben oder nicht.

 

Wie auch immer.

 

Letztendlich denke ich, dass es eine Frage des Standpunktes bzw. der eigenen Betrachtungsweise ist. Einerseits haben wir natürlich das subjektive Empfinden eines freien Willens und sollten demgemäß auch Verantwortung für unser Tun übernehmen. Auf der anderen Seite aber haben wir aber aus einer spirituellen, psychologischen, wissenschaftlichen sowie philosophischen Sicht keinen echten freien Willen.

 

„Der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will!“ (Arthur Schopenhauer).

 

„An Freiheit des Menschen im philosophischen Sinne glaube ich keineswegs. Jeder handelt nicht nur unter äußerem Zwang sondern auch gemäß innerer Notwendigkeit.“ (Albert Einstein).

 

„Die Lehre von der Freiheit des Willens ist eine Erfindung herrschender Stände.“ (Friederich Nietzsche).

 

„Unser Wollen ist ein voraus Verkünden dessen, was wir unter allen Umständen tun werden. Diese Umstände aber ergreifen uns auf ihre eigene Weise.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

 

und zum Schluss

 

„Handlungen geschehen, aber es gibt keinen Handelnden (Siddharta Gautama Buddah - Das Gesetz der Bedingtheit).

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

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