Katja Baumgärtner

Ostern

 

Dieses Osterfest war ganz besonders schön.

Schon früh morgens an Karfreitag um sechs klapperte es wie jedes Jahr, und ich hörte es grölen. Das Wetter war stürmisch, und der Wind trommelte gegen die Rollläden. Draußen sangen und klapperten die Klapperbuben mit ihren Hölzern. Diesmal fand ich das Geklapper und den Gesang sehr gruselig, denn es erinnerte mich an ein Dorf, indem sehr seltsame, grobe Menschen wohnen und mysteriöse Geschehnisse passieren.

Um neun stand ich auf. Diesen Morgen würde ich einmal nicht zum Briefkasten laufen und schauen, ob die Post schon da ist. Mittags nach dem Essen hörte ich das Geklapper und den Gesang wieder. Ich war gerade oben im Bad und rief meiner Mutter zu, dass die Klapperbuben wieder unterwegs seien. Diesmal war das Geklapper längst nicht mehr so grausig wie am Morgen, das Wetter war auch nicht mehr so stürmisch.

Meine Mutter und ich standen in meinem Zimmer und schauten den straßenabwärtslaufenden Jungen nach. Ein Junge, der offensichtlich nicht zu der grölenden Gruppe gehörte, begleitete sie ein Stück mit seinen In line Skates. Im Gegensatz zu den anderen war er zu uns gerichtet. Es war der Südkoreaner, den ich schon öfters in Michelbach sah. Er fiel mir wegen seinen rassischen Aussehens auf. Ich freute mich insgeheim, ihn zu sehen: Ich sah ihn häufig Prospekte austragen. Einmal kreuzten sich unsere Blicke vor meinem Zuhause, und wir sahen uns einige Sekunden an.

Am Abend kam Roger, mein Bruder nach Hause. Er war gerade Rechtsanwalt geworden und besuchte uns einmal im Monat und zu besonderen Anlässen.

Karfreitag verstrich.

Am nächsten Tag holten wir Roman, den Jüngsten meiner Geschwister, vom Bahnhof. Er wohnte wegen seines Studiums in Würzburg. Dann kauften wir wie jeden Samstag ein.

Ostern schien dieses Mal ohne Streit und Hektik zu verlaufen. Das einzige worüber wir stritten, war, wann Jesus auferstanden sei. Aber dies ist uns heute noch nicht klar. Wir beendeten die Diskussion, dass es der Ostersonntag gewesen sei.

Morgens an Ostersonntag bekam jeder von uns ein Osterpäckchen mit Eiern und einem Schokoladenhäschen mit einem Glöckchen - außer ich. Meine Mutter bereitete mir als einzige ein Osterkörbchen zu, das ich zu suchen hatte - mit ähnlichen Inhalt aber.

Abends wurde Roman wieder zum Zug gebracht, um wieder nach Würzburg zu fahren.

Nachdem wir uns von ihm verabschiedeten hatten, überlegten Roger und ich bei uns spazieren zu gehen.

Wir wohnen nämlich in der Nähe eines Waldes, und hinter unserem Haus lagen Felder und Wiesen. Nicht weit von uns gab es auch eine Pferdekoppel, wo die Pferde herumtollten und miteinander spielten.

Roger und ich waren uns im klaren, dass dieses schöne Fleckchen Erde bald bebaut werden würde, und wir wollten die uns liebgewonnene Natur noch einmal genießen.

Es sollten Wohnhäuser bis zum Waldrand gebaut werden, so dass uns später die Natur und die Aussicht zum Weinberg verwehrt blieben.

Während wir spazieren gingen, erzählten wir uns irgend etwas. Wir beide betrachteten die leuchtenden grünen Wiesen, die durch ackerbraune Getreidefelder unterbrochen wurden.

Einige Zeit später hörte ich es knacksen. Daraufhin sahen wir zwei Reheltern mir ihrem Kitz am Waldrand auf einer Wiese, die gerade Gras fraßen und wegsprangen, nachdem sie aufschauten und uns bemerkten. Sie machten ein paar Sprünge und waren im Gebüsch verschwunden.

Wieder den Heimweg angetreten, erblickten wir dann zwei Hasen, die ebenfalls mit grasen beschäftigt waren, sich anschauten und dann weghoppelten.

Während wir einige Zeit gelaufen sind, hörten wir es hinter uns Hufen klappern. Eine Familie auf einem Pferdewagen überholte uns kurz vor unserem Haus. Der Tag neigte sich.

Am Ostermontag gingen wir in die Kirche. Sonst gingen wir immer Sonntags und woanders hin. Wir nahmen dann geweihte Kerzen und gekochte bunte Eier mit. Aber hier schien es

keine zu geben oder es gab keine mehr, weil es schon Ostermontag war.

Wie jedes Jahr lief über Ostern ein biblischer Film, den wir dieses Mal nicht zu ende schauten, da wir einen Ausflug nach Seligenstadt unternommen hatten. Ostern ging dem Ende zu.

Abends klingelte es aber noch an der Tür. Als ich öffnete, lag ein Blumenstrauß mit Tulpen

vor der Tür. Im Strauß entdeckte ich ein Kärtchen, auf dem stand: Für das rothaarige Mädchen.

Als ich aufschaute und den Blumenstrauß in die Hand nahm, sah ich zwei Reheltern mit ihrem Kitz auf der Wiese herumspringen, die auflauschten und dann verschwunden waren.

 

Dieses Osterfest war ganz besonders schön.

Schon früh morgens an Karfreitag um sechs klapperte es wie jedes Jahr, und ich hörte es grölen. Das Wetter war stürmisch, und der Wind trommelte gegen die Rollläden. Draußen sangen und klapperten die Klapperbuben mit ihren Hölzern. Diesmal fand ich das Geklapper und den Gesang sehr gruselig, denn es erinnerte mich an ein Dorf, indem sehr seltsame, grobe Menschen wohnen und mysteriöse Geschehnisse passieren.

Um neun stand ich auf. Diesen Morgen würde ich einmal nicht zum Briefkasten laufen und schauen, ob die Post schon da ist. Mittags nach dem Essen hörte ich das Geklapper und den Gesang wieder. Ich war gerade oben im Bad und rief meiner Mutter zu, dass die Klapperbuben wieder unterwegs seien. Diesmal war das Geklapper längst nicht mehr so grausig wie am Morgen, das Wetter war auch nicht mehr so stürmisch.

Meine Mutter und ich standen in meinem Zimmer und schauten den straßenabwärtslaufenden Jungen nach. Ein Junge, der offensichtlich nicht zu der grölenden Gruppe gehörte, begleitete sie ein Stück mit seinen In line Skates. Im Gegensatz zu den anderen war er zu uns gerichtet. Es war der Südkoreaner, den ich schon öfters in Michelbach sah. Er fiel mir wegen seinen rassischen Aussehens auf. Ich freute mich insgeheim, ihn zu sehen: Ich sah ihn häufig Prospekte austragen. Einmal kreuzten sich unsere Blicke vor meinem Zuhause, und wir sahen uns einige Sekunden an.

Am Abend kam Roger, mein Bruder nach Hause. Er war gerade Rechtsanwalt geworden und besuchte uns einmal im Monat und zu besonderen Anlässen.

Karfreitag verstrich.

Am nächsten Tag holten wir Roman, den Jüngsten meiner Geschwister, vom Bahnhof. Er wohnte wegen seines Studiums in Würzburg. Dann kauften wir wie jeden Samstag ein.

Ostern schien dieses Mal ohne Streit und Hektik zu verlaufen. Das einzige worüber wir stritten, war, wann Jesus auferstanden sei. Aber dies ist uns heute noch nicht klar. Wir beendeten die Diskussion, dass es der Ostersonntag gewesen sei.

Morgens an Ostersonntag bekam jeder von uns ein Osterpäckchen mit Eiern und einem Schokoladenhäschen mit einem Glöckchen - außer ich. Meine Mutter bereitete mir als einzige ein Osterkörbchen zu, das ich zu suchen hatte - mit ähnlichen Inhalt aber.

Abends wurde Roman wieder zum Zug gebracht, um wieder nach Würzburg zu fahren.

Nachdem wir uns von ihm verabschiedeten hatten, überlegten Roger und ich bei uns spazieren zu gehen.

Wir wohnen nämlich in der Nähe eines Waldes, und hinter unserem Haus lagen Felder und Wiesen. Nicht weit von uns gab es auch eine Pferdekoppel, wo die Pferde herumtollten und miteinander spielten.

Roger und ich waren uns im klaren, dass dieses schöne Fleckchen Erde bald bebaut werden würde, und wir wollten die uns liebgewonnene Natur noch einmal genießen.

Es sollten Wohnhäuser bis zum Waldrand gebaut werden, so dass uns später die Natur und die Aussicht zum Weinberg verwehrt blieben.

Während wir spazieren gingen, erzählten wir uns irgend etwas. Wir beide betrachteten die leuchtenden grünen Wiesen, die durch ackerbraune Getreidefelder unterbrochen wurden.

Einige Zeit später hörte ich es knacksen. Daraufhin sahen wir zwei Reheltern mir ihrem Kitz am Waldrand auf einer Wiese, die gerade Gras fraßen und wegsprangen, nachdem sie aufschauten und uns bemerkten. Sie machten ein paar Sprünge und waren im Gebüsch verschwunden.

Wieder den Heimweg angetreten, erblickten wir dann zwei Hasen, die ebenfalls mit grasen beschäftigt waren, sich anschauten und dann weghoppelten.

Während wir einige Zeit gelaufen sind, hörten wir es hinter uns Hufen klappern. Eine Familie auf einem Pferdewagen überholte uns kurz vor unserem Haus. Der Tag neigte sich.

Am Ostermontag gingen wir in die Kirche. Sonst gingen wir immer Sonntags und woanders hin. Wir nahmen dann geweihte Kerzen und gekochte bunte Eier mit. Aber hier schien es

keine zu geben oder es gab keine mehr, weil es schon Ostermontag war.

Wie jedes Jahr lief über Ostern ein biblischer Film, den wir dieses Mal nicht zu ende schauten, da wir einen Ausflug nach Seligenstadt unternommen hatten. Ostern ging dem Ende zu.

Abends klingelte es aber noch an der Tür. Als ich öffnete, lag ein Blumenstrauß mit Tulpen

vor der Tür. Im Strauß entdeckte ich ein Kärtchen, auf dem stand: Für das rothaarige Mädchen.

Als ich aufschaute und den Blumenstrauß in die Hand nahm, sah ich zwei Reheltern mit ihrem Kitz auf der Wiese herumspringen, die auflauschten und dann verschwunden waren.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Katja Baumgärtner).
Der Beitrag wurde von Katja Baumgärtner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Gedankenreisen (Anthologie) von Wolfgang Scholmanns



von Mona Seifert, Markus P. Baumeler und 16 weiteren Autorinnen und Autoren,

Worte rund um das Leben und die Liebe mit wunderschönen handgezeichneten Skizzen zu Texten, Gedichten und Gedanken. Werke von 18 Autoren und Künstlern des Forums Gedankenreisen (http://31693.rapidforum.com) in einer zauberhaften Anthologie.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Ostern" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Katja Baumgärtner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Tannenbaum von Katja Baumgärtner (Weihnachten)
WEIHNACHTSFREUDE von Christine Wolny (Weihnachten)