Georg Weiß

Autobahngeschichten

Autobahngeschichten

 

Sie standen auf einer der vielen Parkplätze, die sich entlang der Autobahn mitten durchs Land zogen. Ein älteres Ehepaar, das unweit von ihnen geparkt hatte, aß Obst. Ihr Fahrzeug war vollgepackt mit Weinkisten, die die Aufschrift „Ferienweingut“ trugen. Ein Mann im dunklen Anzug und weissen Hochglanzlackschuhen kam an ihrem Fahrzeug vorbei. Er erinnerte sie an einen Mafiosi.

 

Es war dunstig; Regen hatte die Fahrbahn in einen reissenden Fluss verwandelt. Fahren war zu einem Glücksspiel geworden. Viele suchten Parkplätze auf. Hektische Telefonate wurden im Regen geführt.

Kinder fanden Gefallen daran in große Pfützen zu springen.

 

Mit lautem krachenden Donner zogen Blitze über den Himmel. Immer mehr Fahrzeuge suchten den Parkplatz auf. Andere waren ungeduldig; steuerten die Autobahn wieder an.

 

In der Ferne hörte man ein schnell näher kommendes Martinshorn, das mit seinem blauen Lichtsignal schnell am Parkplatz vorüberzog. Im Autoradio wurde von mehreren schweren Unfällen gesprochen. Kaffee fand an der überfüllten Tankstelle viele Freunde. Die Automaten konnten gar nicht schnell genug nachgefüllt werden.

 

Ein schwarzer VW Bulli war von der Autobahn auf den Parkplatz gefahren. Mit seiner schwarzen Lackierung und seinen vielen

Chromteilen war es ein Fahrzeug das auffiel; die Stoßstange sah aus wie ein geöffnetes Maul. Ein seltsames Emblem war auf den Vordertüren zu sehen.Viele der Autoscheiben waren mit Rollos verdunkelt. Man konnte nicht in das Innere des Fahrzeuges sehen, das machte Angst!

 

Der Bulli parkte hinter einem BMW der Luxusklasse; der Fahrer ein junger Mann und seine beiden weiblichen Begleiterinnen fühlten sich bedrängt. Der Bulli war ihnen zu dicht auf die Pelle gerückt und betätigte jetzt grundlos permanent seine schrille Hupe. Der junge Fahrer warf

ihm dutzende Schimpfworte zu, ohne eine Wirkung zu erreichen. Der Bulli hatte inzwischen seinen Motor gestartet und spielte ständig mit seinem Gaspedal. Das Nervenkostüm der drei BMW Insassen wurde auf eine harte Probe gestellt. Schliesslich stieg der Fahrer aus und ging zum Bulli, der die Drehzahl des Motors erneut hochjagte. Der junge Mann versuchte die Fahrertür des Bullis zu öffnen. Dies misslang, aber er wollte sehen, was da für ein Penner darin saß.

Unerwartet öffnete sich die Seitenscheibe und so konnte er in das Innere des Bullis schauen. Er wurde kreidebleich; seine Augen hatten den Blick eines Wahnsinnigen angenommen.

Er rannte zu seinem BMW, starte diesen und verließ den Parkplatz, als ob er den Leibhaftigen gesehen hätte. Als er auf die Autobahn auffahren konnte, trat er das Gaspedal durch und dachte „Die sind wir wohl los!“

Den beiden Frauen erzählte er nicht was er gesehen hatte. Es begann wieder Normalität einzukehren. Sie lachten miteinander, als ein kräftiger Schlag an die Stoßstange des BMW sie erneut in Angst versetzte. Es war der Bulli, der an ihnen klebte, das große bedrohliche Maul wollte sie jetzt fressen! Die ersten Stöße konnte er noch korrigieren. Die Frauen schrien, eine der beiden wollte wissen, wer da im Auto saß. „Zwei Vogelscheuchen“ brachte er stammelnd über seine Lippen. Ein erneuter Schlag ließ ihn die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. Sie durchschlugen die Leitplanke. In einem Feld kam der BMW zum Stehen.

Tage später fanden Spaziergänger einen verwirrten jungen Mann, der die Radkappen eines BMW mit sich trug.


 


 


 

Georg Weiß (Mai 2017)


 


 


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.04.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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