Francois Loeb

VERMUMUNG

Mumm. Ein klassisches Wort. Ich sitze über dem Lexikon. Nein, nicht online. Über dem vom Grossvater durch Vaters Hände gegangenen, abgegriffenen Buch. Meyers mit Nachnamen. Meyers Gesprächs Lexikon. Es birgt so manches Wortgeheimnis. Natürlich neben den obligaten Stockflecken. Und ohne Auskunft über online oder googeln geben zu können. Speichelspuren kann ich erkennen. Am unteren Ende der Seiten. Vom Umblättern. Vom genässten Zeigefinger. Nicht dem Eingenässten. DNA Spuren? Könnte ich, wenn diese kriminaltechnisch untersucht würden, auf meine Abstammung schliessen. Endlich darüber Auskunft erhalten weshalb ich ein Apfel bin der so weit vom Stamm gefallen ist. Im meterhohen, heubereiten Gras sich der Faulheit ergibt. Ergibt seit letztem Herbst. Zerfressen von Bakterien. Von Viren nicht zu sprechen. Doch mir fehlt der Mumm dazu. Was unterscheidet Mumm von Mut? Nach Duden, online diesmal, man soll sich dem Fortschritt nicht verschliessen, Mumm: ‚Entschlossenheit und Tatkraft, wenn es darum geht, sich zu einem Wagnis aufzuraffen‘
und Mut wieder nach dem A+O der Deutschen Sprache: ‚Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden; Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte.‘
Oder kann es sein, dass Mut gemäss meinen eigenen, oft mutlosen Synopsen, auch ein Mangel an Fantasie ist was bei unbedachten Handlungen geschehen kann? Und dann das Wort zumuten! Ähnlich wie zuprosten? Zeigen wollen, dass das eigene Ego nicht vor Angst zergeht wie Schokolade an der Frühjahrssonne und dabei hässliche Flecken hinterlässt? Habe ich den Mut mich zu vermummen. Mein Gesicht, die wahren Absichten zu verbergen, die sich im Abgrund meiner Seele wie lichte, manchmal schwarze Blumen entwickeln, versuchen zu meinen Steuerkopf, dem Sturkopf aufzusteigen, diesen zu vernebeln. Einzudringen. Mich zu mutigen Handlungen zu verführen, die ich mir selbst nicht zumuten kann und will? Da bricht die Vernunftssynopse durch den Wörternebel, durch das Wörtermeer, schreit mir zu: ‚Muss ich Dir den Mund verbinden?‘ Ja, denke ich verbinde mich, auch ein so mehrdeutiger Ausdruck den ich in Meyers Lexikon nachzuschlagen habe. Ich gehe das sogleich mutvoll an. Dabei mutwillig meinen Mund in beide Hände nehmend. Will vernuftsmässig mir den eigenen Mund verbinden. Denn, wer bin ich ausser nichts ...

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PS nicht vergessen die Wochengeschichte ist auf meiner Homepage auch von mir gelesen anzuhören!
<francois-loeb.com>

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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