Karl-Konrad Knooshood

Ferien im Verkehr

 

 

Diesen Kombi hatte sich OLDDADDY damals mühevoll schuftend vom Munde abgespart. Monatelang hatte es fast ausschließlich mehrtägige Eintöpfe gegeben, das Leben war hart mit wenig Geld, damals, in den gar nicht so goldenen 80ern, auch wenn dies später so dargestellt wurde. Es war diffizil, wenn ein armer Mann, älter werdend wie OLDDADDY der alleinige Brötchenverdiener war. Sein Job war mies bezahlt, eine Assistententätigkeit, nichts Spektakuläres.

 

Jetzt war 10er Jahre, Jahrhundert Nummer 21.

 

Zack, schon waren sie auf der Autobahn.

 

Die alte Karre knarrte, knatterte und ratterte wie ein halbdefekter Notstromgenerator, aber sie lief, das Auto war robust, "hässlich aber zuverlässig", das war das, das OLDDADDY über schwedische Fahrzeuge der Marke VOLVO dachte. So einen hatte er, seine Familienkutsche, ein Kombi, alt, monatelang angespart, damals in den 80ern, magisch damals. Das Phänomen war, dass man sich in diesem Automobil stritt, dass sich egal wer von beiden fuhr, ob OLDDADDY oder seine Ehefrau BIGMAMABROWSE, man bekam sich in die Haare. Auch die Kinder, TRULLA, ULLA, SCHNULLA und SCHRULLA, CAPUS, SALUS, MALUS und PALLUS, rissen sich gegenseitig an den Haaren, kniffen und knufften sich und quetschten sich auf der ausladenden Rückbank, die jedoch wie der große Kofferraum für die große Reise präpariert war, völlig überfüllt, mit allerhand Leckereien, Picknickutensilien, auch eine große, schwere Kühlbox war mit von der Partie, sie enthielt Tiefkühlkost und Frischware, ein Mini-Ofen (der allerdings Festnetzstrom brauchte) und ein Holzkohlegrill erheblichen Ausmaßes waren dabei. Dazu Kleidung für die zehnköpfige Familie, Pflegeprodukte, ein paar Träger voll Mineralwasserflaschen, eine Kiste Bier für OLDDADDY, ein Rosé für BIGMAMABROWSE, für die Kinder zuckerfreie Limonade – und – ausnahmsweise – eine Flasche Cola, 2,5 Liter, mit Zucker, ungefähr 74 Würfel. Sie waren voll ausgestattet, der alte, bis dato zuverlässige VOLVO fuhr unter Volllast. Ratterte, knatterte, knarzte, die Kinder waren laut, spielten, unterhielten sich, neckten. Vorne versuchte JOHNNY CASH auf CD im CD-Fach des Autoradios gegen die Bälger sein Album "(LIVE) At Folsom Prison", das legendäre Konzert von 1968, durchzuziehen, auf der CD natürlich in digitaler Tonqualitätsverbesserung ("digitally remastered"), mit einigen alten Bonustracks, die die Plattenfirma damals wohl im Petto hatte, die auf dem ursprünglich auf Schallplatte erschienenen Album damals noch nicht drauf gewesen waren.

Er hatte kaum eine Chance bei dem Lärm, obwohl es ein lebhaftes Konzert gewesen war, 1968, vor 51 Jahren…

 

Die Kinder, die mehr auf MICKY MINAJ und ähnlichen modernen Trash standen, hatten kein Verständnis für den krassen Musikgeschmack ihres OLDDADDYs, der vom Rock'n'Roll der 50s bis zum NU METAL der mittleren 2000er reichte, die 2010er Jahre aber komplett verschmähte, Schwerpunkt: 60er und 90er Jahre. Flower Power und CASH-Country und Hippiemusik aus den 60s taten sich mit 90er-Jahre-GRUNGE, Punkrock, THRASH-Metal, Hardrock, Techno, Trance, Dancepop und Eurodance zusammen und jede Menge dazwischen.

 

OLDDADDYs Kindern sträubten sich die Nackenhaare bei CASH, selbst wenn sie zugeben mussten, dass er ein brillanter Sänger gewesen war. OLDDADDY hätte sich bei Elektro-Soundsondermüll wie MICKY MINAJ übergeben können…

 

Man hatte sich mal wieder verfahren, OLDDADDY hatte wohl zu sehr für die Country-Legende JOHNNY CASH geschwärmt und es verbockt. Irgendwann, zwischen "I Still Miss Someone", dem "Cocaine Blues" und "25 Minutes To Go", der flotten, kurzknackigen Todeskandidatennummer, dessen Minuten sich von 25 bis zum finalen "hanging on the noose" rasch und dramatisch verkürzten, in knapp zwei Zeitminuten abgesungen, musste OLDDADDY einfach zu sehr in seinem Element gewesen sein und es verbockt haben! Er hatte es verbockt. Verbummfiedelt. Die Straßenkarte, die seine Frau in ihren Händen hin und her fledderte und verhedderte, dass es ihn jetzt nur noch nervöser machte, war korrekt, doch traf auch diese Herzensdame eine Mitschuld, denn sie hatte sie nicht richtig gelesen und falsch gedeutet, OLDDADDY in die Pampa gelotst, in ein eigenartig abgelegenes Hinterland, in irgendeine unbekannte Landschaft, die irgendwie unwirklich und unwirtlich wirkte, obwohl sie aus Rapsfeldern bestand. Raps, Raps, Raps, Rapsfelder – soweit das Auge reichte, das deutsche Äquivalent zum kilometerlangen Maisfeld-Agrarland der USA. Wie so oft weniger glamourös und aufregend.

 

"Children of the Corn"/"Kinder des Mais", als Kurzgeschichte, bekannt aus STEVEN KINGs Kurzgeschichtensammlung "Nightshift"/"Nachtschicht", auf Deutsch im HEYNE-Verlang erschienen, eine Sammlung, aus der mehrere Geschichten verfilmt wurden, unter anderem auch "The Mangler"/"Der (Wäsche-)Mangler"…

Hier also "Kinder des Raps", "Children of the Rape"…ähm, hüstel, das könnte Missverständnisse erzeugen. Im Englischen heißt "to rape" = "vergewaltigen" (vom Lateinischen "rapere" = rauben, entreißen"), doch der botanische Raps ist "the Rape". Naja, immerhin nicht "Der Fänger im Roggen"…

 

Der Raps wuchs auch nicht so hoch wie Mais wachsen kann, dort im Inneren konnte sich niemand groß verstecken – zu niedrig. Keine Kulte, keine Kinder, keine Labyrinthe. BIGMAMABROWSE verwarf den bescheuerten Gedanken, es war doch alles durchzivilisiert, es gab doch keine wirklich abgelegenen, abgeschnittenen Landstriche mehr. Nicht in Deutschland, wo es kaum nennenswerte Prärie gab. "Nix als Gegend" mit viel Wüsten und Staub war hier nicht zu finden. Das wäre dann USA gewesen. Handyempfang war doch überall!

 

Man kann sich fragen: Wieso kam keines der Kinder auf die Idee, das Smartphone zu zücken und GOOGLE MAPS zu aktivieren? Oder OLDDADDY oder BIGMAMABROWSE? Nun, manchmal kommt man nicht auf das Naheliegende, isso. Nicht bloß ein Filmklischee, nee!

 

TRULLA zog ihr Smartphone als erste: "Kain Dschiipi-Essignahl", stellte die monotone Automatik-Frauenstimme lakonisch fest. ULLA zückte ihres als nächste. Rief GOOGLE MAPS auf. "Koin Dschipi-eßßignaahl", gab die Stimme gleichmütig, ohne Emotionsregung bekannt. bei den restlichen sechs Kindern verhielt es sich genauso. Kein Empfang, kein gar nichts, weder WLAN noch irgendwas. Nichts! Nada! Niente! Rien!

 

Die Straßen schien endlos lang, das Rattern wurde mit einem Mal stärker, lauter, ließ den armen JOHNNY CASH jetzt endgültig zu einem nur noch überhörbaren Nebengeräusch degradierte, ein bisschen wie ein Taubengurren auf einem monsungepeitschten Ozean. Es zischte, Dampf stieg aus dem Kühlergrill und verflüchtigte sich irgendwo oberhalb der Windschutzscheibe, Funken stieben irgendwo zwischen den Scheibenwischern hervor, einige Lämpchen auf dem Armaturenbrett flackerten, einige davon hatte die Großfamilie noch nie leuchtend zu Gesicht bekommen. Einiges am Auto war modernisiert worden, das Modernste an ihm war allerdings der volldigitale CD-Spieler und das dazugehörige Autoradio. Upps! Auch das zuverlässigste Auto gibt eines Tages den Geist auf, in ungefähr 95% der Fälle geschieht dies in infrastrukturell ausreichend ausgestatteten Gegenden, jedenfalls in der Nähe von selten gewordenen Fernsprechanlagen, etwa Telefonzellen. Das ist kein Drama, Kfz-Werkstätten gibt es überall, sie boomen nach wie vor, solange nicht sämtliche motorisierten Fahrzeuge durch Eseltaxis ersetzt werden, denn dann bedürfte es eines Eseldresseurs…

 

Jeder hat mal Pech, das kommt vor, das ist weder Schande noch Beinbruch!

 

Familie OLDDADDY/BIGMAMABROWSE hatte jetzt ausnahmsweise mal Pech, eine Panne.

 

Der gute alte VOLVO, kein böser VOLVO bis dato, kein böser VOLVO und Radkäppchen, stockte, stotterte motorisiert, noch einige Meter weiter, weiter, weiter, er fährt und fährt und fährt und fährt, immerhin sind keine Elche in der Nähe!

 

Doch er wird gleich zum Stehen kommen – unweigerlich, unausweichlich. Mitten dort, wo kein Pfeffer wächst, wo es selbst Fuchs und Hase zu provinziell zum Gute-Nacht-Sagen ist, kam die Familienkutsche schließlich gänzlich zum Stehen.

 

Vor einem Kreisverkehr.

 

Ja, echt jetzt!

 

Ein Kreisverkehr. Mitten in einer Gegend, für die das Prädikat "Provinz" noch geprahlt ist. Sogar Straßenschilder, wow! Geradeaus: 50 km bis nach PLAPPERTINGEN, rechts ca. 28 km bis WOLPATINGEN, links geht’s nach SCHMALLLIPPINGEN (25 km), ZWERGENBINGEN (31 km) und HOBBINGEN (37 km). Wo zum Teufel sind wir hier, denkt die Großfamilie im Chor. Und wie kommen wir hier wieder fort?

 

Was also tun? Wohl oder übel auf dem Kreisverkehr Platz nehmen. Dort ein provisorisches "Feldlager" aufbauen. Das Auto etwas an den Fahrbahnrand schieben, so etwaige andere Verkehrsteilnehmer problemlos passieren können.

 

Es war ein wunderschöner Kreisverkehr, gepflegt, bewachsen mit Sträuchern voll wilder Beeren. Eine saftig-grüne Wiese, umsäumt nur von den üblichen Pfeil-Schildern, die die zu nutzende Richtung anzeigenden. Ein kleiner Hain. Ob der Ginst am Musenhain grinste, ist nicht bekannt. kleine Kaninchen spielten lustig auf der Wiese, in Büschen und Hain, mein Gott, es war wirklich super provinziell hier. Wie FINSDORF on the rocks. Kennt noch jeder, oder? STROMBERG, Serie, Strafversetzung der Hauptfigur (vorübergehend) ins kleine Nest…

 

Verzweifelt aber würdevolle Panik stellte man zur allgemeinen Betrübnis fest, dass keinerlei Empfang in dieser Nix-als-Gegend-Gegend zur Verfügung stand. Auch kein Fernsprecher, kein Telefon, nichts, null Notrufsäule, nur Raps, Raps, Raps auf Feldern, Feldern, Feldern drum herum, all along the Kreisverkehr, ein reizvoller Watchtower, leicht erhöht, hügelig, zumindest konnte man vom Wäldchen aus etwas sehen. SCHRULLA sollte auf den Gipfel des Kreisverkehrs, der etwa 20 Meter hoch lag, steigen, auf ihm lag kein Schnee, auch wenn das keinen der Familie überrascht hätte. Irgendwas schien seltsam, trotz dieser Idylle. An dieser Idylle. Nichts als Gegend, Felder, Felder, Wiesen, Büsche und Sträucher. SALUS kam auf die Idee, einen Baum zu erklimmen, denn die Bäume des Hains reichten höher hinaus als der Gipfel, der höchste Baum lag gewiss bei immerhin 25 bis 30 Metern. Auch SALUS konnte nur bestätigen, was längst alle erspäht und resigniert registriert hatten: Gar nichts als lauter Gegend! Keine Schilder in der Ferne, keine erkennbaren Dörfer, keine rauchenden Schlote, der gute alte VOLVO ließ sich nicht wieder anwerfen. Na spitze!

 

Der Vater, OLDDADDY, befahl nun im gewohnt herrischen Ton, man möge den Grill auspacken, um ihn auf der Wiese aufzustellen, die Picknickdecken wurden ausgelegt, einige der Speisen aus der Frischebox herausgekramt, einige der haltbaren Speisen ebenfalls. Die Sonne brannte unbarmherzig vom feuerspeienden, flirrenden Firmament, Schweiß war ihr Erzeugnis, ihr Profit, den sie sich als Tribut erbat und weidlich auskostete. Hartnäckig trotzte sie jedem Schweißtropfen um Schweißtropfen ab. Das Mineralwasser wurde dringend gebraucht. Hatte man ein Zelt dabei? Leider nein. Nur mehrere Decken. Feuerzeuge: jede Menge, OLDDADDY war Pfeifenraucher. Tabak dementsprechend. BIGMAMABROWSE kannte sich mit Autos aus, schaute auf den Motor drauf, machte die Motorhaube auf und schnaufte, raufte sich die Haare, stöhnte und schwitzte. Sie stellte fest, dass das verlässliche Gefährt nun in den Automobilhimmel aufgestiegen, nicht mehr zu retten/reparieren sei.

 

Auf den Bäumen im Hain, in den sich die scheuen Kaninchen zurückgezogen hatten, wuchsen keinerlei Kfz-Ersatzteile. Es gab Früchte. Ein Baum war wohl ein Apfelbaum, ein anderer trug Birnen. Welchen Durchmesser hatte der Kreisverkehr?

 

Das Wäldchen war nicht über- und durchschaubar, Blatt- und Astwerk der in die Tiefe, je mehr man hineinging, reichenden Bäume, wurde dichter, ein undurchdringliches Dunkel, das man, auch wenn man auf den aus ihrer Fahrtrichtung rechts des Hains gelegenen Gipfel stieg, nicht überblicken konnte, was unter dem extrem dichten Blätterdach des Mischwäldchens vor sich ging. Geheimnisvoll war's hier schon…

 

35,072 Meter, das war der genaue Durchmesser des kreisrunden Kreisverkehrs, was OLDDADDY nicht wusste, er hatte ca. 30 Meter geschätzt. Wenn man über den relativ mittig gelegenen Gipfel wanderte. Die Wiese ging auf der Rückseite des Wäldchens unvermittelt, übergangslos weiter, unterbrochen hier und da von üppigem Buschwerk, teilweise mit Beeren daran. Letztere sind übrigens psychoaktiv. Nicht einfach giftig, sondern psychoaktiv! Sie erwecken den Anschein, für Menschen essbar zu sein, sonst wenigstens für Vögel, aber im Gegensatz zu Vogelbeeren vertragen unsere gefiederten Freunde diese Früchte auch nicht.

 

Wie lang wird die Familie, immerhin 10 Köpfe stark, mit der mitgeführten Nahrung auskommen? Kann man Raps so ohne weiteres, roh, essen? Ohne Öl draus zu machen? Weiß ich nicht. Die 10 kleine Jägermeister…äh Familienmitglieder können selbst reichhaltiger Ausstattung mit Nahrungsmitteln und anderen wichtigen Ressourcen kaum mehr als ein paar Tage auf der Verkehrsinsel überleben, so nicht Hilfe kommt, sie das alte Auto doch noch wieder flott kriegen oder sich alle gemeinsam oder getrennt in alle Richtungen die unendlich scheinenden Straßen entlangzugehen, in der Hoffnung, dass wenigstens einer erfolgreich und mit Hilfe zurückkehren würde.

 

10 Familienmitglieder…Da wir hier nicht das alte, umstrittene Kinderlied trällern wollen (da es "Rassismus" triggern könnte), wollen wir die modernere Version verwenden, das von einer Deutschrockband 1996 veröffentlichte "Zehn kleine Jägermeister"! Doch so soll es mit dieser Familie doch nicht ausgehen. Sie sind 10, das ist eine kleine Armee…Dennoch frage ich mich: Was hat man gegen den stattlichen Jägersmann? Nun gut, in der Geschichte mit dem Hasen und dem Jäger aus HEINRICH HOFFMANNs "Der Struwwelpeter", kriegt das erste Mal ein Jäger sein "Fett weg", da kriegt er eine Ladung Schrot in den Hintern gejagt, der wird der Jäger zum Gejagten, der Hase blieb nicht nur, sondern wehrte sich! Ach, diese "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" gegen Jägermeister! Darauf einen JÄGERMEISTER…

 

Nein, wiederholt: Ich will nicht sagen, dass auch nur einer der 10 draufgeht, aber irgendwas Unnatürliches wird passieren…Doch die Frage wird erlaubt sein: Es gibt bekanntlich auch noch Nichtveganer, Karni-, gar Omnivoren auf der Welt, übersetzt: Es sind noch nicht alle Menschen verrückte GRETAS geworden. Man stelle sich eine autistische, mimosenhafte Soja-Luschen-Menschheit vor, vegan und sacklos…

 

Nein, die nur halbbekloppten 10 waren alle überzeugte Fleischesser, nicht exzessiv, nicht militant jeden Tag, aber durchaus häufiger als einmal monatlich. Was wird also passieren, wenn das Fleisch knapp wird? Wer opfert sich dann? Fes steht 5:5, 5 Kerle, 5 Weiber. Berücksichtigt man Frauenquoten, muss eine der Damen ihr zartes Dasein zur Verfügung stellen.

 

BIGMAMABROWSE scheidet aus, denn wie bei den meisten alten Nutztieren gilt: Je älter das Lebewesen, desto zäher und ungenießbarer schmeckt das Fleisch. Frauenfleisch ist meist auch sehr mager, testosterongeschwängertes, fettes, speckig-saftiges Männerfleisch dagegen, bevorzugt von einem jungen Kerl, ist hingegen eine zartfleischige, nahrhafte Mahlzeit, nachhaltig und gehaltvoll. Superlecker. Nun, anfangs versuchten einige Familienmitglieder, eine der nächstgelegenen Ortschaften zu erreichen, doch per Pedes, ohne Smart oder Mercedes, ohne funktionales Auto, ohne Inlineskater oder wenigstens ein Fahrrad oder solarbetriebenes Minirollerchen, ohne ein Reittier (die Kaninchen kamen dafür wohl nicht infrage) und mit wenig Möglichkeit, schweres Marschgepäck wie mehrere Liter Wasser als Wegzehrung, war das zum Schlag ins Wasser verurteilt. Nach wenigen Kilometern musste man umkehren, um ein Kollabieren bei der Hitze zu vermeiden, die Wasservorräte gut einteilen, denn es war extrem.

 

Am Eingang des Hains war es am kühlsten, doch keines der Familienmitglieder, so wacker und mutig man sonst auch war, traute sich tief ins düstere Gehölz. Es war unheimlich, ein Gefühl der Beklemmung beschlich jeden, der sich auch nur etwa 10 Meter tief hineinwagte. Dort wurde es auch dunkel, da das Blattwerk sehr dicht war. Als nach ca. zwei Wochen die Vorräte knapp wurden, als immer noch kein Fahrzeug den Kreisverkehr passiert hatte, kein Handyempfang herrschte und man keine Insassen von Autos oder gar Schiffen um Hilfe hätte bitten können (es gab ja keine Gewässer in der Nähe), nicht mal Flugzeuge zu sehen waren, wurde die Lage verzweifelter.

 

Man hatte bald nichts mehr zu essen, 10 Personen sind gute Esser, die Wasserträger, derer 10, mit jeweils sechs Flaschen zu je 1,5 Litern, näherten sich dem Ende, man war allgemein katastrophal dehydriert, da jeder pro Tag nur etwa einen Liter Wasser konsumieren durfte, um lange hinzukommen. Was bei einer Tagestemperatur von um die 30 Grad Celsius definitiv viel zu wenig war. Man wurde aggressiv gegeneinander, Angst vorm Tod, knurrende Mägen und Dehydrierungserscheinungen sowie Halluzinationen waren die Folge, MALUS und CAPUS fielen als erste, nachdem sie in einem lethargischen, apathischen Zustand befunden hatten.

 

Da es nichts mehr zu essen gab, kamen sie notgedrungen auf den Grill (die mitgeführte Grillkohle hatte man sich gut eingeteilt), nachdem man sie weidmännisch zerlegt hatte mithilfe der Werkzeugkiste, die Vater OLDDADDY immer mitführte. Den Wagen hatte er nicht reparieren können, seine Frau auch nicht. Das Fahrzeug war vollkommen hinüber. Das Elend wuchs, man zerstritt sich immer mehr, trotz des immerhin saftigen Fleisches der beiden Jugendlichen, die man verloren hatte, eine extreme psychische Zusatzbelastung. Doch in der Not…

 

Man hatte sich nicht getraut, die Äpfel und Birnen von den Bäumen zu essen, denn Vögel wie Insekten machten einen großen Bogen um diese übrigens seltsam schimmernden Früchte. Einmal hatten sie die Beeren probiert, die acht verbliebenen Familienmitglieder erlebten daraufhin den krassesten psychedelischen Rausch ihres Lebens, der sich jedoch rasch in einen psychischen Horrortrip verwandelte. Sie sahen Feen, Elfen und bunte Regenbogenkaskaden, bunteste Blumenmeere, die auf Wasserfälle voller Forellenvampire stürzten, Sonnenblumenkerngeschwader griffen Kaffeetassen an, die im Orbit um einen herkulischen Lila-Laune-BÄRENMARKE-Bären kreisten und dabei von Gänsefederfüllhaltern angebissen wurden.

 

Am Abend dieses Rauscherlebnisses verschwand PALLUS spurlos. Er war einfach weg.

 

Die übrigen 7 erwachten – weit und breit war nichts zu sehen. Sie suchten verzweifelt, inspizierten die nächstgelegenen Rapsfelder, ob er dort hineingeirrt sein mochte, gestürzt und bewusstlos liegengeblieben. Da Rapsfelder i.d.R. niedriger als Maisfelder sind, war dies zwar kein großer Akt. Nichts dergleichen jedoch.

 

BIGMAMABROWSE war zu schwach, regelrecht apathisch, um sich aufzuraffen, ihr Gatte machte sich mit zweien seiner verbliebenen Söhne und einer Tochter, SCHNULLA, auf den Weg, suchte. Sie gingen, wanderten in jede der vier Richtungen, die vom Kreisverkehr abzweigten, soweit sie eben noch wandern konnten, ganz ohne Wasser, bei jetzt immer noch mindestens 25 Grad Celsius. (In einer der Wochen zuvor hatten sie es einzeln versucht, PALLUS, SALUS, SCHNULLA, waren losgezogen, aber nicht weit gekommen, denn zum einen reichten die Wasservorräte nicht für so lange, zum anderen schienen sich die Strecken unendlich zu dehnen, die Kilometerangaben auf den Straßenschildern schienen jeweils nicht zu stimmen).

 

Es war zu spät! Es war hoffnungslos. PALLUS tauchte nicht wieder auf. Inzwischen waren fast vier Wochen herumgegangen, notgedrungen hatten sie die Äpfel und Birnen probiert, welche fürchterliche innere Krämpfe auslösten, eine ätzende Hitze im Körper, Feuer bis zum Rachen hinauf und Sodbrennen Sodom-und-Gomorra-biblischen Ausmaßes.

 

Sie starben nicht an diesem exotischen Frischobst, doch fühlten sich extrem elend. Sie versuchten, einige der Kaninchen zu fangen, doch als Stadtmenschen wussten sie kaum etwas über die effektive Jagd. Entkräftet und demoralisiert wie sie waren, entwischten ihnen die Biester auch wieder schnell. Einmal konnten sie eines fangen, dessen Augen sich jäh in ein kräftiges Weinrot aggressivster Art verwandelten, das wild um sich biss und ihnen heftige Blessuren zufügte, eh sie es erfolgreich erlegen konnten. Es kam auf den Grill, Grillkohle war noch reichlich vorhanden. Schließlich pulten sie die kleinen Tierchen aus der Wiese, Insekten hauptsächlich, verspeisten sie geröstet oder roh, was etwas Kraft verlieh.

 

PALLUS tauchte nie wieder auf, sie hatten inzwischen vermutet, dass er in den Hain, dies dunkle Gehölz gelaufen sein könnte. Da ihre Smartphone-Akkus schon seit Wochen leer waren, sie keine Powerbank, geschweige denn eine Auflademöglichkeit irgendeiner Art hatten, musste es OLDDADDY alte Stabtaschenlampen, vier an der Zahl, mit unterschiedlicher Lichtstärke, die im Kofferraum des Wagens unter jeder Menge Gepäck in einer Nische gewesen waren. Die Batterien funktionierten zum Glück noch. Eine davon war sogar eine Halogen-Taschenlampe, besonders hell.

 

Sie hatten sich bisher nie weiter als ein paar wenige Meter, in denen man noch Licht sehen konnte, in den Wald hinein getraut. Er war so unheimlich, düster, dunkel, finster. Etwas Unheimliches, Rätselhaftes und Lebensbedrohliches ging von ihm aus. Wochenlang hatten sie nicht gewagt, ihn in Augenschein zu nehmen. OLDDADDY schien der Augenblick gekommen, vielleicht gab es etwas Essbares darin, auch wenn es unwahrscheinlich war, dass etwa Früchte in der Dunkelheit gediehen.

 

So liefen sie tief in den unheimlichen Wald hinein, der sie finster zu umgarnen schien, obwohl ihnen unwohl war, regelrecht panisch. BIGMAMABROWSE wurde von zweien ihrer verbliebenen Söhne bewacht, die übrigen begaben sich auf die Suche. Undefinierbare, schaurige und übernatürlich wirkende Waldgeräusche machten ihren ohnehin gestressten Gemütern schwer zu schaffen, Angst und Beklommenheit ergriffen von ihnen bis ins tiefste Mark Besitz, sie krochen bis in die kleinste Faser ihres Korpus. Die Familienmitglieder spürten, dass etwas hier nicht mit rechten Dingen zuging.

 

Zwei Phänomene stachen dabei in ihrer Unerklärbarkeit fies dämonisch hervor wie ein Plagegeist, der einem auf dem Herzen oder der Leber herumtrommelt: Zum einen schien sich der Wald schier unendlich in die Finsternis zu erstrecken, sodass er unmöglich auf die Dimensionen der Verkehrsinsel, des kreisrunden Kreisverkehrspunktes, beschränkt sein konnte, denn diese war ja bekanntlich etwa 35 Meter im Durchmesser, exklusive Wiese davor (auf der die Familie sich niedergelassen und ein Zelt aus Decken improvisiert hatte) von etwa 10 mal 10 Metern, die Wiese hinter dem Wäldchen, auf der Rückseite der Verkehrsinsel dito.

Wie konnte sich der Hain soweit erstrecken? Unterirdisch? Darauf deutete aber nichts hin. eine holografische Simulation? Ein Loch in Raum und Zeit? Ein Lichttrick? Nope, sooo perfekt waren die noch lange nicht!

 

Zauberei, Einbildung? Jedenfalls wirkten diese "35 Meter" eher wie 35 Kilometer. Mindestens. Zum anderen, das merkten OLDDADDY und seine Nachkommen, als sie PALLUS Namen riefen, hallte es unnatürlich nach, als befänden sie sich in einem gigantischen Auditorium und nicht in einer großen Baumansammlung. Als sie in der jegliches Licht verschluckenden Dunkelheit etwas vorangekommen waren, stolperte SCHRULLA über etwas. Im Schein ihrer Taschenlampen erkannten sie mit maßlosem Schrecken, dass es sich um menschliche Überreste handelte. Wie Hühnerknochen, so abgenagt lag ein Skelett da, Fetzen von Kleidung, Haarreste auf dem hohlen Schädel, Reste eines linken Auges, völlig vertrocknet. Auf einem Kleidungsrest auf der Brust, völlig eingefallen, Organe nur noch in Spuren vorhanden, stand "…ra". SCHRULLA wusste sofort, um was es sich handelte: Das, was vom Lieblings-T-Shirt ihres Bruders PALLUS übriggeblieben war, der Schädel, das abgenagte, organentleerte Gerippe war, was von ihm übriggeblieben war! Es gab keinen Zweifel. Sie kannte die Schriftart, denn die meisten Pop-, Rock-, Metalbands hatten ihre unverwechselbare Schrift, wie Firmenlogos, wie Zeitungen etc. So auch diese brasilianische THRASH-METAL-Band: SEPULTURA, portugiesisch für "Grab"… Kein Zweifel, er war es! Als sie den T-Shirt-Fetzen losließ, registrierte sie eine merkwürdige, fremdartige Substanz an ihren Fingern. Schleimig, sämig, glibberig, mit seltsam scheinenden, das Taschenlampenlicht wie winzige Glühwürmchen reflektierend.

 

Weder OLDDADDY noch SALUS, ULLA und SCHRULLA fanden noch Zeit zu großer Trauer und ausgiebigem Nachsinnen. Es ging ganz fürchterlich schnell: Sie kamen von allen Seiten auf die vier Familienmitglieder zu, SCHNULLA und SCHRULLA verloren ihre Taschenlampen, SCHRULLA hörte ihr Schwester ULLA und ihren OLDDADDY schmerzerfüllt schreien, SALUS gab einen gurgelnden Laut des Erstickens von sich, SCHNULLA schlug um sich, traf sie in der Panik in ihre Magengrube, ULLA stürzte, OLDDADDY hatte sich geduckt, seine Taschenlampe wie erstarrt auf das Geschehen gerichtet, das Letzte, das ULLA sah, eh sie ihr Leben verlor, war ein unbekanntes Wesen, das einer geflügelten Elfe mit glänzenden Rückenflügeln, halbtransparent und mit Schimmer besetzt (ähnlich der Substanz, wie es schien, die sie an ihren Fingern hatte), am Rand stachelbewehrt, mit gefiederten Gliedmaßen, wohl vier davon plus zwei Beine, dick, stark wie Schweinehaxen, nur nicht mit Paarhufen, sondern kräftigen Krallen daran, von wohl 40 Zentimetern Länge, ein Kopf mit einem niedlichen Kindergesicht, weichen Zügen, leuchtend roten, bösartig funkelnden Augen zu im Kontrast harmlosen Stupsnasen. Dazu spitze, lange Ohren und ein spitzes Gebiss im breiten Maul.

 

Es biss OLDDADDY den Kopf ab, nach einem kurzen Kampf, SCHNULLA schrie aus Leibeskräften, es hallte wie in einem Konzertsaal, das vielstimmige Zwitschern eines Vogelschwarms erscholl, wie sich herausstellte, wurde es durch diese ominösen Wesen erzeugt. SCHNULLA taumelte und verlor ihr Bewusstsein. Sie erwachte nie wieder. OLDDADDY war sofort tot gewesen, SCHRULLA und ULLA hatten keine Chance gehabt. Alle vier waren tot.

 

Die seltsamen Wesen labten sich an ihnen. Draußen, auf der Wiese vor dem Wald, wurde es allmählich dunkel, doch BIGMAMABROWSE und TRULLA hatten die Vorgänge im tiefen Wald nicht hören können. Sie hatten sich etwas eingefangen, eine fatale Infektion, Fieber, Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Dehydrierung, Delirium. Sie waren extrem entkräftet. Zwei Tage später, als sie beide verzweifelt im Fieberwahn hatten feststellen können, dass die anderen, inklusive OLDDADDY, nicht wiederkamen, war BIGMAMABROWSEs Kraft versiegt, sie starb an Entkräftung und Trauer.

Natürlich hatten beide zunächst überlegt, ob sie in den Wald gehen und nach ihren Familienmitgliedern sehen sollten und was dort vor sich ginge im Hain. Doch erstens hatten sie zu viel Angst vorm Inneren des Waldes, zweitens waren sie viel zu geschwächt.

 

Ich kenne den nächstgelegenen Ort, SCHMALLIPPINGEN, er ist nicht allzu weit entfernt. Man kann ihn durchaus erreichen, aber nur bei maximaler Körperkraft und bei bestem Wetter, wenn es nicht gerade über 20 Grad Celsius hat. Es gibt viele, dichtbewaldete, sich windende Straßen, gut befestigt mit Leitplanken. Ein Kreisverkehr irgendwo auf dem Weg nach SCHMALLIPPINGEN, erst recht so ein Riesending von ca. 35 Metern Durchmesser, wäre mir aufgefallen. Er existiert nicht. Es sei denn, es gäbe noch ein anderes SCHMALLIPPINGEN…

 

Keine der beiden, weder TRULLA noch BIGMAMABROWSE, kamen je lebend irgendwo an. Wenig später nämlich gelangte durch einen Zufall ein Landwirt zum Kreisverkehr, der seine in der Nähe gelegenen Rapsfelder abzuernten gedachte. Er fand sofort die beiden Leichen, die Überreste des Grills, des improvisierten Decken-Zeltes und der Picknickdecken auf der Wiese, verständigte umgehend Polizei und Rettungskräfte und die wiederum die Behörden, denn dieser Fall war ein ganz und gar ungewöhnlicher. Er ging in die Geschichte ein als einer der mysteriösesten Kriminalfälle aller Zeiten.

 

Die Leichen von TRULLA und BIGMAMABROWSE wurden aufgelesen, aufgebahrt. Ein findiger junger Ermittler konnte das SAMSUNG-Smartphone der gefundenen Tochter Nummer 1 an Strom anschließen und mit einem genial ausgeführten Hack setzte er den Sperrcode außer Kraft, sodass die Daten abrufbar waren und ausgewertet werden konnten. Eine kurze Videoaufzeichnung informierte den Betrachter, dem die zu Lebzeiten Hübsche entgegengrinste, dass sie mit ihrer Familie soeben auf besagter Verkehrsinsel "gestrandet" sei, da der "böse VOLVO" versagt habe, aber all seine RADKÄPPCHEN an Ort und Stelle seien. Sie schien guter Dinge zu sein.

 

Allmählich, im Verlaufe mehrerer Wochen, eröffnete sich durch akribische Ermittlungsarbeit, Sicherung der Spuren und Auswertung der Smartphone-Daten aus den Geräten der 10 Familienmitglieder ein tragisches, trostloses Gesamtbild der Abläufe. Innerhalb von insgesamt fast zwei Monaten, in denen kein Schwein an dieser Verkehrsinsel mitten im Nirgendwo vorbeigekommen war, hatten die Familienmitglieder hier, bei sengender Hitze, zu überleben versucht, waren an Dehydrierung, Überhitzung und Vergiftung gestorben. Jedenfalls die zwei, die man gefunden hatte und die zwei, die verspeist worden waren. In den Überresten der Mägen (soweit noch analysierbar) fanden sich Spuren von Menschenfleisch (das den beiden zuerst Verstorbenen zugeordnet werden konnte) und, bis auf die Mägen der zwei zuerst Gestorbenen, Spuren psychoaktiver, toxischer Substanzen, die, wie man bald darauf herausfand, durch den Konsum der an den diversen Sträuchern wachsenden Beeren kamen. Man untersuchte die seltsamen Äpfel und Birnen. Wie man lediglich feststellen konnte, möglicherweise Mutationen, alles Weitere entzog sich jeglichem klassischen Verständnis von Biologie und Chemie.

 

Der Wald wurde auch betreten, von einer militärischen Einheit, die daraufhin einige Todesopfer zu beklagen hatte. Fünf Männer und Frauen von insgesamt 25 Personen, die, top mit Helmkameras (der Marke GO-PRO) und Helmscheinwerfern ausgestattet, das Dunkel des "Wäldchens" durchleuchteten. Dabei stießen sie auf mindestens 120 Kreaturen unbekannter Art und Gattung, die in Schwärmen auf sie losflogen und sie brutal (und in immerhin fünf Fällen tödlich) attackierten.

 

Letztlich konnte die militärische Elitetruppe sämtliche dieser Monster aus der Finsternis eliminieren. Obduktionen und weitere Untersuchungen ergaben, dass es sich um Wesen handeln musste, die in ihren Charakteristika erstaunlicherweise am ehesten Geschöpfen ähnelten, die man bisher nur aus Märchen, Sagen und Legenden kannte: Elfen. Ja, Elfen!

 

Flügelform und –Aussehen, die glänzende Substanz auf ihnen, die "engelshaften" Gesichter, die weder allzu weiblich noch sehr männlich erschienen, eher geschlechtslos, sanftmütig. Bis auf die Spitzen an den Flügelenden und um die Flügel herum, bis auf die Krallen an den dicken Füßen, die vier zusätzlichen (statt zwei) Armglieder, die spitzen, vampirartigen Zähne, die leuchtend roten, aggressiven Dämonenaugen…

 

Man einigte sich auf den Namen "Elfenvampir", versah das Tier noch mit einem der vom schwedischen Wissenschaftler CARL VON LINNÉ vor langer Zeit etablierten klassischen Nomenklatur der Arten und Gattungsbezeichnung, denn erst durch eine Bezeichnung respektive Benennung werden die Dinge für den Menschen erfahrbar, berechen- und einordbar.

Auch durch- und untersuchte man den Wald, fällte die meisten Bäume und unterzog sie eingehenden Analysen. Alles wurde genauestens dokumentiert, auf Film, Fotos, Mikrofilm, Schriftstücken, verschiedenen Datenträgern festgehalten und weiter ausgewertet.

 

Wie so vieles Mysteriöses fand es Eingang in die Annalen der Menschheit und die Trivialen und Tiefgänge der Pop- und Philosophiekultur, es entstanden Lieder, Filme, Serien, ganze Bücherserien und Bewegtbilder sowie natürlich Dokumentationen, von drögen, rein faktenbasiert staubtrockenen bis stylischen, coolen Dokutainment-Formaten sowie (Quiz-)Spielshows über die "Elfenvampire".

 

Der Kreisverkehr wurde aller zu ihm führenden Straßen entkoppelt, abgesperrt, in einem Umkreis von ca. 13 Kilometern von einer mindestens 25 Meter hohen, zwei Meter dicken Mauer umgeben und zum Sperrgebiet erklärt.

 

Kein Mensch, abgesehen von hohen Regierungsbeamten, Geheimdienstleuten nationaler wie internationaler Geheimdienste und hochrangigen Militärs sowie ausgewählten Regierungssoldaten, hatte eine Zutrittsberechtigung.

 

Um den Wald auf der Kreisverkehrsinsel, dessen dichtes, düsteres Blatt- und Rankenwerk geheimnisvoll gelichtet worden war aber sich weiterrankte, begannen sich Geschichten zu ranken, die typischen unterhaltsamen Verschwörungstheorien, versponnene und mal mehr, mal minder originelle Legenden, Mythen und Schauermärchen.

Die Phantasie galoppierte mit den Menschen durch den Fall.

 

So behauptete man etwas von Dimensionsverschiebungen, Dimensionslöchern, Wurmlöchern, natürlich Außerirdischen und Ufos, die dort angeblich gelandet und geheim gehalten wurden, eine neue Staffel der in den mittleren 1990ern entstandenen Mystery-Kultserie "Akte X" ("The X Files") (11 Folgen) entstand, drehte sich nur um diese Kreisverkehrsinsel und die dortigen Geschehnisse (wobei man sich zunächst klugerweise die tatsächlichen, rekonstruierten Ereignisse hielt, ehe man ins völlige Fantasy-Science-Fiction-Fach abtrieb), eine neue Folge "GALILEO MYSTERY" befasste sich damit, bei "X-FAKTOR – DAS UNFASSBARE" kam es vor (nicht die gleichnamige Musikshow), ERICH VON DÄNIKEN schaffte mit seinem Wälzer, einem verschwörungstheoretisch auf höchstem Niveau operierenden Werk, dem "Aufklärungsbuch zu offenen Fragen bezüglich Kreisverkehrsinsel Incognita", seinen letzten Bestseller, ehe er Ende der 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts an Bullshiteritis verstarb.

 

AREA 51 war postmodern. Einer der geheimnisumwobensten Orte der Menschheitsgeschichte, im späten 20. Jahrhundert noch die Nummer 1 unter den Mysterien. Jetzt war es eine kleine Verkehrsinsel, ein Kreisverkehr, mitten im Nirgendwo, umgeben von Rapsfeldern (die, seitdem sie Sperrgebiet war, natürlich entfernt worden, die Landwirte entschädigt waren) und jeder Menge Gegend hatte der lächerlichen AREA den Rang abgelaufen. Sie wurde zum Ober-Mysterium des noch jungen 21. Jahrhunderts.






(11.11.2019)(C) 2020 KnoKnoo


Habe mir sagen lassen, dass jeder Autor einmal eine Vampirgeschichte schreiben sollte. Als
Fingerübung, um sich die Hörner abzustoßen. Vampire boomen wie sonst nur Zombies, Werwölfe und die
allgegenwärtigen Serienkiller. Sie sind die warmen Semmeln, die man, in Form zu Eulen und Meerkatzen
gebacken, wie bereits Till Eulenspiegel lehrte, am ehesten loswird. Es wird immer einen BIS(S)
zu/zum/zur... geben, so kommt hier ein kruder Mix aus Familiensaga, Coming Of Age, Detektivgeschichte
und natürlich Horror, von STEVEN KING gesegnet, zum Einsatz, in dem ein Horror den nächsten
einschläfert.

Viel maximale Freude, Leute, beim Lesen und Eindösen...
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zur Geschichte

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