Fritz Lenders

schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 19 )

... auf der Burg wurde das Gerenne immer schneller.
Und Gunndelheid hatte irgendwie nicht genug Gehirnmasse zur Verfügung, um alles was sie sah, auch zu begreifen.
Zumindest kam sie sich selber vor wie ein Baby, welches erst Alles lernen musste.
Staubsauger, Wasserkocher XXL , Microwellenherd, Kartoffelbrei und noch andere , viel kompliziertere Dinge.

Aber eines konnte sie als Pluspunkt  für sich und die Burg erkämpfen.
Und dies war der offene Kamin und der angeschlossene, von der Burgherrin verbesserte  Küchenofen.
Nicht zu vergessen.., mit benützbarem Backofen für Brot und Braten.

Keine Zauber- Microwelle der Welt konnte mit ihrem Ofen mithalten.
Und dies gab ihr ein ungaublich befriedigendes Gefühl.
Ebenso hatten sie in der Burgküche einige wetvolle Töpfe und Pfannen, die besser zu verwenden waren als die so empfindlichen Keramik Teile aus der Zukunft.

Die Sache mit der Zukunft hatte  Rudolf der Koch vom Jahre 2050  Gundelheid zwar erklärt, aber irgendwie war es ziemlich surrealistisch.

Die Köchin verstand absolut nicht, warum die Menschheit bei all dieser Technik und bei all diesem Wissen, nicht in der Lage war, sich selber und noch als erstes... die Erde zu retten.
Soviel Wissen.., gepaart mit soviel Egoismus und Dummheit.
Da konnte natürlich nichts Gutes dabei herauskommen.

Gundelheid verstand auch nicht, warum unbedingt verhindert werden musste, dass die Menschheit Rohöl entdeckte. 
Rohöl und Gas.
Der Segen und der Fluch der Menschheit.

Ohne das schwarze Gold würde nie ein Antriebsmotor entwickelt werden, der anschließend die ganze Welt mit stinkenden Abgasen verpestete.
Die Frage war natürlich.., würden die Menschen dafür als Alternative die ganzen Wälder abholzen um Energie zu gewinnen.
Energie für Wärme in den Häusern.

Irgendwie musste den Menschen beigebracht werden, daß die Natur das oberste Maß aller Dinge ist.
Die Natur noch wichtiger sei wie ein  Glauben, egal welcher Richtung auch immer .

Es würde ziemlich interessant werden, zu erleben, ob sich die Psyche des Menschen in eine andere Richtung drehen ließ.
Denn wenn sich die Entwicklung manipulieren ließ, würde sich die Überbevölkerung auch in natürlichem Rahmen halten.
Vielleicht.
Doch wenn sich die Menschheit zum Guten entwickelte.., würde sie vielleicht auch vor Kriegen zurückschrecken.
Und vermutlich würde die schwarze Pest und auch die spanische Grippe nicht stattfinden können.
Ganz zu schweigen von den beiden verheerenden Weltkriegen.
Ein kleiner, einfach aus Unwissenheit gemachter Rechenfehler.., könnte dazu führen, daß sie, die Zeitwanderer..., plötzlich, von einer Sekunde zur anderen ausgelöscht würden.
Einfach weg und verschwunden.., weil die Zukunft nicht in der bekannten Form mehr existieren würde und somit auch die Geburt der Ankömmlinge nie stattgefunden hätte.
Aber bisher war alles ruhig.

Und Helene war am rennen. 
Die Ärztin wollte unbedingt einen kleinen Bereich als OP- Saal ausstatten.
Ihre Helfer waren schon am Rande ihrer Kräfte.
Seit Stunden mußten sie schleppen, aufbauen, umbauen und im Falle eines Falles.. wieder abbauen.

Helene war nicht dafür berühmt.., schnell zufrieden zu sein.

Aber irgendwie bekam mit den Stunden alles schön langsam ein Gesicht.

Und als Helene rüber ging in den provisorisch eingerichteten Kommandoraum der Soldaten, konnte sie auf dem großen Monitor, der momentan aus einer Leinwand bestand.. ,
den Marsch der Dorfbewohner  sehen.
Und sie sah Armina.
Sie sah, wie vorsichtig das Mädchen mit den neuen Klamotten durch den Wald stackste.

Helene mußte so lachen und bat den Soldaten an der Navigationskonsole, mal etwas näher zu Armina herabzugleiten.
Sie spürte die Anwesenheit von Armina über die übertragenden Bilder fast körperlich.
Irgendwie kam es ihr vor, als könne sie den Duft von Arminas wehenden Haaren einatmen.
Und sie konnte hören wie das Mädchen einen ihrer Begleiter anschrie..
.: " halte Abstand von mir , du Läusehund , ich will keine kleinen Tiere auf dem Kopf bekommen "

Und Helene sah, wie vorsichtig Armina mit der neuen Bekleidung durch das Dickicht schlich.
Helene würde für Armina noch einiges an Bekleidung bereitstellen müssen.
Hoffentlich griff sie damit nicht in den Geschichtsverlauf ein.
Hoffentlich...

... Armina griff sich einen dünnen , elastischen Zweig vom Boden und machte sich daraus innerhalb einer Minute eine kleine, sehr wirksame Peitsche..
Einer der Dorfbewohner sprang über einen kleinen Graben und kam ihr so  plötzlich recht nahe.
Armina sprang zurück und schlug ihm mit ihrer Gerte quer über die nackten Waden.
Die Hose des Mannes war nämlich ziemlich zerfleddert und durch den langen Marsch im Bereich seiner Knie ziemlich abgerissen und hing in Fetzen herab.
Nun.
Jedenfalls zeichnete sich ein dünner, roter Strich quer über die hinteren Unterschenkeln des Mannes ab..

" Armina, bist du komplett verrückt geworden.. "  ... schrie der Mann.
" bleib einfach auf deiner Seite und halte Abstand zu mir..., du Läusehund, ich will keine kleinen Tiere auf meinem Kopf haben.! "...  fauchte Armina
" Und wenn ihr beide nicht die Klappe haltet, werfe ich euch zusammen kopfüber in den Graben.."...  drohte Bruno den Streithähnen.

Und plötzlich dreht Armina den Kopf nach oben und versuchte angestrengt ein komisch surrendes Ding, oben in den Bäumen zu erkennen.
Etwas glitzerndes schwebte zwischen den Bäumen. Armina sprang hinter zwei dicht zusammenstehende Bäume und ließ ihre kleine Truppe an sich vorbeiziehen. 
Durch ihre Tarnjacke war sie nicht besonderrs sichtbar und sie konnte erkennen, daß dieses Ding, oben in den Bäumen hinter ihren Begleitern herflog.
Komisch.
Komisch und irgendwie beängstigend.

Die Drohne hatte eigentlich nur kurz die Truppe im Auge gehabt und war fast schon im Begriff, weiter nach oben wegzufliegen.
Aber Helene Berchtold wollte noch ganz kurz Armina auf ihrem Weg nach Hause nachschauen.
Naja.., sie wollte.
Allerdings war Armina nicht mehr da.

Trotz der 360 Grad  Kamera war das Mädchen nicht zu sehen.
Und wenn sie weiter den Marsch beobachten wollte, musste die Drohne ihre sichere Höhe verlassen und ziemlich in Bodennähe fliegen.
Denn Bruno und seine Dorfbewohner marschierten nun im Unterholz weiter.

Der Soldat steuerte den kleinen Quaddrokopter in einer Höhe von vielleicht  4-5 Metern durch das Gebüsch.. und plötzlich...

Armina spähte vorsichtig.., fast bewegungslos ein bischen zwischen den zwei Bäumen nach Oben.
Die komische Fluggestalt senkte sich in Bodennähe und flog hinter den Leuten her. Vielleicht nur einen Meter an Armina vorbei.
Das Mädchen  zog sich ganz vorsichtig, geschützt durch die Bäume.., ihre Jacke aus.

Und plötzlich wurde es auf dem Monitor des Bereiches der einen Drohne.. 
im Kommandoraum.. der Burg
ziemlich dunkel.
Und ganz leise...!

Armina warf von vorne an den zwei Bäumen vorbei.., direkt in die Flugrichtung der Drohne..., 
ihre Jacke, ausgebreitet wie ein Fangnetz von früher, aus der Römerzeit.., aus den Gladiatorenkämpfen.

Die Drohne surrte irgendwie erschreckt und fiel wie ein Stein zu Boden.

Armina sprang zu dem Metallteil hinzu und versuchte ganz vorsichtig die Jacke etwas anzuheben.. um darunter zu blicken.

Durch den Absturz hatten die vier Rotoren aufgehört zu drehen.
Armina zog ihre Jacke ganz vorsichtig von dem komischen Ding weg.
Da lag es nun.
Bläulich silbern glitzernd.
Regungslos und eigentlich ungefährlich aussehend.
Naja, das Ding hatte weder einen Kopf noch einen Mund mit spitzen Zähnen. 
Auch keinen Schwanz mit Stachel.

Aber es hatte ein gläsern wirkendes Auge, welches sich rundum drehte.
Armina war aber heute nicht unbedingt auf Augenkontakt aus.
Sie hatte ihre schöne Jacke als Fangwaffe benützen müssen und hoffe inständig, daß am Stoff nichts kaputtgegangen war.

" Bitte..liebe Geister der Lüfte..," flüsterte sie... " Bitte laßt meine schöne Jacke heil bleiben "

Aber vorsichtshalber würde sie mit einem starken Stock auf das Ding schlagen.
Man weiß ja nie.
Fremde Drachen und Dämonen waren damals in der Bevölkerung sehr gefürchtet.

Und im Komandoraum konnte man Arminas große Augen plötzlich erkennen, als die Jacke von der Drohne gezogen wurde.
Und ihr fFlüstern.
Armina presste ihre Jacke wie ein Baby vor ihre Brust und flüsterte mit sichtbar feuchten Augen
: " bitte, Geister der Luft, bitte.. laßt meine schöne Jacke heil bleiben."

Und dann sah man auf dem Monitor, wie Armina aus dem Gebüsch einen Knüppel zog und über ihrem Kopf ausholte...

Armina zog den Stock aus dem Gebüsch und wollte dieses Ding erst mal kampfunfähig machen..
Und als sie zum Schlag ausholte...
... plötzlich diese Stimme.. :  " Armina..., mach bitte nichts kaputt. Wir wollen euch nichts tun " !

Armina ließ den Stock vor Schreck fallen.
Die Stimme.
Diese Stimme.., die sie schon den ganzen Vormittag im Kopf hatte.
Helene...!
War es Helene, die Kämpferin aus der Burg ?
Wie hatte sie sich so verwandeln können ?

" Hallo "..., Armina flüsterte mit total weichen Knien in Richtung Drohne.
" Hallo..., seid Ihr die Heilerin aus der Burg ? "
" Hallo... , warum habt ihr euch so verwandelt ?? "

Armina mußte sich kraftlos neben der Drohne zu Boden setzen. 
Ihre Dorfgemeinschaft war schon sicher 200 Meter voraus und keiner kümmerte sich um Armina , weil sie ja laufend verschwunden war und innerhalb der nächsten Minuten wieder auftauchte.
Armina war eben anderst.

Aber momentan war Armina nahe an einer Ohnmacht.

" Armina, ich erkläre dir alles genauer, wenn du in die Burg kommst, in 5 Tagen, oder auch früher. Es ist nur eine Maschiene und dir wird nichts geschehen. "

Die Rotoren begannen sich wieder zu drehen.
Alle vier Motoren surrten und das Geräte stieg wieder auf in die Luft.
Und aus dem kleinen Lautsprecher hörte Armina noch im Wegfliegen...

" lauf so schnell du kannst zu deinen Leuten..., ich warte in der Burg auf dich.., in ein paar Tagen.."

Und im Komandoraum waren die Soldaten und auch Helene erstaunt, wie leicht sie eine Drohne hätten verlieren können.
Einfach vom Himmel geholt von einem Mädchen, welches über keine besonderen Waffen verfügte.
Sie begriffen sehr schnell.., daß sie absolut nicht unangreifbar waren.
Und in dem Fall auch nicht unbesiegbar.
Irgendwie bekamen die Soldaten durch diesen kleinen, unbedeutenden Vorfall.. ein murmliges Gefühl im Magen.

Und die Verstärkung der Truppe des Bischofs war nur  noch etwa 5 Stunden von ihnen entfernt.

Das Mittagessen wollte irgendwie heute nicht so schmecken. 
Naja.., der Köchin von der Burg schmeckte es schon.
Und wie sogar...
Und sie trank zum ersten mal in ihrem Leben Kaffee.

Heiss, schwarz und süß... wie die leibhaftige Sünde




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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