Fritz Lenders

.. schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 36 ) die Operation

... Helene mußte sich von den Gedanken um Armina und vor Allem von den Ängsten losreissen.
Es galt ein Leben wieder lebenswert zu machen.

Der wimmernde Mann wurde auf dem OP-Tisch von seinen Schmerzen erlöst und sank in ein tiefes, ganz ruhiges.. friedliches Meer aus Blumen und Wärme.
Eigentlich wollte die Ärztin eine tiefere Narkose ansetzen, aber da sie erstens keinen Anästisisten zur Seite hatte und zweitens auch nicht bekann war, ob und wieviel der Mann in den letzten 24 Stunden zu sich genommen hatte, musste ein leichter Dämmerschlaf fürs Erste ausreichen.

Es wäre eine Ironie des Schicksals geworden.., wenn der Verletzte, nach soviel Leiden und Folter.. zum Schluß an seinem Erbrochenen erstickt wäre, nachdem er so dramatisch gerettet wurde und endlich keine Schmerzen mehr ertragen mußte.

Zusätzlich setzte Helene  eine wirklich  umfassende lokale Betäubung des gesamten Handraumes, bis rauf zum Ellbogen.

Das Ohr mußte vorerst warten, aber es war durch den großen Wundverband gut geschützt.

Als Nächstes schnitt sie dem armen Folteropfer die Bekleidung vom Körper und deckte den Mann mit wärmenden, sterilen Tüchern ab.

Seitlich vom Tisch hingen die Röntgenaufnahmen am Leuchtmonitor.
Wie vermutet, waren keine Knochen gebrochen, jedoch viel an Muskulatur und Bändern zerstört.

Helene begann vorsichtig die Wunde zu spreizen, damit sie sich von innen nach außen  durcharbeiten konnte.

Zuerst sollten die Bänder rekonstruiert werden.
Eine äußerst filigrane Arbeit.


Eigentlich mit Mikrochirurgie gleichzusetzen.
Sie hatte eine gewisse Außwahl an Kunststoffprothesen , welche sie mit den Bändern verglich.
Vielleicht würde es sich doch besser rekonstruieren lassen, wie zuerst vermutet.
Helene vernähte ein Band nach dem Anderen mit den Kunststoffbändern und brachte die Knochen wieder in die richtige Position.

Im nächsten Schritt versuchte sie die Muskulatur zu vernähen.
Sehr schwer und auch mit Skepsis zu betrachten. 
Ein Muskel wurde äußerst wiederwillig, wenn er gezwungen wurde, wieder zusammenzuwachsen.
Denn das Problem.., ein Muskel mußte so stark wie möglich und dabei jedoch auch so elastisch wie möglich sein.
Knorpelbildung  war da äußerst hinderlich und konnte lebenslange Schmerzen bei Bewegungen verursachen.

Doch die Überlegung, zwei Verdrahtungen in der Hand zu legen, war nicht schlecht.
Helene stabilisierte den Mittelfingerknochen  mit dem Zeigefingergebein ganz unten, also knapp über der Handwurzel und dann noch ein zweites mal einen Zentimeter vor den großen  Fingergelenken.

Normalerweise sollten sich so die Bewegungsfreiheit der Finger und der Heilungsprozess nicht im Wege stehen.
Die zwei Drähte waren unrostbar und konnten in etwa 6-8 Wochen per kleiner , örtlicher Betäubung , gelöst und entfernt werden.
So war zumindest der Plan.
Vorausgesetzt, es würde keine Infektion entstehen..

Im letzten Arbeitsgang vernähte sie die äußeren Wundbereiche.
Interessanterwise waren so gut wie keine Blutgefäße zerrissen.
Da hatte der Soldat wirklich mehrere Schutzengel für sich bemüht.


Nach Schätzung der Ärztin würde sich zwar das Feingefühl in der Hand nie wieder zu 100%  herstellen, weil doch eine beträchtliche Menge an Nerven zerrissen waren und nicht wieder zueinander finden würden...
...aber für den täglichen Hausgebrauch sollten die Finger dennoch ihre Arbeit wieder aufnehmen können. 

Helene ging nicht davon aus, daß der Mann in der Zukunft Klaviersonaten spielen wöllte.

Die Operation dauerte fast 5 Stunden.

Während der Assistent nun eine offene Gipsschale am Handbereich bis hinauf zum Ellbogen anlegte, sah Helene nach, wie weit der 3-D Drucker mit der Ohrprothese war.

Es hatte sich schneller als erwartet bezahlt gemacht, dieses neueste, verbesserte Modell mitzunehmen.
Wer weiß für was sie die Apparatur noch brauchen würden.
Obwohl Helene inständigst hoffte, daß dies nie der Fall sein möge.

Die aus Kunststoff herzustellende untere Hälfte der Ohrmuschel würde noch sicher eine Stunde brauchen, bis sie der Drucker genauestens modelliert hatte.

Daher versuchte die Ärztin in der Zwischenzeit, den Hals des Mannes etwas zu versorgen.
Um an den Stimmbändern eine Verbesserung zu versuchen.., mußte sie eine Beatmung durch den Kehlkopf vornehmen.
Dies würde aber erst in ein oder zwei Tagen möglich sein.

Solche Arbeit erforderte höchste Konzentration um die beste Rekonstruktion zu versuchen.
dazu war Helene jedoch heute nicht mehr fähig.
Sie konnte für den Moment noch die Kunststoffschale im Ohr einsetzen und die Muschel ebenfalls mit einem Drahtgeflecht so zusammenziehen, daß sich eine gewisse äußere Form bilden würde.

Am Ohr selber, also im Innenbereich waren zwar Schnitte und Risse, aber das Trommelfell selber war zum Glück unbeschädigt.
Natürlich würde sich durch die Narbenbildung eine gewisse Hörminderung ergeben, aber damit konnte der Mann vermutlich gut leben.

Sicher war zwar, daß sich zeitlebens immer wieder Schmerzen einstellen würden.

Speziell bei Wetterumschwüngen würde der Mann an seine Folter erinnert werden.

Jedoch war zum jetzigen Zeitpunkt absolut nicht erkennbar, welche Schäden die Psyche des Soldaten erlitten hatte.

Helene war so erschöpft, daß sie sich am liebsten neben dem OP-Tisch auf den Boden gelegt hätte, um zu schlafen.

Aber leider wartete noch der Kamerad mit der Pfeilspitze in der Schulter.

Die Spitze war zwar schnell entfernt, Problem war leider eine gewisse Gefahr, daß der Mann Infektionen davontragen könnte, weil sich die hygienischen Verhältnisse im Jahr 1050 nach Christi.. nicht einschätzen ließen.
Man wußte so gut wie nichts über Bakterien oder Keime, welche zu der damaligen Zeit eventuell ihr Unwesen trieben.

Immerhin galt es zu bedenken, daß im Jahre 1492 und die 300 Jahre danach.. halb Amerika ausgestorben waren, weil die weißen Eroberer um Christoph Kolumbus zu viele Krankheiten und Erreger aus Europa nach Amerika mitgebracht hatten.

Pocken, Pest, Masern Und die Grippe... hatten einen Großteil der Indianer dahingerafft.

Als einzige Antwort auf die Krankheiten aus dem fernen Europa.. konnten die amerikanischen Ureinwohner den Eroberern das unheilvolle Syphillis mitgeben.
Diese Geschlechtskrankheit wiederum kostete viele Menschen vom anderen Kontinent das Leben.
Und von dort aus umzog es die ganze Welt mit der schlimmen Krankheit.

Endlich war Helene für den Moment fertig.

Der Bischofsmann wurde im Krankenbereich mit einer Infusion im Arm  in das freie Bett neben den Waldmenschen aus dem Dorf, verfrachtet und der Soldat aus der Burg bekam eine stabilisierende Armschlaufe  und durfte in den Saal zu seinen Freunden.

Helen wollte jetzt nichts lieber, als schlafen.

Aber zuerst mußte sie Armina  absichern.

Sie ließ eine Drohne mit Funkkameras ausstatten. Insgesamt waren in einer kleinen Box 12 Kameras nebst Halterungen, zwei Alarmsysteme  und zwei Ohrknöpfe.
Dazu eine kleine , handliche Scorpio Maschienenpistole mit 4 Magazinen.

Sobald die Drohne in der Luft war, stellte Helene Kontakt zu Armina her.

" Armina, höre mir genau zu. Es ist ein Quaddrokopter zu dir unterwegs. Er bringt dir verschiedene Dinge, die zu eurem Schutz unbedingt notwendig sind. Wir werden in den nächsten Stunden genauestens alles durchgehen. Zusammen mit deinem Vater. "

Helene hatte vor Übermüdung Augen.., gerötet wie bei einem Vampir nach der Blutorgie.
Naja, mit der Blutorgie lag man ja nicht so weit daneben.
Obwohl zwar im positiven Bereich...

Armina hatte in den nächsten 15 Minuten das Packet der Drohne in das Haus gebracht und Alles auf ihrem Bett ausgebreitet.

" Armina, du nimmst jetzt die zwei Ohrknöpfe. Einen für deinen Vater und einen für dich. So sind wir erstens immer miteinander verbunden und zweitens hast du auch immer Kontakt mit deinem Vater. Es ist nur immer notwendig, daß du zuerst den Namen aussprichst, mit wem du Kontakt haben möchtest. Im Ohrstecker ist ein Sprachassistent der sofort zur jeweiligen Person Verbindung herstellt. "

Armina als auch ihr Vater  setzten sich vorsichtig das Metallteil in das Ohr. Zwar war das Gefühl am Anfang ziemlich unangenehm, aber nach ein paar Minuten hatte sich das Metall an die Umgebungstemperatur angepasst.
Armina sagte den Namen von Helen und sofort entstand ein Gesprächskontakt im Ohr.
Fast schon wie Telepatie im Kopf.

" Armina.., du sagst jetzt.. * Konferenz mit Helene und Papa *..., dann können wir uns zu dritt unterhalten. Jetzt kommen nämlich ziemlich schwierige, technische Erklärungen. "

Zuerst gingen sie zu dritt die Funkkameras durch und die Alarmmelder.
Diese sollten nämlich im Kreis um das Dorf herum,  im Wald an den Bäumen angebracht werden. Aber ebenso sollten vier Kameras den Innenbereich des Dorfes überwachen.
Die Alarmmelder waren mit Bewegungssensoren ausgestattet, welche auf größere Veränderungen justiert waren, welche eben von Menschen außgelöst wurden.

Zum Schluß kam die Scorpio zum Erklären auf den Tisch.

Dies war ein kniffliges Thema, weil weder Armina, noch Bruno auch nur im Entferntesten  mit Schußwaffen zu tun gehabt  hatten.
Helene versuchte so gut es ging und auch mit Engelsgeduld .. die technischen Abläufe der Maschienenpistole zu erklären.


Schon alleine das anbringen des riesigen Schalldämpfers war eine schwere Geburt.
Die Ärztin erklärte den beiden, daß der Schalldämpfer eine enorm wichtige Funktion zu erfüllen hatte.
Er sorgte dafür, daß der Schütze nicht sofort ausgemacht werden konnte.
Außerdem verhinderte der Dämpfer auch ein Aufkommen von Angst..., wegen des ziemlich lauten Getöses, wenn die Waffe abgefeuert wurde.

" Armina.., die Waffe wird dein Vater bei sich tragen. Immer und überall hin. Sie ist ab jetzt sein Schutzengel, seine Freundin und Geliebte. Er muß sie hegen und pflegen, weil euer Leben davon abhängen wird. Die Waffe kann auf Einzelschuß umgestellt werden, was ich im Moment für empfehlenswert halte.., und kann auch mit einem Schalter auf Feuerstoß verändert werden. Und jetzt geht ihr nach draußen und übt mit ein paar Schüssen, wie die Wirkung der Waffe Feinde von euch abhält..  Das Gerät ist mit einem Laserzielsystem ausgestattet und hat wenig Rückstoß. Aber ich möchte, daß ihr Beide mit dem Gewehr umgehen könnt. Also los.. "

Armina und ihr Vater  suchten sich im Freien eine Stelle, die  den Vorgaben Helenes einigermaßen  entsprach.
Im Abstand von knapp 20 Metern bauten sie eine kleine Gruppe von Tontöpfen , gefüllt mit Wasser auf.
Umzingelt von neugierigen Beobachtern, versuchte Bruno seinen ersten Schuß.


Arminas Vater machte Alles so, wie Helene es erklärt hatte.
Armina leuchtete ihn mit ihrem Funkgerät dabei an.
Somit konnte Helene  auch zusehen und kommentieren.

Dann ein Schuß.
Nicht in die Tontöpfe oder auch nur annähernd in die Richtung.


Nein...


Arminas Vater war so nervös, daß er unter das Dach des Nachbarn schoß und durch bloßen Zufall... und leider zum Schicksal der Nachbarskatze.., das Tier erlegte, während sich die Katze schläfrig im Dachgebälk rekelte.
Schreiend und ziemlich übel zugerischtet, stürzte die Mietze zu Boden, wo sie sich ziemlich unsanft vom Leben verabschiedete.

" Bruno, sie müßen sich mehr Zeit nehmen. Der Leuchtpunkt muß direkt auf der zu treffenden Stelle ruhen. Dann den Abzug drücken, ohne zu sehr zu zittern  "

Diesmal war die Sache vom Erfolg gekrönt. Der Tontopf im 20 Meter entfernten Holzvorbau zerplatzte.. und Bruno wurde von Rückstoß der Maschienenwaffe,  mit dem Hosenboden in den Staub der Straße befördert, weil er die Waffe zu locker in der Hand gehalten hatte.

Sehr zur Belustigung von Armina..
und auch zum unterhaltsamen Gelächter der Dorfleute.
Nach dem dritten Schuß hatte Bruno den Bogen rauß.
Und auch Armina machte keine schlechte Figur, beim absolvieren ihrer Schießübungen.

" Gut, das reicht fürs erste. Jetzt gehen wir zurück ins Haus und befassen uns mit dem Reinigen und Pflegen der Waffe. Es sind jetzt noch 140 Schuß zur Verfügung. Dies dürfte potentielle Angreifer genügend beschäftigen, bis wir eingreifen können... "

Die nächsten zwei Stunden waren für Armina und Bruno  * Turbolernen *  auf höchstem Niveau...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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