Gisela Welzenbach

Eine Münchner Vorstadtkneipe in den 70iger/80iger Jahren

Die Hammerschmiede war ein sehr volkstümliches Lokal, fast so wie beschrieben in dem Lied „Die kleine Kneipe in unserer Straße“. Eine richtige Vorstadtkneipe wie sie echter nicht hätte sein können.

Es gab viele Originale im Lehel, wie z.B. der „Feierwehr-Franze“, der „Metzger Sepp“, der Jake (Jakob) und der „Osram“ (ich weiß leider seinen bürgerlichen Namen nicht mehr). Dieser wurde so genannt, weil er immer so ein rotes Gesicht hatte und förmlich leuchtete vom dauerhaften großen Zuspruch des Weines. Diese Urgesteine waren hauptsächlich als Stammgäste und natürlich noch andere Leut' in der „Hammerschmiede“ anzutreffen. Darunter mein Vater mit seiner Quetschn. Mittlerweile sind sie alle schon von uns gegangen. Das heißt, beim „Metzger Sepp“ weiß ich es nicht, ob er „no da is“.

In dieser bayerischen Kneipe gab es noch einen zünftigen Stammtisch und auch die „Kartlerzunft“ hat „Schafkopf“ gespielt. Es wurde dann schon mal sauber geschimpft wie z.B.: „Hergottsakra, hot der scho wieder gwunna (gewonnen) der Duslbruader der elendige!“ Leider geht der bayerische Dialekt so langsam dahin.

Die Wirtsleut waren griabig und volkstümlich und sprachen schon auch mal selber gerne ihrem Schnaps zu. Sie haben aber auch immer mal was spendiert. Sie hatten einen Dackel, der sich so wohl fühlte, dass er unter dem Tisch mal sein „großes Geschäft“ verrichtet hat. Na das hat vielleicht elendiglich gestunken. Aber alle haben es überlebt.

Eine Musikbox hatte auch ihren „Stammplatz“. So manch einer hat schon a mal a Fuffzgerl oder a Markl in die Box geworfen und man hat sich an der – mal mehr oder weniger – guten Musik erfreut. Es gäbe noch viel zu erzählen.

Nachdem es die alte Wirtschaft gegenüber unserem Haus nicht mehr gab wurde die „Hammerschmiede“ an der Ecke zur Emil-Riedel-Straße zur Stammwirtschaft. Als ich älter wurde, war ich auch mit Freunden ab und zu dort bzw. natürlich dann zu den entsprechenden Festivitäten.

 

Meine Familie hatte einigen Anteil daran, dass in unserem Bereich – Oettingen-/Lerchenfeld-/Emil-Riedel-Straße – in den dortigen Lokalen/Wirtschaften Leben in der Bude war.

Wir haben tolle Feiern veranstaltet, weil mein Vater, meine Schwester und ein Kollege, von ihm Musik spielten. Mein Vater spielte diatonische Harmonika, meine Schwester E-Gitarre und Seppi spielte Bassgitarre. Ab und zu spielte auch mein Cousin mit der E-Gitarre mit und da ging dann wirklich die Post ab!
Gespielt wurde alles vom Volkstümlichen bis zu Schlagern, Country und Rock'n Roll. Unser Jake hatte das Lied „Dschingis Khan“ so gern und so setzte er sich einen Sektkübel oder auch mal einen Eimer auf den Kopf, nahm das Schepperl in die Hand und schepperte mit der Musik den Takt mit was das Zeug hielt.

Es waren wunderbare und feuchtfröhliche Faschingsfeiern mit den Stammgästen sowie unserer Verwandtschaft und sonstiges Volk. Auch Weihnachts- und Silvesterfeiern fanden statt. Selbstverständlich wurden viele runde Geburtstage und auch Jubiläumsfeiern veranstaltet. Immer musikalisch begleitet von der Kapelle Rausch und Hupfauf oder auch mal Lehel-Trio genannt.

Ich habe meinen 18. Geburtstag und zwei Jahre später meine Hochzeit dort gefeiert.

Bei einer Jubiläumsfeier einer meiner Tanten (Anfang der 80iger Jahre), die ihre 25-jährige Firmenzugehörigkeit in der „Hammerschmiede“ feierte, gab es ein Buffet, wo es u.a. auch einen warmen Leberkäse gab.
Die Stimmung war so gut, dass dieser vor Begeisterung auf den Boden fiel und von der Wirtin völlig unbekümmert wieder auf das Tablett gelegt wurde. Es hat wirklich niemanden gestört.

Und da war a no so a bsondere Faschingsfeier in der Wirtschaft. An einem Faschingsdienstag wurde traditionsgemäß der Fasching beerdigt. Irgendwer hatte eine längliche Holzkiste von irgendwoher rangeschleppt und als es soweit war mit der „Beerdigung“ wurde der Jake, welcher wie alle Feierenden, schon ordentlich getankt hatte, mit den „Beschwörungsformeln“ betraut. Die Kiste war natürlich nur ganz leicht mit einem leichtem Deckel geschlossen.

Der Jake hat dann den Deckel aufgemacht und es hat ihn fast umgehauen. Darin lag pudelnackert eine der weiblichen Faschingsgäste (äußerst gut gelaunt, nicht wegen des vielen „Tees“, den sie intus hatte), die eh immer schon ein wenig „extra“ war und sich nix dabei denkt hat. Dem guten Jake ging das entschieden zu weit und ihr wurde ohnehin schnell ein Kleidungsstück übergeworfen.

Ich weiß das jetzt nur aus Erzählungen, denn ich war nicht dabei. Gott sei Dank muss ich sagen. Jedenfalls, langweilig war es in unserer Stammkneipe niemals.

Diese Kneipe war schon wirklich was besonderes mit den besonderen Menschen voller Lebensfreude, welche gerne mal Fünfe grade sein ließen. Und so was gibt es heutzutage glaub ich nicht mehr. Vor langer Zeit wurde sie nach dem Tod der Wirtsleute geschlossen und danach wurde ein russisches Lokal daraus – oder vielmehr – mit einem russischen Touch. Meine Eltern waren davon nicht sehr angetan und so ging auch diese Ära -zumindest was uns betraf - zu Ende.

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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