Francois Loeb

SUPPENGAU

GAU? Was der mit Suppe gemeinsam hat zu erfahren in meiner Wochengeschichte:

GAU, welch entsetzlich, Schrecken verbreitendes Wort! Hat sich einfach in unseren Sprachgebrauch eingeschlichen. Gegaut. Grauenhaft, grausam eingegaut. Und wir einfachen Sprachnutzer können nichts dagegen tun. Gar nichts. Gegenwortlos sind wir ausgeliefert. GAU verbreitet sich wie ein Virus. Ein Bakterium. Steckt uns alle an. Denn wer ist schon gegen einen GAU gefeit. Immunisiert. Auch wer einmal einen GAU, welcher Art auch immer erlebte, ist einfach, aber auch nicht doppelt, oder gar dreifach gegen den nächsten gefeit. Selbst Wortschützer, welcher Art auch immer, Wortzensoren, Dudisten, Germanisten, Buchstabensezierer können uns nicht schützen. Auch selbsternannte Wortdiktatoren, die alle Wortmacht an sich ziehen wollen, gelingt dies nicht. So müssen wir erdulden. Individuell erdulden. Jeder für sich auf seinen höchstpersönlichen GAU warten, der unser Schicksal bestimmt, solange dieses Unwort des 20sten Jahrhunderts nicht ausgemerzt ist.
So warte ich auf den meinen, der, man soll den Beelzebub nicht beschwören, beim Verfassen dieser Zeilen, bereits eintrifft. Eingetroffen ist. Ich habe in der Abgeschiedenheit meiner einfachen Waldhütte, in der ich seit längerer Zeit in Nachbarschaft von Fuchs und Hase hause, damit kein persönlicher GAU eintreffen kann, den Holzherd mit gesammeltem, nein, nicht vergammeltem Holz eingefeuert. Den Kochtopf aufgesetzt. Gesammelte Waldkräuter die antigauisch, wie ich im Netz gelesen habe und auch als WhatsApp Chat von Freunden zugesandt erhalten habe, wirken sollen, in frischem Waldquellwasser eingelegt, dann eingesiedet, nicht eingesudelt, um den empfohlenen Sud daraus zu bereiten, alles wie angewiesen für Stunden ungestundet, das sei wichtig, köcheln lassen.
Ja, und da ich diese Zeilen schrieb, ist er eingetroffen, der Suppengau. Überkocht. Ausgelaufen. Ins Herdfeuer geschwappt. Dieses gelöscht. Kein Streichholz mehr! Und das wundersame Rezept lautet das Wort GAU in den Waldkräutersud nach dem stundenlangen köcheln in den Topf zu werfen. Das Wort ein für allemal zu ertränken. Auf dass es niemanden mehr bedrohen kann. Nun muss ein anderer in die Bresche springen. Retten was zu retten ist. Den GAU
ertränken! Ich zähle darauf.

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Bleibt gesund und geduldig!
François

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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