Heinz-Walter Hoetter

Gedanken zur Auferstehung Jesus

 

 

Als Freidenker habe ich mir natürlich auch schon öfters die Frage gestellt: „War das Grab leer? Das Grab, in das man den Leichnam des gekreuzigten Jesus von Nazareth gelegt hatte?“

 

Ja, das Grab war leer, und der Auferstandene ist den Jüngern erschienen - so wird es jedenfalls in den Evangelien berichtet. Die Auferstehung Christi ist daher die zentrale Botschaft des Christentums, darum feiern wir Ostern.

 

Es bleibt für uns Menschen der Neuzeit dennoch die Frage: „Was bedeutet Auferstehung für uns heute?“

 

Ich schicke voraus, dass ich an dieser Stelle nur für mich spreche und nur meine eigenen Gedanken dazu äußere, was für mich „Auferstehung“ persönlich bedeutet.

 

Wir machen im Verlauf unseres Lebens ständig neue Erfahrungen, auch sehr elementare, wie z. B. jene, dass ich jeden Morgen dankbar darüber bin, weiter leben zu dürfen. Ich darf weitermachen, obwohl um mich herum so viel im Argen liegt. Aber das Leben leuchtet, denn ich persönlich bin ein großer Fan der wunderbaren Schöpfung, denn das Leben ist gut, weil die Schöpfung und die Welt, die sie geschaffen hat, in ihrer ganzen Tiefe gut ist. Deshalb sehe ich die Auferstehung Jesus auch in diesem Zusammenhang. Ich befinde mich im Strom einer viel größeren, stets lebendigen Auferstehung.

 

Wenn ich morgens z. B. Im Bett liege und der Morgen dämmert langsam, dann höre ich bereits um diese Zeit die Vögel draußen zwitschern. Langsam kommt die Sonne raus und das Leben beginnt sich zu rühren. Ich spüre, wie das Leben stärker ist als der Tod.

 

Wir Menschen im Westen haben meiner Ansicht nach eine sehr eingeschränkte Sicht auf unsere Wirklichkeit. Wir halten nur das für wahr, was wir unter Umständen auch wissenschaftlich beweisen können. In den allermeisten Kulturen ist das allerdings anders. Dort kann auch das wahr sein, was unsere persönlichen Vorstellungen durchkreuzt oder übersteigt.

 

Unsere Welt, von der wir annehmen, sie ist so erhaben und überragend vernünftig, ist in Wirklichkeit eine unendlich verwundbare Welt. Da muss man sich nur die humanitären Katastrophen wie in Japan (Tsunami seinerzeit), die blutigen Kriege im Nahen Osten oder die privaten Schicksalsschläge um einen herum anschauen. Ich frage mich daher immer wieder, ob die Botschaft von der Auferstehung Jesus nicht allein schon durch diese oft schrecklich empfundene Wirklichkeit widerlegt wird.

Schaut man jetzt auf das Kreuz, das leer ist und auf die unsäglichen Qualen (Folter), die Jesus durchlitten hat und durch all das hindurch gegangen ist, dann sehe ich Parallelen zur heutigen Welt, die auch an einer Fülle von Qualen leidet, die aber auch zu unserer von Menschen geschaffenen Wirklichkeit gehören, dann steigt in mir die Erkenntnis auf, wie einsam, ja verlassen wir doch alle sind und wie leer unsere Hoffnung und unser Glaube an sich doch ist.

 

Aber das Kreuz ist leer. Ja, das Leben ist stärker als der Tod. Aus dieser Hoffnung heraus finde ich das Leben wieder mehr als schön. Ich habe Visionen für eine schönere Welt, die heute tatsächlich möglich ist, wenn wir nur unsere Fähigkeiten und Mittel richtig einsetzen würden, was wir leider meistens nicht tun.

 

Obwohl ich keiner dieser monotheistischen Religionen aus dem Nahen Osten angehöre, habe ich trotzdem keine Probleme mit Jesus, denn dieser wollte auch keine Religionen. Er war übrigens der einzige Christ, der am Kreuz gestorben ist. Wie können sich da andere Menschen als „Christen“ bezeichnen, wo sie doch nicht am Kreuz gelitten haben und an den schrecklichen Qualen dieses fürchterlichen Todes gestorben sind?

 

Nun, für mich bedeutet Auferstehung demnach auch „Leben“ über den Tod hinaus. Deshalb halte ich es mit Marie-Luise Kaschnitz, die das so schön in einem Gedicht von ihr festgehalten hat. Sie spricht am Ende von der Liebe, die uns alle retten wird.

 

 

Glauben Sie, fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Auskunft zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort

Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen
auf goldenen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz
Verdammter Seelen
Nur
Nur Liebe frei geworden
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

Anno 2020

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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