Ingrid Grote

Krankenhäuser in Zeiten des Virus'

Gestern Abend litt mein Gatte an entsetzlichen Schmerzen, wir tippten auf Niere.
Also schnellstens in die Notfallstation im Unikum (eigentlich Uniklinikum).

Ich musste draußen bleiben wegen der neuen Virusgesetze, aber nur FAST draußen in einem großen Vorraum, ungeheizt mit sehr seltsamen sich automatisch öffnenden Türen, die aber - wenn sie sich einmal öffnen mussten, sich ungern wieder schlossen. Und dann wurde es richtig kalt.

Ich hatte leider nix Warmes an, hatte mir einen geheizten Raum für Besucher vorgestellt. Schwere Täuschung.
Die erste Stunde habe ich stehend verbracht.
Die zweite auch. Die Füße wurden immer kälter,
Die dritte im Sitzen auf dem kalten Boden, hatte mir eine Unterlage aus alten Prospekten, meiner Geldbörse und einer Kapuze gebastelt. All das fand ich in meiner Tasche.

Einer von der Security meinte irgendwann: "Gehen Sie doch in die Eingangshalle."
Ich ging zur Eingangshalle, aber alles war geschlossen, von vorne wie auch von hinten.
Immerhin habe ich hinter einem Busch meine Notdurft verrichtet, immerhin war's dunkel.

Dann wieder rein in die kalte Hölle, die Türen (viel-Rumpel-Rumpel-kalte Luft reinlass, aber zum Verrecken sich nicht in der Mitte treffen wollend) waren schlimmer geworden. Es war schweinekalt! Ich hockte mich wieder auf meine Utensilien, gefunden in meiner Tasche.
In der vierten Stunde erbarmte sich der oberste Security-Chef (alle untereinander sprachen Sprachen, die ich nicht verstand, aber sie waren nett und groß und stark... ;-)
Wo war ich, ach ja: Erbarmte sich der oberste Security-Chef, mich in die gewärmte Zone zu lassen. Er dürfe das absolut nicht, aber in diesem Fall, da würde er mal eine Ausnahme machen.
Welch eine Erleichterung, ich saß auf einem bequemen Zweisitzer, zog meine Schuhe aus, um meine eiskalten Füße zu wärmen. Meine Körpertemperatur war mittlerweile auf einen Tiefstand gefallen, will heißen: Ich fror erbärmlich! Aber dann bot mich dieser Engel hinein ins gewärmte Paradies. Ich war ihm so dankbar!
Und ich durfte sogar aufs Klo! Ich musste zweimal aufs Klo, hoffe, ich hab mir keine Blasenentzündung eingefangen - abgesehen von den schlimmeren Sachen ... Aber das weiß man ja nicht.

Als sich um 24 Uhr immer noch nix tat, bat ich einen der Securitys, mal nachzufragen.
Ha: Gatte musste über Nacht dableiben! Er hatte natürlich kein Handy dabei (ich besitze übrigens auch keins), aber er hätte immerhin irgendeinem Personal mitteilen können, dass da eine Frau rumsitzt, die auf ihn wartet und die sich womöglich den Arsch abfriert.

Egal, ich war so froh, dass ich abhauen konnte - und bin dann stramm zu Fuß nach Hause gegangen, es dauerte eine volle Stunde - und ich hielt dabei eine Schere in der Hand, so für alle Fälle. Aber es war kein Mensch auf den Straßen - und durch diesen Gewaltmarsch wurden die Füße wieder warm. Welch schönes Gefühl!
Und um meinen Gatten würde ich mich morgen kümmern ...


 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Ingrid Grote).
Der Beitrag wurde von Ingrid Grote auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Mariannas Geheimnis von Brigitte Hanisch



Lena, nach einem arbeitsreichem Leben im Ruhestand, fasst den Entschluss ein völlig neues Kapitel zu beginnen. Sie leistet sich ein Wohnmobil, mit welchem sie alsbald eine Reise zu ihren Wurzeln in ihre alte Heimat antritt. Auslöser dieses gewagten Abenteuers ist das Foto einer außergewöhnlichen schönen und vornehmen Frau, ihrer Urahne Marianna, das Lena beim Aufräumen ihres Speichers findet [...]

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Sonstige" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Ingrid Grote

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der freie Wille... von Ingrid Grote (Satire)
MANCHMAL GIBT ES NOCH KLEINE WUNDER von Christine Wolny (Sonstige)
wie meine Frau an MICH; und zu Ihrem Führerschein kam ! von Egbert Schmitt (Satire)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen