Tobias Schoeneis

The Unisex Prison I

Der Teil, in dem ich alles verliere
 

„Machen Sie die Tür auf. Hier ist die Polizei.“, hallte es durch das ganze Treppenhaus, gefolgt von lauten, dumpfen Schlägen gegen meine Wohnungstür. Vor lauter Schreck lies ich mein Glas Wasser fallen, während mein Kopf sich ruckartig Richtung Tür drehte.

„Mrs. Portland machen Sie die Tür auf!“, folgte unmittelbar darauf und erneut zuckte ich zusammen. Wie gelähmt blieb ich barfuß in den Scherben stehen und verfolgte das Geschehen vor meiner Tür, welche plötzlich ruckartig aufsprang. Ein Knall hallte so stark durch das ganze Treppenhaus, dass die Nachbarskinder anfingen zu schreien und sich sämtliche Wohnungstüren öffneten.

Es war der Moment, auf den alle gewartet haben. Alle bis auf mir.

Die Polizei stürmte meine Wohnung und mit schwergeladenen, auf mich gerichteten Waffen kamen zwei Männer direkt auf mich zu und rissen mich zu Boden. Die Scherben? Das war ihnen egal.

Einer der Beamten drückte mich zu Boden und hielt mich fest, während er mein Gesicht mitten in die Scherben presste. Nachdem der andere Beamte mich in Handschellen gelegt hatte folgte ein lautes „Wir haben Sie!“ und die beiden Männer zogen mich wieder hoch. Einige Scherbensplitter hingen noch in meiner Wange und mein Blut zierte den Fußboden.

„Jetzt haben wir dich du Schlampe.“ Flüsterte mir einer der Männer ins Ohr, während er mich vor sich her schubste. Der andere Beamte verließ selbstzufrieden meine Wohnung und grüßte sämtliche Nachbarn, die neugierig im Treppenhaus standen und darauf gewartet haben, dass die „Schwerkriminelle“ endlich abgeführt wird. Sie wussten gar nichts über mich und konnten es auch gar nicht, denn dafür habe ich gesorgt.

Die schlimmste von allen war Mrs. Bikwa von gegenüber. Sie schüttelte nur ihren Kopf, während sich ihre goldenen Ohrringe in ihren fettigen, blonden Haaren verfingen und ihre Zigarette sich dieselbe Farbe mit ihren Lippen teilte.

„Na los vorwärts.“, murmelte der Beamte hinter mir, während er mir den nächsten Stoß nach vorne verpasste. Mrs. Bikwa grinste mir noch einmal selbstgefällig zu, als die Beamten mich zur Haustür brachten.

Ich wusste, dass ich dieses Treppenhaus, diese Nachbarn, sogar die Bikwa sehr lange nicht mehr sehen werde, denn ich war drauf vorbereitet.

„Das kommt davon, wenn man seinen Ehemann absticht.“, kreischte die Witwe Smith von oben durchs Treppenhaus.

„Passen Sie auf sonst sind Sie die nächste!“ entgegnete ich ihr.

„Gehen Sie schon weiter.“, keifte der Beamte hinter mir, während er meine Schulter nach vorne drückte.

Wir verließen das Treppenhaus und gelangen durch die Haustür nach draußen. Die Wohnungstüren hörte man von draußen noch nach und nach zuknallen. Kurz danach erschienen immer mehr Gesichter an den Fenstern des Wohngebäudes.

Ich musterte jedes Fenster ab und wusste welcher Sensationsgeiler Nachbar seinen Blick durchwerfen würde und welcher nicht.

Die Beamten zwangen mich immer näher zum Streifenwagen zu gehen und dennoch warf ich meinen Blick immer wieder zurück zur Fensterfront. Immer wieder musterte ich jedes Fenster ab mit der Hoffnung sie noch ein einziges Mal zu sehen.

Plötzlich öffnete sich der limettengrüne Vorhang meines Küchenfensters. Und dort war sie – meine Tochter.

Ein erschrockenes „Mama?!“ drang in meine Ohren, als die Beamten gerade dabei waren mich in das Auto zu stecken

„Schatz, ich erkläre dir alles. Bleib stark!“ rief ich meiner Tochter zu, als sie erschrocken gegen die Fensterscheibe klopfte und die Beamten die Autotür mit voller Wucht zuschlugen.

Dicke Tränen standen in Ihren Augen und ihre Angst konnte ich auch noch im Fahrzeug spüren. Sie stand da nun völlig allein und verängstigt.

Ein „Ich liebe dich“ brachte ich über meine Lippen und das Auto fuhr los.

 

Ich würde mich wirklich sehr über eure Kommentare freuen, um zu gucken ob ich was ändern kann und ob mein Projekt überhaupt gut ankommt :)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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