Christa Astl

Der bunte Osterhase

 

 

Hase Fritzi durfte in diesem Jahr zum ersten Mal Osterhase sein. Seit Weihnachten freute er sich schon und je näher Ostern kam, umso aufgeregter wurde er. Er sollte mit dem Hasenvater gemeinsam die Ostereier in die Nester der Kinder einlegen. Vor dem Einschlafen dachte er lange darüber nach, wo er den Kindern die Eier verstecken könnte, damit sie recht lange suchen durften.

Dass es aber nun solche Schwierigkeiten gab, hätte er nicht gedacht. Eine schwere Krankheit war auch bei den Osterhasen ausgebrochen, die aber fast nur die Erwachsenen betraf. Der alte Osterhase lag mit hohem Fieber knietief im Bett. Meistens schlief er, doch manchmal hatte er auch lichte Momente. In so einem Moment fiel ihm ein, dass er dieses Jahr nicht zu den Kindern könnte, um ihnen Eier und Süßigkeiten einzulegen. Was war zu tun? Sollte er …? Bei dem Gedanken schlief er erst mal wieder ein. Und die Zeit war doch schon so knapp. So viele weiße Eier mussten erst bemalt werden. Wie sollte er … „Fritzi! ...“ Und Fritzi war sofort da. Er hatte sich ja auch schon Sorgen gemacht, wie Ostern werden würde.

„Fritzi, kannst du … du musst … die Kinder…“ Immer wieder machte der Osterhase Pausen, so müde und krank war er. Fritzi war aber so aufgeregt. Er zappelte vor Ungeduld, was den Hasenvater noch mehr anstrengte. „… heuer … Osterhase sein…?“ – „Jaaaa!“ schrie Fritzi in seiner Begeisterung. Er dachte gar nicht daran, dass man mit Kranken leise und rücksichtsvoll sein musste. Der Osterhase hielt sich auch gleich die Ohren zu schloss die Augen. „Entschuldigung“, stammelte Fritzi, „es tut mir leid, dass ich so laut war. Aber ich freue mich ja so sehr!“ Beinahe wäre er wieder laut geworden und hätte vor lauter Freude einen Juhu-Schrei getan. Aber diesmal hielt er sich rechtzeitig den Mund zu.

Gleich sprang er hinaus ins Gartenhäuschen, wo die Eier immer gesammelt wurden. Aber – das waren ja noch keine Ostereier, da lagen nur in vielen Lagen weiße, ungefärbte Eier!!! Wer bemalt dann die? Fritzi dachte eine Weile nach. Er holte einen Kalender und begann zu rechnen. „Nein, das geht sich unmöglich aus, mit dem Pinsel jedes Ei fein säuberlich zu bemalen. Nachdenklich ging er hinaus und legte sich unter einen Baum, der bereits in voller Blüte stand. Wie winzige Punkt sahen diese Blüten von unten aus. „Punkte? … Ich hab‘s!!“ schrie er schon wieder. Fritzi konnte einfach nicht leise sein, wenn er sich freute.

Wie der Wind flitzte er in die Küche, wo die Mutter, bevor auch sie krank geworden war, noch Farben gekocht hatte. Schön ordentlich standen die Kübel auf dem Regal, überall stand mit ihrer schönen Schrift die Farbe darauf. Wo aber waren die dicken Pinsel? Fragen konnte er nicht, er sollte ja die Kranken so wenig wie möglich belästigen. Eine Weile suchte er im Haus vom Keller bis zum Dach nach den Pinseln, aber vergeblich. „Soll ich diesmal vielleicht mit Löffeln…“  Er sprang zur Besteckschublade. Aber die Löffel waren so hart und zu viel Farbe würde aufs Ei geleert. – „Ich hab’s!“, und schon wieder musste er schreien. „Habe ich nicht selber auch Löffel? Ja, das ist die Lösung!“

Vorsichtig, einen nach dem anderen, trug er die Farbkübel in den Garten hinter das Gartenhäuschen. Für seine Arbeit brauchte er viel Platz. Dann holte er die Eier, eine Lage um die andere, und legte sie ins Gras. Nach so viel Vorbereitung kam die eigentliche, künstlerische Arbeit. Die Kübel standen da, die Eier lagen dort, - und los ging’s.

Tief bückte er sich hinunter und tauchte ein Ohr in die rote, das andere in die blaue Farbe. Dann schüttelte er wie wild seine langen Ohren und die Farbe spritzte nach allen Seiten, die Eier wurden rot-blau gesprenkelt! Dann machte er das gleiche mit den Farben Grün und Gelb. Und wieder schüttelte er sich, so fest er konnte, es machte ihm riesengroßen Spaß. Richtig lustig sahen die Eier nun aus! Und außerdem war es sehr schnell gegangen, denn lange Geduld hätte der junge Fritzi nicht gehabt.

Die Kübel waren fast leer, die Eier lagen bunt gepunktet im Gras, sie mussten nur noch ein wenig trocknen. Aber wie schaute Fritzi nun aus?? Die Ohren klebten vor Farbe, der ganze Hase war so bunt wie seine Ostereier. „So darf ich mich nicht sehen lassen!“ meinte er erschrocken. „Was tun?“- Fritzi war aber ein schneller Denker und so hatte er bald eine Lösung. „Ich werde die Enten fragen und ihnen zuschauen, wie sie sich putzen.“  Und er hoppelte zum nahen Teich. Die Enten brachen in ein lautes Geschnatter aus, als sie den bunten Hasen sahen. Als er fragte, wie er sich putzen soll, schnatterten sie alle durcheinander. Nur so viel verstand er, komm ins Wasser! Aber ein Hase ist doch keine Ente, er kann doch nicht schwimmen! Vorsichtig streckte er die Vorderpfoten, die ja auch voller Farbe waren, ins Wasser. Brrr, war das kalt. Aber es half nichts. Noch einen Schritt weiter, dass er seine langen Ohren tief genug hinein tauchen konnte. Tief beugte er sich hinunter, leider etwas zu tief. Der Sand unter seinen Pfoten gab nach, der ganze Fritzi rutschte und lag im Wasser! In großer Angst können Hasen ja schreien, aber doch nicht ein junger Osterhase!! Er strampelte aus Leibeskräften und konnte wieder festen Grund unter seinen Pfoten finden. Schnell hinaus. Erschöpft legte er sich in die Sonne, um sein Fell zu trocknen.

Als er sich dann im inzwischen wieder glatten Seespiegel betrachtete, freute er sich, wie schön er wieder war. Dass seine Löffelspitzen doch noch bunt waren, konnte er leider nicht sehen, aber so ist er eben ein ganz besonderer Osterhase geworden.

 

 

ChA 28.03.20

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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