Fritz Lenders

..schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 28 ) Helene

... die Wange des Soldaten des Bischofs glühte wie ein Feuerball.
Andrerseits wurde das Leiden des Mannes weniger in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt..
...als  wesentlich mehr die grelle Stimme des Kommandanten.

" Ich will das Mädchen, koste es was es wolle "

Und zum wiederholten male prügelte der Anführer auf das Gesicht seines Untertanen.
Dessen Verletzte Schulter schwoll bereits so an, daß das Kettenhemd in die Haut drückte.
Wenn er nicht bald aus seiner Schutzbekleidung raußkam, 
würde ihm das Blut abgeschnürt werden.

Sein Anführer blickte rüber zu dem anderen Soldaten und starrte die Nähte an dessen Wange an.

" Was  hat dirdenn da die Hexe aus der Burg in das Gesicht gestochen ? "

Der Soldat vermied es, darauf zu antworten.
Er war genau genommen überglücklich, zusammengeflickt worden zu sein.
Mit tränenden Augen sah er wie die Hand seines Kommandanten in dessen Tasche verschwand und beim herausziehen eine kleine Zange in der Hand hielt.
Die wohl bekannte Zange des Kommandanten.

Vor ein paar Tagen hatten sie zusehen müssen,
wie ihr Anführer einer jungen Küchenhilfe des Bischofs zwei Zähne herausgerissen hatte.
Obwohl die Zähne ganz bestimmt nicht schwarz waren.

Wie auch. 
Die junge Frau war noch nicht mal 20 Jahre alt.

Aber der Bischof hatte angewiesen, daß sich der Kommandant die Zähne mal ansehen solle, weil die Frau scheinbar Probleme hatte,
beim Reden die richtigen Worte zu benützen.

Zumindest sah dies der Bischof so.
Und auf jeden Fall sah dies auch ihr Kommandant so.
Denn er dehnte die Prozedur über einen Zeitraum von bestimmt einer Stunde hinaus.

Bei jedem Schrei der Frau wurde das Gesicht des Kommandanten roter und Schweiß lief ihm in den Nacken.

*  wie ein glänzendes Schwein  *  dachten sich seine Männer.
*  man sollte ihn abschlachten  *   dachten sich seine Männer

*  man sollte ihm seine fauligen Zähne aus der Fresse prügeln *    wünschte sich Jeder der Anwesenden.

Und als die Tränen der jungen Frau wie Springfluten aus den Augen spritzten... steckte der Sadist die Zähne in seine Tasche und ging ins Haus.
Erst jetzt war er zufrieden
Für die Frau hatte er keinen Blick mehr übrig.

Hingegen der Bischof, welcher aus dem Fenster sah.., hoffte, daß sich die junge Küchenhilfe überlegte, was sie in Zukunft sagen würde. 
Vielleicht würde er sich in Zukunft  besser sein Frühstück  vom Kirchendiener servieren lassen. 
Langsam nahmen seine Eskapaden mit den Frauen, bedrohliche Ausmaße an.

Ja und nun also sah der Soldat des Bischofs, wie sein Anführer die Zange in der Hand hielt.
Hoffentlich hatte er es nicht auf seine Zähne abgesehen.
Oder auf seine Fingernägel.

" Na zeig mir mal deine Borsten an der Wunde.. "

Dem Soldaten rutschte das Herz in die Hose,  als der Folterer seine Zange an dem Faden ansetzte und mit einem Ruck  herausriss.
Der Soldat wollte schreien, aber er hatte sich so auf die Zunge gebissen, daß er beihnahe erstickt wäre an dem Blut, welches ihm in die Kehle lief.

" Na,na.. wer wird denn da so tapfer sein und nicht schreien ? "

Der Bischofsvasalle konnte es nicht fassen.
Es sollte doch eigentlich weh tun, und der Kerl schrie nicht.
Voller Hass riss er den zweiten und auch den dritten Faden heraus.
Beim Dritten Faden hatte er eine Faser Fleisch aus der Wunde mit weggerissen und so spritzte das Blut nun durch die Gegend.

Der Soldat hatte das Bewustsein verloren.

Die rund herumstehenden anderen Männer hatten Mühe, ihre Mahlzeit im Magen zu behalten.
Jeder blickte den Anderen an, ob sich nicht endlich mal ein Freiwilliger finden lassen würde, der dem Kommandanten endlich seinen wiederlich fetten Hals aufschlitzte.
Aber die Angst war leider ziemlich hinderlich an solch heroischen Aktionen.
Leider.

Aber zumindest hatte der Sadist im Moment keine Lust mehr, noch weiter zu foltern.
Irgendwie hatten seine Männer das Gefühl, daß der Kommandant mit Vorliebe junge Frauen folterte und nicht ältere Soldaten.
Zumindest war dies von Vorteil, für die 5 Männer, welche an den Pfosten im Lager angebunden waren.

Sobald der Kommandant im Zelt verschwunden war,
lösten die rundumstehenden Männer die Fesseln ihrer Kameraden und  führten sie zum Mannschaftszelt, mit der Auflage, sich nicht zu entfernen und zur Verfügung zu halten,
falls der Anführer noch Fragen hätte.

Natürlich.
Wie kämen die Männer wohl auf die idee. sich zu entfernen.
Bei solch liebevoller  Behandlung blieb doch jeder gerne bei der Truppe.
Sehr gerne sogar.

Innerhalb der nächsten Minute, als die Fünf alleine im Zelt waren, beschlossen sie, hinten das Zelt aufzuschlitzen
und sich sofort auf den Weg zur Burg zu machen.

Der Bischoff hatte es absolut nicht verdient, daß seine Männer treu zu ihm hielten...
wenn er sich mit solchen Sadisten umgab.
Dies war keine Kampftruppe sondern ein Haufen von Opfern die sich für den Kommandanten als Spielzeug zur Verfügung zu stellen hatten.

Sie waren jetzt tagelang vor der Burg und bekamen immer mehr das Gefühl.., daß sie auf der falschen Seite ständen.
Kämpfen war natürlich ihre Aufgabe.
Aber doch wenigstens mit einem Ziel vor Augen.

Die Burgmenschen hatten Jedem ärztliche Hilfe angeboten ohne Gegenleistung und mit freiem Geleit.

Was hielt sie also noch hier ?

Draußen vor dem Zelt konnten sie hören und auch riechen, wie die Mannschaft das Essen einnahm.
Im Augenblick würde sich keiner um die Männer im Zelt kümmern.

Und so wie das Zelt hinten aufgeschlitzt war, sausten die Fünf in das Dunkel des Waldes.
Ein paar hundert Meter im Spurt zurückgelegt und schon sahen sie von Weitem die Burgmauer.

Ihre armen Kameraden standen immer noch in 4rer Gruppen vor der Burg um Angst zu verbreiten.
Wie lächerlich.
Wenn jemand Angst hatte.., dann waren es die Kameraden.

Die kleine Gruppe schlich sich den selben Weg an die Burgmauer wie Armina. 
Ganz links und dann so dicht wie möglich an der Mauer entlang zum Tor.
Aber das Tor war nicht von Gestrüpp geschützt , sondern lag gut einsehbar  für alle Augen... direkt an der Freifläche.

Es gab doch die Flugdinger.
Warum konnten die nicht jetzt über die Mauer fliegen und den Männern Gelegenheit geben, sich durch Handzeichen bemerkbar zu machen
irgendwie mit den Händen und Armen herumzufuchteln..., damit die Burg begriff, daß sie Hilfe brauchten.

Doch die Männer im Gras brauchten nicht lange zu überlegen, denn die Vierergruppen  im Halbkreis hatten sie schon bemerkt..
außerdem hörten sie auch schon das Geplärre vom Wald.
Ihre eigenen Kollegen.. auf der Jagd nach ihnen.

Ja..., der Kommandant hatte scheinbar noch ein paar Fragen.
Aber keiner wollte die Zange näher kennenlernen.

so liefen sie also schreiend die knapp 40 Meter zum Tor.
Und noch unter dem sie am Laufen waren, wurde die Brücke herabgelassen.

Natürlich wurde von Seiten der Burg der Vorgang schon länger beobachtet.

Jedenfalls rannten die Leute um ihr Leben.
Die Soldaten der Burg setzten  eine breite Garbe von Geschossen aus dem Maschienengewehr oben am Turm,
so knapp wie möglich vor die Füsse der aus dem Wald rennenden Männer.
Und wie gehabt.. ließen sich die Vierergruppen, welche die Burg beobachteten..  auch sofort ins Gras fallen.
Sicher ist sicher.

Die 5 Männer rannten so schnell wie nie zuvor in ihrem Leben.
Es gab kein Zurück.
Die Burg war ihre einzige Alternative und hoffentlich ihre Rettung.

In dem Augenblick, als sie das Burgtor nach innen passierten und die friedliche, lichtdurchflutete  Situation des Burginnersten sahen..
wussten sie , daß es die richtige Entscheidung war.
Es würde Alles gut werden.

10 Minuten später saßen alle Fünf im  Vorzimmer des Behandlungsraumes von Helene.
Im hinteren Zimmer sahen sie den Waldmenschen  im Bett liegen.
Einer der Fünf ging rüber und gab dem Verletzten die Hand.

" Entschuldigung..., es war nicht persönlich gemeint. Es tut mir leid und ich hoffe, daß Alles wieder gut wird. "

Helene richtete ihre Instrumente auf dem Rolltisch her und bat den Soldaten , sich auf die Liege zu legen.
Im Raum war es total hell und von Oben irgendwo, erklang ganz leise und besänftigend so eine Melodie, wie sie  schon aus den Kästen an den Bäumen erklungen hatte,

Der Kamerad der kleinen Gruppe hatte Angst, das war nicht zu übersehen, und außerdem war auch der Anblick einer Injektionnadel in den Wundbereich am Gesicht.. nichts für schwache Nerven.

Doch als die Ärztin begann , die Wunde zu reinigen und ganz speziell, als sie zu dem Gerät am Gürtel sagte, es möchte doch Jemand etwas für die Leute zum Essen bringen..., fühlten sie sich geborgen wie nie zuvor.

Helene sprach mit dem Mann auf der Liege mit einer so warmen Stimme, 
daß natürlich sofort 5 Herzen für sie schlugen.
5 Soldatenherzen.

So war es dann auch nicht verwunderlich, daß über die Wangen der Männer..ein rosiges  Strahlen aufzog.

Jeder bekam eine Schüssel mit Kartoffelbrei, Mischgemüse und einer Scheibe Schweinebraten mit Kruste.
Die Schüssel des Mannes mit der eingerenkten und fixierten Schulter...
wurde ein bischen verwässert.
Tropfendes Wasser aus den Augen laufend.
Naja.. Salzwasser, direkt aus der Seele laufend.

Helene lächelte zwischendurch immer wieder mal zu den Männern, die im hinteren Raum auf ihren Kameraden warteten und fragte sie, ob noch Zeit verbleiben würde.., um die Soldaten und Leute der Burg kennenzulernen.

" JA ..  WIR KÖNNEN OHNEHIN NICHT MEHR ZURÜCK ... "



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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