Fritz Lenders

...schwarze Burg und rote Rosen ... Teil 22

... Bruno schrie in Richtung Armina
: " bist du verrückt ? "

Und griff sich an die Stirn.

Eine rote Beule war innerhalb kürzester Zeit deutlich sichtbar.
Und Armina schubste ihren Vater energisch aus der Türe..

Sie wollte nicht, daß ihr Vater sie so in der Unterwäsche herumspringen sah.
Und schon zweimal nicht.., wollte sie , daß seine großen Kuhaugen sie so anglotzten.

Armina war solch schöne Unterwäsche nicht gewohnt und kam sich dadurch noch ziemlich fremd vor.
Naja und irgendwie auch ziemlich begehrenswert...

und dies war eine Sache, die ihr Vater auf keinen Fall zu Gesicht bekommen mußte.

Aber für Bruno war wiederum auch die Vase am Kopf keine Überraschung.


Immer wieder mal bekam seine Tochter solche Anwandlungen..,

zu glauben sie sei eine Prinzessin und keiner dürfte sie in ihrem * Gemach * stören.
Auch wenn sie eine Kämpferin war, in dieser Beziehnung war sie auch zu 100%   eine Frau.


Eine ziemlich empfindliche Frau.
Sie würde ziemlich gut in die Gesellschaft von Helene Berchtold passen.

Bruno stand vor der Türe zu Arminas Zimmer und schrie

 ... :" du sollst rüberkommen zum Abendessen.. und zwar jetzt und nicht erst in einer Stunde. Sonst kannst du dir Reste von den Knochen abnagen "

Bumms.

 
Die Türe flog auf und knallte Bruno blöderweise an den Kopf.
Und zwar auf die andere Seite der Stirn.


Armina verließ ihr Zimmer.

Angekleidet mit ihrer ziemlich weiten Sackhose.. und oben herum ein weisses, fremd aussehendes Bekleidungsstück.
Das Shirt aus der Burg, von Helene.

Armina ging an Bruno vorbei und sah, daß er  auf beiden Seite der Stirn eine Blessur hatte.
Links die Beule von der Vase und rechts eine Rötung vom Kontakt mit der Zimmertüre.

 Sie mußte Grinsen ... und  Bruno lief ihr in gespieltem Zorn nach, um ihr mit seinem Stiefel in den Hintern zu treten.
Er war so unglaublich stolz auf seine Tochter.
Was für ein wildes Fohlen.
Wäre sie ein Junge, würde sie ein Hengst werden..
Aber so ?
Sie würde bestimmt einen würdigen Mann finden und einige Kinder zur Welt bringen.
Kleine, freche Kämpfkücken.

Vorne im Küchenraum hatte die Haushelferin den Tisch gedeckt und ein paar eingeladene Gäste saßen schon zu Tisch um mit ihnen gemeinsam das Abendessen zu verzehren und die vergangenen Stunden zu bereden.


Alle schauten auf Arminas weißes Shirt und auf den, darunter sichtbaren Verband an der Schulter.
In der Zeit um 1050  war ein steriler, weisser Verband nicht gerade alltäglich.

Und weisse Träger T-Shirts sah man auch nicht alle Tage.

Und natürlich.., als ihnen Armina vorsichtig  die darunter liegende Wunde.. mit den paar Fäden und den Klettpflastern zeigte.. 
war das Erstaunen riesengroß.

Obwohl...,
ein bischen  Zweifel an der Sache hatten sie schon  auch.


Die damaligen Menschen auf den Dörfern waren noch nicht so sehr gebildet, weil die Obrigkeiten das Wissen und die Lehre der Schrift gerne für sich behalten wollten.
Wissen gibt Macht und Macht wollten sie nicht teilen.
Am wenigsten teilten  die Tyrannen aus der Bischofsresidenz.

Was der Bischof natürlich gerne teilte, waren die Einnahmen.
Steuern genannt.
Er teilte einseitig gesehen, gerne das Geld und die Erträge aus der Landwirtschaft mit den Dorfbewohnern.

Naja, wie er das Teilen eben so sah.
Er teilte sich seinen Teil zu.
Punkt.

Auf jeden Fall wurde die Wunde und der Verband  an Arminas Schulter etwas skeptisch und argwöhnisch betrachtet.
Die Leute dachten sich..., hoffentlich ist da nichts Böses mit im Spiel.

Noch dazu, wo Bruno schon einiges von den Vorkommnissen in und aus der Burg erzählt hatte. 

Armina saß am Tisch und beteiligte sich etwas zurückhaltend an den Gesprächen.

Bruno erklärte den Leuten unterm Essen, daß er in 4 Tagen nochals zur Burg wollte.
Einerseits um Arminas Wunde neu versorgen zu lassen und andrerseits auch um mit Helmreich über die Abgaben zu reden.
Außerdem wollte er Hilfe anbieten, 
denn immerhin hatte die Familie der Burg seinerzeit das Dorf wieder aufbauen lassen, welches die Bischofsmänner ziemlich zerstört hatten.

Während die Männer diskutierten und sich schmatzend  durch das Angebot von Schinken und Hühnerkeulen am Tisch durcharbeiteten..
spürte Armina in der aufgesetzten Tasche an der Seite der Hose.. die Brille, welche sie im Wald gefunden hatte.

Sie zog sie heraus und drehte sie in den Händen.
Wirklich ein sehr interessantes Teil aus der Zukunft.., wie sie fand.
Sie setzte die Brille nochmals auf ihre Nase und blickte sich in der Runde der Gesellschaft um.

Und schreiend spuckte der ihr gegenüber sitzende Dorfbewohner.., seine Fleischstücke aus dem Mund auf den Tisch.

" ich habe es gewußt.., es gewusst.. mit Armina ist etwas passiert, als sie auf der Burg war.. "

und  fürsorglich ließ er sich rücklings nach hinten von der langen Sitzbank am Tisch.. zu Boden fallen...

Armina sah für die Dorfbewohner aus wie ein Rießeninsekt.
Blasse Haut und schwarze Riesenaugen.
Und Armina wiederum blickte ziemlich gelassen in die Runde.

* Altertümlicher Essraum, ländliche Dorfbewohner aus der Zeit von ca. 1050-1100 nach Christi.*

das kleine Display am Rande des Sichtfeldes der Brille erkläre alle sichtbaren Objekte.

Es war wirklich interessant.

Und als sie an der Brille einen Knopf fühlte und diesen drückte, konnte sie Zahlenreihen erkennen.

* Abstand  2 Meter, Temperatur 21 Grad Celsius, Datum 16 April 1050 . Uhrzeit 19.10 Uhr *

Lächelnd  nahm sie die Brille ab.

" jetzt seit mal nicht so kindlich und  hört euer Geplärre auf."

Armina konnte nicht glauben, daß eine einfache Brille so einen Tumult veranstalten konnte.
Der Dorfbewohner am Boden zappelte mit den Beinen wie ein Käfer der auf dem Rücken lag und die anderen Kumpanen ihres Vaters waren auf der Sitzbank ganz eng zusammen gerückt.
Lediglich Bruno sah zu seiner Tochter und zuckte grinsend mit den Schultern.

" Du darfst dich nicht wundern, sie haben ja noch nichtmal die Welt außerhalb des Dorfes gesehen.. und von den Ereignissen im Wald und bei der Burg

können sie sich keine Vorstellungen machen. "

Err mußte wirklich laut lachen. So sollten also die Männer aussehen, welche der Burg im Kampf gegen den Bischof helfen wollten.
Bauernvolk gegen ausgebildete Soldaten.
Na das konnte ja lustig werden.
Lustig allerdings  für die Soldaten und nicht lustig für das Dorf.

Armina legte die Brille auf den Tisch..
was zur Folge hatte, daß alle am Tisch anwesenden.. 
sofort den Kontakt zur Tischplatte vermieden.
Alle streckten ihre Hände weg in die andere Richtung.

Und als Armina aufstand und zu dem Mann am Boden ging, um ihm aufzuhelfen.. 
krabbelte dieser panisch von ihr weg.

Und nun reichte es Bruno.
Mit seiner gewaltigen Faust schlug er dröhnend auf den Tisch...

..." genug. Jetzt reicht es mir mit eurer Kinderei ! "

Mit drei Schritten war er um den Tisch herum und packte den am Boden Liegenden am Wamms und riss ihn hoch.
Mit einer schwungvollen Drehung verfrachtete er ihn auf der Bank.

" Dort bleibst du jetzt sitzen bis ich was anderes sage. Und beim geringsten Piepsen.. werfe ich dich gegen die Mauer. "

Er ließ sich wieder auf seinen Platz plumpsen und erklärte den Dorfleuten, daß es sich um ein Fundstück aus dem Wald handelte, welches sie am Absturzort des Hubschraubers gefunden hatten.
Hubschrauber erklärte er natürlich nicht, denn damit hätte er seine Freunde vermutlich ins Koma befördert.

Ausserdem war der Begriff * Hubscrauber * auch ihm selber nicht geläufig.

Auch die Verarztung von Armina , in der Burg, erklärte er.
Ebenso, daß sie interessante Bekleidungsstücke bekommen hätte.., welche vermutlich aus dem modernen Ausland stammten.

Armina holte die Stiefel aus ihrem Zimmer und reichte sie in der Runde herum, 
aber erst, als sich alle ihre Hände etwa abgewischt hatten.

Und staundend bewunderten die Menschen die Stiefel.
Armina zog einen Stiefel an und bat den Mann von vorher.., ihr ganz fest auf die Füße zu treten.

Ziemlich unsicher trat der Mann Armina auf die Zehen.
Ganz, ganz vorsichtig.


Und Armina wurde ungeduldig und trat ihm mit dem Stiefel aufs Schienbein.
Richtig fest.
Sie konnte ja noch nicht abschäzen, welches Ergebnis passieren würde.
Denn ein Tritt mit den alten Lederfüßlingen gegen das Bein eines Mannes.., war nicht besonders schlimm.

Jedoch ein Tritt mit den Kampfstiefeln mit Zehenschutz.. war da schon anderer Natur.
Harter Zehenschutz gegen empfindlichen Schienbeinknochen.

Und wieder lag der Mann schreiend am Boden und hielt sich mit beiden Händen seinen Fuß...!

Und die Dorfbewohner murmelten schnell und unauffällig einen Bittspruch  an die Geister des Dorfes.. um etwas Schutz gegen Magie zu erlangen.

Armina war ja selber erschrocken.
Sie hatte nicht mit so einer Reaktion gerechnet.


Und wieder musste dem Mann aufgeholfen werden.
Heute war nicht gerade sein Tag.
Absolut nicht.

Etwas später ging sie wieder in ihr Zimmerchen und zog sich ihr Shirt aus.
Im Bereich der verletzten Schulter hatte sich ein Blutfleck gebildet.

Armina versuchte so gut es ging.. in der Wasserschüssel  den Fleck zu bearbeiten.
Leider blieb trotzdem eine sichtbare Stelle übrig.
Traurig hängte sie das Bekleidungsstück in der Nähe des Fensters zum Trocknen auf und fiel anschließend in einen wirklich tiefen, traumlosen Schlaf.
Und die nächsten 3 Tage verbrachte sie damit ihr Zimmer umzudekorieren.

Sie wußte selber nicht warum, aber aus irgend einem Grund war sie plötzlich mit ihrer Wohnsituation unzufrieden.
Außerdem wollte sie auch den kleinen Blumengarten einzäumen, denn die Ziegen des Nachbarn hatten scheinbar Appetitt auf satte Farben.

Morgen würde sie zur Burg wandern. Mit Bruno zusammen.
Und beim Gedanken daran wurde ihr richtig warm im Magen.
Sie würde Helene wieder sehen und sie würde voller Stolz zeigen, wie sauber die Bekleidungsteile geblieben waren.

Obwohl beinahe der Bustier zerstört worden wäre, weil Armina aus dem Oberteil fast nicht herausgekommen war.., als sie zu Bett gehen wollte..
und am nächsten Tag beinahe nicht mehr hineingekommen wäre..,

weil sie sich nicht gemerkt hatte, in welches Loch der Bekleidung sie den Kopf stecken musste.
Aber nach drei Versuchen und verdächtigem knarzen der Nähte.. war sie doch noch rein gekommen.

 Drüben an der Burg waren drei Tage zuvor, die Verstärkung der Bischofstruppe in Stellung gegangen.
Im weiten Umkreis der Burg lagen jeweils zwei Späher im Abstand von knapp 50 Metern zur Burgmauer im Gras und beobachteten das Geschehen auf der Burg.
Etwa weiter zurück wiederum beobachteten die anderen, schon in Konakt mit dem Stromdraht gekommenen zwei Soldaten ihre Kameraden

Sie wollten einerseits nichts böses für ihre Freunde..
andrerseits wollten sie zu gerne sehen, wie es den anderen erginge, wenn sie  den Draht anfassten.

Irgendwie mussten sie die ganze Zeit grinsen , bei der Vorstellung wie sie rumzappeln würden.

Und genau in dem Augenblick fand dies nähmlich auch statt. 
Die Beobachter wollten etwas näher an die Burg und kamen im Halbkreis an den verlegten Draht, welcher die Burg schützte.

Ganz links und dann noch etwas in der Mitte.. hoben zwei Männer den Draht etwas an.
Zumindest wollten sie  den Draht etwas anheben.
Weit kamen sie nicht.


Denn ein Stromstoß nach dem anderen ließ die Männer zappeln und kreischen.

Und erst als die Begleiter ihre zappelnden Kollegen mit einem Ruck wegzogen, war wieder Ruhe.
Allerdings hatte der Eine der ziehenden Männer auch noch eine Dosis Strom abbekommen, weil sein Freund nasse Stiefel anhatte und er durch den Konakt eben auch zum Stromopfer wurde.

Alles in Allem eine turbulente Angelegenheit.

Und in der selben Sekunde stiegen im Burgbereich 4 Drohnen auf und flogen in einer Höhe von knapp 20 Metern auf die Männer zu.

Und aus den kleinen Lautsprechern ertönten die Stimmen, welche die Bischofsmänner fast um den Verstand brachten..

" es ist vollkommen unnötig, sich an die Burg anzuschleichen. Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit . Bitte unterlassen sie jede Form von Agression "

Während die Männer zitternd am Boden kauerten... surrte ein Pfeil auf eine der fleigenden  Mettallgeräte zu und  brachte das fliegende Ungeheuer zu Fall.

Einfach so. 
Ein Pfeil  .. surr und plumps.. !


Die Bischofmänner waren ausgebildete Krieger.
Also ebenfalls Soldaten mit Erfahrung im Kampf.

Wie konnten die Leute aus der Burg nur denken.., es mit einfachem Bauernvolk zu tun zu haben.

Die restlichen drei Drohnen sprühten mehrere Wolken von Tränengas auf die Leute am Boden und stiegen in eine unerreichbare Höhe auf um zurück zur Burg zu gelangen.

Die Beobachter im Gras zogen sich mit verschwollenen, tränenden Augen zurück und einige Ersatzsoldaten robbten sich an den Draht heran.
Sie hatten kleine Seile mit an den Enden befestigten Hacken dabei und warfen die Haken auf den Stromdraht.

Dadurch das Hanfseil keine leitende Wirkung hatte..
passierte den Männern auch nichts.


Und zusammen mit den Leuten im Wald, zogen sie an den Seilen und rissen den Stromdraht mit Gewalt in Richtung Wald.
Sie rissen den Draht aus der Stromquelle.
Und als sie vorsichtigt das Metallkostrukt berührten.., wurde nichts Bedrohliches festgestellt..

Was den Anführer zu der Aussagen verleitete..

" Ihr habt euch nur verzaubern  lassen..! Es ist nichts Schlimmes an dem Teil "

Doch genau in dieser Sekunde drönte die Stimme aus den Lautsprechern am Waldrand, welche an den Bäumen befestigt waren...

Laut.., sehr, sehr laut und bedrohlich.

Die Stimme war nicht so wie vorhin aus den kleinen Lautsprechern der Drohnen.., ruhig und besänftigend,

sondern brüllend ...

" wir bitten euch nochmals, keine Angriffe auf die Burg und deren Gerätschaften zu unternehmen. Jeder Versuch wird mit äußerster Härte bestraft werden. "

Und voller Geplärre liefen die Soldaten in den Wald.

Ganz vorne der Befehlshaber der Truppe...



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.03.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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