Christa Katharina Dallinger

Mein Traum vom Frühling an der Adria

 

„Volare, oh, oh… Cantare, oh, oh, oh, oh… Nel blu dipinto di blu…“ Sehnsucht! Mein Frühling an der Adria... Jetzt wäre es wieder einmal soweit. Wenn nicht da...

Ja. Heuer ist alles anders. Wer hätte das gedacht? Ein Virus stellt unser aller Leben auf den Kopf. Da hätte ich wohl mit allem anderen gerechnet, vom Erdbeben bis hin zu einem Terrorakt. Aber mit einem weltweiten aggressiven Virus... Auf diese Idee wäre ich niemals gekommen!

Wir Menschen glaubten doch alles im Griff zu haben. Die Technik, die Forschung, die Wissenschaft, unser aller Stolz! Ersatzteile für den menschlichen Körper aus dem 3 D Drucker. Roboter erledigen Hausarbeit und Pflegedienste. Genmanipulationen um Altern zu verhindern oder gar Embryos nach Wunsch zu gestalten. Alles schien möglich.

Und jetzt? Viren! Und all die Technik, all die Wissenschaft, all die Forschung, all diese Übermenschen, sie forschen, sie tun, sie geben ihr Bestes, und doch? Die Zeit läuft ihnen davon. Nun müssen sie, und auch wir, begreifen. Wir sind Menschen, keine Übermenschen. Eine Grenze wurde uns gesetzt, von einem Virus.

Weg mit diesen derzeit allgegenwärtigen Gedanken, mit diesen allgegenwärtigen Bildern!

Mein Herz und meine Fantasie tragen mich in den Süden. Das tut so gut! Ich lächle vor mich hin und schließe die Augen...

Frühling an der Adria, oder gar Vorfrühling? Irgendwo an der Grenze. So früh als nur irgend möglich, um dem üblichen Touristenvolk zu entgehen.

Die ersten sanft wärmenden Sonnenstrahlen genießen. Das kräftige Gelb der Mimosen bestaunen. Den Magnolien beim Aufblühen zusehen.

Das ist mein Frühling an der Adria, mein kleines Glück.

Hier habe ich als Kind schwimmen gelernt. Hier hat sich das erste Mal ein Junge in mich verliebt. Ich war sieben. Er war zwölf.

Enzo, ein hübscher kleiner Italiener. Er war mit seiner Oma da, ich mit meinen Eltern. Er war mir gar nicht aufgefallen. Für mich siebenjähriges Mädchen waren Jungs noch uninteressant.

Die ‘Signora‘, ein Bild von einer älteren adeligen Italienerin, die Besitzerin des Hotels, in dem wir immer wohnten, hatte es meinen Eltern erzählt. Seine Oma hatte um meine Adresse gebeten. Er wollte mir schreiben, um die deutsche Sprache besser zu erlernen. Und wir schrieben uns, seitenlange Briefe, Jahre lang, Jahrzehnte lang. Fast. In Erinnerung daran huscht ein Lächeln über mein Gesicht.

Vieles hat sich im Laufe meines Lebens verändert, nur eines ist gleich geblieben, nein, immer intensiver geworden: Bei den ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen, da zieht es mich an die Adria.

Sonnenschein auf der Haut. Märzen Sonne. Stabiles Hochdruckwetter. Er ist wieder da, mein Frühling an der Adria, und ich lebe ihn, diesmal nur im Traum.

Den ersten morgendlichen Cappuccino auf der Terrasse an der Standpromenade. Den freien Blick hinaus aufs Meer schweifen lassen. Diese Weite! Dieses Gefühl der Unendlichkeit! Immer wieder traumhaft schön! Auch in der Fantasie. Und die, die ist mir geblieben. Auch in diesen Tagen.                                                                  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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