Bernhard Dickhut

In Zeiten von Corona

In Zeiten von Corona

Heute Nacht bin ich aufgewacht. Es war dunkel und ich wollte einfach weiterschlafen. Auch wollte ich möglichst wenig rascheln, um meine Frau nicht zu stören. Aber ich hörte sie nicht einmal atmen. Ich tastete nach ihr. Sie lag nicht in ihrem Bett. Ich dachte, gleich nach dem Toilettengang wird sie zurückkommen. Aber sie kam nicht. Da fiel mir der gutaussehende Postbote wieder ein, der immer so charmant mit meiner Frau sprach. Er wird doch wohl nicht in diesen Zeiten, in diesen Zeiten von Corona mit meiner Frau . . .

Schon rechnete ich die Quote aus. Wieviel Menschen stecken gutaussehende, seitenspringende Postboten eigentlich an. Dann geben diese Menschen das Virus weiter und weiter. Eine erschreckende Zahl tauchte vor mir auf.

Daher war ich mir ganz sicher, Seitensprünge werden in Zeiten von Corona verboten sein. Daran werden Merkel, Scholz und Spahn schon gedacht haben. Der entsprechende Bußgeldkatalog wird sein Übriges tun. Natürlich wusste ich, es wird immer Uneinsichtige geben, die sich über Gesetze stellen. Aber meine Frau doch nicht.

Meine Gedanken trieben mich weiter. Sie ließen mich einfach nicht schlafen. So stand ich auf, verließ das Schlafzimmer, schlich über den Flur ganz leise ins Wohnzimmer. Da lag sie friedlich auf dem Sofa. Das beruhigte mich. Ich dachte nicht mehr an gutaussehende Postboten.

Erst dann fiel es mir wieder ein. Sie hatte die Konsequenzen gezogen. Ich konnte es nämlich nicht. Ich konnte nicht mit Atemschutzmaske schlafen.

Daher würde ich es noch am Tage erledigen. Ich würde die Kettensäge aus der Garage holen. Ich würde unser Bett auseinandersägen. Ich würde mittels Dachlatten – dafür sind Baumärkte schließlich offen – unsere Betten auf ein Meter fünfzig Entfernung justieren. Und dann würde sie wieder im Schlafzimmer schlafen. In Sichtweite ihres ebenfalls schlafenden und atemschutzmaskenfreien Mannes.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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