Christa Astl

Endzeitstimmung

 

 

„Tirol bleibt vorerst zu Hause“, war die letzte Meldung zur Corona-Epidemie am Sonntag, den 15.3.20.

Die Grenzen zu den Nachbarstaaten wurden geschlossen, Ausgangssperren wurden verfügt. Die Menschen dürften nur noch in Ausnahmefällen das eigene Haus verlassen. „Es ist aber erlaubt, einkaufen zu gehen, Besorgungen bei der Apotheke zu machen, Geld vom Geldautomaten abzuheben, zum Arzt zu gehen oder den Hund auszuführen“, wurde in den Medien vermeldet.

Schulen, Kirchen, Öffentliche Gebäude sind geschlossen, die Schisaison für heuer beendet.

Letzten Samstag konnte ich noch sorglos einen längeren Waldspaziergang in der herrlichen Natur machen, und plötzlich ist alles anders.

Touristen mussten abreisen, waren vielleicht schon in Angst oder zumindest Unruhe, ob sie gesund nach Hause kämen, wenn überhaupt sie das Land noch verlassen dürfen.

Wintersportzentren gleichen Geisterstädten. Hoteliers werden die Hände ringen wegen der Umsatzeinbußen.

Und die Menschen, die hier leben, geraten in Panik, wozu auch die sozialen Foren beitragen, die Angst vor ausverkauften Geschäften verbreiten und vor jedem persönlichen Kontakt abraten, ihn sogar  zu vermeiden empfehlen. Parkplätze vor den Lebensmittelmärkten sind voll, an den Kassen stehen Schlangen, vor einzelnen Abteilungen drängen sich Käufer und Käuferinnen, nicht selten kommt es zu Streit, verbalen oder gar tätlichen Auseinandersetzungen etwa um die momentan letzte Packung Milch, Mehl oder Nudeln. Und Toilettenpapier ist seit Tagen schon ausverkauft. Warum eigentlich dieses? Gerade diese Regale waren immer sehr gut bestückt mit den verschiedensten Marken und Qualitäten. Wenn vielleicht nur noch wenig auf Lager ist, scheint der Zwang noch größer zu sein, auch noch was zu erwischen, nur ja nicht das allerletzte.

Angst herrscht vor,  zu kurz zu kommen, was Lebensnotwendiges nicht mehr zu bekommen, was man im normalen Tageseinkauf kaum berücksichtigte. Doch was denn wirklich noch Lebens- wichtig?

Lange haltbare Grundnahrungsmittel hat man meist schon zu Hause, trotzdem kommt nun Angst auf, dies sei nicht genug. Nie genug haben ist auch so eine Idee der Wohlstandsgesellschaft und Konsumgesellschaft, und das bei dem Überfluss, der normalerweise herrscht!

Man könnte einfacher leben, darauf kommt wohl kaum jemand? Nur weil bisher immer alles da war und jetzt plötzlich nicht mehr? Gewohnheit, die sich nicht so leicht ändern lässt. Wo bleibt die Flexibilität, das Umstellen auf eine neue Situation? Jammern und Klagen nützt nichts. Nach vorwärts, auf ein Mehr, auf neue Waren fällt der Blick leicht, aber rückwärts? Wäre es nicht möglich, einfacher zu leben, den Konsum einzuschränken?

Die andere Seite der Medaille, was geschieht irgendwann, wenn der Alltag wieder die Macht hat, mit den gehamsterten und gehorteten Lebensmitteln? Ich möchte nicht wissen, wie viele davon weg geworfen werden, wenn man wieder frische Ware bekommt?!

Im Moment heißt es: Ruhe bewahren, Geduld haben, zufrieden sein, mit dem was wir haben. Aber die Zeit böte sich an, das Leben zu überdenken, und vor allem positiv nach vorwärts zu schauen. Es leidet noch kaum jemand Not am Lebenswichtigen. Auch soziale Kontakte können dank der Technik gepflegt werden, ein Telefon hat jeder, die meisten auch Internet. Ich weiß, es ist nur ein Ersatz, aber in dieser Zeit besonders wichtig, gerade für die alten Menschen, denen es besonders nahe gelegt wird, das Haus nicht zu verlassen.

Ich denke, je mehr die Menschen jetzt Rücksicht auf einander nehmen, die persönlichen Kontakte meiden oder zumindest den notwendigen Abstand einhalten, umso rascher kann auch diese Epidemie, besser gesagt, schon Pandemie, eingedämmt und schließlich zum Stillstand gebracht werden. Diese Hoffnung dürfen wir nicht aufgeben!!

 

 

ChA 21.03.20

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