Estartu

Die Sklavin

Vorwort

Hallo werte Leserschaft, nachfolgend meine neueste Geschichte. Freue mich über Eure Kritik und Anregungen. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle wieder an eine gute Freundin, die maßgeblich dazu beigetragen hat, die schlimmsten Fehler zu beheben. Und nun, viel Vergnügen beim Lesen!

Prolog

Wir befinden uns auf einer Parallelwelt der Erde namens Taura, zu einer anderen Zeit. Die Bewohner sehen genau so aus wie wir und verhalten sich auch ganz ähnlich, es gibt aber einige gravierende Unterschiede zu uns. Sie haben fast alle großen Probleme gelöst, so gibt es keine Kriege mehr und auch die meisten Krankheiten sind besiegt, allerdings zu einem sehr hohen Preis. Es gibt eine zentrale Regierung, welche die Bevölkerung auf Schritt und Tritt überwacht, nur in ihren Wohnungen sind die Menschen weitgehend unbeobachtet. Dieses Zugeständnis wurde gemacht, da es sich gezeigt hatte, dass die Menschen sich dann besser fühlen, wenn sie etwas Privatsphäre haben. Letztlich dient diese Maßnahme dazu, sie ruhig zu halten und wenigstens den Anschein von persönlicher Freiheit zu erwecken. Die Gesellschaft ist grob in zwei Klassen aufgeteilt, Freie und Sklaven, wobei die Sklaven absolut rechtlos und der Willkür der Freien, beziehungsweise ihrer Besitzer ausgesetzt sind, wohingegen die Freien ein relativ gutes und bequemes Leben führen, solange sie nicht gegen die Interessen der Regierung verstoßen. Dazu gehört auch, dass alle Freien ab einem gewissen Alter dazu angehalten werden, einen oder mehrere Sklaven zu besitzen, an denen sie dann ihre Aggressionen und ihre Unzufriedenheit auslassen können und sogar sollen. Dieser Umstand wird von der Regierung sehr ernst genommen und entsprechend sanktioniert, so soll vermieden werden, dass es zu Unruhen und Umsturzversuchen kommt. Der Sklavenhandel liegt folglich auch ausschließlich in der Hand einer Regierungsbehörde. Seit einiger Zeit hatte die Regierung notgedrungen sogar einige rudimentäre Gesetze zum Schutz der Sklaven erlassen, da es in der Vergangenheit einige zum Teil aufsehenerregende Vorfälle gegeben hatte. Damit sollen wenigstens die schlimmsten Auswüchse menschlicher Brutalität etwas eingedämmt werden. Diese Gesetze kommen aber höchst selten zur Anwendung und dienen hauptsächlich dazu, die Sklaven ruhig zu halten. Um versklavt zu werden, gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, erstens durch Geburt, das heißt Kinder von Sklaven werden später selbst welche und zweitens durch Verurteilung, entweder auf Zeit oder lebenslänglich. Weiterhin existiert eine Untergrundbewegung, die die bestehenden Verhältnisse von Grund auf ändern will. Das Ziel dieser Bewegung ist, die Freiheit und Selbstbestimmung aller Menschen wiederherzustellen. Die Regierung ihrerseits unternimmt alles, um diese Bewegung einzudämmen und in der Öffentlichkeit totzuschweigen, oder aber als Terroristen, die vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken, darzustellen. Wie es sich in Wahrheit damit verhält, wissen dagegen nur sehr wenige. Es gibt aber auch eine steigende Zahl von Menschen, die nicht organisiert sind, aber das bestehende System aus Überzeugung ablehnen und eine Abschaffung der Sklaverei fordern, was die Regierung mit nicht geringer Sorge beobachtet. Ein weiteres Problem ist, dass Empfindungen wie Mitgefühl, Toleranz und auch Liebe nicht gern gesehen und als Schwäche, die es zu beherrschen gilt, behandelt werden. Menschen, die allzu offen ihre Gefühle zeigen, leben gefährlich und können jederzeit in sogenannte Umerziehungslager gesteckt werden.

Kapitel 1

Mark war ein durchschnittlicher Typ, er hatte die vierzig bereits überschritten und gehörte zu den Privilegierten, also den Freien und lebte in einer mittelgroßen Stadt. Er war etwa einen Meter fünfundsiebzig groß, mit kurzen Haaren und leichtem Bauchansatz. Er hatte einen gut bezahlten Job, der hauptsächlich darin bestand, die Arbeit der ihm zugeteilten Sklaven bei der Produktion von Haushaltsgeräten zu überwachen. Dazu kam noch ein ebenfalls gut bezahlter Nebenjob, den er hauptsächlich deswegen mochte, da er hier nichts mit Sklaven zu tun hatte. Ein weiterer Vorteil des Jobs war, dass er nicht so oft zu Hause war, wo ihm eh nur die Decke auf den Kopf fiel. Er hatte nur wenige Freunde, was hauptsächlich daran lag, dass er ein nach außen sehr verschlossener Mensch war. Im Laufe der Jahre hatte er sich eine fast undurchdringliche Maske zugelegt, hinter der er seine Gefühle und Gedanken sehr sorgfältig verbarg. In seinem inneren sah es dagegen ganz anders aus, wie oft er nachts allein in seinem Bett lag und weinte, wusste zum Glück niemand. Mark war ein sehr sensibler Mensch, der sich Tag für Tag damit quälte, niemandem zu zeigen, wie es in ihm aussah und der das gefühlskalte, unmenschliche System abgrundtief verabscheute. Seine Beziehungen zu Frauen waren auch ein eher unerfreuliches Kapitel in seinem Leben. Er war zwar ein paar Mal verliebt, aber diese Liebe war stets unerwidert geblieben und so hatte er sich mit dem Alleinsein mehr oder weniger abgefunden. Die Einsamkeit machte ihm aber immer mehr zu schaffen, vor allem nach dem Tod seiner Eltern, den er nie richtig verarbeitet, sondern lediglich verdrängt hatte. Er sehnte sich nach einer Partnerin, mit der er sein Leben teilen konnte, nach jemandem, der ihn ehrlich und aufrichtig liebte. Das war auch ein Grund, warum er sich entgegen dem Rat seiner Freunde keine Sklavin nehmen wollte. Er befürchtete, dass eine Sklavin ihm nie ehrliche Gefühle entgegenbringen würde und das letzte, was er brauchte, war jemand, der ihm was vorspielte, denn das beherrschte er schließlich selbst nahezu perfekt. Er war für diese Welt, wie man so schön sagt, einfach nicht gemacht, für jemanden der Gewalt und Unterdrückung so sehr verabscheute wie er, waren die Zustände auch nur sehr schwer zu ertragen. Seine Dreizimmerwohnung war für ihn allein eigentlich viel zu groß und einfach, aber zweckmäßig eingerichtet. Sein einziger Luxus waren sein Computer und seine Stereoanlage. Er war jetzt auch schon längst in einem Alter, in dem er sich eigentlich eine Sklavin oder einen Sklaven hätte anschaffen müssen, Geld dafür hatte er jedenfalls genug, diese Ausrede zog also nicht. Bisher hatte er dem immer mit dem Hinweis auf seine besondere berufliche Situation, durch seinen Zweitjob als Programmierer für eine staatliche Behörde, aus dem Weg gehen können. Er wusste aber, dass das nicht mehr lange gut gehen würde, er war bereits verdächtig geworden und nur seine sehr guten Leistungen, hatten ihn bisher vor Verfolgung bewahrt. Mark war also nicht sehr überrascht, als er eines Tages die förmliche Aufforderung zu einer medizinisch, psychologischen Untersuchung bekam. Er hatte schon länger damit gerechnet und sich darauf vorbereitet. So wusste er, dass es sich hierbei um eine Art leichtes Verhör handelte, die Regierung versuchte nämlich immer zuerst auf sanftem Wege, etwaige Abweichler wieder auf Linie zu bringen und griff nur, wenn das nicht half, zu härteren Maßnahmen. Es war die typische ‚Zuckerbrot und Peitsche Politik‘. Auf der eine Seite wollte man es sich mit Leuten, die funktionierten und Leistung brachten, nicht verscherzen, auf der anderen Seite machte man aber auch ganz deutlich, was mit unbelehrbaren und Abweichlern geschieht. In dem Schreiben stand dann auch ganz klar, dass es für ihn jetzt höchste Zeit wird, sich einen Sklaven oder eine Sklavin anzuschaffen, man legte ihm nahe, dies gleich nach der erfolgten Untersuchung zu erledigen. Damit hatte Mark nun allerdings weniger gerechnet, vor allem die Eindringlichkeit des Schreibens in dieser Frage überraschte ihn doch sehr. Ihm war klar, dass er keine andere Wahl hatte, als das Spiel mitzumachen, wenn er sich nicht noch mehr Schwierigkeiten einhandeln wollte. Denn dieses Mal würden sie sicher keine Ausreden mehr gelten lassen.

Für die Untersuchung wurde Mark von der Arbeit freigestellt, ein Robottaxi brachte ihn in die dafür zuständige Behörde. Die medizinische Untersuchung überstand er ohne größere Beanstandungen, es wurde lediglich ein leicht erhöhter Blutdruck festgestellt und er bekam auch gleich ein Rezept für die dafür notwendigen Medikamente. Der psychologische Teil war völlig anders, als er sich vorgestellt hatte. Die Psychologin, die etwas älter als er war und sich als Frau Doktor Schwarz vorgestellt hatte, begrüßte ihn mit den wenig Vertrauen erweckenden Worten „Bevor wir richtig anfangen, möchte ich Ihnen klarmachen, dass wir alles über Sie wissen, versuchen Sie also gar nicht erst, uns irgend etwas vorzumachen.“ Bevor er dazu kam, ihr zu antworten, sprach sie gleich weiter „Wir wissen, dass Sie oft viel zu nachsichtig sind, oder dachten Sie ernsthaft, es bliebe uns verborgen, dass Sie an Ihre unterstellten Sklaven immer nur die geringstmögliche Strafe verhängen? Und dann Ihre beharrliche Weigerung, selbst einen Sklaven zu halten, dachten Sie wirklich, das fällt uns nicht auf?“ Er erschrak zutiefst, mit so massiven Vorwürfen hatte er nicht gerechnet, hatte sich aber gleich wieder in der Gewalt. Jetzt zahlte sich seine jahrelang antrainierte Maske voll aus. Trotzdem wusste er nicht recht, was er ihr antworten sollte, sie hatte anscheinend auch gar nicht mit einer Antwort gerechnet, sondern fuhr fort „Dies soll Ihnen als Warnung dienen und als Anregung, über Ihr Leben nachzudenken. Ihre Leistungen und die Ihres Teams sind wirklich beeindruckend, darauf können und wollen wir zumindest vorerst nicht verzichten, aber wir können auch anders, wenn Sie verstehen, was ich meine?“ Er antwortete ihr darauf nur mit einem kurzem „Ja, ich glaube schon, dass ich Sie verstanden habe.“ Sie erwiderte darauf versöhnlich „Das ist auf jeden Fall besser für Sie, glauben Sie mir und damit Sie Ihren guten Willen auch gleich beweisen können, wird Ihnen meine Kollegin Frau Haber dabei behilflich sein, einen Sklaven oder, wenn Ihnen das lieber ist, eine Sklavin auszusuchen.“ Damit war er entlassen. Mark war ziemlich verwirrt, mit einer so kurzen Untersuchung hatte er nicht gerechnet, er konnte auch nicht ahnen, dass er die Psychologin noch einmal unter gänzlich anderen Umständen wiedersehen würde, allerdings war ihm aufgefallen, dass ihre Worte nicht zur Körpersprache passten, so als trüge sie ebenfalls eine Maske. Viel Zeit darüber nachzudenken hatte er aber nicht, denn Frau Haber erwartete ihn bereits. Sie erwies sich als etwas untersetzte und mürrisch wirkende Frau, Mitte dreißig, die dem Vergleich mit einer gereizten Bulldogge durchaus standgehalten hätte. Da sie bereits informiert war, fragte sie ihn nur kurz angebunden „Sklave oder Sklavin?“, er weigerte sich, das Wort Sklavin zu benutzen und sagte stattdessen ebenso kurz „Frau“, sie nickte und deutete dann auf einen Bildschirm, an dem er eine Vorauswahl treffen sollte. Mark wusste, dass er beobachtet wurde, also gab er sich den Anschein, als würde er die angebotenen Frauen aufmerksam prüfen, in Wirklichkeit überlegte er die ganze Zeit, wie er aus der Sache herauskam, ohne im Lager zu enden. Am Ende setzte sich bei ihm die Erkenntnis durch, dass er keine Chance hatte und er tun musste, was von ihm erwartet wurde, so sehr er es auch verabscheute, einen Menschen, genauer gesagt eine Frau, als Besitz zu betrachten. Inzwischen war er schon fast auf der letzten Seite angekommen. Frau Haber hatte sein Zögern durchaus bemerkt und sagte leichthin „Weiter hinten kommen die Älteren, die eigentlich nur noch eine Chance haben, einen neuen Besitzer zu bekommen, ansonsten landen die im Arbeitslager.“ Er erschrak, wusste er doch vom Hörensagen, was Arbeitslager bedeutete, nämlich schwere Arbeit ohne jegliche Freude oder Ablenkung, geschweige denn Hoffnung bis zum Lebensende. Mühsam beherrschte er sich wieder, um nicht noch weiter aufzufallen.

Ohne es zu bemerken, war er inzwischen auf der letzten Seite angekommen, die eine Frau von vielleicht Mitte bis Ende dreißig zeigte, mit mittellangen rötlichen Haaren, normaler Figur und grünen Augen, in denen er Angst und Hoffnungslosigkeit zu erkennen glaubte. Irgend etwas an ihr zog in sofort in seinen Bann und es war als würde eine innere Stimme sagen „Nimm sie.“ Den Rest der Beschreibung nahm er gar nicht mehr richtig wahr, das einzige, dass er noch bemerkte, war, dass sie mit einem Meter fünfundsechzig etwas kleiner war als er. Ohne weiter nachzudenken, tippte er auf ihr Bild, Frau Haber bemerkte nur spitz „Na ja, war ja fast zu erwarten bei Ihrer Vorgeschichte. Sie haben aber Glück, die hat wirklich ihre allerletzte Chance, die kriegen Sie deshalb auch sehr günstig, allerdings müssen wir die dann noch etwas vorbereiten, die ist nicht in guter Verfassung.“ Mark musste bei diesen Worten schwer schlucken, er war ja schon einiges gewöhnt, aber die Menschenverachtung, mit der Frau Haber über die Frau sprach, machte ihn fassungslos. Er machte also gute Miene zum bösen Spiel und fragte „Was heißt das, nicht in guter Verfassung? Kann ich sie trotzdem sehen?“, „Na ja, ihr Vorbesitzer hat sie ziemlich stark gefoltert und wohl auch hungern lassen, sodass wir gezwungen waren einzugreifen. Sie wissen ja – die Gesetzte? Aber sehen können Sie sie natürlich“, fuhr die Frau mit völlig unbeteiligter Stimme fort „Und auch gleich mitnehmen, Sie müssten sie dann allerdings zu Hause kurieren, das wäre uns natürlich am liebsten und wir würden Ihnen dann selbstverständlich auch beim Preis noch weiter entgegenkommen.“ Mark antworte hierauf nur mit einem gepresstem „Okay, dann machen wir das so, aber vorher will ich sie sehen.“ „Das ist gar kein Problem, ich bringe Sie gleich zu ihr, in der Zwischenzeit bereiten wir schon mal den Vertrag vor.“ bekam er prompt die Antwort, Mark nickte nur und Frau Haber brachte ihn zu der Zelle, in der die Unglückliche auf ihr Schicksal wartete. Als sich die Zellentür öffnete, erschrak er doch noch einmal heftig, die Zelle war vielleicht anderthalb Meter breit und zweieinhalb Meter lang, darin befanden sich nur eine einfache Pritsche, ein kleines Waschbecken sowie eine Toilette. Jedes Tier hätte man besser untergebracht als diese Frau, die dort auf der Pritsche unter einer dünnen Decke lag. Sie sprang sofort auf und drückte sich dann voller Angst an die Wand in ihrer Zelle. Sie war eigentlich eine hübsche Frau, aber in sehr schlechtem gesundheitlichem Zustand, ihr Haar war stumpf, die Wangen blass und eingefallen. Da ihre Kleidung lediglich aus einem Slip bestand, konnte er deutlich schlecht verheilte Peitschenhiebe und etliche Blutergüsse auf ihrem Körper erkennen, außerdem stachen ihre Rippen mehr als deutlich hervor. Mark erkannte sofort, dass sie starke Schmerzen hatte, die sie aber verzweifelt versuchte zu unterdrücken. Frau Haber nahm darauf keinerlei Rücksicht und fuhr die Frau stattdessen in hartem Befehlston an „Auf die Knie Du faules Stück und begrüße Deinen neuen Herrn, sonst landest Du doch noch im Arbeitslager“, sie kniete daraufhin sofort vor Mark nieder und berührte mit ihrer Stirn den Boden. Sie hatte trotz ihrer offensichtlichen Schmerzen eine angenehme Stimme als sie die vorgeschriebene Formel sprach „Danke mein Herr, dass Ihr mich als Sklavin nehmt, ich werde Euch stets zu Diensten sein.“ Mark war völlig schockiert. Dass ein Mensch, dem es offensichtlich nicht gut ging und Schmerzen hatte, zu so einer entwürdigenden Handlung gezwungen wurde, ging über sein Vorstellungsvermögen. Als er sich wieder gefangen hatte, sagte er „Es ist gut, Du kannst jetzt wieder aufstehen.“ Als er sah, wie sie versuchte, sich langsam aufzurichten, war es mit seiner Beherrschung endgültig vorbei, ohne nachzudenken, griff er ihr unter die Arme und half ihr hoch, dann setzte er sie auf die Pritsche. Sie schlug die Augen nieder und sagte „Danke mein Herr für Eure Gnade.“ Frau Haber kommentierte das ganze mit einem süffisanten „Ts ts, was für ein Samariter, ein richtiger Gentleman.“ Mark antwortete hierauf lieber nichts, er, der Gewalt so sehr hasste, hätte sie dafür jetzt aber am liebsten erwürgt. Die Frau auf der Pritsche war durch die Worte von Frau Haber ebenfalls aufmerksam geworden und sah in ihre Richtung. In diesem Moment konnte Mark ihr direkt in die Augen sehen und wusste in derselben Sekunde, dass er sie auf jeden Fall hier herausholen würde, keinen Tag länger sollte sie so leben müssen. Diese Erkenntnis half ihm, als er sich an Frau Haber wandte und kalt sagte „Gut, ich nehme sie gleich mit, wenn Sie nichts dagegen haben, bitte machen Sie sie reisefertig, die Formalitäten können wir anschließend auch erledigen.“ Frau Haber nickte nur, geleitete ihn zurück in ihr Büro und erließ dann einige Anordnungen. Die Formalitäten waren zu Marks Überraschung schnell erledigt, er schloss bei dieser Gelegenheit auch gleich eine Krankenversicherung für seine neue Mitbewohnerin ab, er scheute sich das Wort Sklavin für sie zu verwenden. Dann wurde er zu seinem Besitz beglückwünscht und verabschiedet.

Das Robottaxi, in dem die Frau schon voller Ungewissheit wartete und das beide zurück zu seiner Wohnung brachte, bezahlte großzügigerweise die Behörde. Bevor sie losfuhren, nahm er ihr noch die Handschellen ab, mit denen sie gefesselt worden war, den Schlüssel dazu hatte er von Frau Haber erhalten. Sie antwortete wieder mit der ihm bereits bekannten Formel „Danke mein Herr für Eure Gnade“, wagte aber nicht, ihn dabei anzusehen. Sie hatte ganz einfach Angst, da sie nicht wusste, was auf sie zukam, was würde ihr neuer Herr von ihr verlangen und wie würde er sie behandeln? Das waren im Wesentlichen die Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen. Auf dem Weg nach Hause hätte Mark so gern etwas Tröstendes zu ihr gesagt, wusste aber genau, dass sie beobachtet wurden, also schwieg er lieber. Unterwegs machten sie noch einmal Halt, da Mark noch einige Dinge besorgen musste, das waren zum einen die Medikamente für ihn selbst, aber auch Salben und Verbandszeug für sie. Die freundliche Apothekerin wunderte sich zwar etwas, als sie hörte, worum es ging, denn wer betrieb schon großen Aufwand mit einer Sklavin? Beriet ihn dann aber gut und ausführlich, welche Mittel er benötigte, damit seine Mitbewohnerin schnell und ohne große Schmerzen wieder gesund wurde und keine hässlichen Narben behielt. Er bezahlte und bedankte sich. Bei der Verabschiedung fiel ihm das eigenartig wissende Lächeln der Apothekerin zwar auf, konnte sich jedoch keinen Reim darauf machen. Anschließend ging er noch in ein Bekleidungsgeschäft, um auch einige Sachen zum Anziehen zu besorgen. Da er von der Behörde einen Laserscan der Frau bekommen hatte, war es nicht schwierig mithilfe der Verkäuferin passende Sachen für sie zu finden. Nun benötigte er nur noch einige Hygieneartikel, aber das war schnell erledigt und endlich hatte er alles zusammen und sie konnten die Fahrt fortsetzen.

Kapitel 2

Zu Hause angekommen, bestand die erste Schwierigkeit darin, dass seine Mitbewohnerin doch stärker geschwächt war, als Mark zunächst angenommen hatte. Er half ihr aus dem Taxi und bemerkte, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Er überlegte keine Sekunde und bevor sie begriff was er vorhatte, nahm er sie behutsam auf den Arm und trug sie die Stufen hoch bis in seine Wohnung. Dort angekommen, setzte er sie sanft in einen Sessel, sie war derart verwirrt, dass sie nicht einmal, die ihm schon bekannte Formel hervorbrachte, da verschwand er auch sofort wieder, um die restlichen Sachen zu holen. Er ließ die Sachen erst einmal im Flur liegen, um nach ihr zu sehen, als sie ihn bemerkte, stand sie auf, warf sich ihm vor die Füße und machte Anstalten, diese zu küssen. Mark war ziemlich verdattert, damit hatte er nun überhaupt nicht gerechnet und schärfer, als er eigentlich wollte, sagte er zu ihr „Hör sofort auf damit!“, sie erschrak und antwortete „Ja Herr, natürlich, bitte bestrafen Sie mich für meinen Fehler.“ Mark sagte darauf zunächst nichts, er half ihr wieder hoch und setzte sie zurück in den Sessel. Dann setzte er sich zu ihr und sagte schon viel freundlicher „Hör mir jetzt bitte genau zu, ich weiß, dass Du so erzogen wurdest, aber ich möchte nie wieder erleben, dass Du vor mir auf die Knie gehst, hast Du mich verstanden?“, „Ja, Herr“, antwortete sie, wieder ohne ihn anzusehen. Er fuhr fort „Weiterhin möchte ich, dass Du mich, wenn wir beide allein sind, mit Mark oder einfach mit du ansprichst und Du darfst mich dabei auch gerne ansehen. Da fällt mir übrigens gerade ein, wie heißt Du eigentlich?“, sie überlegte, sollte sie ihm ihren Namen sagen? Schließlich siegte die Angst und sie antwortete „Ich habe keinen Namen, Ihr könnt mir einfach einen geben, Herr“, er sagte darauf mit nachsichtigem Lächeln „Habe ich Dir nicht eben gesagt, dass ich das Wort Herr hier in meiner Wohnung von Dir nicht mehr hören möchte? Und außerdem, Du musst doch einen Namen haben, ich meine früher …?“, er brach ab, weil er bemerkte, dass sie den Tränen nahe war und nur ihre Angst vor Strafe noch verhinderte, dass sie weinte. Er nahm dies allerdings als gutes Zeichen, denn es zeigte ihm, dass sie noch nicht völlig abgestumpft und gefühllos geworden war. Er sah unauffällig zur Seite und tat so, als hätte er nichts bemerkt und ließ ihr Zeit, sich zu sammeln, da antwortete sie zu seiner Überraschung wieder nach bekanntem Muster „Bitte verzeih‘ mir Mark, ich habe einen Fehler gemacht, bitte bestrafe mich“, er verdrehte die Augen, irgendwie hatte er das Gefühl, so nicht weiterzukommen, aber wenigstens hatte sie ihn schon mal angesehen und seinen Namen gesagt, immerhin ein Fortschritt, wenn auch ein kleiner, dachte er bei sich. Laut sagte er „Ich weiß, dass Du mir nicht vertrauen kannst und Angst vor mir hast, aber bitte glaub‘ mir, vor mir brauchst Du Dich nicht fürchten, ich werde Dir nicht weh tun und Dich schon gar nicht bestrafen, ich wüsste ja noch nicht einmal wofür. Mir ist klar, dass Du Dich nicht von heute auf morgen ändern kannst und Zeit brauchst, aber bitte versuch‘ wenigstens, keine Angst mehr vor mir zu haben und sprich mit mir.“ Daraufhin war es eine Weile still. Katya, denn das war ihr Name, überlegte, ob sie ihm glauben sollte oder nicht, denn was er gerade gesagt hatte, kam ihr zu schön vor, um wahr zu sein, andererseits hatte er ihr bis jetzt nichts getan, ganz im Gegenteil, ihr nur geholfen, warum also sollte er seine Meinung plötzlich ändern? Oder war das eine ganz fiese Masche von ihm, ihr erst Hoffnung zu machen, um sie dann umso schlimmer zu quälen? So richtig glaubte sie das allerdings nicht, irgendwie traute sie ihm so viel Bosheit einfach nicht zu, und das, obwohl sie sich schon einmal in einem Menschen schwer getäuscht hatte. Sie dachte daran, dass von ihren früheren Herren keiner auf die Idee gekommen wäre, ihr hochzuhelfen, geschweige denn, sie zu tragen, die hätten sie eher die Treppe hoch geprügelt. Dann war ihr ebenfalls aufgefallen, dass er, als er sie vorhin nach ihrem Namen gefragt hatte und sie wegen der plötzlich hochkommenden Erinnerungen den Tränen nahe war, so getan hatte, als hätte er es nicht bemerkt. Außerdem hatte er das Wort ‚bitte‘ benutzt, das schon lange keiner mehr zu ihr gesagt hatte und so gab sie sich einen Ruck und sagte immer noch etwas unsicher „Katya, mein Name ist Katya, ich hoffe, Du magst ihn?“. Er lächelte sie an und sagte erleichtert „Na endlich, ich hatte schon Angst, ich muss mir einen Namen für Dich ausdenken, da hättest Du aber wahrscheinlich nächsten Monat noch keinen und ja, Katya ist ein schöner Name und er passt irgendwie richtig zu Dir“, sie erwiderte hierauf zwar nichts, aber Mark konnte deutlich erkennen, dass sie sich freute. Er hatte das Gefühl, dass sie damit die erste Hürde genommen hatten.

Nach einer Weile meinte er dann „Ich glaube, es wird langsam Zeit, dass wir was essen, Du hast doch bestimmt schon Hunger?“, sie nickte und antwortete zögernd „Ja“, „Okay, dann werd‘ ich uns einfach fix was bestellen“, sagte er und fügte lachend hinzu „meine Kochkünste sind nämlich ziemlich miserabel, musst Du wissen, ich bin schon froh, wenn bei mir das Wasser nicht anbrennt.“ Jetzt huschte sogar so etwas wie ein kurzes Lächeln über ihr Gesicht, wie er erfreut feststellte. Um sie nicht zu verunsichern, tat er wieder so, als hätte er es nicht bemerkt und nahm stattdessen sein Tablet zur Hand und fragte sie „Was möchtest Du denn gerne essen?“. Die Frage überraschte und verwirrte sie, denn wer fragte schon eine Sklavin, was sie möchte? Prompt fiel sie wieder in ihre Rolle zurück „Ich werde selbstverständlich das nehmen, was Du mir erlaubst.“ Er antwortete ihr halb verzweifelt, halb bittend „Mädel, mach es mir doch bitte nicht so schwer, was soll ich denn machen, damit Du mir endlich glaubst, dass ich Dir nichts Böses will? Hältst Du mich wirklich für so ein Monster, dass ich Dir weh tue, nur weil Du mir gesagt hast, was Du essen möchtest, zumal ich Dich vorher danach gefragt habe?“. Sie sah ihn an und erkannte instinktiv, dass er es ehrlich meinte, sie schüttelte den Kopf bevor sie leise sagte „Nein, Du bist kein Monster, aber ich bin nicht gewohnt, gefragt zu werden, was ich möchte.“ Er erwiderte „Gut, das kann ich verstehen, ich möchte aber trotzdem, dass Du Dir, wenn ich Dir jetzt das Tablet rübergebe, selbst was aussuchst, Okay?“, „Ich werde es versuchen“ gab sie ihm zur Antwort, nahm das Tablet und schaute sich die angebotenen Menüs an. Schon nach erstaunlich kurzer Zeit gab sie es zurück und er staunte nicht schlecht, sie hatte sich ein leichtes aber vitamin- und nährstoffreiches Gericht, mit viel Gemüse, einer Art Reis und Fisch ausgesucht. Daran hatte er gar nicht gedacht, dass sie jetzt vor allem eine ausgewogene Ernährung brauchte, damit sie rasch wieder auf die Beine kam. Er lobte sie für ihre Auswahl und meinte dazu „Mhm, das sieht wirklich lecker aus, ich glaube, das nehme ich auch mal, statt Schnitzel und Fritten wie sonst immer“ und wieder sah er kurz den Anflug eines Lächelns in ihrem Gesicht.

Das Essen wurde schnell geliefert und schmeckte so lecker, wie es aussah. Mark nahm sich vor, so etwas jetzt öfter mal zu versuchen. Einige Male versuchte er Katya zu bremsen, die sich mit wahrem Heißhunger über ihre Portion hermachte, wobei er sie aber gut verstehen konnte, nach allem, was sie durchgemacht hatte und so hungrig, wie sie augenscheinlich war. Er machte sich trotzdem Sorgen, dass sie zu hastig aß „Langsam Mädchen, langsam, keiner nimmt Dir was weg, nicht dass Du nachher Bauchschmerzen bekommst“ sagte er deshalb zu ihr. Sie sah ihn an und versuchte tatsächlich etwas langsamer zu essen, war aber trotzdem noch vor ihm fertig und das wollte was heißen, war er doch sonst immer derjenige, der zuerst mit dem Essen fertig war. Nach dem Essen meinte er zu ihr „Das war wirklich lecker, danke für den Tipp, da wäre ich von allein wohl nie drauf gekommen, so was mal zu probieren“, worauf sie leise entgegnete, „Gern geschehen.“ Nach einer kurzen Pause sagte er dann zu ihr „So gegessen haben wir, jetzt wird es Zeit, dass Du erstens aus diesem furchtbaren Mantel rauskommst und ich mich zweitens um Deine Wunden kümmere, also ab in die Wanne mit Dir.“ Sie trug nämlich immer noch so eine Art Bademantel, den sie von der Behörde bekommen hatte, da sie ja keine andere Kleidung besaß. Katya sah ihn ungläubig an „Heißt das, ich darf baden? Ich meine so richtig, mit warmen Wasser?“, fragte sie zögernd. Er sah sie überrascht an „Na klar, oder hast Du gedacht, ich setze Dich in kaltes?“, antwortete er und wunderte sich ein wenig über das Leuchten in Ihren Augen mit dem sie sich bedankte, er konnte ja nicht wissen, wie sehr sie sich nach einem heißen Bad sehnte, nachdem sie, wenn überhaupt, meist nur kalt hatte duschen dürfen. Er ging also ins Bad, um das Wasser einzulassen, dann holte er sie und half ihr in die Wanne, er spürte, wie sie ein paar Mal kurz zusammen zuckte, als das warme Wasser ihre Wunden berührte, aber dann hatte sie es geschafft und streckte sich wohlig aus. Im Wasser befand sich außerdem ein Mittel, das nicht nur gut duftete, sondern gleichzeitig auch desinfizierend und heilungsfördernd wirkte. Er sah ihr an, dass sie ihn eigentlich noch etwas fragen wollte, sich aber nicht recht traute, er konnte sich aber denken, was sie wollte und sagte „So Mädchen, ich lass Dich jetzt kurz allein, ich komme dann in 20 Minuten und helfe Dir“, sie sah ihn dankbar an und versuchte sogar ein Lächeln als sie „Danke“, sagte. Mark nahm ihren Slip und den Bademantel von der Behörde und ließ beides im Müllschlucker verschwinden. Er holte die restlichen Sachen aus dem Flur und suchte die Salbe für sie raus, dann ging er zurück ins Bad.

Katya machte es ihm dieses Mal leicht, sie hatte sich schon die Haare gewaschen und war fast fertig, nur beim Rücken brauchte sie seine Unterstützung, jetzt konnte er auch zum ersten Mal ihre zum Teil recht tiefen Verletzungen sehen und ihm ging die Frage durch den Kopf, was man für ein Mensch sein musste, um einer Frau so etwas anzutun. Anschließend half er ihr aus der Wanne, trocknete sie vorsichtig ab und ging dann mit ihr ins Schlafzimmer, um ihre Wunden zu versorgen. Sie wickelte sich ganz unbefangen aus dem Handtuch und legte sich dann so, wie Gott sie geschaffen hatte‚ aufs Bett. Er fing mit ihrem Rücken an, der das meiste abbekommen hatte. Einige der Striemen waren durch das Bad wieder aufgegangen und bluteten ein bisschen, so behutsam wie möglich, tupfte er sie ab und bestrich sie mit der Salbe. Als er schließlich an ihrem Po ankam und die starken Striemen sah, die sie dort hatte, konnte er kaum glauben, dass sie damit überhaupt hatte sitzen können „Wie hast Du das vorhin bloß ausgehalten, das muss doch weh getan haben?“, fragte er, sie drehte sich zu ihm um und antwortete „Na ja, ein bisschen schon, aber sie haben mir bevor wir losgefahren sind ein Schmerzmittel gegeben, damit war es auszuhalten.“ Mark war klar, dass sie untertrieb und seine Achtung vor ihr stieg noch weiter, er wusste genau, dass er mit solchen Verletzungen bestimmt nicht hätte sitzen können, mitfühlend sagte er „Bitte sag mir jetzt aber ehrlich, wenn ich Dir weh tue, weil ich zu ungeschickt bin, ja?“, „Du tust mir nicht weh, ganz im Gegenteil, Du machst das richtig gut“, antwortete sie und er freute sich, denn er fühlte, dass sie es ehrlich meinte und langsam anfing, ihm zu vertrauen. Die Salbe zog überraschend schnell ein und stillte vor allem auch die Blutungen nahezu sofort, sodass er fast kein Verbandsmaterial benötigte, außerdem wirkte sie schmerzlindernd.

Endlich war er mit ihrem Rücken fertig und bat sie, sich umzudrehen, zum Glück waren die Verletzungen hier nicht so schlimm, aber auf ihren Brüsten und ihrem Bauch waren doch einige deutliche Striemen zu sehen. Er zögerte kurz, fing dann an, zuerst die Striemen auf ihrem Bauch zu versorgen. Katya hatte sein Zögern bemerkt und fragte leicht amüsiert „Was ist denn los, hast Du noch nie eine nackte Frau gesehen?“, sie erschrak, das war ihr jetzt einfach so rausgerutscht. Er sah sie an und sagte dann etwas verlegen „Doch, ist aber schon eine Weile her“, und war mit seinen Gedanken plötzlich ganz weit weg. Er dachte ein paar Jahre zurück, als er mit einer guten Bekannten am Strand baden war, das war tatsächlich das letzte Mal, dass er eine nackte Frau ‚in Natura‘ gesehen hatte. Ihre Stimme holte ihn aus seinen Erinnerungen „Bitte entschuldige, das wusste ich nicht, ich wollte Dich nicht verletzen, das ist mir einfach so rausgerutscht“, sagte sie und er konnte deutlich die Angst spüren, die in ihrer Stimme mitschwang, er antwortete deshalb in beruhigendem Ton „Ist schon gut, das konntest Du ja nicht wissen und außerdem finde ich es Klasse, dass Du Deinen Humor noch nicht ganz verloren hast.“ Die Erleichterung war ihr trotzdem deutlich anzusehen, als er die Salbe wieder zur Hand nahm und seine unterbrochene Tätigkeit fortsetzte. Bei ihren Brüsten zögerte er wieder kurz, sie nickte ihm auffordernd zu und er begann ganz sanft, die Striemen zu behandeln.

Inzwischen war es doch schon ziemlich spät geworden und er hatte bemerkt, dass sie schon einige Male das Gähnen nur mit Mühe unterdrückt hatte, deshalb sagte er „Ich glaube, es wird Zeit, dass Du ins Bett kommst, Du schläfst mir sonst ja gleich ein.“ Sie sah ihn verblüfft an, obwohl sie doch schon einiges von ihm gewohnt war, konnte sie nicht glauben, dass er sie wirklich in einem richtigen Bett schlafen lassen würde und fragte ihn vorsichtig „Wo darf ich denn schlafen?“, „Sieh Dich um, Du liegst schon fast richtig, allerdings ist das hier meine Seite, Du musst also rüberrutschen“ sagte er schmunzelnd und fügte entschuldigend hinzu „Ich habe zwar drei Zimmer, aber das eine ist mein Arbeits- und Trainingszimmer und da ist leider kein Bett drin.“

Bei dem Wort ‚Arbeits- und Trainingszimmer‘ zuckte Katya kurz zusammen, denn sie wusste, dass das für die meisten so eine Art Umschreibung für ‚Spielzimmer‘ war und eigentlich Folterkammer meinte, sollte das bei Mark etwa auch so sein? Sie unterdrückte den Impuls, ihn danach zu fragen, stattdessen konzentrierte sie sich erst mal auf das Nächstliegende, in dem sie fragte „Ich darf wirklich hier neben Dir schlafen?“, „Ja, natürlich“, gab er, etwas erstaunt über ihre erneute Nachfrage, zurück, hätte er gewusst, dass sie meist auf dem Boden hatte schlafen müssen, wäre ihm ihre Frage wohl weniger merkwürdig vorgekommen. „Hier, bitte, das ist für Dich“, sagte er und zeigte ihr das türkisfarbene Nachthemd, das er für sie gekauft hatte. Für einen kurzen Moment war sie völlig sprachlos, als sie sich wieder gefangen hatte, fragte sie „Das …, das ist wirklich für mich?“, „Na klar, für wen denn sonst? Ich pass‘ da bestimmt nicht rein. Ich hoffe, es gefällt Dir?“, antwortete er mit freundlichem Lächeln, worauf sie entgegnete „Vielen Dank, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll …, es gefällt mir sogar sehr, aber woher wusstest Du, dass ich Türkis mag?“, „Das hab‘ ich geraten“, sagte er mit entwaffnender Offenheit „aber ich dachte, das passt gut zu Deinen Augen, wie wär‘s, wenn Du es gleich mal anprobierst?“, „Gern“, antwortete sie und zog das Nachthemd über, dann drehte sie sich so, dass er sie von allen Seiten sehen konnte und fragte „Gefalle ich Dir damit?“, „Du siehst Spitze aus“, erwiderte er impulsiv und bemerkte, dass sie sogar ein bisschen rot wurde. Katya sah wirklich hinreißend darin aus, das Türkis bildete einen schönen Kontrast zu ihrem rötlichen Haar, es war zwar ein wenig zu weit, aber das würde sich geben, wenn er sie wieder aufgepäppelt hatte, dachte er im Stillen bei sich. Am meisten aber freute er sich darüber, dass sie jetzt endlich anfing, sich ‚normal‘ zu verhalten und ihre Angst etwas verlor. Er wünschte ihr eine gute Nacht und ging noch ins Wohnzimmer, um noch etwas fernzusehen, schließlich hatte er ein paar Tage frei und außerdem musste er den Tag auch erst mal verarbeiten.

Im Fernsehen lief allerdings wieder mal nur Müll und so beschloss er, ebenfalls schlafen zu gehen. Als er ins Schlafzimmer kam, schlief Katya bereits fest, er beobachtete noch eine Weile ihr gelöst wirkendes Gesicht und dachte kurz daran, warum die Welt so grausam und kalt war, wenn doch schon so wenig ausreichte, um einem Menschen wie Katya, das Leben leichter zu machen? Er verfluchte zum wiederholtem Male das System, das Menschen zwang, ihre Gefühle zu unterdrücken und zu Sklaven machte, dann fiel er in einen unruhigen Schlaf. Katya hatte zunächst, trotz ihrer Müdigkeit, nicht einschlafen können, zu viel ging ihr durch den Kopf. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sie wie ein Mensch behandelt werden würde. Sie war nach langer Zeit wieder richtig satt, lag in einem sauberen Bett mit einer richtigen Decke und hatte vor allem fast keine Schmerzen mehr und das alles hatte sie nur ihm zu verdanken. Katya verstand einfach nicht, warum Mark das alles für sie getan hatte, sie war doch ‚nur‘ eine Sklavin und trotzdem hatte er sie behandelt, als wäre sie seine Geliebte oder Schwester und sie eben nicht angeschrien oder geschlagen. Schließlich siegte aber doch die Müdigkeit und sie schlief ein. In der Nacht hatte sie einen furchtbaren Alptraum, sie träumte, dass sie wieder in ihrer Zelle war und ins Arbeitslager abgeholt wurde, mit einem Schrei wachte sie schließlich auf. Mark war natürlich ebenfalls wach geworden und sah sie fragend an „Was ist denn los, hast Du schlecht geträumt?“, sie zitterte am ganzen Körper und stammelte, noch immer unter den Nachwirkungen ihres Traums „Bitte, schick mich nicht wieder zurück …, bitte, ich mach alles, was Du willst, aber bitte, schick mich nicht zurück, ich will nicht im Lager sterben“, er begriff sofort was sie meinte, legte seinen Arm um sie und sagte beruhigend „Ist ja schon gut, Du brauchst keine Angst haben, ich werde Dich ganz bestimmt nicht zurückschicken, ich möchte, dass Du bei mir bleibst, es war nur ein Alptraum.“ Sie begriff jetzt erst, wo sie war und dass sie ihn geweckt hatte „Bitte entschuldige, ich wollte Dich nicht wecken, aber es hat sich so echt angefühlt, als wenn ich wirklich …“, flüsterte sie schuldbewusst. „Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, ich verstehe ja, dass Dir das Angst gemacht hat, versuch‘ jetzt einfach wieder zu schlafen ja?“, sagte er sanft zu ihr. Sie sah ihn an und nickte. „Danke“, hauchte sie noch mit einem Lächeln, dann schliefen sie fast gleichzeitig wieder ein.

Kapitel 3

Mark erwachte am nächsten Morgen ziemlich früh, blieb aber noch eine Weile liegen und lauschte Katyas ruhigen Atemzügen, sie schlief noch ganz fest, was angesichts ihrer Erschöpfung ja auch nicht verwunderlich war. Weil er nicht wieder einschlafen konnte, stand er ganz leise auf, um sie nicht zu wecken und versuchte so wenig Lärm wie möglich zu machen, als er das Frühstück vorbereitete. Dann ging er ins Schlafzimmer, um sie zu holen. Sie war inzwischen aber schon wach geworden und wunderte sich, warum er sie nicht geweckt hatte. Panik begann sich in ihr breitzumachen, denn wo gab es so was, dass eine Sklavin länger schlief als ihr Herr? Tausend Gedanken und Entschuldigungen rasten ihr durch den Kopf, auf das Einfachste, nämlich dass sie ihn immer noch völlig falsch einschätzte, kam sie allerdings nicht, dafür war der gestrige Tag auch einfach nicht ausreichend. So erschrak sie ziemlich heftig, als er sie mit einem freundlichen „Guten Morgen, hast Du gut geschlafen nach Deinem Alptraum?“ begrüßte, „Ich …, ja danke, ich habe sogar sehr gut geschlafen, aber warum hast Du mich nicht geweckt, ich meine …“, sagte sie völlig überrumpelt. „Ich wollte Dich einfach noch etwas schlafen lassen. Wie geht es Dir denn heute, hast Du noch Schmerzen?“ fragte er sie einfach unbekümmert weiter. Sie antwortete, noch immer ziemlich irritiert „Viel besser als gestern und die Schmerzen sind auch fast weg, dank Dir.“ Er erwiderte „Das freut mich, nun aber fix ins Bad, das Frühstück wartet.“ Immer noch ziemlich durcheinander verschwand sie schließlich im Bad.

In der Zwischenzeit hatte Mark einige Sachen für sie zum Anziehen bereitgelegt und freute sich diebisch, als er wieder das Vergnügen hatte, sie sprachlos zu erleben. Katya sah das einfache, aber schöne dunkelblaues Shirtkleid und glaubte immer noch zu träumen, das konnte er doch unmöglich ernst meinen? Sie begriff erst, dass es tatsächlich so war, als er lächelnd sagte „Bitte beeil Dich beim Anziehen, sonst wird der Kaffee kalt“ und in die Küche ging. Die Aussicht auf einen Kaffee brachte sie in Schwung, denn sie liebte Kaffee, hatte aber schon so lange keinen mehr trinken dürfen. Sie zog sich an und ihre Verblüffung wurde nicht kleiner, er hatte wirklich an alles gedacht, so fand sie neben passender Unterwäsche und Strümpfen sogar einen BH in der richtigen Größe vor, auch ein paar bequeme Hausschuhe hatte er nicht vergessen. Sie schaute zum Abschluss noch einmal in den Spiegel, ob alles richtig saß, dann ging sie zu ihm in die Küche. Mark pfiff anerkennend durch die Zähne, als er sie sah und rief „Wow, chic siehst Du aus!“ und das, was er gehofft hatte, trat auch tatsächlich ein, sie wurde prompt rot und fragte zweifelnd „Wirklich?“, „Ja wirklich, Du siehst einfach fantastisch aus“, antwortete er bewundernd. Sie sagte darauf nur verlegen „Danke und vielen Dank für das schöne Kleid, das hab ich doch aber gar nicht verdient“, „Papperlapapp, eine schöne Frau braucht auch ein schönes Kleid“, antwortete er, worauf das Rot in ihrem Gesicht natürlich nicht weniger wurde und bevor sie etwas erwidern konnte, fuhr er freundlich fort „Komm setz Dich und lang zu, der Kaffee ist auch gleich fertig“, „Gern“, erwiderte sie und setzte sich zu ihm. Er registrierte erleichtert, dass sie ihre Scheu langsam ablegte und jetzt endlich, auch ohne erneute Aufforderung, mit gutem Appetit zu essen begann.

Nach dem Frühstück sagte Mark zu ihr „Komm, ich möchte Dir mein Arbeits- und Fitnesszimmer zeigen“, denn er hatte ihr Zusammenzucken am Vorabend bei dessen Erwähnung durchaus bemerkt. Katya folgte ihm mit etwas gemischten Gefühlen, zwar glaubte sie inzwischen nicht mehr recht daran, dass er sie foltern würde, aber ein ungutes Gefühl blieb trotzdem. Er hatte das natürlich bemerkt und so konnte er auch deutlich ihre Erleichterung spüren, als sie feststellte, dass das Zimmer wirklich nur ein paar Trainingsgeräte, wie eine Ruderbank und einen Crosstrainer sowie seinen Schreibtisch mit Computer enthielt. Er sah sie ein wenig spöttisch an und fragte „Na, zufrieden?“, sie senkte den Kopf und sagte entschuldigend „Bitte sei mir nicht böse, aber bisher kannte ich es nicht anders, als dass so ein Zimmer eine Art Folterkammer war.“ Ernst sagte er zu ihr „Ich bin Dir nicht böse, so was Ähnliches habe ich mir schon fast gedacht, aber bitte glaub mir, ich könnte niemals einen Menschen und schon gar keine Frau quälen“, sie sah ihn an und erwiderte leise „Ich weiß.“ Abschließend bemerkte er noch, jetzt wieder viel freundlicher „Du darfst die Geräte später gerne nutzen, natürlich, nur wenn Du möchtest und auch erst, wenn Du wieder völlig okay bist“, sie antwortete darauf lächelnd „Danke, das werd‘ ich ganz bestimmt machen.“ Dann verließen sie das Zimmer und kehrten in die Küche zurück, wo er ihr noch einen Kaffee anbot, den sie dankbar annahm.

Dann sagte er zu ihr „Also, ich möchte Dir kurz erklären, wie ich mir unser Zusammenleben vorstelle“, sie sah ihn fragend an und erwiderte etwas unsicher „Ja?“ Mark fuhr also fort „Zuerst das Wichtigste, ich werde Dich zu nichts zwingen und Dich auch niemals schlagen oder sonst was in der Art tun. Ich erwarte von Dir nur etwas Vertrauen, das heißt, wenn Du irgendwas brauchst, oder es Dir nicht gut geht, möchte ich, dass Du es mir sagst. Dann hätte ich gerne, dass Du auf Dich achtest und mir ein bisschen im Haushalt und beim Kochen hilfst. Ist das so weit okay für Dich?“ Katya wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, nach allem was sie durchgemacht und erlebt hatte, klang das für sie fast wie ein Märchen. Sie verstand einfach nicht, warum er das alles überhaupt tat, schließlich beschloss sie ihn einfach danach zu fragen, denn sie brauchte endlich Gewissheit. Sie antwortete „Ja, das ist mehr als okay für mich, bitte versteh‘ mich jetzt nicht falsch, aber darf ich Dich was fragen?“, „Na klar, immer raus damit, obwohl ich mir schon fast denken kann, was“, erwiderte er. Sie holte noch einmal tief Luft, dann fragte sie „Warum machst Du das alles für mich, ich bin doch nur eine Sklavin? Du brauchst mir doch nur zu befehlen und ich werde alles tun, was Du von mir verlangst. Und warum hast Du eigentlich ausgerechnet mich ausgewählt? Du hättest doch bestimmt eine jüngere und hübschere bekommen können?“. Er sah ihr direkt in die Augen und sagte dann „Wow, das waren jetzt aber eine ganze Menge Fragen, also erstens, bist Du für mich in erster Linie ein Mensch und eine Frau, keine Sklavin. Zweitens, kann ich Gewalt und Unterdrückung einfach nicht ertragen, deshalb werde ich Dir auch nie etwas befehlen, sondern Dich höchstens um etwas bitten. Und ich habe Dich ausgewählt, weil Du mir ganz einfach gefallen hast“, sofort kam wieder etwas Farbe in ihr Gesicht, denn sie fühlte, dass er genau das gesagt hatte, was er auch meinte. Außerdem begriff sie langsam, was für ein Mensch Mark war. Leise sagte sie „Bitte entschuldige meine Fragerei, aber ich wollte einfach wissen, woran ich bin“, Mark antwortete „Ist schon okay, das versteh‘ ich doch.“ Sie lächelte und sagte „Danke, ich glaube es wird Zeit, dass ich mich nützlich mache und mich um das Mittagessen kümmere …“, er unterbrach sie und sagte lachend „Aber nur unter einer Bedingung“, „Und die wäre?“, fragte sie wieder etwas unsicher „Ich möchte, dass Du etwas kochst, was Du selbst gern isst und mir außerdem nicht verrätst was“, antwortete er. Sie sah ihn zweifelnd an „Wirklich?“, „Ja, wirklich, allerdings habe ich nicht das meiste da, ich muss nachher erst noch was einkaufen für die nächsten Tage, sonst gibt es Dosenfutter“, antwortete er grinsend.

Katya inspizierte also die Küche beziehungsweise das, was er noch da hatte und ihr kam auch sofort eine Idee, was sie daraus machen könnte. Zusammen erstellten sie dann eine Einkaufsliste, wobei es diesmal an Mark war, zu staunen. Soviel Gemüse und gesunde Sachen hatte er nämlich noch nie gekauft. Er verabschiedete sich von ihr und ging los. Katya fing in der Zwischenzeit an, zu kochen und als er zurückkam, war das Essen auch bereits fertig und es duftete verführerisch aus der Küche. Mark widerstand der Versuchung, sie zu fragen, was da so gut roch, wobei er seine Neugier allerdings nur schwer zähmen konnte. Sie erlöste ihn schließlich und wieder konnte er nur anerkennend staunen, sie hatte aus dem, was sie noch gefunden hatte, eine Art Wurstnudelpfanne gezaubert, so wie es ihre Mutter früher auch getan hatte und die sie wirklich gern aß. Gespannt wartete sie auf seine Reaktion, als er probierte. „Klasse“, sagte er begeistert, „einfach nur Klasse, so was Leckeres hab‘ ich ja lange nicht mehr gegessen, und das aus dem Bisschen, was ich noch hier hatte. Du bist ja eine richtige Zauberin“, „Ach was, ich kann doch nicht zaubern, aber ich freue mich, dass es Dir schmeckt“, antwortete sie bescheiden und er sah, dass sie sich wirklich freute. Damit war das Eis endgültig gebrochen.

Kapitel 4

In der Welt ‚draußen‘ hatte inzwischen ebenfalls eine bedeutsame Entwicklung eingesetzt. Die bisher tot geschwiegene Untergrundbewegung begann, sich immer stärker bemerkbar zu machen, dies aber gänzlich anders, als in der Regierungspropaganda berichtet. Denn anders als behauptet, griff die Bewegung, die sich etwas sperrig ‚Organisation zur Abschaffung der Sklaverei‘ oder kurz ‚OzAdS‘ nannte, nur im äußersten Notfall zu Gewalt. Sie versuchte vielmehr, die Menschen zu überzeugen in dem sie ebenfalls das Mittel der Propaganda einsetzte. Zu diesem Zweck wurden einige regierungstreue Informationskanäle gehackt und quasi zweckentfremdet. Gewalt wurde nur dann eingesetzt, wenn es galt Sklaventransporte in die Arbeitslager zu verhindern und die Unglücklichen zu befreien, allerdings wurde auch hierbei streng darauf geachtet, niemanden von den Wachen zu verletzen oder gar zu töten. So blieb es nicht aus, das selbst unter dem Wachpersonal für die Transporte hier und da Verständnis und Sympathie für die Bewegung aufkam. Die Regierung unternahm daraufhin große Anstrengungen, um die Transporte zu sichern, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Die Bewegung wuchs beinahe täglich, da es mittlerweile sehr viele Menschen gab, die sich fragten „Wozu Sklaven – wir könnten doch alle friedlich leben, ohne andere zu erniedrigen?“ Selbst innerhalb der Regierung gab es schon eine kleine, aber stetig steigende Gruppe, die das Thema ‚Sklaverei‘ zumindest schon mal kritisch betrachtete. Es fehlte eigentlich nur noch der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Inzwischen waren drei Wochen vergangen. Mark hatte von all dem fast nichts mitbekommen, dass es eine Art Untergrundbewegung gab, wusste er nicht. Er hatte zwar davon gehört, hielt das meiste davon aber nur für Gerüchte und ging wie gewohnt seiner Arbeit nach. Er bemerkte aber, dass die Behörde, für die er in seinem Nebenjob arbeitete, zunehmend nervös wurde. So wurde er eines Tages zu seinem Vorgesetzten zitiert und gefragt, ob er als Programmierer nicht eine Möglichkeit sähe, die Kontrolle über die Infokanäle zurückzubekommen, beziehungsweise die Angriffe zu unterbinden. Mark hatte keine Ahnung, was eigentlich los war und worum es ging und bat um weitere Informationen. Sein Vorgesetzter reagierte hierauf ziemlich nervös und schickte ihn schließlich mit dem Vorwand, dass die Sache doch nicht so wichtig wäre, wieder weg. Mark war zwar etwas irritiert, dachte sich aber nicht viel dabei, zumal er im Moment eh an einem anderem wichtigem Projekt arbeitete. Auf dem Weg nach Hause bekam er dann zum ersten Mal eine Vorstellung von dem, was sein Vorgesetzter gemeint hatte. Er sah auf einer großen Videowand, wo normalerweise irgendeine Werbung lief, die ihn sowieso nicht interessierte, plötzlich etwas ganz anderes. Die Wand zeigte einige Bilder von misshandelten Menschen, der zugehörige Text erläuterte, dass es sich dabei um Sklaven handelte. Die Botschaft endete mit den Fragen „Warum tun wir Menschen so etwas an? Warum Sklaverei und Menschenverachtung? Sind wir nicht alle gleich?“ Mark zuckte elektrisiert zusammen, waren es doch die gleichen Fragen, die ihn ebenfalls beschäftigten und dann die Bilder, war nicht Katya genauso misshandelt worden? Die Botschaft wurde noch einige Male wiederholt, dann erschien wieder die gewohnte Werbung, denn die zuständige Behörde hatte die Kontrolle über die Wand zurückbekommen. Mark sah sich vorsichtig um, ob er eventuell beobachtet worden war, konnte aber nichts Verdächtiges erkennen, die meisten Passanten hatten, genau wie er, gebannt auf das Video geschaut. Die Frau, die ihn unauffällig beobachtete, übersah er allerdings und so konnte er auch ihr feines Lächeln nicht sehen, als sie ging. Das Kürzel der Bewegung OzAdS und ihr Logo, welches ein paar zerbrochene Handschellen zeigte, hatten sich jedenfalls in seinem Gedächtnis eingebrannt.

Katya hatte sich in den drei Wochen glänzend erholt, die Verletzungen waren, wie die Apothekerin gesagt hatte, vollständig abgeheilt, ohne Narben zu hinterlassen. Ihr Haar glänzte und sie hatte wieder eine gesunde Gesichtsfarbe, von ihrer Unterernährung war ebenfalls nichts mehr zu sehen. Sie war regelrecht aufgeblüht und wieder eine strahlend schöne Frau. Auch menschlich waren sich Katya und Mark inzwischen näher gekommen und lebten fast wie Bruder und Schwester zusammen. Ein Außenstehender wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass Katya ‚nur‘ eine Sklavin war. Als Mark nach Hause kam, fühlte sie auch sofort, dass etwas nicht stimmte, er versuchte zwar, sich nichts anmerken zu lassen, aber sie hatte trotzdem bemerkt, dass er ziemlich durcheinander war. Sie gab ihm erst mal seinen gewohnten Kaffee und wartete ab, bis er von sich aus zu erzählen begann, was geschehen war. Er berichtete ihr also von seinem Gespräch mit seinem Vorgesetztem und von der Botschaft auf der Videowand. Sie erschrak heftig, als er die Buchstaben OzAdS erwähnte und als er sie fragte, woher sie die Abkürzung kannte, sagte sie „Das ist schon ziemlich lange her. Ich glaube, es wird sowieso Zeit, dass ich Dir meine Geschichte erzähle, damit Du weißt, mit wem Du es zu tun hast.“ Er sah sie fragend an und antwortete „Aber nur, wenn Du das wirklich willst?“ Katya nickte und fing an zu berichten „Also, ich war ja nicht immer Sklavin, ich bin erst später dazu gemacht worden. Ich hatte eine glückliche Kindheit mit liebevollen Eltern, meine Schulzeit und die anschließende Ausbildung zur technischen Zeichnerin habe ich mit recht guten Noten abgeschlossen. Die Arbeit machte mir von Anfang an Spaß, hier lernte ich auch meinen Ehemann kennen, ja Du hörst richtig, ich war verheiratet. Anfänglich waren wir ein glückliches Paar, ich habe ihn wirklich geliebt. Eine Sache trübte unser Glück aber doch sehr, ich wurde einfach nicht schwanger, obwohl wir so gern ein Kind gehabt hätten, wollte es einfach nicht klappen. Mein Mann schleppte mich darauf hin von einem Spezialisten zum anderem, immer mit demselben Ergebnis, bei mir war alles in Ordnung. Leider weigerte mein Mann sich standhaft, sich selbst mal untersuchen zu lassen. Er fing an, mir Vorwürfe zu machen, dass ich Schuld hätte und als Frau nichts tauge und so weiter, er wurde mir gegenüber immer abweisender, bis er dann sogar aus unserem gemeinsamen Schlafzimmer auszog. Er wollte nicht mit einer Frau im Bett liegen, die ihm keine Kinder schenken kann, sagte er. Ich war zutiefst verletzt und verzweifelt und versuchte alles, um meinen Mann zurückzubekommen, vergeblich. Es wurde so schlimm, dass er mich manchmal sogar schlug, wenn er nach Hause kam, ich konnte ihm einfach nichts recht machen. Irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus und zog zu meinen Eltern. Leider besserte sich meine Situation dadurch nicht, meine Eltern hatten wenig Verständnis für mich und gaben mir die Schuld. Es hagelte Vorwürfe „Wie konntest Du Deinen Mann einfach so verlassen? Stell Dich nicht so an. Wenn eine Frau keine Kinder bekommt, hat die Frau Schuld“, und so was in der Art. Ich war ziemlich am Ende, aber es sollte noch schlimmer kommen. Als ich eines Tages von der Arbeit kam, wurde ich von zwei Polizisten angehalten, ich dachte mir zuerst nichts dabei, sie sagten, dass sie meine Tasche durchsuchen müssten. Ich gab ihnen meine Tasche und mich traf fast der Schlag, als ich sah, was sie darin fanden, einige Päckchen mit irgendeiner Droge und dann das Schlimmste, Propagandamaterial von der OzAdS, von der ich vorher noch nie was gehört hatte. Ich wurde sofort verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt, alle Beteuerungen, dass mir das jemand untergeschoben haben musste, nützten nichts, niemand glaubte mir. Niemand half mir, mein Mann sagte sogar gegen mich aus und als ich sein Grinsen sah, wusste ich, wer mir das untergeschoben hatte. Sogar meine Eltern ließen mich jetzt endgültig im Stich, ich wäre nicht mehr ihre Tochter, mit einer Kriminellen wollten sie nichts zu tun haben, erklärten sie. Ich sollte sie nie wieder sehen. Für mich brach eine Welt zusammen, ich hatte doch nichts getan, ich war doch unschuldig! Selbst mein Verteidiger war keine große Hilfe, er wollte mich zu einem Geständnis überreden und dann im Gegenzug eine milde Strafe aushandeln, wobei mild so etwa 25 Jahre Sklaverei bedeuteten. Ich lehnte das rundweg ab, schließlich hatte ich nichts Unrechtes getan. Die Gerichtsverhandlung war kurz und zerstörte meine letzten Hoffnungen. Die gegen mich vorgelegten Beweise waren erdrückend, dazu kam noch die Aussage meines Mannes. Ich dagegen hatte nichts in der Hand außer meinen Unschuldsbeteuerungen. Meine Weigerung, zu gestehen, machte die Sache auch nicht besser, ich wurde zu lebenslanger Sklaverei verurteilt. Ich brach innerlich zusammen, schluchzend und weinend wurde ich aus dem Gerichtssaal geführt. Da ich nicht vorbestraft war, hatte der Richter noch eine, wie er es nannte ‚Gnadenklausel‘ eingebaut, danach könnte mich mein jeweiliger Herr nach fünf Jahren begnadigen und mir meine Freiheit zurückgeben. Ich wurde dann in ein Umerziehungslager gesteckt, wo ich drei Jahre lang auf meine möglichen Aufgaben als Sklavin vorbereitet wurde. Ich möchte da nicht so genau drauf eingehen, aber Erniedrigungen aller Art und sogar Folter waren dort völlig normal, einige meiner Leidensgenossinnen, hielten das nicht aus und nahmen sich das Leben. Ich aber wollte und will leben!“ Katya unterbrach ihren Bericht, da sie ein verräterisches Glitzern in Marks Augen bemerkt hatte „Was ist denn los?“, fragte sie ihn, „Ach nichts, alles gut“, antwortete er, sie erwiderte „Das glaube ich Dir nicht, Du hast doch irgendwas, bitte sag mir, was los ist.“ „Ich habe nur gerade daran gedacht, was Du alles durchmachen musstest und Du hast trotzdem nicht aufgegeben. Während ich ein ziemlich bequemes Leben habe und leider schon öfter daran gedacht habe …“, sagte er mit zitternder Stimme, sie sah ihn an und erwiderte erschrocken „Bitte denk nie wieder an so was, bitte, Du darfst nie aufgeben, versprich mir das ja?“ „Ich versprech‘s“, antwortete er und sie wusste einfach, dass er es ernst meinte.

Dann ging er in die Küche, um etwas zum Trinken zu holen, das war wieder ganz typisch für ihn, er ging eher selbst, als Katya zu schicken. Er brachte ihr ein Glas mit, sie dankte ihm, nahm einen Schluck und setzte dann ihren Bericht fort „Nach dem Lager wurde ich mehrmals verkauft. Mein erster Herr machte mir sogar Hoffnungen, mich zu befreien, wenn ich all seine Spielchen mitmachen würde. Hier lernte ich dann auch, was ein ‚Spielzimmer‘ war, nämlich nichts weiter als ein Raum, um Menschen zu quälen, es gab dort zum Beispiel einen Pranger sowie Streckbank und diverse Schlaginstrumente. Er verlangte von mir alle möglichen BDSM Sachen ohne, dass ich nein sagen konnte oder gar ein Safewort hatte. Manchmal trieb er es so schlimm, dass ich das Bewusstsein verlor. Natürlich dachte er nicht im Traum daran, mich freizugeben, sondern verkaufte mich wieder, als er genug von mir hatte. Herr Nummer zwei war nicht besser, allerdings auf ganz andere Art. Er hatte einen ausgeprägten Hundetick und verlangte von mir, mich wie ein Hund zu verhalten. Ich musste in einer Art Hundekorb schlafen und auch aus Hundenäpfen essen und trinken. Am schlimmste aber war, dass er sogar ein Halsband für mich hatte, um mit mir Gassi zu gehen, wie er es nannte. Glücklicherweise landete er schon nach kurzer Zeit in der Klappsmühle. So kam ich zu einem Ehepaar ohne Kinder, etwas älter als ich. Der Mann war ganz in Ordnung und behandelte mich meist anständig, ganz anders dagegen seine Frau, sie hasste mich vom ersten Augenblick an. Sie machte mir das Leben buchstäblich zur Hölle, sie erniedrigte und schlug mich, wo sie nur konnte. So war sie es auch, die ihren Mann dazu überredete, einen Käfig anzuschaffen, in dem ich dann schlafen musste. Ganz schlimm wurde es, als ihr Mann für ein paar Wochen auf Dienstreise musste, sie fing damit an, mich eingesperrt im Käfig hungern zu lassen und auch zu trinken bekam ich nichts. Ich habe sie angefleht, mir wenigstens etwas Wasser zu geben, aber sie hat mich nur ausgelacht. Immerhin erlaubte sie mir noch, zur Toilette zu gehen. Als sie bemerkte, wie ich versuchte, dabei etwas Wasser zu trinken, um meinen unerträglichen Durst wenigstens etwas zu lindern, zerrte sie mich an den Haaren in ihr ‚Spielzimmer‘ und fing an, mich gnadenlos zu verprügeln, zuerst mit einem Stock und als ihr das nicht reichte, mit der Peitsche. Irgendwann machte mein Körper dann einfach schlapp und ich verlor das Bewusstsein. Ich kam erst im Sklavenkrankenhaus der Behörde wieder zu mir, hier sagte man mir, dass mich die Frau fast tot geschlagen, schließlich aber doch einen Arzt gerufen hatte. Ja und dann kamst Du.“ Mark sah sie einfach nur eine Weile an, er wusste nicht, was er ihr sagen sollte, alles, was ihm einfiel, kam ihm zu banal und nichtssagend vor. Gleichzeitig wurde ihm klar, dass sie sogar noch viel stärker war, als er geglaubt hatte, denn er wusste, dass sie wahrscheinlich noch ziemlich untertrieben hatte. Mit Tränen in den Augen sagte er schließlich „Das tut mir alles so unendlich leid. Ich bin nicht sicher, ob ich das alles überhaupt ausgehalten hätte, während Du nicht mal daran gedacht hast, aufzugeben. Ich glaube Dir, dass Du unschuldig bist. Ich verspreche, nein ich schwöre Dir, dass Du in fünf Jahren frei sein wirst.“ Katya riss überrascht die Augen auf, was hatte er gerade gesagt? Sie und frei? Sie war ja schon einiges von ihm gewohnt und vertraute ihm, aber das hier war noch mal was ganz anderes. Wusste er überhaupt, was er gerade gesagt hatte? Sie konnte es einfach nicht glauben und fragte zögernd „Meinst Du das wirklich ernst?“, er antwortete nur „Ja, das ist sogar mein voller Ernst, ich will, dass Du wieder ein freier Mensch wirst.“ Ganz kurz dachte sie daran, ihn zu fragen, was sie dafür tun müsse, unterließ es dann aber, da sie, tief in ihrem Inneren, die Antwort bereits kannte – Nichts. Sie wusste auch, dass er sein Versprechen auf jeden Fall halten würde. Trotzdem brauchte sie noch einige Augenblicke, bis sie es wirklich begriff, dann konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten und stammelte nur noch „Danke“, er nahm sie in den Arm und fragte, um die Spannung zu mildern scherzhaft „Dir ist aber schon klar, dass Du noch fünf Jahre mit mir aushalten musst, oder?“ Sie lächelte ihn an und erwiderte „Ich glaube, das schaff‘ ich“, dieses Lächeln war es dann auch, bei dem Mark ganz warm ums Herz wurde und er sich endgültig in sie verliebte. Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile und Katya bat ihn, bloß vorsichtig zu sein, da die Regierung in Puncto OzAdS absolut keinen Spaß verstand, wie er an ihrem Beispiel sehen konnte. Er versprach ihr, auf sich aufzupassen, um nicht in die Fänge der Behörden und der Justiz zu geraten.

Kapitel 5

Mark ging wie gewohnt seiner Arbeit nach, bemerkte aber, dass die Leute zunehmend nervöser wurden und anfingen, unbequeme Fragen zu stellen. Außerdem hatte er das ungute Gefühl beobachtet zu werden. Gleichzeitig nahmen auch die Aktivitäten der OzAdS ständig zu. So wurden wieder mehrere Transporte in die Arbeitslager überfallen und die Unglücklichen befreit, wobei es zu keinerlei Gegenwehr der Wachen mehr kam. Von diesen Aktionen kursierten sogar Videos in den sozialen Netzen. Teilweise weigerten sich die eigentlich hartgesottenen Wachmannschaften, Menschen beziehungsweise Sklaven in die Arbeitslager zu überführen. Die Sympathie für die OzAdS stieg ständig an, nicht zuletzt deshalb, weil die Organisation meist gewaltlos vorging. Auch die normale Bevölkerung begann, zuerst leise, dann aber immer lauter die Abschaffung der menschenunwürdigen Sklaverei sowie der Arbeitslager zu fordern. Die Regierung konnte dies auch nicht länger ignorieren und es setzten Überlegungen ein, ob und wie eine Abschaffung der Sklaverei durchführbar wäre. Aber die Mühlen der Regierung und der Bürokratie mahlen ja bekanntlich sehr langsam. In dieser Phase fasste die OzAdS einen gewagten Plan, um die Angelegenheit zu beschleunigen und die Volksmassen zu mobilisieren.

Als Mark eines Abends, etwas früher als gewohnt, von der Arbeit kam, wunderte er sich, dass Katya ihn gar nicht begrüßte, wie sonst immer. Er ging ins Wohnzimmer und sah sie dort mit seinen Kopfhörern tanzen. Neugierig schaute er ihr eine ganze Weile zu und stellte anerkennend fest, dass sie, im Gegensatz zu ihm, richtig gut tanzen konnte und wieder verspürte er ein merkwürdiges Gefühl in der Herzgegend. Sie erschrak, als sie ihn schließlich bemerkte, nahm die Kopfhörer ab und sagte „Entschuldige bitte, ich habe Dich gar nicht kommen gehört. Du bist heute aber früh dran“. Er lächelte sie versonnen an und entgegnete „Ich hab‘ ja gar nicht gewusst, dass Du so gut tanzen kannst. Könntest Du mir das vielleicht beibringen?“ Katya errötete leicht und sagte dann „Das hab‘ ich von meiner Mama gelernt, die hatte nämlich eine Tanzschule. Wenn Du möchtest, bringe ich Dir das gerne bei, wollen wir gleich anfangen?“, „Gemach, gemach“, antwortete er lachend, „Ich glaub‘, ich mach uns erst mal einen Kaffee bevor wir loslegen“, freudig stimmte sie zu. In den nächsten Wochen brachte sie ihm dann Stück für Stück das Tanzen bei, sie war eine geduldige aber manchmal auch strenge Lehrerin und Mark erwies sich als gelehriger Schüler. Ihm war inzwischen völlig klar, dass er sie liebte und diese Liebe hatte nichts damit zu tun, dass sie ja eigentlich seine Sklavin war. Er wusste, dass es eine unmögliche Beziehung war und traute sich deshalb auch nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Das Katya ebenfalls eine ganze Menge für ihn empfand und vor demselben Problem stand wie er, bemerkte er dagegen nicht.

Ein paar Tage später unterhielten sie sich ganz entspannt bei einer Flasche Wein und Katya erfuhr jetzt auch einiges über sein Leben. Er erzählte ihr von seiner Kindheit und der anschließenden Schulzeit. Dass er in einer Firma für Haushaltsgeräte arbeitete und als leichter Computerfreak einen Nebenjob als Programmierer hatte. Sie bemerkte aber, dass er zwei Themen konsequent aussparte, zum einen, seine Eltern und zum zweiten, Frauen in seinem Leben. Sie ahnte, dass er hier versuchte, etwas zu verdrängen, beziehungsweise auch zu vergessen, was ihm anscheinend aber nicht gelang. So weit kannte sie ihn inzwischen. Schließlich entschied sie sich, ihn vorsichtig zu fragen „Darf ich Dich mal was Persönliches fragen?“, begann sie, er erwiderte erstaunt „Aber Du weißt doch, dass Du mich nicht um Erlaubnis fragen brauchst, frag einfach.“ Katya druckste etwas herum „Na ja, so einfach ist das nicht, ich denke, dass Dir das Thema unangenehm ist und ich möchte Dich ja auch nicht verletzen“, „Ach Quatsch“, entgegnete er, „nun sag endlich, was Du wissen willst.“ Katya fragte ihn also „Du hast mir noch gar nichts über Deine Eltern erzählt …“, sie brach ab, weil sie merkte, dass er sich nur noch mühsam beherrschen konnte „Bitte entschuldige, Du brauchst mir nicht zu antworten, ich versteh‘ Dich auch so“, fügte sie leise hinzu. „Nein ist schon gut, ich bin nur manchmal leider nicht so stark, wie es scheint“, antwortete er und nachdem er sich kurz gesammelt hatte, fuhr er fort, „Um Deine Frage zu beantworten, ich hatte sehr liebevolle Eltern. Ich denke manchmal, dass ich sie als Sohn ziemlich enttäuscht habe. Ich habe viel zu oft nur an mich selbst gedacht und nicht an sie. Meine Eltern haben mir fast jeden Wunsch erfüllt und ich habe ihnen dafür viel zu wenig zurückgegeben. Mein Vater starb vor etlichen Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Mir ging es damals ziemlich mies, ich musste aber stark sein, vor allem auch für meine Mutter. Als sie dann ein paar Jahre später starb, ist ein ziemlicher Teil von mir ebenfalls gestorben. Sie war schon seit einiger Zeit in Pflege, da es ihr gesundheitlich nicht gut ging und starb an dem Tag, an dem ich sie besuchen wollte. Ich habe an ihrem Bett gestanden, um Abschied zu nehmen und ich habe absolut nichts dabei gefühlt, keine Trauer, rein gar nichts, nur absolute Leere. Ich bin anschließend zur Arbeit gefahren, als wäre nichts gewesen. Ich habe den Tod meiner Eltern bis heute nicht wirklich verarbeitet, sondern das gemacht, was ich am besten kann – verdrängen.“ Katya war erschüttert, das hatte sie so nicht erwartet, mitfühlend sagte sie „Ich glaube, ich weiß, wie Du Dich fühlst, meine Eltern sind kurz nach meiner Verurteilung gestorben. Aus Gram, wie es hieß und ich bin bis heute auch noch nicht richtig darüber hinweggekommen. Ich bin mir aber sicher, dass Du Deine Eltern geliebt hast und ich glaube, dass sie das auch gespürt haben.“, „Meinst Du wirklich?“, fragte er zweifelnd. „Das meine ich nicht nur, ich weiß es“, antwortete sie.

Dann war es eine Weile still, da beide etwas Zeit brauchten, um ihre Gedanken zu sortieren und das Gehörte zu verarbeiten. Mark konnte förmlich spüren, wie es in ihr arbeitete und er ahnte auch, was als Nächstes kommen würde. Er kam ihr zuvor, in dem er sagte „Da gibt es noch eine Sache, die ich Dir sagen muss. Du hast bestimmt schon bemerkt, dass ich von Frauen wenig Ahnung habe?“, ohne eine Antwort von ihr abzuwarten, sprach er weiter, „Ich hatte noch nie eine feste Beziehung, ich hatte einfach kein Glück dabei. Mir ist auch klar, dass ich zum größten Teil selber Schuld habe. Ich habe leider nie gelernt, meine Gefühle auszudrücken, ich habe meist alles abgeblockt und nichts und niemanden an mich ran gelassen. Da brauch‘ ich mich natürlich auch nicht zu wundern, dass sich nie jemand in mich verliebt hat. Man kann sein Herz eben nicht schützen, indem man so tut, als hätte man keins. Es gab da vor einiger Zeit mal eine Frau, die es tatsächlich geschafft hat, hinter meine Fassade zu schauen. Ich habe sie wirklich ernsthaft geliebt, es dann allerdings gründlich vermasselt, ich hatte einfach nicht den Mut, ihr meine Gefühle zu gestehen. Irgendwann habe ich sie dann aus den Augen verloren. Seitdem war ich allein, bis Du dann gekommen bist.“ Katya sah ihm direkt in die Augen und erwiderte „Mir kannst Du nichts vormachen, ich weiß, dass Du ein gutes Herz hast.“, „Glaubst Du wirklich?“, fragte er, statt einer Antwort, nahm sie ihn in die Arme und küsste ihn. Mark war etwas überrascht, aber ihre Umarmung fühlte sich so gut an. Katya war ganz weich und zärtlich und er konnte deutlich die Wärme ihres Körpers spüren. Sie nahm seine Hand und sagte „Komm“, dann ging sie mit ihm ins Schlafzimmer. Sie hatte natürlich längst bemerkt, dass er völlig unerfahren war und so übernahm sie kurzerhand die Initiative. Mark und Katya verstanden sich in diesem Moment auch ohne Worte. Und so wurde es eine leidenschaftliche Nacht voller Zärtlichkeit.

Kapitel 6

In den nächsten Tagen geschah weiter nichts Bemerkenswertes, Marks Arbeitskollegen bemerkten lediglich, dass er viel besser drauf war als früher und auch insgesamt etwas lockerer wirkte. Sie schrieben dies seiner Sklavin zu und machte sich einen Spaß daraus, ihn mit teils ziemlich anzüglichen Bemerkungen aufzuziehen, die ihn aber genauso kaltließen, wie ihre dummen Sprüche als er noch allein lebte. Sie ahnten ja zum Glück nicht, dass er Schmetterlinge im Bauch hatte. Ganz unbeschwert war er aber nicht. Sein Gefühl, dass er beobachtet wurde, hatte sich noch verstärkt und außerdem machte er sich Sorgen um Katya. Er wusste, dass sie, wenn ihm etwas zustieß, unweigerlich im Arbeitslager landen würde. Dieses Schicksal wollte er ihr auf jeden Fall ersparen. Also recherchierte er im Internet, ob es eine entsprechende Möglichkeit gab, dies zu verhindern und wurde fündig. Es gab tatsächlich die Möglichkeit, dass eine Sklavin ihren Herrn sozusagen beerben und damit auch frei werden konnte. Ohne Zögern, füllte er das entsprechende Formular gleich online aus und signierte es. Bereits wenige Minuten später, bekam er die entsprechende Bestätigung, die er sicherheitshalber auch gleich ausdruckte. Damit war er zumindest eine Sorge schon Mal los. Dass er damit einen Stein ins Rollen gebracht hatte, konnte er natürlich nicht ahnen. Auch nicht, dass Frau Doktor Schwarz zufrieden lächelte, nachdem sie die Meldung über seinen Antrag erhalten hatte. Der Plan der OzAdS begann konkrete Gestalt anzunehmen, man wartete nur noch auf eine günstige Gelegenheit.

Als Nächstes stand Katyas 37. Geburtstag an und Mark hatte eine kleine Überraschung für sie geplant. Er nahm sich ein paar Tage frei, ließ sich am Abend vorher aber nichts anmerken. Er stellte bei seiner Armbanduhr den Vibrationsalarm ein, damit er rechtzeitig und ohne sie zu wecken, wach wurde. Den Wecker schaltete er einfach ab. Am nächsten Morgen stand er ganz leise auf und bereitete das Frühstück vor. Dann weckte er sie ganz sanft mit den Worten „Guten Morgen, liebe Katya und meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum Geburtstag.“ Es dauerte einige Augenblicke, bevor sie begriff, dass es kein Traum war. Sie hatte ihren eigenen Geburtstag ganz vergessen, da es in den letzten Jahren ein Tag wie jeder andere gewesen war. Entsprechend erstaunt sah sie ihn an und sagte „Danke, dass Du an meinen Geburtstag gedacht hast“, nach einem Blick auf die Uhr, meinte sie besorgt, „Aber musst Du nicht los zur Arbeit?“ Er grinste spitzbübisch und sagte „Nein, muss ich nicht, ich habe frei heute, schließlich wollen wir doch Deinen Geburtstag auch ein bisschen feiern und nun raus aus den Federn. Das Frühstück wartet und Dein Geschenk.“ Sie schüttelte leicht den Kopf und sagte lächelnd „Du bist unmöglich, weißt Du das?“, „Du könntest mir auch mal was Neues sagen“, antwortete er lachend und verschwand in die Küche. Als sie schließlich fertig war und zu ihm ging, staunte sie gleich weiter, er hatte alles vorbereitet. Es gab frische Brötchen und duftenden Kaffee „Setz Dich und greif zu“, sagte er fröhlich, „Das Geschenk gibt‘s aber erst nach dem Frühstück“, fügte er noch hinzu. Sie setzte sich zu ihm und sie frühstückten in aller Ruhe, wobei Katya nicht ganz so ruhig war. Sie war immer noch etwas überrascht, freute sich aber, dass Mark ihren Geburtstag nicht vergessen hatte und nun sollte sie sogar noch ein Geschenk bekommen. Nach dem Essen holte er zwei Gläser und eine Flasche Sekt. Er füllte die Gläser und sagte dann „Auf Deinen Geburtstag“, dann stießen sie an. Er wollte sie jetzt auch nicht mehr länger auf die Folter spannen und sagte „Liebe Katya, ich würde heute Abend gern mit Dir ausgehen und tanzen. Vorher möchte ich, dass Du Dir dazu noch ein schickes Kleid aussuchst, wenn wir nachher einkaufen gehen.“ Die Überraschung war perfekt, Katya war komplett sprachlos, sie konnte sich kaum erinnern, wann sie das letzte Mal ausgegangen war. Nicht einmal ihr Ex-Mann war jemals mit ihr tanzen gewesen und das, obwohl er wusste, wie gern sie tanzte. Sie sah ihn ungläubig an und fragte „Du willst wirklich mit mir ausgehen?“ „Ja“, sagte er lächelnd, „genau das, oder dachtest Du, ich hab‘ das Tanzen nur aus Langeweile gelernt? Sie konnte ihm nicht gleich antworten, aber das Leuchten in ihren Augen sagte ihm genug. Schließlich sprang sie auf und umarmte ihn ganz fest, bevor sie ihn küsste und „Danke“, sagte. Sie versuchte noch einen kleinen Einwand „Aber ein neues Kleid brauch‘ ich ja gar nicht, ich hab‘ doch noch eins.“ Er antwortete „Nix da, Du bekommst ein neues, schließlich ist heute Dein Geburtstag.“ Statt einer Antwort küsste sie ihn einfach noch einmal.

Am späten Vormittag fuhr Mark dann mit Katya einkaufen. Bei der Gelegenheit schickte er sie auch gleich zum Frisör. Er wartete geduldig, bis sie endlich fertig war und das Ergebnis übertraf seine Erwartungen noch bei weitem. Sie sah einfach umwerfend aus mit der neuen Frisur. Ihre Haare waren kunstvoll hochgesteckt und unterstrichen perfekt ihre natürliche Schönheit. Mark brachte nur ein bewunderndes „Wow“, heraus und weiter ging es zum Einkaufen. Entgegen Marks Erwartungen, fand sie ziemlich schnell ein passendes Kleid und das, obwohl sie bestimmt schon lange keins mehr gekauft hatte. Sie entschied sich für ein dunkelgrünes, One-Shoulder-Kleid, das ihr hervorragend stand. Er hatte mit ihr ausgemacht, dass sie ihm das Kleid nicht vorher zeigen durfte, sozusagen als kleine Überraschung für ihn, also musste er sich bis zum Abend gedulden. Vorher brauchte sie allerdings auch noch ein paar neue Schuhe und wieder gelang es Katya, ihn zu überraschen. Entgegen dem gängigen Klischee ‚Frauen und Schuhe‘, wusste sie ganz genau was sie wollte und wählte ein paar elegante aber trotzdem bequeme Schuhe aus, in denen sie gut laufen konnte. Denn schließlich wollten sie ja tanzen! Endlich hatten sie alles zusammen und verlegten das Mittagessen der Einfachheit halber, gleich in das nächste Restaurant.

Wieder zu Hause, war Katya kaum wiederzuerkennen, sie sprühte förmlich vor Lebensfreude und konnte den Abend kaum erwarten. Mark freute sich sehr, als er sie so glücklich sah, nichts anderes hatte er gewollt. Auch sein Herz schlug viel höher als sonst, denn die Schmetterlinge in seinem Bauch flatterten völlig ungeniert. Dass er mit ihr eine ungeplante Tanzstunde absolvieren musste, nahm er dafür sehr gern in Kauf. Endlich schaffte er es aber doch, sie etwas zu bremsen, sodass sie noch einen Kaffee trinken konnten, bevor es dann losgehen sollte. Beim Kaffee kamen in Katya dann doch einige schmerzhafte Erinnerungen wieder hoch. Sie dachte daran, wie es früher mit ihren Eltern beim Kaffee war und das sich ihr Ex nie wirklich die Zeit für so etwas genommen hatte, dann konnte sie die Tränen nicht länger unterdrücken. „Was hast Du, warum weinst Du?“, fragte Mark sie besorgt. „Ach nichts, ist schon gut“, antwortete sie und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, „ich musste nur gerade an meine Eltern denken und an meinen Ex.“ Mark sagte mitfühlend „Ja, ich weiß, Erinnerungen können manchmal ganz schön schmerzen. Aber wieso Dein Ex, ich dachte, Du wärst noch …?“ Sie antwortete „Verheiratet? Nein, habe ich Dir das noch gar nicht erzählt? Die Scheidung erfolgte damals zusammen mit meiner Verurteilung …“ Weiter kam sie nicht, denn Mark nahm sie in seine Arme und sagte leise „Verzeih meine dumme Frage, ich wollte Dir nicht weh tun.“, „Ich weiß“, erwiderte sie, ebenso leise. Sie hielten sich einfach noch eine Weile in den Armen und verstanden sich wieder ganz ohne Worte.

Katya war es, die schließlich sagte „Ich glaube, es wird langsam Zeit, dass wir uns fertig machen, Du weißt doch, ich brauche immer so lange im Bad“, dabei brauchte er sogar meist länger als sie. Mark hatte die Anspielung durchaus verstanden und war erleichtert, dass sie ihren Humor wiedergefunden hatte. Er sagte grinsend „Ja, ja, ist schon gut, ich geh‘ ja schon“, und verschwand im Bad. Er beeilte sich mehr als sonst und war schon nach einer halben Stunde fertig. Dann wartete er gespannt bis sie fertig war und ihm ihr neues Kleid präsentierte. Als es schließlich so weit war, hatte Katya das Vergnügen, ihn sprachlos zu erleben. Sie sah einfach fantastisch in dem Kleid aus und Mark brauchte einen kleinen Moment bevor er sagen konnte „Du bist wunderschön“, mehr brachte er nicht heraus. Katya errötete ein wenig und fragte dann zweifelnd „Wirklich?“, „Ja wirklich, Du bist einfach nur wunderschön“, entgegnete Mark mit ehrlicher Bewunderung. „Danke, aber Du siehst auch nicht übel aus. Du solltest öfter mal ein schickes Hemd anziehen, das steht Dir echt gut“, erwiderte sie, worauf ihm jetzt auch die Röte ins Gesicht stieg. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr sagte er dann, um die Verlegenheit zu überspielen „Wir müssen los, sonst ist unser Tisch weg.“ Katya nickte und sie machten sich auf den Weg.

Er hatte mit ihr abgesprochen, dass er sie als seine Freundin ausgeben würde, was ja nicht einmal gelogen war. Nur wenn sie Leute trafen, die ihn kannten, sollte sie die Rolle als seine Sklavin spielen und ihn mit Herr ansprechen. Er hoffte aber inständig, dass das nicht nötig werden würde, um ihr die Erniedrigung zu ersparen. Im Restaurant überließ er ihr dann die Auswahl des Essens und der Getränke. Ihre Wahl erwies sich als erstklassig, nur bei dem Getränk für ihn, war sie kurz unsicher, da sie wusste, dass er bestimmt gerne ein Bier genommen hätte. Ihre diesbezügliche Frage, hatte er allerdings mit dem Einwand abgetan, dass das heute ihr Tag sei und er auch nicht immer nur Bier trinken wolle. Er lächelte anerkennend, als er bemerkte, mit welcher Sicherheit sie den zum Fischgericht passenden Wein schließlich auswählte. Nach dem Essen gingen sie dann in die Bar, die sich im Keller des Restaurants befand. Mark registrierte ein wenig stolz die anerkennenden Blicke, die aber natürlich vor allem Katya galten. Er suchte und fand einen freien Tisch und bestellte, nachdem sie Platz genommen hatten, eine Flasche Champagner, „Zur Feier des Tages“, wie er lächelnd sagte. Sie stießen zum zweiten Mal an diesem Tage auf ihren Geburtstag an. Dann stand er kurz auf und ging zum DJ hinüber, dieser reagierte prompt als er hörte was gewünscht wurde und spielte ihr Lieblingslied. Mark ging zurück zu Katya, deutete eine Verbeugung an und gab ihr einen formvollendeten Handkuss. „Darf ich um diesen Tanz bitten?“, fragte er dann. Sie war etwas überrascht, so kannte sie ihn ja noch gar nicht und sie fragte sich im stillen, wo er das gelernt hatte, nahm die Aufforderung dann mit leuchtenden Augen und einem „Aber sehr gern“ an. Er führte sie auf die Tanzfläche, die bis dahin noch komplett leer war und tanzte mit ihr. Er war zwar etwas nervöser, als er sich den Anschein gab, aber er hatte diesen Tanz ja unzählige Male mit ihr geübt und außerdem gab sie ihm die nötige Sicherheit, die er brauchte. So bekam er auch gar nicht mit, dass die Gespräche ringsum langsam verstummten und die Leute gebannt auf die Tanzfläche und ihnen zu schauten. Nach dem Tanz, bekamen sie sogar einigen Applaus, worauf sie beide rot wurden, um dann lächelnd „Dankeschön“ zu sagen. Der DJ war voll in seinem Element und machte gleich mit dem nächsten Lied weiter. Mark sah Katya nur kurz fragend an, sie nickte und weiter ging es. Dieses Mal blieben sie nicht die Einzigen auf der Tanzfläche, immer mehr Paare fanden sich, angespornt durch die Beiden, zusammen. So wurde es ein schöner langer Abend. Die Stimmung war so gut und ausgelassen, dass es Mark auch nichts ausmachte, seine Tanzpartnerin einige Male wechseln zu müssen, da auch andere unbedingt mal mit Katya tanzen wollten. Auch er bekam schließlich von den Damen einige Komplimente für seine Tanzkünste. Eine Sache trübte seine Laune aber doch etwas, er fühlte sich schon seit dem Essen irgendwie beobachtet, konnte trotz aller Bemühungen jedoch nichts verdächtiges entdecken. „Ich glaub‘, ich seh‘ schon Gespenster“, dachte er bei sich und konzentrierte er sich wieder auf das Naheliegendste, nämlich den angekündigten letzten Tanz des Abends. Da ließ er den Anderen auch nicht den Hauch einer Chance mit Katya zu tanzen. Eng umschlungen stand er mit ihr auf der Tanzfläche auch dann noch, als die Musik bereits verklungen war. Sie sah ihn an und sagte so leise, dass nur er es verstehen konnte „Das war der schönste Geburtstag meines Lebens“, worauf er lächelnd und genauso leise erwiderte „Das hab‘ ich sehr gern für Dich gemacht. Du bist das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte.“ Als Antwort bekam er einen leidenschaftlichen Kuss von ihr. Inzwischen hatten fast alle Gäste die Bar bereits verlassen, sie gehörten schon mit zu den Letzten. Deshalb sagte er grinsend zu ihr „Lass uns gehen, bevor sie uns hier noch den Stuhl vor die Tür stellen.“ „Ja, Du hast recht, es wird Zeit, Schade …“, erwiderte sie. Bevor sie die Bar verließen, versprach er ihr noch, dass es ganz sicher nicht das letzte Mal war, das sie beide tanzen waren und bekam prompt noch einen Kuss.

Kapitel 7

Draußen wollte Mark dann gleich ein Taxi rufen, aber sie meinte „Die Nacht ist so herrlich, können wir nicht noch ein Stückchen laufen?“. Er stimmte gern zu und so gingen sie Arm in Arm die Straße entlang. Auf einmal hatte er das Gefühl einer drohenden Gefahr und blieb stehen, Katya schien auch etwas bemerkt zu haben, denn sie sah ihn unsicher an und fragte „Was hast Du, ist irgendwas?“ Mark antwortete ihr, ebenso unsicher „Ich weiß nicht, ich habe so ein komisches Gefühl, irgendwas stimmt hier nicht.“ Er sah sich um, konnte aber außer ein paar abgestellten Fahrzeugen am Straßenrand und der Tatsache, dass sie anscheinend allein waren, nichts Auffälliges sehen. Dass einige Fahrzeuge nicht so verlassen waren, wie es den Anschein hatte, konnte er natürlich nicht wissen. Genau in diesem Moment erlosch die Straßenbeleuchtung, es wurde schlagartig finster. Dann spürte er einen kurzen Schmerz im Nacken, ähnlich wie bei einem Insektenstich an Katyas Zusammenzucken erkannte er, dass es ihr genauso ging. Bevor er irgendwie reagieren konnte, schwanden ihm auch schon die Sinne, „Katya …“, war sein letzter Gedanke, dann wurde es schwarz um ihn. Die kräftigen Gestalten, die plötzlich wie hingezaubert zur Stelle waren, um sie aufzufangen, sah er schon nicht mehr.

Mark kam auf einer Pritsche, in einer Art Zelle wieder zu sich, erleichtert stellte er fest, dass er nicht gefesselt und geknebelt war. Er hatte allerdings keine Ahnung, wo er war und wie lange er schon hier war. Es war zum Glück nicht völlig finster, der Raum wurde durch eine Art Nachtlicht spärlich erhellt. Ihm fiel sofort auf, dass der Raum eine starke Ähnlichkeit mit der Zelle hatte, in der er Katya das erste Mal begegnet war. Sollte etwa die Behörde hinter seiner Entführung stecken? Er verwarf den Gedanken sofort wieder, die Behörde brauchte ihn nicht zu entführen, die hätten ihn einfach vorladen können. Aber wer steckte dann dahinter und vor allem, was war mit Katya? Hatte man sie ebenfalls entführt? Bei dem Gedanken an sie überkam ihn Panik, er wagte nicht daran zu denken, das ihr etwas Schlimmes passiert sein könnte. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Da wurde die Tür seiner Zelle geöffnet und drei mit Tasern bewaffnete Männer erschienen. Einer der drei sagte zynisch „Oh, ich sehe der feine Herr hat ausgeschlafen, vielleicht beliebt es ihm jetzt zu frühstücken?“. Mark sagte hierzu lieber nichts, da er nicht wusste, mit wem er es überhaupt zu tun hatte.

Er sollte es aber bald erfahren. Der Wortführer sagte hart „Los mitkommen, Du elender Sklaventreiber, oder soll ich Dir Beine machen?“. Er stand widerspruchslos auf und wurde von den Männern in die Mitte genommen. Sie führten ihn schließlich in einen anderen, wesentlich größeren Raum. Hier sah er zu seiner Erleichterung, Katya unversehrt auf einem Stuhl sitzen, umringt von einigen Männern. „Katya, Gott sei Dank, Du lebst, bist Du okay?“, rief er, wurde aber sofort brutal unterbrochen „Schnauze Du Sklaventreiber, hier redest Du nur, wenn Du gefragt wirst kapiert?“, schrie ihn der Wortführer an und stieß ihn weiter in den Raum hinein. Sie führten ihn zu zwei Pfosten, die etwa einen Abstand von anderthalb Meter zueinander hatten und fesselten ihn so dazwischen, dass er mit erhobenen Armen und leicht gespreizten Beinen, wie ein X vor ihnen stand. Katya rief ihm trotz der bedrohlich wirkenden Männer um sie herum mutig zu „Ich bin okay, sie haben mir bis jetzt nichts getan.“ Mark wunderte sich, dass die Männer sie einfach so gewähren ließen, war aber gleichzeitig auch erleichtert, dass es ihr augenscheinlich gut ging. Er ahnte, wem er da in die Hände gefallen war und erwartete nichts Gutes. Seine Ahnung wurde zur Gewissheit, als sich der Wortführer wieder an ihn wandte und mit fiesem Grinsen sagte „Ich glaube, wir haben uns noch gar nicht vorgestellt, na ja, unsere Namen sind eh egal, die brauchst Du nicht zu wissen. Wissen sollst Du aber, dass wir von der OzAdS sind. Die Abkürzung sollte Dir bekannt sein, oder?“. Mark war klar, dass der Anführer ihn demütigen wollte und auf eine Antwort wartete, um ihn nicht unnötig zu reizen, sagte er „Ja ich kenne die Bedeutung.“ „Wie schön“, fuhr der Anführer in ätzendem Ton fort, „dann brauchen wir uns ja nicht weiter vorstellen und können gleich zum gemütlichen Teil übergehen. Gemütlich natürlich nur für uns, nicht für Dich, Sklaventreiber.“ Mark hatte plötzlich grässliche Angst, nicht um sich, sondern um Katya und sagte deshalb „Ihr könnt mit mir machen was Ihr wollt, aber bitte, lasst sie gehen, sie hat Euch doch nichts getan.“ Der Anführer entgegnete darauf wütend „Du hast hier gar nichts zu melden, Sklaventreiber, außerdem weißt Du ganz genau, dass sie nirgendwo hingehen kann, ohne im Arbeitslager zu landen.“ „Du irrst Dich, sie kann, denn wenn mir etwas zustößt, ist sie frei. Sie ist meine Erbin“, entgegnete Mark kalt. Katya sah ihn erstaunt an und fragte „Ist das wahr?“, „Ja, ich hatte aber noch keine Gelegenheit, es Dir zu sagen, bitte verzeih‘ mir“, antwortete er. Sie wollte gerade noch etwas sagen, als der Anführer grob, dazwischenfuhr „Ich hab‘ genug, von Eurem Gequatsche“ und an Katya gewandt, „Glaub‘ diesem Sklaventreiber kein Wort, er lügt, um seine Haut zu retten.“ Dabei übersah er geflissentlich, dass Mark damit ihre Haut retten wollte und nicht seine. Außerdem wusste sie, dass Mark sie niemals anlügen würde, schon gar nicht bei so wichtigen Dingen. Aber das würde der Kerl sowieso nicht verstehen, also schwieg sie lieber.

Der Anführer sagte dann spöttisch zu Katya „Ich habe gehört, Du hattest Geburtstag? Da will ich natürlich nicht unhöflich sein und habe sogar ein Geschenk für Dich.“ Er hielt ihr eine Peitsche hin und fuhr fort „Hier nimm und zieh‘ dem Sklaventreiber damit ordentlich was über, dann lass‘ ich Dich gehen und Du bist frei.“ Sie zögerte keine Sekunde und antwortete impulsiv „Niemals, das kann und werde ich nicht tun, denn ich liebe ihn, eher sterbe ich.“ Mit dieser Antwort hatte der Anführer anscheinend nicht gerechnet, denn er war sichtlich verblüfft. Auch Mark war überrascht, was hatte sie gerade gesagt? Sie liebt ihn? Er konnte es kaum glauben und trotz seiner misslichen Lage schlug sein Herz gleich viel höher. Er rief ihr zu „Bitte, Katya tu was er sagt, kümmer Dich nicht um mich. Bitte, rette Dich!“ Der Anführer sagte grinsend zu ihr „Hör auf das, was Dein Herr Dir sagt. Letzte Chance, tu es!“, „Niemals“, antwortete sie fest und fügte mit Tränen in den Augen hinzu „Ihr wollt die Sklaverei abschaffen, mit solchen Methoden? Ihr seid kein Stück besser als die Schergen von der Regierung. Ich verachte Euch!“. Der Anführer ging hierauf natürlich nicht ein, sondern meinte nur „Okay wie Du willst, Chance vertan. Jetzt wirst Du gleich selbst erleben, was Dein Sklaventreiber mit Dir anstellt, um sein erbärmliches Leben zu retten. Dann weißt Du, was Deine Liebe wert ist, nämlich nichts.“ Er winkte seinen Leuten und Mark wurde losgebunden und Katya musste seinen Platz einnehmen. Ohne Gegenwehr ließ sie sich zwischen den Pfosten festbinden. Der Anführer baute sich vor Mark auf und sprach „Ich gebe Dir nur diese eine Chance, also nutze sie. Nimm die Peitsche und prügel Deiner Sklavin das Kleid vom Leib, dann kannst Du gehen.“ Katya rief verzweifelt „Tu es einfach, ich bin doch nur eine Sklavin …“ Mark nahm die Peitsche und sagte zu ihr „Nein, für mich bist Du keine Sklavin. Du bist die Frau, die ich liebe“, dann warf er dem Anführer die Peitsche vor die Füße. Der war dieses Mal noch verwirrter als zuvor, damit hatte er nun überhaupt nicht gerechnet. Er brauchte einige Augenblicke bis er mitleidlos sagte „Oh, was haben wir denn hier? Ein richtiges Liebespaar! Das nützt Euch aber auch nichts. Ich verurteile Euch zum Tode durch Verbrennen! Vorher bekommt Ihr eine Injektion, Ihr werdet also nichts spüren, schließlich sind wir keine Barbaren.“ Mark und Katya nahmen das Urteil relativ gefasst auf, sie hatten sich schon vorher damit abgefunden, dass sie hier wahrscheinlich nicht lebend rauskommen würden. All die Schauergeschichten über die OzAdS schienen sich zu bewahrheiten. Irgendwas stimmte aber ganz und gar nicht, so waren bei den bisherigen Überfällen der Organisation nie Menschen ernsthaft verletzt oder gar getötet worden. Woher jetzt also plötzlich diese Gnadenlosigkeit? Mark appellierte an das Mitleid des Anführers und fiel vor ihm auf die Knie und flehte „Bitte, ich flehe Dich an, bitte, lass sie gehen.“ Bevor der Anführer antworten konnte, rief Katya „Nein! Ich gehe nur mit Dir! Ich lass‘ Dich nicht allein!“. Gnadenlos kam jetzt die Antwort des Anführers „Auf keinen Fall, sie geht nirgendwo hin, aber freut Euch, Ihr werdet zusammen sterben. Zum Geburtstag und weil ich heute gute Laune habe, schenke ich Euch noch eine Stunde zum Abschied nehmen, bevor wir Euch hinrichten.“ Er winkte wieder seinen Leuten und Katya wurde losgebunden. Mark stürmte, unbeeindruckt von den ihn in Schach haltenden Männern, zu ihr und nahm sie in die Arme. Mit Tränen in den Augen, traurig aber trotzdem stolz sagte er dann zu den Männern „Ihr glaubt vielleicht, Ihr habt gewonnen, aber in Wirklichkeit habt Ihr verloren! Unsere Liebe ist stärker als Ihr! Und eines Tages fällt das was Ihr uns antut, vielleicht auch auf Euch zurück. Ihr tut mir einfach nur leid!“. „Wie Du meinst“, sagte der Anführer höhnisch grinsend und zu seinen Leuten, dann „Bringt sie weg!“ Die Männer brachten Mark und Katya in eine Zelle und ließen sie allein.

Der angebliche Anführer, sein Name war übrigens Andre, machte sich schwere Vorwürfe. War er zu weit gegangen? Hatte er zu sehr übertrieben? Er war auf dem Weg ins Büro, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Im Büro erwartete ihn Frau Doktor Schwarz bereits, denn sie war der Kopf hinter dieser ganzen Aktion. Sie war erst später gekommen, denn sie war noch unterwegs, als sie die Nachricht über die geglückte Entführung bekam. Auf ihrem Monitor hatte sie dann alles mitangesehen beziehungsweise mitangehört. Sie begrüßte ihn „Hallo Andre, ich möchte gleich zur Sache kommen, ich will ‚unsere beiden‘ nicht noch länger quälen. Du hast Deine Rolle erstklassig gespielt – Respekt.“ Er nannte sie beim Vornamen, wie in der Organisation allgemein üblich und entgegnete „Hallo Sabine, meinst Du, unser Plan funktioniert? Und was meine Rolle angeht, als dieser Mark die Peitsche genommen hat, dachte ich kurz, er tut es wirklich und schlägt sie. Und als er vor mir auf die Knie gegangen ist, wäre ich fast schwach geworden, damit hab ich überhaupt nicht gerechnet. Einige meiner Leute, hatten sogar schon Tränen in den Augen. Das wäre keine fünf Minuten länger gutgegangen. Wie bist Du überhaupt auf die Beiden gekommen?“. Sie antwortete „Ob unser Plan funktioniert, weiß ich leider auch nicht, ich hoffe es. Kommt auch drauf an, ob die Beiden mitspielen. Du weißt ja, ohne ihr Einverständnis, läuft nichts. Ich habe alles gesehen und ich wusste, dass er das niemals tun würde. Er würde sich wahrscheinlich eher vierteilen lassen, als sie zu schlagen. Ich bin jedenfalls tief beeindruckt von den Beiden, aber von Dir und Deinen Leuten natürlich auch. Wenn das nicht funktioniert, dann weiß ich auch nicht … Na ja, ich bekam Marks Akte, als er anfing auffällig zu werden – Du weißt schon wie ich das meine. Von da an habe ich ihn unauffällig überwachen lassen. Du kennst ja Nicky, unsere Hackerin, für sie war es kein Problem mir Zugang zu all seinen Dokumenten und Anträgen zu verschaffen. Fehlte nur noch eine passende Frau und da kam dann Katya ins Spiel. Sie ist zu lebenslanger Sklaverei verurteilt worden, obwohl sie unschuldig war.“ Andre fragte „Woher weißt Du das denn nun schon wieder und hast Du etwa nachgeholfen, dass die Beiden sich begegnet sind?“. „Wir haben das Testament ihres Ex-Mannes gefunden, er hat sich zwei Jahre nach ihrer Verurteilung das Leben genommen. Darin gibt er sogar unter Eid zu, seiner Frau die angeblichen Beweise untergeschoben zu haben. Wir haben die Papiere ja bereits zusammen mit den anderen veröffentlicht. Und nein, ich habe nicht nachgeholfen, dass er sie gewählt war wirklich Zufall oder auch Glück, jedenfalls passen die Beiden perfekt zusammen“, entgegnete Sabine. „Und die Behörde hat sie nicht informiert, das Urteil nicht aufgehoben?“, fragte Andre zweifelnd, „Nein, hat sie nicht, Du weißt doch, Götter machen keine Fehler und so verschwand die Akte einfach in irgendeiner Schublade. Bis wir sie gefunden haben.“ antwortete sie. „Eine Frage hab‘ ich aber noch, woher hast Du gewusst, wie dieser Mark tickt?“, fragte er, sie erwiderte „Das ist eine lange Geschichte, ich gebe Dir die Kurzfassung. Mark ist einer von den wenigen Hochsensiblen, die es bei uns gibt, das heißt er fühlt stärker und nimmt mehr und bewusster wahr als andere. Dass er damit in unserer Gesellschaft ziemliche Probleme hat, brauche ich wohl nicht weiter erwähnen. Für uns war er deshalb so interessant, weil er ein sehr starkes Gerechtigkeitsempfinden hat und Gewalt und Unterdrückung ablehnt. Und nach dem Bericht von Yvonne, der Apothekerin, wusste ich, dass er der richtige ist. Und erst recht nach dem er Katya bereits einige Tage, nach dem sie bei ihm quasi eingezogen war, alle Freiheiten gab, die eine Sklavin überhaupt bekommen kann. Sogar eine Kreditkarte hat er ihr gegeben. Sie wiederum hat sein Vertrauen nie ausgenutzt und war im Gegenteil auch immer für ihn da, so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Beiden sich verliebten. Was ja, wie Du selbst eben erlebt hast, auch geschehen ist. Ja und der letzte Punkt war dann das Testament, das er zu ihren Gunsten verfasst hat. So das muss nun aber erst mal reichen, alles weiter später. Ich gehe die Beiden jetzt mal erlösen. Bin gespannt, wie sie es aufnehmen werden und ob sie mich wiedererkennen.“ Andre fragte „Soll ich nicht besser mitkommen?“, Sabine lächelte und antwortete „Danke, aber ich glaube es ist besser, wenn ich zuerst allein mit ihnen spreche. Du kannst ja dann später noch mal kurz reinschauen?“. „Okay, bis später dann“, antwortete er und Sabine machte sich auf den Weg. Sie war allerdings deutlich nervöser, als sie zugab. Unterwegs überlegte sie, was sie den Beiden sagen sollte, aber irgendwie wollten ihr die richtigen Worte nicht einfallen. Inzwischen hatte sie die Zelle erreicht, sie sammelte sich kurz und öffnete die Tür, die im Übrigen nicht einmal abgeschlossen war.

Kapitel 8

Mark und Katya waren allein in der Zelle. Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, fielen sie sich in die Arme. Keiner von beiden sagte etwas, was sollten sie auch sagen? Jedes Wort hätte die ohnehin unerträgliche Situation nur noch schlimmer gemacht. Beiden liefen die Tränen übers Gesicht. Sie wussten nicht, wie viel Zeit sie noch hatten, bis Katya schließlich flüsterte „Küss mich bitte“. Er küsste sie ganz zärtlich und schmeckte dabei das Salz ihrer Tränen auf seinen Lippen. So standen sie noch, als sich die Tür hinter ihnen öffnete. Ohne sich umzusehen, riefen sie, wie aus einem Munde „Wir sind bereit!“. Sabine fragte „Bereit, wozu? Vielleicht uns zu helfen?“. Mark fuhr erschrocken herum, diese Stimme hätte er unter Tausenden erkannt. Die Frage war, wie kam Frau Doktor Schwarz plötzlich hierher und was hatte sie mit der Sache zu tun? Sollte etwa doch die Behörde dahinter stecken? Katya erschrak ebenfalls, auch sie hatte die Frau sofort wiedererkannt. Bevor die Beiden irgendwas sagen konnten, sprach Sabine gleich weiter „Ich will nicht lange herumreden – Ihr seid frei! Wir werden Euch, wenn Ihr wünscht, gleich nach Hause bringen. Wir sind eine Befreiungsorganisation und keine Mörder. Ich bitte Euch aber, mir vorher wenigstens die Chance zu geben alles zu erklären?“. Mark und Katya sahen sich vollkommen verwirrt an, eben noch hatten sie mit ihrer Hinrichtung gerechnet und nun plötzlich frei und wieder nach Hause? Und was wollte Frau Doktor Schwarz ihnen erklären? Sie brauchten verständlicherweise einige Augenblicke, bis sie sich wieder einigermaßen gefangen hatten. Dann nickten sie und Mark sagte etwas sarkastisch „Wir sind gespannt auf Ihre Erklärung.“ Sabine lächelte erleichtert und sagte dann „Bitte nennt mich einfach Sabine, ja? Ich schlage vor, dass wir in mein Büro gehen, da redet es sich angenehmer. Ihr zwei seht außerdem so aus, als könntet Ihr einen Kaffee oder einen Schnaps vertragen? Folgt mir bitte.“ Beide nickten wieder nur und folgten Sabine in ihr Büro.

Hier bot sie ihnen erst mal einen Kaffee an, um die angespannte Situation etwas zu lösen. Dann aber kam sie zur Sache und sagte „Ich möchte mich zuerst in aller Form bei Euch entschuldigen. Ich mag mir kaum vorstellen, was Ihr in den letzten Stunden durchgemacht habt. Ich kann Euch nur bitten, mir zu vertrauen. Wir brauchen Eure Hilfe.“ „Hilfe, wobei?“, fragte Katya, die sich als erste wieder einigermaßen im Griff hatte. Und Sabine entwickelte ihnen den Plan der OzAdS. Danach sollte, um die Regierung verhandlungsbereit zu machen und die Öffentlichkeit zu mobilisieren, eine Videokampagne gestartet werden. An Material mangelte nicht, nur war das alles nicht das, was man brauchte, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Man brauchte etwas, das mitten ins Herz traf. So war man auf die Idee gekommen, Liebespaare aus Sklavin und Herr oder auch aus Sklave und Herrin auszuspähen. Einige waren dann ebenfalls entführt worden und man hatte den gleichen ‚Test‘ mit ihnen gemacht, den Mark und Katya noch in unguter Erinnerung hatten. An dieser Stelle sprang Katya auf und rief, ziemlich wütend „Hab‘ ich das richtig verstanden, Ihr habt mit uns und unseren Gefühlen gespielt? Wisst Ihr überhaupt, was Ihr uns angetan habt? Welche Ängste wir ausgestanden haben? Was wäre denn gewesen, wenn einer von uns das ‚Spiel‘ mitgemacht hätte, ich meine mit der Peitsche …“ Sabine antworte verständnisvoll „Ja wir haben mit Euch gespielt und es tut mir leid. Mir ist klar, dass es falsch war und was wir Euch damit angetan haben, aber wir brauchen etwas, das den Menschen Hoffnung gibt. So etwas wie ein starkes Symbol und wir glauben, dass Ihr und Eure Liebe genau dieses Symbol sein könntet. Aber Ihr müsst mir glauben, wir hätten niemals zugelassen, das jemand geschlagen wird. So etwas gibt es bei uns nicht. Wir wären sofort eingeschritten und hätten die Aktion abgebrochen.“ Bei den letzten Worten schimmerte es in ihren Augen sogar ein bisschen feucht. Katya bemerkte es und fühlte, dass Sabine es ehrlich meinte. Sie beruhigte sich daraufhin etwas und setzte sich wieder. Der Plan der Organisation bestand also darin, ein geeignetes Paar zu finden, dessen Liebe so stark war, dass sie sogar dafür sterben würden. Davon sollte dann ein Video aufgenommen werden und dieses dann entsprechend verbreitet werden. Natürlich, ohne jemanden wirklich zu verletzen oder gar zu töten. Der Plan ähnelte ein wenig dem Konzept eines billigen Groschenheftliebesromans, trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen, hatten die Psychologen und Planer ihm eine hohe Erfolgsaussicht bescheinigt. Leider erwies sich als sehr viel schwieriger, als angenommen, ein passendes Paar zu finden. Bis jetzt! Sabine fragte dann auch direkt „Ihr kennt jetzt den Plan. Das Video haben wir auch. Wir werden das Video aber nur mit Eurem Einverständnis veröffentlichen und natürlich werden wir Euch so verfremden, dass Ihr nicht erkannt werden könnt. Wir werden Eure Identität niemals preisgeben. Bitte überlegt Euch, ob Ihr uns helfen wollt?“. „Was passiert, wenn wir ablehnen?“, fragte Mark, Sabine antwortete „Dann müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Für Euch wird das aber keine unangenehmen Folgen haben, falls Du das befürchtest, kann ich Dich beruhigen. Im Gegenteil, zumindest für Dich Katya, habe ich noch eine kleine Entschädigung.“ Sie griff in die Schublade und zeigte Katya das Testament mit dem Schuldeingeständnis ihres Ex-Mannes und sagte dazu „Wir haben Kopien dieses Dokuments zusammen mit anderen Fehlurteilen überall im Netz veröffentlicht, sodass die Behörde gar nicht anders kann, als das Urteil gegen Dich aufzuheben. Du wirst also bald wieder frei sein, wahrscheinlich bekommst Du auch noch eine Entschädigung. Leider kann ich Dir die verlorenen Jahre damit nicht zurückgeben.“ Katya konnte es einfach nicht fassen, sie brauchte mehrere Minuten, bis sie begriff, was Sabine gerade gesagt hatte. Dann hielt sie nichts mehr auf ihrem Stuhl, sie fiel ihr um den Hals und stammelte „Danke.“ Sabine erwiderte, nachdem Katya sie wieder losgelassen hatte, „Gern geschehen. Das war doch das mindeste, was wir für Dich tun konnten. Wir hätten die Dokumente übrigens so oder so veröffentlicht, auch ohne Eure Entführung. Entschuldigt bitte, aber ich muss noch einmal fragen, helft Ihr uns bitte?“ Mark und Katya sahen sich kurz an, dann nickten sie. Katya antwortete dann für Beide, in ernstem Ton „Gut wir helfen Euch, aber nur unter einer Bedingung. Ihr dürft nie wieder jemanden zu diesem grausigen Spiel zwingen. Ich will nicht, dass noch einmal Menschen mit Todesangst bei Euch in einer Zelle sitzen müssen.“ Mark sah sie erstaunt an und sagte dann anerkennend „Besser hätte ich es nicht sagen können, genau so.“ Ohne zögern antwortete Sabine „Danke, ich schwöre Euch, dass wir so etwas nie wieder machen werden, egal ob die Aktion letztlich Erfolg hat oder nicht.“ In diesem Moment klopfte es an der Tür und Andre kam herein. Er merkte sofort, dass bereits alles geklärt war, wollte es sich aber nicht nehmen lassen sich persönlich bei Mark und Katya zu entschuldigen. Er war es dann auch, der die Beiden zurückbringen sollte. Bevor es losging, sagte er zu den Beiden „Es tut mir leid, ich weiß, dass es schwer für Euch ist mir nach all dem zu vertrauen. Aber ich muss Euch aus Sicherheitsgründen die Augen verbinden Ich hoffe, Ihr versteht das?“. Sie hatten bereits damit gerechnet und erhoben keine Einwände. Nachdem das geschehen war, führte Andre sie vorsichtig aus dem Gebäude und fuhr sie nach Hause. Kurz vor dem Ziel ließ er sie dann die Augenbinden abnehmen. Beide blinzelten ein wenig, denn inzwischen war es schon früher Vormittag geworden. Die Organisation hatte aber bereits dafür gesorgt, dass ihre Abwesenheit nicht weiter aufgefallen war. Andre verabschiedete sich freundlich von ihnen und fuhr zurück.

Endlich wieder in Marks Wohnung angekommen, spürten sie erst, wie erledigt sie nach dieser Nacht waren. Sie wollten nur noch duschen und schlafen. Erst am späten Nachmittag waren sie wieder halbwegs fit und konnten sich über das Vorgefallene unterhalten. Beiden kam ihr Erlebnis vor, wie ein schlimmer Traum, aber das Dokument, das Sabine Katya mitgegeben hatte, bewies, dass sie das ganze wirklich erlebt hatten. Eines hatte das Ereignis aber auf jeden Fall bewirkt, ihnen war jetzt absolut klar, dass sie sich liebten. Und auch Katyas Zukunft sah, dank dem Dokument jetzt noch viel besser aus. In den nächsten Tagen fanden sie dann auch wieder in ihr gewohntes Leben zurück. Alles lief wieder fast wie vorher, Mark ging wie gewohnt zur Arbeit und Katya kümmerte sich um den Haushalt. Bis zu dem Tag, an dem das Video veröffentlicht wurde, zuerst in den sozialen Medien, dann auch auf den gehackten Videowänden. Der Behörde gelang es dieses Mal nicht, die Ausstrahlungen zu unterbinden. Fieberhaft versuchte sie, die Verbreitung zu stoppen, erfolglos. Das Video schlug ein, wie eine Bombe und verbreitete sich viral. Selbst etliche Hardliner hatten Tränen in den Augen, nachdem sie das Video gesehen hatten. Es kam im Zuge dessen, genau wie vorhergesagt und erhofft, zu einer lebhaften öffentlichen Diskussion über die Abschaffung der Sklaverei. Mark und Katya waren von dem Erfolg des Videos überrascht, nie hätten sie an solch eine starke Wirkung geglaubt. Das Video war wirklich erstklassig gemacht, die Spezialisten der OzAdS verstanden ihr Handwerk. Sämtliche Personen und Stimmen waren so verfremdet worden, dass niemand Rückschlüsse auf die realen Menschen dahinter ziehen konnte und trotzdem die volle Wirkung entfaltet wurde. Der zugehörige Text erläuterte in knappen, eindringlichen Worten, dass dies ein Test war, von dem das betroffene Paar allerdings nichts wusste, sodass es sich für die Beiden durchaus echt und real angefühlt hatte. Die Botschaft endete mit dem Hinweis, dass selbstverständlich niemand zu Schaden gekommen war. Es war alles in allem, ein eindrucksvoller Beweis für die Macht der Liebe und genau diese Wirkung war beabsichtigt worden. Obwohl es nicht direkt mit dem eigentlichen Ziel der OzAdS, der Abschaffung der Sklaverei, zu tun hatte, war es doch das erhoffte starke Symbol, das letztlich einen entscheidenden Beitrag leistete. Ein weiterer überraschender Punkt war, dass kaum jemand die Echtheit des Videos ernsthaft anzweifelte. Denn jeder, der auch nur über etwas Menschenkenntnis verfügte, erkannte sofort, dass die Reaktionen und Gefühle der Beiden niemals gestellt sein konnten. Selbst in der Behörde, in der Mark arbeitete, wurde offen über das Video gesprochen. Sein Vorgesetzter fragte ihn eines Tages, ob er glaube, dass das Video echt sei. Mark antwortete ausweichend „Ich bin nicht sicher, glaube aber kaum, dass man so etwas so überzeugend spielen kann.“ Sein Vorgesetzter gab sich mit dieser Antwort zufrieden, meinte aber noch, dass es so eine starke Liebe, wie in dem Video gezeigt, gar nicht geben würde. Mark antworte hierauf nichts, dachte sich aber im Stillen „Und ob es die gibt – wenn Du wüsstest …“

Dann kam der Brief, der alles verändern sollte. Die Behörde meldete sich und teilte Katya kurz und knapp mit, dass das Urteil gegen sie aufgehoben wäre, sie somit frei sei. Sogar eine Entschädigung gestand man ihr zu, genau wie Sabine vorausgesagt hatte. Allerdings gab es keine Begründung und keine Entschuldigung, typisch Behörde eben. In dem Schreiben stand außerdem noch, dass sich Katya bei der Behörde zwecks Eignungstest und eventuell notwendige Schulungen melden sollte, damit sie wieder in ihren alten Beruf zurückkehren konnte. Und zu guter Letzt bot man ihr auch noch eine kleine Wohnung an, damit sie sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis, wie man es nannte, lösen konnte. Katya war, verständlicherweise überglücklich, endlich frei, endlich wieder in ihrem geliebten Beruf arbeiten! Mark freute sich mit ihr und half ihr bei den Vorbereitungen zu dem Test in dem er einige CAD Programme für sie besorgte und ihr seinen Computer überließ, damit sie sich bestmöglich präsentieren konnte. Er war regelrecht verblüfft, nicht über den Elan, mit dem sie sich in die Arbeit stürzte, damit hatte er gerechnet. Sondern darüber, wie schnell sie lernte und sich in die doch ziemlich komplizierten Programme hineinfand. Er begriff, dass er sie immer noch etwas unterschätzt hatte und war gleichzeitig mächtig stolz auf sie. Eine Sache bereitete ihm aber zunehmend Kopfzerbrechen, er fürchte, dass sie ihn, jetzt wo sie ihn nicht mehr brauchte, verlassen könnte. Er scheute sich aber davor, sie zu fragen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellte, dabei war ihm völlig entgangen, dass Katya schon eine ganze Weile auf genau diese Frage von ihm wartete.

Schließlich war der Tag der Entscheidung, sprich des Tests da. Nach dem gemeinsamen Frühstück brachen sie zusammen auf, Mark zur Arbeit und Katya zu ihrem Test. Zum Abschied gab er ihr noch einen Kuss und wünschte ihr viel Erfolg. Auf Arbeit war Mark dann den ganzen Tag über unkonzentriert und mit den Gedanken ganz woanders. Im Gegensatz zu sonst konnte er auch die dummen Sprüche seiner Kollegen heute kaum ertragen. Er war froh, dass er früher Feierabend machen und nach Hause fahren konnte. Als er schließlich nach Hause kam, war Katya noch nicht da und ihm fiel sofort die unangenehme Stille in seiner Wohnung auf. Er versuchte den Gedanken zu verdrängen, was wäre, wenn sie ihn verlassen würde? Aber es gelang ihm einfach nicht, er fühlte, wie eine eiskalte Hand sein Herz zusammenpresste und plötzlich hielt er die Stille einfach nicht mehr aus. Er schaltete die Stereoanlage ein und traurige, schwermütige elektronische Beats erfüllten den Raum. Laut sang er den Text mit, bis ihm die Stimme versagte, weil er die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

Genau in diesem Moment hörte er wie die Wohnungstür geöffnet wurde und Katya zurückkam. Schnell machte er die Musik aus und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, da stand sie auch schon freudestrahlend im Zimmer. „Es hat geklappt, ich habe bestanden“, rief sie und fiel ihm jubelnd um den Hals. Sie merkte allerdings sofort, dass etwas nicht stimmte „Was ist denn los, freust Du Dich denn gar nicht?“, fragte sie etwas enttäuscht. „Doch natürlich“, beeilte er sich zu versichern und versuchte ein Lächeln, was ihm allerdings gründlich misslang. Er sah sie an und sagte dann „Bitte entschuldige, ich weiß jetzt ist vielleicht nicht der richtige Moment, aber ich muss Dich einfach was fragen und bitte, lach mich nicht aus“, er rang sichtbar um seine Fassung, bevor er leise fragte „Wirst Du bei mir bleiben?“. Katya begriff sofort was er meinte und bemerkte jetzt auch, dass er geweint hatte. Er hatte Angst sie zu verlieren! Das war also der Grund, warum er die letzten Tage so abwesend wirkte. Gleichzeitig war sie froh, dass er endlich den Mut fand, sie zu fragen. Denn auch für sie war die bestehende Situation alles andere als angenehm. An ihren Gefühlen ihm gegenüber hatte sich nichts geändert, sie liebte ihn aufrichtig. Nur kam seine Frage jetzt ein wenig unerwartet und so suchte sie kurz nach den richtigen Worten, bevor sie antwortete „Ach Mark, ich wollte es Dir eigentlich schon eher sagen, aber irgendwie bin ich nicht dazu gekommen“, „Ja?“, erwiderte Mark unsicher und seine schlimmsten Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten. Er dachte wirklich, jetzt kommt der Spruch „Von wegen Freunde bleiben und so“, er wusste, dass er das kaum aushalten würde und zwang sich sie anzusehen, zumindest das war er ihr schuldig. Sie hielt ihn mit ihrem Blick förmlich fest, atmete noch einmal durch und sagte dann kurz und feierlich „Ja, ich möchte bei Dir bleiben, als Deine Frau, natürlich nur, wenn Du mich willst?“. Mark war völlig perplex, er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass Katya ihm einen Antrag machen würde und er schämte sich ein bisschen, dass er gedacht hatte, sie würde ihn verlassen. Dann aber sprang sein Herz vor Freude fast aus seiner Brust und er nahm sie in die Arme und sagte „Und wie ich Dich will!“, wieder kamen ihm die Tränen, dieses Mal aber vor Glück. Sie sagte leise, mit leichtem Vorwurf „Du dummer Kerl, hast doch nicht wirklich geglaubt, dass ich Dich verlasse oder?“. Er gab ihr die einzige richtige Antwort darauf, indem er sie leidenschaftlich küsste.

Epilog

Für Katya und Mark läuteten kurze Zeit später die Hochzeitsglocken. Und auch ein weiterer Herzenswunsch der Beiden ging in Erfüllung, sie bekamen zwei Kinder. Sabine und Andre, später auch Yvonne, wurden zu ihren guten Freunden. Die Organisation hielt ihr Versprechen und so erfuhr niemand, von den Nichteingeweihten, jemals die wahre Identität des Paares aus dem Video.

Getragen von der Welle der Sympathie und der Diskussion um das Video, nahm auch das eigentliche Anliegen der OzAdS Fahrt auf. Die Regierung konnte schließlich die ‚Stimme des Volkes‘ nicht mehr länger ignorieren. Sie erließ als Erstes eine Amnestie für die Mitglieder der Organisation und begann mit ihnen zu verhandeln. Dabei zeigte sich, dass die Organisation sehr handfeste und konkrete Pläne hatte, wie eine Abschaffung der Sklaverei zu bewerkstelligen war und wie es danach weitergehen sollte. Die Verhandlungen waren letztlich erfolgreich und die Sklaverei wurde endlich abgeschafft. Die damit verbundenen Problem konnten ebenfalls alle gelöst werden, wo ein Wille ist, ist eben meist auch ein Weg. Die Arbeitslager wurden ebenfalls geschlossen, da sie einfach nicht mehr gebraucht wurden. Ebenso wurde die totale Überwachung Schritt für Schritt abgebaut, da sie einfach nicht mehr notwendig war. Einige der Umerziehungslager blieben bestehen, allerdings mit dem viel humaneren Zweck, das hier jetzt die ehemaligen Sklaven auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet wurden. Es kam auch nur ganz vereinzelt zu Racheaktionen und Übergriffen ehemaliger Sklaven auf ihre einstigen Herren. Diese wurden allerdings konsequent geahndet. Im Großen und Ganzen lief aber alles friedlich und geordnet ab. Entgegen den Unkenrufen einiger Kritiker, passierte genau das Gegenteil, die Gesellschaft zerbrach nicht, sondern blühte im Gegenteil jetzt erst richtig auf.

Liebe, Menschlichkeit, Toleranz und Vertrauen, hatten gegen ein unmenschliches, kaltes System gesiegt und es zu Fall gebracht!

Aber leider nur in meiner Fantasie und nicht hier bei uns, in der realen Welt – Schade!

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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