Fritz Lenders

.. schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 41 ) das Dorf...

.. der Waldmensch mit seiner verletzten Schulter beugte sich zu Armina vor und durfte von dem Löffel voll Blumenkohl kosten.

" Hey..., nur kosten nicht gleich Alles runterschlingen. Und halte etwas Abstand zu meinen Haaren "

Armina war so gut aufgelegt.., so fröhlich so voller Schwung und Elan, daß es wirklich ansteckend wirkte.

Der Waldmensch mit seiner verletzten Schulter wollte sich auch etwas vom Büffet zu essen holen, doch er wirkte ein wenig  verloren.
Also sprang Armina hinter ihm her zur Anrichte und hielt sein Tablett, wärend der Dorfbewohner von verschiedenen Gerichten etwas auf seinen Teller gab. 

Ganz besonders hatte es ihm der bunte Salat angetan.

Für dieses Festmahl und für die Fürsorge auf der Burg.. würde er sich gerne wöchentlich einmal von einem Pfeil anschießen lassen.

Zurück am Tiscch gesellten sich so nach und nach einige der Bischoffskrieger zu ihnen.

Alle hatten so ihre Blessuren und Armina fragte, wann denn eigentlich die Kampfhandlungen stattgefunden hatten ?


" Naja, eigentlich hat noch gar kein Kampf um die Burg stattgefunden sondern der Kommandant ist wieder mal ausgeflippt. So sicher wie das tägliche Gebet an die Waldgeister.. ist die Tatsache, daß er irgendwann mit aufgeschlitzter Kehle im Straßengraben gefunden wird. Im Morgenlicht wurden zwei Leute von uns eingeliefert, welche am ganzen Körper Feuernarben hatten. Der eine wird nie mehr wie ein Mensch aussehen können.  Das ganze Gesicht verbrannt. "

Armina bemerkte, daß alle am Tisch sitzenden Bischofskrieger feuchte Augen hatten.
Irgendwie fragte sich das Mädchen, wie  die Zukunft in 1000 Jahren wohl schlimmer sein könnte, wenn schon in der jetzigen Zeit das Leiden und die Folter allgegenwärtig waren.
Würde drüben im Jahr2031  der Teufel die Erde beherrschen . oder was ?

Am Nachmittag hatten sich Arminas trübe Gedanken aber schnell aus dem Wind gemacht, weil sie im Innenhof ihre erste Lehrstunde im Motorradfahren bekam.

" Also es ist so.., die Motorräder sind Hybriden. Das heist, sie fahren mit Benzin aber auch mit Strom. Jedoch bevorzugen wir den Benzinmotor, weil er einfach robuster und stärker ist. Und die Technik funktioniert so.... "

Helene erklärte Armina, daß die Maschienen Automatikgetriebe hatten und sich sowohl von links als auch von rechts beschleunigen ließen.
Nicht mit einem kleinen Hebel wie beim Quad sondern durch Drehung des Griffes am Lenker.
Ebenso erklärte sie dem Mädchen die Funktion der  Bremsen. 

Und nun kam der knifflige Teil.
Das Fahren an sich.
Helene stellte das Motorrad auf Standgas um und ließ Armina auf dem Sitz Platz nehmen.

" Hör zu.., fürs erste mußt du nichts an den Griffen und ebensowenig an den Pedalen unternehmen.Einfach das Gleichgewicht halten und auf die Technik vertrauen.
Das Gerät würde sich mit einer Geschwindigkeit von höchsten 5-6 km/h  bewegen. so daß Helene daneben her laufen konnte um eventuell einzugreifen.
Doch man siehe und staune.
Irgendwie funktionierte das Motorradfahren bei Armina fast genauso schnell wie das Gitarre spielen.

Fast den ganzen Nachmittag übten sie das Stop and Go fahren mit bremsen, beschleunigen und kleineren Hindernissen.

So hatte Helene zum Beispiel eine Holzbohle über einen rundlichen Hackklotz gelegt und Armina sollte langsam darüber fahren und gleich dahinter in einer engen Kurfe  zurück zur geraden  Strecke beschleunigen.

Na das war ja mal eine Aufgabe.., die Arminas Geschicklichkeit auf die Probe stellte.

Über das Brett kam sie ziemlich gut und auch die enge Kurfe wurde gemeistert.. 
Aber beim Beschleunigen hatte sie wohl ihre Fähigkeiten etwas überschätzt.
Denn sie kam ins Straucheln und sauste geradeaus auf den Bischofskrieger zu, der in diesem Augenblick die Treppe herunterkam um beim Üben zuzusehen.

Armina sauste wie eine Fahne im Wind flatternd.. auf ihn zu und durch den Innenhof gellten zwei schrille Laute.
Richtig schön im Duett gebrüllt.

Armina und auch der gegnerische Soldat schrien um die Wette.
Und als instrumentale Begleitung des Gesanges.. kreischte der Gummi des Motorradreifens über den Steinboden.

Was für ein Getöse.
Armina schaffte es, auf den Zentimeter genau.. Nase an Nase mit dem Mann.. stehenzubleiben. 
Gerade noch so.

Der Bischofsmann setzte sich zitternd auf die unterste Stufe der Treppe und versuchte.. wieder normal atmen zu können.

" bist du eigentlich verrückt ? Ich bin aus den Fängen des Komandanten mit Müh und Not geflüchtet.. und du metzelst mich mit dem Ungetüm nieder. "

Armina hielt sich vor lachen die Hand vor den Mund.

" Bitte sei mir nicht böse.. Ich bin doch noch am lernen. Und glaube mir.. es ist verdammt schwer, diesen Metallesel zu bändigen "

Helene fand , daß es für heute genug an Übungen gegeben hatte.
Sie verpackte gemeinsam mit Armina das Bike und schlenderte mit dem Mädchen zurück in den Krankenbereich, wo sie gemeinsam im Zimmer der Ärztin verschwanden.

" Armina, du mußt wieder zurück in euer Dorf. Ich brauche dich unbedingt als verlängerten Arm , falls irgendetwas schief läuft. Ich vertraue dem Frieden nicht mehr lange. Der Kommandant drüben im Wald wird sich nicht mehr lange mit Geplänkel aufhalten. Ich denke.., daß ein Angriff kurz bevorsteht. "

Die beiden Frauen besprachen noch, wie und wo sie sie wiedersehen konnten.
Arminas Herz war schwer wie Blei.
Eigentlich waren ihre Augen ohne unterbrechung dabei.. zu weinen.
Doch mit eisernstem Willen zwang sie sich zu einem Lächeln.

" Helene, in meiner Zeit ist es nicht so einfach, einen Partner fürs Leben zu finden. Man findet sich irgendwie... und bleibt dann für ein Leben lang zusammen. Durch harte Zeiten wie auch durch sonnige Tage. "

Armina schlang ihre Arme um den Nacken der Ärztin..

" Ich habe noch nie in meinem Leben geliebt. Ich wußte nicht, wie schön es ist. Aber jetzt hast du mir die Sonne in mein Herz geschickt und ich möchte nie mehr anderst fühlen. Ich weiß.. ich bin noch jung.. und vielleicht wirst du jetzt über mich lächeln.. Aber, Helene.. du bist mein ganzes Leben. Jetzt und für immer.. Bitte lasse mich nie mehr alleine. "

Sie streifte mit ihrer rosigen Zunge so zart wie ein Schmetterlingsflügel .. über die Lippen der Ärztin...

" Und jetzt begleite mich zum Tor, damit mich deine Männer zum Quad bringen können. Mach schnell, sonst kann ich nicht mehr von dir weg. "

Die beiden Frauen liefen die Stufen hinab zum Innenhof.., drei Soldaten warteten schon auf ihren Motorrädern vor dem Tor.

Arminas Herz wollte eigentlich zerbrechen...
Helenes Herz wollte ebenfalls in tausend  Teile zerplatzen...

Aber Abschied wahr ja noch nie ein schönes Spiel. Es war immer ein bischen wie sterben.

" Armina.., komm gut nach Hause. Ich halte mit dir Verbindung über den Monitor. "

" Helene..., ich weiß nicht was ich sagen soll.., ich mußte mich noch nie so schwer verabschieden.  Helene.. danke daß es dich gibt und daß du in mein Leben gefunden hast. Erst jetzt weiß ich, warum frisch verliebte immer so strahlen.. "

 Die beiden Frauen lächelten sich so herzlich zu, daß sogar die Menschen in der Umgebung im Burginnenhof von dem Zauber, der Magie mit eingefangen wurden.

Armina setzte sich auf den Sitz des Motorrades hinter den Soldaten und drehte sich ein letztes mal zu der geliebeten Ärztin um. 
Das Leben würde unglaublich schön werden.
Sie hatte soviel vor..
Sie würden das besonderste Paar im ganzen Land werden...!

Helene hob den Arm um zu winken.. und plötzlich zischte ein verirrter Pfeil der Bischofskrieger  wie ein Irrläufer über die Mauer.
Keiner hatte ihn kommen sehen.
Es war einfach ein zufällig abgefeuerter Schuß.

Der Pfeil bohrte sich bis zum Anschlag in den Bauch der Ärztin.

Sie wollte noch schreien.. doch die Luft blieb ihr weg.
Statt dessen sank sie zu Boden.

Blut.

Überall Blut.. und  Arminas Hände.
Schreiend stürzte sie vom  Motorrad und hielt Helene in den Armen.
Sie schrie.., sie schrie.. sie schrie..

" Bitte bleibe bei mir.., bitte. ich brauche dich. Du darfst nicht gehen. Hiiiiillffeeee... "

Eine silberne Träne lief über Helenes Wange nach unten in den Staub..

... vielleicht ist es ja zu kitschig. Und vielleicht kann man nur als Autor der Geschichte.., den Horror fühlen,
welcher Armina und Helene überrannt hat. Aber ich mußte unterm schreiben weinen. Ich weiß, es ist wirklich
schwer zu glauben...
Fritz Lenders, Anmerkung zur Geschichte

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Fritz Lenders).
Der Beitrag wurde von Fritz Lenders auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Die Hexe Frieda von Simon Käßheimer



Die Hexe Frieda ist eine besondere Hexe, eine alte Hexe, eine glückliche Hexe und eine freundliche Hexe. Das aber allein reicht für sie nicht aus, auf Dauer zumindest, findet ihr Rabe Melox als er sein Ende nahen fühlt; und so begeben sie sich zu zweit auf eine gemeinsame Sinnsuche, um einiges zu lernen und um mehr vom Leben zu verstehen wie bisher.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Mystery" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Fritz Lenders

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Chaos in der Schneehölle des " Sudelfeldes "(Überarbeitung) von Fritz Lenders (Humor)
Entspannung pur.... von Rita Bremm-Heffels (Humor)