Sonja Soller

Der Mann mit den zwei Gesichtern

Der Mann mit den zwei Gesichtern (1)

Sie schlug die Augen auf, konnte dennoch nichts sehen, die Hände fühlten harten Boden. Hatte sie die Augen nun geöffnet oder nicht`? Sie zwinkerte mit den Lidern. Doch, die Augen waren offen und trotzdem war alles dunkel um sie herum. Wo war sie? Vorsichtig bewegte sie ihre Beine, befühlte ihren Körper; Jeans und Pullover, tastete nach den Füßen, keine Schuhe. Sie versuchte zu überlegen, konnte aber keinen vernünftigen Gedanken fassen, der Kopf war leer. Die Beine versagten als sie versuchte aufzustehen, sie wollten sie nicht tragen und schmerzten. Auf Knien robbte sie solange, bis sie irgendwo anstieß, versuchte es noch einmal mit dem Aufstehen. Langsam tastete sie sich an der Wand, eine nackte Betonwand, hinauf, lehnte sich mit dem Rücken an und blieb stehen. Nun hielten die Beine sie. Ein erleichterter Seufzer löste sich aus ihrer Brust. Wenigstens konnte sie wieder stehen und sich aufrecht fortbewegen.
Die Augen hatten sich inzwischen an das Dunkel gewöhnt, sie ließ ihre Blicke kreisen. Ein schmaler, schwacher Lichtschein war auf der gegenüberliegenden Seite zusehen. Sie vermutete dort eine Tür, die nicht ganz bis auf den Boden reichte. Es fiel ihr immer noch nicht leicht einen klaren Gedanken zufassen. Um ihr Gefängnis weiter zu erkunden, drehte sie sich wieder zur Wand. Sie tastete sich weiter und setzte einen Fuß neben den anderen, so hangelte sie sich weiter dem schwachen Lichtstreifen entgegen.
Nun begann auch ihr Kopf wieder zu funktionieren. Was war geschehen ? Wie ist sie hierher gekommen? Es musste sie jemand hier eingesperrt haben, aber wer?. Sie kam dem Schein näher, am liebsten wäre sie einfach direkt auf den Schein zugelaufen, doch soweit konnte sie denken; es war Vorsicht geboten. Sie befand sich in einem fremden, unbekanntem Raum, es konnten Gegenstände aufgestellt worden sein um Alarm zuschlagen, falls sie sich rührte. Selbst in dieser Situation durfte sie nicht in Panik verfallen, musste auf jeden Fall Ruhe bewahren. Was leichter gesagt, als getan war. Ihr Herz pochte vor Anspannung.
Wer hatte sie in diese Situation gebracht? Diese Frage stellte sie sich immer und immer wieder.
Die Wand war zu Ende, die nächste führte in die Richtung wo sie die Tür vermutete. Langsam fühlte sie sich vorwärts, jetzt schon etwas sicherer, die Hände hatten ein Gespür für die Struktur der Mauer bekommen, hier wurde es feucht, sie fühlte sich weich und moosig an. Wo um Himmels Willen war sie bloß? Im Grunde war es ihr egal, Hauptsache sie kam dem Lichtstreifen immer näher. Es konnte, es durfte einfach nicht sein, dass es aus dieser Finsternis kein Entkommen gab.

Ein Geräusch! Ihr Atem stockte, das Herz blieb für einen Moment stehen. Sie hatte es fast bis zur Tür geschafft, denn es war tatsächlich eine Tür unter der der Lichtschein zusehen war. Sie schob sich schneller an die Tür heran und drückte sich ganz fest an die Mauer. Ein Schlüssel wurde in das Schloss geschoben, die Tür wurde aufgestoßen und gegen die Wand geschlagen. Sie hatte Glück, denn sie war ganz nah und presste sich noch fester an die Wand hinter der Tür.
Ein Duft den sie kannte, stieg ihr in die Nase. Das war doch unmöglich, Oliver?
Der Mann trat weiter in den Raum hinein,
wähnte er doch seine Freundin ohnmächtig am Boden liegend. Geistesgegenwärtig stürzte sie hinter der Tür hervor, zog sie rasend schnell zu und drehte den Schlüssel um.

Geblendet vom Tageslicht musste sie die Augen schließen. Nach einer Weile öffnete sie sie wieder und war verwundert, vor einer Treppe zustehen die nach oben führte. Sie prüfte noch einmal, ob die schwere Metalltür wirklich gut verschlossen war. Kein Geräusch drang von drinnen nach draußen, denn Oliver, der nun in dem für sie vorgesehenem Gefängnis saß, würde mit Sicherheit gegen die Tür hämmern, brüllen und schreien, um sie zur Umkehr zubewegen. Sie stieg die Treppe hinauf und sah sich um. Meer und Strand lagen vor ihr, sie erkannte diesen Strand, oft war sie hier schon spazieren gegangen ohne jemals diesen Bunker entdeckt zuhaben. Ohne schlechtes Gewissen entfernte sie sich und war am Überlegen wie sie weiter vorgehen sollte. Kein Mensch begegnete ihr auf dem Weg zu ihrem Haus. Als erstes, da wollte sie duschen und saubere Kleidung anziehen, sie hatte das Gefühl schon Tage nicht mehr mit Wasser in Berührung gekommen zu sein.
Oliver. WIESO Oliver? Es wollte nicht in ihren Kopf hinein. Wieso nur??
Zuhause angekommen trank sie eine ganze Flasche Selters auf einmal aus, erst jetzt bemerkte sie, wie durstig sie war; danach ging es ihr etwas besser.
Irgendwie sah alles anders aus, Bilder fehlten an den Wänden, die alte Kaminuhr war verschwunden und der kleine Sekretär von den Ururgroßeltern, immer an die nächste Generation weitergegeben, fehlte Das war das, was sie auf den ersten Blick feststellen konnte, sie ahnte fürchterliches. Von den ganzen Strapazen erschöpft wollte sie jetzt erst einmal duschen und dann weitersehen, gespannt und unruhig auf das, was noch auf sie zukam. Das durfte alles nicht wahr sein, konnte sie sich so in Oliver getäuscht haben. Ganz offensichtlich.

Sie ging eine Etage höher ins Schlafzimmer, um sich frische Kleidung zu holen, Normaler Weise standen unten im Schrank ein paar Schuhkartons, jetzt stand eine schwarze Ledertasche zusätzlich dort, natürlich verschlossen, mit einem Ziffernschloss. Mhm..., damit wollte sie sich nach dem Duschen befassen.

 

Fortsetzung folgt (morgen)

 

23.04.2020 © Soso

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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