Fritz Lenders

...schwarze Burg und rote Rosen (Teil 42 ) tiefste Trauer

... Armina  saß am Boden hinter Helene und zog deren Kopf auf ihre Knie.
Sie konnte nichts mehr sehen, weil ihre Augen tränenüberflutet waren.

" Helft uns.., ich bitte euch im Namen der Geister des Waldes.. helft uns... , Helene stirbt  !  "

Sie hielt die Ärztin ganz fest .
Mittlerweile saß  sie mit ihrem Bauch am Rücken von Helene und spürte die Pfeilspitze hinten herausragen.

Das Blut lief nicht mehr so schnell. 
Es tröpfelte nur noch auf Arminas Beine.
Allerdings waren sie beide ohnehin schon blutdurchnässt.
Wieviel Blut hatte ein menschlicher Körper. Armina wußte es nicht.. aber sie wußte, daß das Leben aus Helene hinaus strömte.

Als Armina ihren Kopf in den Haaren der Ärztin vergrub und sich wünschte.. mit ihr gemeinsam die Reise ins Jenseits anzutreten...
regte sich Helene ein bischen.

" Armina.., mein Engel.., ich wollte nicht, daß es so endet. Ich hatte doch noch so viel zu sagen... , du must jetzt ganz schnell Prof. Everie rufen. Uns bleibt nicht viel Zeit "

" Evereie... Eeevvveeerriee... "      Arminas Schrei ließ alle Fenster auffliegen. 
Von allen Seiten blickten Köpfe heraus..

" Holt Professor Everie.., schnell.., bitte holt ihn her  "        Ihre Stimme überschlug sich um mehrere Oktaven...

" Helene, ich bitte dich.., bleib bei mir. Es wird alles gut. Der Professor ist unterwegs. Wir wollten doch gemeinsam leben. Wir haben doch noch soviel vor.. Helene, Liebling... , ich brauche dich doch so sehr.. "

Arminas Augen waren rot und voller Tränen.., sie versuchte tapfer zu sein.., doch das salzige Nass lief und lief und lief.

Noch bevor Everie die Stufen herunterlief, war schon Adelheid, die Burgherrin bei Ihnen.

Der Anblick von Helene und Armina brach ihr das Herz.
Sie ließ sich neben Armina und der Ärztin in den Staub sinken.
Weinend nahm sie eine Hand der Ärztin und streichelte sanft über deren Handrücken...

Da war auch schon Everie bei ihnen und  sah mit einem Blick.., wie das Leben aus der Ärztin strömte.
Durchschuß der Baucharterie. Keine Rettung möglich.

Helene hob ihren Kopf mühsam in Richtung des Professors..

" Ich habe keine Zeit mehr. Sie sind sozusagen unser Kapitän und habe daher das Recht, Ehen zu vollziehen. Ich möchte , daß sie Armina und mich sofort, auf der Stelle trauen. Bitte.. !"


Schmerzerfüllt drehte sie sich zu dem Mädchen  um..: "  Armina, du Liebe meines Lebens.. ich möchte dich bitten, meine Frau zu werden . Willst du dein Leben mit mir teilen ? "

" Ja.. ich will für immer Dein sein "      Armina hatte fast keine Kraft mehr.., die Leiden länger zu ertragen. 
neben ihr im Sand.., lag ihr ganzes Leben.. Ihre Zukunft und ihre Träume..

Mittlerweile bildete sich eine Menge an Menschen rund um das Drama.
Einer der Soldaten zog seinen Ring vom Finger und legte ihn in die Hand von Helene.
Diese Schloß die Hand um das Metall.

Armina hielt die Liebe ihres Lebens ganz fest in den Armen. und als Everie sie anblickte.. und fragte, ob er mit der Zeremonie beginnen könne.. nickte sie einfach mit dem Kopf.

Everies Stimme hallte fest und dramatisch durch den Innenhof.

"Liebe Anwesenden, liebes Brautpaar...,  wir haben uns hier an diesem Ort überraschend versammelt um diesen beiden Liebenden das Gefühl der Verbundenheit zu schenken. Wir wollen Zeugen sein, wie eine große Liebe.. letztendlich zu einer Liebe vor Gott geschlossen wird. "

Mittlerweile war der ganze Innenhof voller Menschen.
Angestellte, Soldaten und die Burgherren  waren am Schauplatz.
Adelheid kauerte noch immer neben Armina und Helene am Boden.
Ihr Mann , Helmreich stand daneben und ließ seine Hand auf der Schulter seiner Frau ruhen.
Durch die Menge  zwängte sich Gundel, die Köchin und hatte einen kleinen Blumenstrauß dabei.
Auch sie ließ sich zu Boden sinken und schob die Blumen, Helene ganz vorsichtig in die Armbeuge.

Weder Gundel noch Adelheid geschweigedenn irgendwer aus der Jetztzeit.. hatte jemals eine Trauung von zwei Frauen erlebt, oder auch nur erahnt.., daß es sowas gab.

Aber alle zusammen verstanden sofort, daß dies eine wirklich ganz unfassbar  große Liebe war.. und somit auch die Hochzeit völlig in Ordnung sein musste.
Zwei Menschen sollten zusammenleben, weil sie sich liebten und nicht nur , weil es der Brauch so vorschrieb.

"Helene Berchtold.. ich frage dich hier im Antlitz Gottes und vor den Zeugen der Burg und auch vor Helmreich und Adelheid von Tannenburg...,  willst du diese, hier anwesende Armina vom Dorf,  zu deiner dir angetrauten Frau nehmen.. so antworte mit JA.. "

" Ja, ich will... "  flüsterte Helene  kraftlos in Richtung Armina..

" Armina, Tochter von Bruno aus dem Dorf..., willst du die hier anwesende Helene Berchtold zu deiner, dir angetrauten Frau nehmen und mit ihr leben , in guten wie in schlechten Zeiten.. so antworte mit JA... "

"  Ja, ich will.. Helene.. ja ich will.. ich will nichts lieber als das..  Helene Ja.. ich will deine Frau werden und für immer bleiben  "


" Helene Bertold, sie können nun den Ring als Zeichen ihrer Liebe.. an den Finger von Armina anstecken... "

Helene hob mit letzter Kraft die Hand ganz leicht. 
Sie öffnete die Finger und der Ring glitzerte in der Nachmittagssonne. 
Arminas Finger schlüpfte vorsichtig in den Ring und sie hielt die Hand von Helene.

" Hiermit erkläre ich sie Kraft meines Amtes zu Frau und Frau.  Sie dürfen die Braut nun küssen... "

Armina beugte sich mit ihrem Gesicht zum Mund der Ärztin...  

" Helene, wir sind nun verheiratet.. ich liebe dich so sehr.. . "

Ihre Lippen berührten sich zärtlich...

" ich werde immer an deiner Seite sein.. Ich werde nie mehr von dir weggehen..., ich bin für immer dein.. "
Arminas tränennasses Gesicht,drückte sich in die Haare Helenes und sie hörte wie durch Watte hindurch, wie die Ärztin zu Everie flüsterte..

" Bitte sorgen sie dafür, daß Armina alles bekommt, was mir gehört.. Und bitte passen sie auf Sie auf.. "

" Helene.., "        Armina  blickte der Frau in die  Augen       " Helene.. , geh nicht weg.. "

Doch das Leben floss aus der Ärztin heraus.
Helene drückte nochmals sanft die Finger von Armina..

" ich liebe dich so sehr "

Dann war Alles aus.
Die Augen verloren ihren zarten Glanz und der Kopf von Helene sank langsam zur Seite...

Totenstille... und plötzlich der markerschütternde Schrei von Armina...


" Nein..., bitte nicht.., nein, nein, nein...,  bleibe bei mir..., ich kann nicht mehr ohne dich sein. Helene... neeeiiinn  !! "

Das Mädchen klammerte sich an Helene fest und konnte von keinem der Anwesenden weggezogen werden.
Adelheid und auch Gundel weiten ebenfalls.


Einer der Soldaten hatte eine wärmende Decke in der Hand und legte sie über Helene und Armina.

" Geben wir Armina Zeit, sich von Helene zu verabschieden.  Armina.., nimm dir soviel Zeit, wie immer du brauchst. Wir sind in der Burg und lassen euch Beide für eine Weile alleine. "

Adelheid und Gundelheid küßten Armina auf die Haare und gingen ebenfalls in die Burg.

Armina hielt Helene ganz fest in den Armen. So fest wie es ihr möglich war. Sie würde auf keinen Fall die Ärztin alleine lassen. Nie im Leben.
Everie hatte gesagt.. * in guten wie in schlechten Zeiten *.., also würde sie solange hier bleiben, bis sie ebenfalls von den Waldgeistern abgeholt wurde.

Leider Ist scheinbar die Welt der Geister.. und auch der Waldgeister.. von anderen Plänen abhängig.
Jedenfalls wurde Armina nicht ins Reich der Toten abgeholt.

Jedoch wurde sie von Everie und Adelheid abgeholt.

" Armina, es ist schon spät und kalt. Wir müssen dich nach drinnen bringen. Auch Helene müssen wir für die große Reise aufbahren.. "

"  Nein, ich gehe nicht weg.. nein. Sie ist meine Frau.. Ich bleibe bei ihr.. Nein.., Helene darf nicht alleine sein. Sie hat doch sonst keinen mehr.. Bitte.. Laßt mich bei meiner Frau.. Bitte.. ich flehe euch an.. "

 Das Mädchen klammerte sich an die tote Helene. Sie kreischte.. sie schrie.. sie flehte...

Everie zog eine Spritze aus seiner Tasche und pickste Armina in den Hals.
Noch unterm Absinken in die Dunkelheit schrie sich das Mädchen die Seele aus dem Leib.
Adelheid, die Burgherrin hatte noch nie in ihrem Leben so ein Drama erlebt.

Auch hatte sie noch nie so eine große Liebe zwischen zwei Menschen fühlen können.
Selbst unbeteiligte Beobachter konnten das goldene glitzern der Gefühle.. zwischen  Helene und Armina erkennen.
Und nun war die Ärztin tot.

Zwei Soldaten brachte Armina rauf in die Schlafgemächer von Adelheid.
Sie wollte heute  an Arminas Bett wachen und das Mädchen nicht alleine sein lassen, wenn sie in der Nacht aufwachen sollte.
Helene wurde drüben im medizinischen Bereich versorgt.
Gewaschen , umgezogen und zum letzten Abenteuer  vorbereitet..!

Dem Gang in die Welt des Unbekannten.


In der Nacht hörte man immer wieder mal schluchzende Schreie, wenn das Mädchen zwischendrin aufwachte.

Adelheid gab ihr dann immer sofort ein Glas Wasser, vermischt mit beruhigenden Tropfen.

Als am Morgen die Sonne über die Türme in den Hof der Burg schlich.., öffnete Armina ihre Augen und fragte Adelheid, wo Helene sei.
Die Burgherrin strich dem Mädchen über die Haare.., !

" Helene  wird vor dem Burgtor auf den Weg in den ewigen Himmel geleitet werden. Wir müssen uns jetzt auch dorthin begeben. Alle warten schon.  "

Vor dem Burgtor, hatten die Soldaten eine wunderschöne Holzkonstruktion aufgestapelt. Es sah aus wie ein Bett , in dem Helene lag. Wie friedlich schlafend.


Die Krieger der Bischofstruppe waren mit dem Versprechen in den Wald zurück gedrängt worden, daß Jeder, welcher sich an diesem Tag sehen ließ.. sofort getötet würde.
Ohne Warnung.
Auf den Türmen waren die Maschienenkanonen in Waldrichtung schußbereit.

Armina wurde von Adelheid zur Feuerstätte geführt.
Völlig von Beruhigungsmitteln von den momentanen Schmerzen erlößt.. sah sie Helene im Bett liegen.

Die Frauen aus der Burg sangen ein berührendes Lied.
Adelheid betete zu den Waldgeistern und Everie bittete den Engel des Himmels darum.., Helene abzuholen.

Dann schritt Adelheid, die Burgherrin zum Holzstoß und entzündete das Feuer.

Armina sah dabei zu und wunderte sich, von Drogen berauscht.. warum alles herum um Helene so glänzte und glitzerte..
Und dann wurde ihr schlagartig bewußt, daß die Ärztin alleine aus diesem Flammeninferno nicht mehr entkommen konnte.

"  Helene.. "    gellte der Schrei aus Arminas Kehle.

" Laß mich bitte nicht alleine.."

Sie riss sich los und wollte in die Flammen laufen.

Sie tobte und schrie...

"  Ich will zu meiner Frau .  Helene...  laß mich nicht alleine zurück.. "


Diesmal weinten auch die Männer am Waldrand verborgen, welche die Burg erobern wollten..


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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