Fritz Lenders

... schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 43 ) Helene überall..

... die drei Männer, am Waldrand im Gebüsch kauernd... , weinten mit Armina mit, ohne sich ihrer Tränen zu schämen.
Soldaten hin und Krieger her.., 
solch dramatisches Leiden hatten sie noch nie  miterlebt.

Einer der Drei war der Bogenschütze, welcher den tödlichen Pfeil abgefeuert hatte.
Natürlich nicht mit dem Ziel, ausgerechnet die Heilerin der Burg damit zu töten.

Es ging lediglich darum, dem Befehl des Kommandanten nachzukommen, im Abstand von 5-6 Minuten immer wieder einen Pfeil in den Burghof zu jagen.
Immer im spitzen Winkel so weit wie möglich nach oben in die Luft schießend, damit der Pfeil anschließend mit höllischem Tempo, von Oben herab in den Burghof sauste.

Solche Schüsse waren fast nicht auszumachen, weil ein Pfeil, welcher fast frontal auf die Burg sauste.., doch schon erkannt werden konnte.
Jedoch ein spitzes Geschoss von weit oben , fast in senkrechtem Sturzflug auf die Burg herabstürzend.. , war so gut wie unsichtbar.

Der Bogenschütze wäre am liebsten aufgestanden und zu Armina zum Feuer rübergelaufen.
Es wäre eigentlich die gerechte Strafe gewesen.., wenn er sich vor sie hingekniet hätte und voller Reue... einen Stich ins Herz als Sühne für die grausame Tat.. . erhalten hätte.

Doch seine Kameraden  versuchten ihn zu trösten und zu besänftigen.

" Wir sind im Krieg und es läßt sich beim besten Willen nicht verhindern, daß es Tote gibt. "

Einer der Soldaten legte ihm die Hand auf die Schulter...

" Als vor 3 Tagen unser Kamerad niedergestreckt wurde, oben an der Burgmauer.., von unseren eigenen Leuten.., hat doch auch keiner geweint.  Nur weil es ein Mann war ? Oder nur weil er vor uns, genauer gesagt.. vor den sadistischen Foltern des Komandanten geflüchtet war.., in den Schutz der Burg ? Oder nur weil es das Schicksal einfach so wollte ?? "

Alle drei wischten sich schnell die letzten Tränen aus dem Gesicht.
Wenn der Kommandant bemerkte, daß sich Mitleid in den Reihen seiner Männer ausbreitete.., würde er endgültig tobsüchtig werden.
Aber sie schworen sich gegenseitig, daß von ihren Waffen kein einziges Todesopfer seitens der Burg mehr entstehen würde.
Das einzige Blut, welches auf den Waffen jemals noch jemals glitzern sollte.., würde das Blut des Kommandanten sein.

Leise schlichen sie weiter in den dunklen Teil des Waldes zurück.
Der Kommandant hatte damit begonnen, seine Soldaten aufzuteilen.
Er wollte drei Gruppen von Kriegern gleichzeitig von den drei Seiten der Burg angreifen lassen, welche verfügbar waren. 

Die vierte Seite, also der Bereich, welcher direkt an die Schlucht gebaut war, sollte von einer Gruppe von 6 Männern bezwungen werden, welche geschickt im Umgang mit Klettereien und Bergtouren waren.
Diese 6 Leute hatten bis auf ihre Dolche, keine Waffen dabei. denn deren Aufgaben bestanden darin, sich unauffällig über die Mauer zu schleichen und nach Möglichkeit ein Massaker im Geheimen, an der Burgbevölkerung anzurichten.

Immer aus dem Verborgenen operierend.. sollten soviel Menschen wie möglich getötet werden, ohne Aufsehen zu erregen.

Das heißt.., immer ein schneller Schnitt durch den Hals.., das Opfer in einem dunklen Raum verbergend.. und sofort wieder in die unsichtbaren Schatten der Stallungen verschwindend.

Auch wenn auf diese Art und Weise vielleicht nur  wenige Soldaten oder Verteidiger ausgeschaltet werden konnten.., war es eher der Schockmoment, welcher die Burg erstarren ließ, wenn die Morde festgestellt wurden.

Oh ja.., solche Aktionen hatten in der Vergangenheit schon sehr oft zum sofortigen Ende der Verteidigung geführt.

Das Grauen in den Knochen.. verhalf den Menschen nicht gerade dazu.., logisch zu taktieren.
Und er würde mit Glanz und Gloria in der Burg einziehen.
Mit erhobenen Hauptes.. und mit seiner Zange in der Hand.

Aus dem Gebüsch heraus konnte er sehen, wie Armina zusammenbrach, als das Feuer den Körper Helenes umwickelte.
Er hörte den Schrei des Mädchens.. und für vielleicht eine Mikrosekunde... wurde er fast zum Menschen.
Für den Bruchteil einer Zeitspanne.., legte sich auch über seinen Brustkorb.. ein stählener Reif aus Gefühl.

Aber dies war ein Zustand, welcher dem Tyrannen nicht  besonders zusagte.
Gefühle hießen ganz klar ausgedrückt..., verwundbar zu sein.
Verwundbar war er allerdings das letzte mal in seinem Leben, als seine Frau, damals vor über 20 Jahren.., noch in der Nacht als sie ein totes Kind gebar.., aus dem Haus flüchtete und sich nie wieder sehen ließ.
Nie wieder.

Einen Monat später tötete er die Eltern seiner Frau, deren Geschwister und  auch das Nachbarskind.., welches zufällig im Hause anwesend war.

Pech gehabt.

Und seitdem mußte er sich nie wieder mit Gefühlsdusseleien herumkämpfen.
Er hoffte inständig, daß dies auch so bleiben würde.
Fast automatisch hielt er die kleine Zange in der Hand.. und zwickte sich heftig in den kleinen Finger. 

Solange, bis sich endlich wieder der bekannte Hass auf jedes Lebewesen in ihm regte..
und bis ein winziger Bluttropfen aus dem Nagelbett seines  kleinen Fingers, in das Grün des Waldes sauste.


Drüben am Feuer hielt Adelheid und  eine der Krankenschwestern Armina in den Armen.
Sie verhinderten, daß das Mädchen in die Flammen lief.

Fast eine Stunde standen sie rund um das Feuer und  konnten dennoch nicht fassen, daß es Helene nie wieder geben würde.
Everie meinte, daß es an der Zeit sei, mit Armina in die Burg zurück zu gehen.
Das Mädchen würde sicher noch zwei drei Tage unter Schock stehen und auch Hilfe brauchen.

Adelheid bot sich an, die Fürsorge um Armina zu übernehmen.
In den nächsten Stunden verbrachte die Burgherrin  außschließlich Zeit mit Armina.
Sie hörte geduldig zu als ihr das Mädchen von den Plänen erzählte, welche sie mit der Ärztin hatte.

Sie fühlte mit, als ihr Armina schilderte, wie sie sich erhoffte, mit Helene ein oder zwei Kinder großzuziehen, welche sie von armen Menschen in Pflege nehmen wollte.
Wie sie gemeinsam ihr buntes Leben aufbauen wollten.
Immer wieder zwischendrin von Weinkrämpfen geschüttelt.. wurde es aber zusehends erträglicher für das Mädchen.., weil sie sich wirklich so viel von der Seele reden konnte.
Auch Adelheit selber mußte immer wieder weinen, weil so ein Zustand wirklich  selbst Steine zum weinen brachte.

In der Zwischenzeit waren zwei Krankenschwestern damit beschäftigt, die persönlichen Dinge von Helene sorgfältig einzupacken und auf den Anhänger des zweiten Quads zu verladen.

Everie hatte zuvor Armina fragen lassen, ob sie im Zimmer von Helene bleiben wolle, solange sie möchte.

Doch das Mädchen war weder in der Lage, das Zimmer zu betreten, noch konnte sie antworten, wie sie mit den Sachen von Helene verfahren wollte.

 

"...  ich möchte später die Dinge von Helene mit nach Hause nehmen. Aber  momentan möchte ich einfach nicht mehr leben müssen. Vielleicht läßt der Schmerz irgendwann mal nach. Ich glaube es allerdings nicht. "

Armina sah aus wie der Tod höchstpersönlich.

Bleiches Gesicht.., tiefdunkle Augenringe und kraftlose Hände.



Einer der Soldaten überspielte verschiedene Aufnahmen aus den Überwachungsvideos auf einen Memoriestick.
Zudem druckte er einige wunderschöne Fotos auf Papier aus und bastelte aus dünnen Karbonmaterial Rahmen, in denen die Bilder von Helene, aber auch Bilder von Helene und Armina gemeinsam aufgespannt waren.

Ein Foto, welches Helene so strahlemd lachend zeigte, vergrößerte er auf 1x1 Meter  und benützte dazu eine hauchdünne Folie, welche sich sozusagen selbsthaftend auf jede Art von Mauer anbringen ließ.

 

Zum Schluß vollbrachte er noch die Meisterleistung, ein Foto von Helene so zu verkleinern, daß es in ein goldenes Herz paßte, welches man an einer Halskette trug, und welches sich aufklappen ließ.

Das Schmuckstück ließ er zu Adelheid hinüber bringen, mit der Bitte, es dem Mädchen in einem passenden Moment zu übergeben.

Drei Tage verbrachte Armina sozusagen im Schoß der Burg.
Adelheids natürliche Begabung für Psychologie zog Armina so sanft wie Möglich aus dem dunklen Loch der Trauer und Verzweiflung.

Am dritten Tag konnte sie dass Mädchen dazu bringen, mit ihr gemeinsam runter in den Essraum zu gehen und ein bischen zu frühstücken.
ganz zaghaft versuchte das Mädchen , ein halbes Toastbrot mit Butter und Honig beschmiert.., zu essen.

Zwischendrin war auch Bruno schon verständigt worden und hatte von dem Drama erfahren.
Natürlich wollte er sofort zur Burg aufbrechen, aber Everie brachte ihn davon ab, weil momentan ein Fußmarsch zur Burg mit erheblichen Gefahren seitens der Bischoffskrieger verbunden war.

Aber er versicherte Bruno, daß sie Alle zusammen für Armina da wären, und in den nächsten Tagen.., das Mädchen zum Dorf geleitet würde.
Helenes Zimmer barg wesentlich mehr an persönlichen Dingen, als es zunächst den Anschein hatte.
Schon alleine die Kampfausrüstung der Ärztin füllte drei große Armeetaschen.

Dann viele Bücher, Fotoalben und private Bekleidungsstücke.
Alles mußte irgendwie verfrachtet werden.
Drei Soldaten und eine der Krankenschwestern würden heute ins Dorf fahren um für Armina die Rückkehr  vorzubereiten.
Helenes  Bett wurde in der Burg abgebaut und ebenfalls in dem Anhänger verfrachtet.
Außerdem noch technische Gerätschaften.

Während Armina an dem kleinen Toaststück`chen  kaute.., baute einer der Soldaten drüben im Dorf gerade das Bett von Helene und zwei Regale im Zimmer von Armina  auf .
Die Krankenschwester überzog die Zudecke und das Kopfkissen mit einem Überzug, welcher von  zarten Frühlingsblumen bedruckt war.
Der Soldat hingegen brachte eine kleinere Monitorfolie so an der Mauer an, daß sie genau im Sichtbereich von Armina liegen würde, wenn sie im Bett lag.

Die verschiedenen Rahmen mit Bildern von Helenene stellte er auf das praktische Kästchen, welches ebenfalls aus Helenes Zimmer stammte und nun neben Arminas Bett Platz schuf, für ein paar Bücher, die Fotoalben und im Schubladen die goldenen Schmuckstücke, welche die Ärztin so liebte und die Parfümflankons.

Das große Bild von Helene   wurde an der freien Mauer angebracht, welche man als erstes beim betreten des Zimmers erblickte.

Unter dem Bild stand eine kleine leuchtende, elektrische Kerze, welche weichen, flackernden Schein  im Bereich des Bildes verbreitete.

Mit der zweiten Fernbedienung konnte Armina die kleinere Monitorfolie aktivieren und darauf die zusammengeschnittenen Filme aus den Viedeos , sowie auch unzählige Fotoaufnahmen ansehen.
Die Videoaufnahmen waren teilweise mit Musik unterlegt, 
Meistens aber hörte man die Stimme und auch das Lachen der Ärztin.

Die Bekleidungsstücke von Helene ließen die Leute in der Tasche, weil dies doch zu persönlich gewesen wäre, in den Teilen herumzukramen.
Im hinteren Bereich des Zimmers fand sich noch Platz.., eine Halterung für die Jacken und Schuhe  von Helene  anzubringen. Mit etwas Geschick konnte der Dorfschreiner noch einen Schrank anfertigen, worin die restlichen Dinge von Helene untergebracht werden konnten.

Eines der Scharfschützengewehre, den Helm mit Nachtsichtverglasung und die Schutzteile für Schienbein, Ellbogen und Knie...wurden in einer großen Schublade verstaut, welche sich auf Rollen unter das Bett schieben ließ.


Bruno begutachtete das Zimmer seiner Tochter.
Was für ein Palast war innerhalb von 6 Stunden daraus geworden.
Und noch immer stapelten sich Berge von Gegenständen  vor dem Haus.

Einige der Dinge mußten im restlichen Haus untergebracht werden.

Auch die elekrischen Geräte brauchten im Küchenbereich ihren Platz.

Der Wasserkocher, die Mikrowelle und der Stromverteiler mit 4 Steckdosen.

Von  der gegenüberliegenden Straßenseite aus beobachteten die Dorfbewohner neugierig das Treiben in Brunos Gebäude.
Einer hatte mitbekommen, daß Armina in der Burg geheiratet hatte.
Sicher würde es ein großes Festmahl geben, wenn Brunos Tochter heimkam.

" Aber ich habe das große Abbild gesehen, welches in Arminas Zimmer an der Mauer haftet.. Ihr werdet es nicht glauben,  es ist eine Frau. "

Der Dorfmensch, welcher etwas außerhalb des Dorfes wohnte, hatte nämlich zufällig einen Blick in das Zimmer erhaschen können und wurde nun von den anderen Dorfbewohnern gehänselt..!
Armina und eine Frau..., welch ein Blödsinn.

Das allerdings hatte sich auch Bruno gedacht, als die Krankenschwester diesbezüglich Bruno aufklären mußte, weil er so etwas Zeit hatte, das Gehörte zu verarbeiten, bis seine Tochter ins Dorf heimkehren würde.

" Ich verstehe nicht, wie sich eine Frau im eine Frau  verlieben kann ?  Wie soll das gehen ?  Muß man zum Schluß auch noch aufpassen, daß sich ein Soldat in seinen Kameraden verliebt ?? "

Bruno brauchte schon etwas länger um das Gehörte  zu verarbeiten.


Aber nach ein paar Stunden, während er immer wieder ins Zimmer kam um beim Umbauen zuzusehen.., und nach dem ungfähr eintausensten mal des Betrachtens   der Bilder von Helene.., begann er doch zu begreifen. Zu erfühlen.

" Na gut.., Armina hat sich in eine Frau verliebt. Es ist ja auch ihre Entscheidung. Und sie wird dennoch meine Tochter bleiben.., selbst wenn sie mit einem Esel als Ehemann heimkommen würde. "

Diese Worte von Bruno an die Krankenschwester gerichtet.. hörten nun doch auch die herumstehenden Dorfbewohner.

" Wenn einer von euch.., auch nur eine Andeutung eines falschen Wortes in Richtung Armina macht.., werde ich ihn totschlagen. Versprochen "

Am späten Nachmittag kam Armina ins Dorf.
 Eigentlich sollte sie noch etwas auf der Burg bleiben.., aber das Mädchen wollte heim zu ihrem Vater.
Sie hatte zwischendrinn schon erfahren, daß Soldaten die Besitztümer von Helene zu ihr gebracht hatten.

Allerdings konnte Adelheid Armina davon überzeugen, daß es vielleicht eine kleine Linderung bringen könnte, wenn sie die junge Frau für ein paar Tage mit nach Hause begleitete.

Und ehrlich zu sich selber, mußte sich Armina eingestehen, daß sie Angst hatte vor dem alleine sein...

Angst hatte vor der Nacht und auch Angst vor dem Aufwachen.

 

Adelheid war in den vergangenen 3 Tagen die Bezugsperson für Armina geworden.

Sie führte das Mädchen mit einfühlender Hand aus dem schwarzen Loch der Trauer, in welches sie so ohne Vorwarnung gestürzt war.

Und ja.., sie war so unglaublich erleichert.., daß die Burgherrin für ein paar Tage mitkommen wollte.



Daher war der Aufbruch in Richtung Dorf doch etwas aufwändiger, wie zuerst geplant.
Das Quad der Soldaten samt Anhänger war nun wieder in der Burg, aber diesmal mußte er wieder eingeladen werden, mit den Dingen, welche Adelheid zu Armina mitnehmen wollte.
Etwas Bekleidung zum wechseln.. und etwas mehr an Proviant, welchen sie ins Dorf mitnehmen wollte, denn obwohl Helene tot war, sollte dennoch ein Festmahl für die Leute im Dorf ausgerichtet werden.

Als kleines Problem sah Adelheid die Sache.., daß den Dorfbewohnern klar gemacht werden mußte, daß Armina die Ärztin.., also eine Frau geheiratet hatte.
Diese Tatsache mußte den Dorfbewohnern so beigebracht werden, daß  auch die genügende Achtung und Respekt gegenüber Armina gezollt wurde.

Doch dies würde machbar sein. Armina war ein Mensch, den man nur lieben konnte. Und daher war auch der Weg, welchen die Leute aus der Jetztzeit nicht so ohne weiteres verstehen würden..., sicher erklärbar.

Also fuhr nun ein aufsehenerregender Konvoi an Fahrzeugen in das Dorf ein.

Armina und Adelheid saßen auf dem Quad und vor ihnen fuhren zwei Motorräder, am Ende das zweite Quad mit dem Anhänger.

Ein Tumult und Aufruhr , welchen das Dorf bisher noch nicht erlebt hatte.

Doch innerhalb der nächsten zwei Stunden, war alles irgendwie schon fast Normal.

Menschen konnten sich schnell an Neues gewöhnen.

 

Gemeinsam mit Adelheid und der Krankenschwester.. betrat Armina ihr Zimmer.

Langsam ging sie auf die Folie mit dem Antlitz von helene zu.. und streichelte dem Bild über die kalten Wangen.

Adelheid und die Krankenschwester hielten sich etwas im Hintergrund und durften Zeuge werden, wie sich ein sanfter Schimmer über die Folie legte.

Während Arminas Wangen nass vor Tränen waren, begann wie ein feiner Sprühregen.., die Luft zwischen dem Bild und Armina zu flimmern.

Irgendwie wurde die unendliche Liebe zwischen den zwei Frauen sichtbar.

Magie.

Aber Liebe ist ja doch ebenso Magie in seiner reinsten Form.

 

Die Frauen gingen kurz die verschiedenen Neuerungen im Zimmer durch.

Der Koffer mit den bekleidungsstücken von Helene stand neben dem Bett.

Armina machte ihn kurz auf und fuhr mit den Fingern sachte über eine Bluse der Ärztin.

So voller wundervoller  Gerüche.., so voller Leben.

 

" Warum hast du mich nicht mitgenommen ? Wir hätten doch auch drüben zusammensein können . Ich hätte dich doch überall hin begleitet. Helene.., ich weiß nicht, ob ich es schaffe, ohne dich weiter zu leben.  "

 

Armina flüsterte ihre Worte zu den Bekleidungsstücken...

Sie konnte einfach nicht aufhören zu weinen.

Seit drei Tagen liefen ihre Augen über.

 

Doch als Adelheid das Mädchen in die Arme nahm.., und sich selber verbot.. schon wieder mitzuweinen..., klang das Leiden ein klitzekleines wenig ab.

Außerdem betrat Bruno den Raum und zog Armina mit seinen tapschigen , ungehobelten Zärtlichkeiten.. in seine Arme.

 

" Papa..., bitte halte mich ganz fest und versprich mir, daß du immer für mich da sein wirst. Ich habe solche Angst vor dem Leben.  Ich weiß nicht, wie es weitergehen kann. .. ! "

 

Durch das geöffnete fenster sahen und hörten die Dorfbewohner , welchen Kummer und welches Leiden Armina in die Knie zwangen.

Von keinem einzigen der Dorfgemeinschaft.., würde je ein hämisches Wort zu Armina gelangen.., wegen der Sache, daß sie eine Frau geheiratet hatte.

Im übrigen waren es nicht gerade wenig Gedanken von Frauen, welche sich überlegten, ob Armina eventuell nicht wesentlich glücklicher hätte werden können, mit der Ärztin an ihrer Seite.., als mit einem der groben Dorfmänner, welche oft  wie ein Klotz an den Beinen der Frauen hingen.

 

 



In der Abenddämmerung  brachten zwei Soldaten eine provisorische Monitorfolie an der großen Hauswand von Brunos Häuschen an.. und die Menschen rundum konnten zum ersten mal in ihrem Leben Übertragungen von Aufnahmen und Filmen sehen.

Stuhlreihen wurden aufgestellt und Jeder fand einen Platz.

Armina saß zwischen Adelheid und ihrem Vater in der ersten Reihe. und durfte nochmals erleben, wie sie mit Helene im Quad durch den Innenhof der Burg sauste. Wie sie den Soldaten, drüben im Trainingsraum so elegant niedergestreckt hatte.. und wie Helene sie zum ersten mal küsste.
Sie mußte ein bischen lächeln, als sie sah, wie sie den Waldmenschen im Hof der Burg beinahe mit dem Motorrad flachgelegt hätte.. und  blickte mit tränennassenAugen Helene in die Augen.., als deren Foto fast lebensgroß auf der Leinwand erschien.

Auch sah Armina zum ersten mal eine Aufnahme.., welche Helene zeigte, wie sie gerade an der Monitorfolie mit Armina sprach, wärend das Mädchen scheinbar im Dorf war.

Sie sah.., wie Helene , nach Beendigung des Gespräches.., als Arminas Gesicht von der Folie verschwand.. sagte ...    : "  du wunderschöne Wildkatze.., wenn du wüßtest, wie sehr ich dich liebe. "


Armina drehte sich zu Adelheid hinüber und die Frau wußte sofort..., daß Armina etwas der Beruhigungstropfen benötigte.
Sie drehte den Verschluß der Flasche auf und ließ die doppelte Menge der Dosis in einen Trinkbecher mit Wasser laufen.

 

Vielleicht hätten die Tropfen auch den übrigen Dorfbewohnern nicht schlecht getan.

Keiner hatte Helene je zuvor gesehen und dennoch flogen der Frau die Herzen des ganzen Dorfes zu.



Als dann Armina, benebelt und wie im Traum ins Zimmer schwebend.. in ihr Bett geleitet wurde...,
tanzten winzige kleine Funken über dem Mädchen.

Adelheid konnte es sehen und wusste, daß Helene ihre Arme um das Mädchen legte.

Morgen würden ein neuer Tag anbrechen und mit jeder Stunde, die sich zwischen das Drama von Helenes Tod und der Gegenwart schob.., wurde das Leiden erträglicher...!

Adelheid sollte in Brunos Raum schlafen, wollte jedoch lieber bei Armina bleiben.
Wenn das Mädchen in der Nacht aufwachte, sollte Jemand an ihrer Seite sein.

Sie schlüpfte unter die Decke an die Seite des Mädchens und hielt Armina fest im Arm.



Ohne sich auch nur im Geringsten  über die verfängliche Situation Gedanken zu machen.. schliefen beide Frauen friedlich ein...!

Wenn Jemand in das Zimmer geblickt hätte, würde er Zeuge geworden sein..,  wie sanft ein Bild an der Wand lächeln konnte.

 

                                                      ***  ... ich liebe dich so sehr ..***     

   ...flüsterte der Wind hauchzart über das verweinte Gesicht von Armina !








 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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