Fritz Lenders

...schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 29 ) verliebte Männer

... " ich habe mir schon gedacht, daß es Fragen geben wird, wegen der Naht an der Wunde, aber ich hätte nicht gedacht, daß Jemand so krank sein könnte und die Fäden heraus reißt. "

Helene versuchte so gut es ging, die Wunde zusammenzuflicken und die spätere Narbe so unauffällig wie möglich zu halten.

Die Verletzung zog sich vom Haaransatz über die Stirn nach unten, durch die linke Augenbraue.

Was natürlich zur Folge hatte, daß ein Teil der Braue abrasiert werden mußte.

Das Nähen war diesmal nicht mehr mit nur 6 Fäden abgetan sondern es mussten zwei Klammern gesetzt werden und an der Stelle, wo die Zange des Kommandanten den Fleischfetzen herausgerissen hatte, mußte eine Mikronaht  die ausgefransten Ränder zusammenfügen.

Zum Schluß ein Wasserdichter, steriler Wundverband und schon war die Prozedur überstanden.



" Vermutlich werden wir in ein paar Monaten, wenn die Wunde verheilt ist, eine kleine Korrektur vornehmen müssen. Wir versuchen dann, die Narbe etwas abzuschleifen . Wird schon wieder werden "

Tatkräftig half sie dem Soldaten von der Liege und führte ihn zu seinen Kameraden.

"Während sie versuchen, etwas von dem Essen zu sich zu nehmen, werde ich mir noch mal die Schulter ihres Freundes ansehen."

Und auch den Anderen, mit seinem kleineren Cut über dem Auge, nahm sie gleich mit. Der Riss an der Stirn war mit drei Klettpflastern zusammegefügt worden und würde ausreichend halten.
Aber etwas an sterilem Wundpflaster klebte sie  nochmals darüber.


Die Schulter des Dritten im Bunde war eigentlich gut eingerichtet, aber Helene sah , daß sich eine Schwellung im Achselbereich gebildet hatte und mußte dem Soldaten dabei helfen, das Kettenhemd auszuziehen.
Leider war dies nicht ohne Schmerzen machbar.
Leider.


Aber Helene war so sanft wie ein Engel. 
So empfand dies auch der Bischofssoldat.
Und die weichen  Federn der imaginären  Flügel der Frau.. streichelten mitten in sein Herz.

Wenn der Soldat die Möglichkeit gehabt hätte.., würde sein am Boden liegendes Kettenhemd jetzt voller Freude.. mitten in die wiederliche Visage des Kommandanten fliegen.
Und hoffentlich blutende Wunden hinterlassend.

Irgendwie fühlten sich die 5 Soldaten total geborgen bei Helene.

Vorher war der Umgangston des  Kommandanten ihnen gegenüber so,  wie man aussätzige Tiere behandelt,..

und hier bei der Heilerin, auf der Burg , waren sie plötzlich wieder menschliche Lebewesen, die mit Repekt und Fürsorge behandelt wurden.


Einer der Fünf fragte sogar, ob sie nicht eventuell Hilfe im Krankenbereich gebrauchen könne.
Und wie abgesprochen.., nickten gleich alle 5 Köpfe zustimmend in Richtung Ärztin.

Helene mußte lachen.

" Nein, leider kann ich nur wirklich geschulte Mitarbeiter um mich herum gebrauchen. Aber vielleicht finden wir anderweitig etwas für euch. "

Und sie führte nun die Männer in den Gemeinschaftsraum der Burg.
Dort waren die ursprünglichen Burgbewohner  aber auch ebenso ein paar der Soldaten aus der Zukunft.

Ebenso wie vorhin im Krankenbereich, hing auch hier ein Bild an der Wand, mit hellen Farben den Wald wiedergebend.
Das Bild war nur etwa doppelt so groß wie drüben bei der Heilerin.
Ungefähr 2x3 Meter.
Interessanterweise konnte man auf dem Bild sogar ihre ehemaligen Kameraden sehen, die zu Vierergruppen noch immer im Halbkreis um die Freifläche vor dem Burgtor standen.
Zwar bestimmt 50 Meter entfernt, aber dennoch deutlich erkennbar.

Der Maler mußte ein Genie sein.
Je länger die Männer auf das Bild sahen.. um so mehr wurde ihnen klar.., daß das Bild zu leben schien.

Es schien für sie besser, etwas Abstand von dem etwas unnatürlichem Teil zu halten.

Die kleine Gruppe blickte sich etwas verloren nach der Ärztin um.

Ah ja, dort drüben... 

Helene sprach hinten bei der Treppe nach Oben mit einem der interessant aussehenden Männer.

Und fröhlich winkend rief sie die fünf ehemaligen Bischofssoldaten zu sich herüber.

" Wenn ihr wollt, könnt ihr euch eurer schweren Kleidung entledigen und würdet von unserem Kammermeister leichtere Sachen zum Anziehen bekommen. Eure Waffen müssen wir jedoch vorübergehend wegschließen. "



Die Soldaten hatten damit absolut kein Problem. Die drei Messerchen würden sie sicher  nicht vermissen.

Am liebsten würden sie generell nie wieder Waffen berühren.

Eigentlich waren sie sogar etwas beschämt, jemals mit den Schmerzen und dem Blut anderer Menschen ihr Geld verdient zu haben.

Helene geleitete sie in den oberen Bereich der Burg, welchen sie als Bekleidungskammer umgestaltet hatten.


Im Raum gab es einen abgetrennten Bereich, durch einen hellen Vorhang vor Sichtkontakt geschützt.. welcher den Männern eine gewisse Intimsphäre gewährleistete, um sich ungestört ihrer Sachen zu entledigen.
Ebenso wie vor ein paar Tagen bei Armina, hatten auch die 5 ziemliche Probleme, in die ungewohnten Bekleidungsteile zu schlüpfen. 
Helene mußte immer wieder helfend Hand anlegen.

Erst war es für die Leute eine peinliche Situation.., aber dank des Einfühlungsvermögens der Ärztin, wurde das Umkleiden fast schon wie eine kleine, intime Shoppingtour.

Wie gehabt, waren die eng anliegenden Unterwäscheteile natürlich ungewohnt, jedoch innerhalb kürzester Zeit ein Traum auf der Haut.

Olivgrüne halbärmelige  T-Sirts und dazu passend , mit Tarnmuster bedruckte Armeehosen aus ebenfalls strapazierfähigem , Stoff.

Leicht an Gewicht und weit geschnitten, waren diese Beinkleider wesentlich angenehmer zu tragen und behinderten nicht bei alltäglichen Bewegungen.

Mit einem breiten Textilgürtel an der Hüfte festgehalten..., rutschte auch nichts nach unten.

Und überhaupt.

Unten war auch das ewige Drücken und Ziehen zwischen den Beinen, verursacht durch schlecht geschittenen steiffen Stoff, verschwunden.



Helene hatte sich mit ihrem Charme und ihrer liebevollen Art.. fünf Herzen im Sturm erobert.


Zum Schluß, als die Männer in extra leichte, bequeme Sportschuhe schlüpfen durften und sich im hinteren Bereich in einem Spiegel betrachten konnten, war es für fünf Menschen auf der Erde zu einem Wunder geworden.

Nicht nur der Spiegel war das Wunder...

Ihre herzliche Aufnahme , seitens der Burgleute war das Wunder.

Aus den sadistischen Machenschaften des Bischofs und seinem teuflischen Kommandanten geflohen 
und direkt in die Arme eines Engels gestolpert.
Und wie in einem schönen Traum... im Himmel wieder aufgewacht.

Helene zeigte den Männern in einem Rundgang die Räumlichkeiten , welche sie von der Burgherrschaften überlassen bekommen hatten, erklärte dies und das..., besonders die Monitore an der Wand.. und stellte die Männer anschließend Professor Everie und auch Helmreich von Tannenburg vor.

Ja.., es würde sich Verwendung für die Leute finden lassen.

Wie sich schon nach kurzem Gespräch heraustellte, hatten 3 von den Männern vor deren Zwangseinberufeung in den Soldatendienst..., als Gartenarbeiter, drüben in der Stadt gearbeitet.

Speziell für die Erhaltung und Pflege des Bischofsgarten waren sie mitverantwortlich gewesen.

 

" Na, dann könnten wir euch ja wieder an euren gewohnten Arbeitsplatz einsetzen.   Frau Adelheid von Tannenburg wird euch sicher gut verwenden können "

 

 Die beiden  Männer, welche keine Erfahrung mit Planzen und Gärten hatten, wollte Helene im  Bereich rund um die  Kontaktaufnahme mit weiteren Bischoffssoldaten einsetzen.

Sicher hatten die Männer wesentlich besseren Zugang zum Gehör der Soldaten, außerhalb der Burgmauer.

Aber zuerst sollten die Neuankömmlinge  einen Schlafplatz bekommen und etwas zur Ruhe finden.

Sich ein bischen aklimatisieren und ebenfalls ein bischen das Leben und den Umgang miteinander.., auf der Burg kennenlernen.

 

In einem der Schlafräume konnte die Ärztin ein kleineres Zimmer für die Fünf bereitstellen lassen.

Fünf Feldbetten.

Etwas härter wie das Bett im Krankensaal, aber für die Männer trotzdem wie eine Wolke wirkend.

Mit hellem Laken und weichem Kopfkissen, sowie einer unheimlich wärmenden Zudecke.

Dünn, flauschig und nach Frühling duftend.

 

Dort im kleinen Nassbereich könnt ihr euch duschen.

Helene hatte gemeinsam mit Adelheid einen Wasserzulauf konstruiert, welchen der Techniker der Soldaten angebracht und somit das Wasser aus den Auffangbecken in den Nassbereich , durch den mitgebrachten, solarbeheizten Boiler  leitete.

Die Ärztin erklärte den Leuten noch kurz, wie sie das Shampoo zu verwenden hatten und wie die Waschlotion aus dem Behälter entnommen werden konnte.

Händtücher für heden von Ihnen legte sie auf eine Anrichte und beim Verlassen des Raumes wünschte sie den Leuten nochmals einen guten Anfang auf der Burg und eine gute Nacht mit ruhigem Schlaf .

Natürlich ergab sich anschließend eine Wasserorgie in der Nasszelle.

Warmes Wasser war in der damaligen Zeit nicht immer verfügbar.

Höchstens mal an einem besonderen Wochenende des Monats.

Wenn überhaupt.

Dann, als sie sich mit den duftenden Handtüchern abrieben...,

hatten sie  alle zusammen eine sentimentale Anwandlung


Alle fünf hatten in dem Augenblick den selben Gedanken..

Würde es sich  als dumm erweisen, um die Hand der Ärztin anzuhalten...
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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