Wolfgang Scholmanns

Oma Dorfhexe Teil 8 Lisa

Zwei Stückchen Kuchen waren übrig geblieben und die Kanne Kakao, die Oma Dorfhexe den Kindern hingestellt hatte, war leer. Omi schmunzelte: “Scheint euch ja geschmeckt zu haben.”

“Boah, war das lecker.” sagte Anna und auch Frank und die Mutter fanden, dass alles wunderbar geschmeckt habe.

“Geht jetzt ein bisschen nach draußen, Kinder. Die Omi und ich möchten uns noch ein wenig unterhalten.”

“Wollten wir sowieso,” sagte Frank, nahm seine Schwester an die Hand und ging mit ihr hinaus. Anna, die heute nicht gerade die beste Laune hatte, wäre wohl lieber bei den Erwachsenen geblieben. “Möchte mal gerne wissen, was die beiden zu bequatschen haben. Immer müssen wir raus, wenn die Großen sich unterhalten wollen.”

“Wird wohl nichts Schlimmes sein,” entgegnete Frank. "Die Mutter will bestimmt wissen, ob wir uns vernünftig benehmen, wenn wir hier bei der Oma sind.”

Sie wollten sich gerade auf die alte Holzbank setzen, als Frank plötzlich aufschrie: “Anna, Anna, sieh mal da die Kuh. Dort hinten am Garten ist sie.” Anna guckte ganz verdutzt zum Garten rüber und bekam den Mund nicht mehr zu. Eine Kuh, die wohl von der nahe gelegenen Weide ausgebrochen war, hatte ihren Kopf tief über Omas Gartenzaun gebeugt und ließ sich die saftigen Kräuter schmecken. Anna und Frank liefen auf sie zu und wollten sie verscheuchen, hielten aber doch einen gewissen Abstand zu ihr weil sie nicht wussten, wie dieses Hornvieh reagieren würde. Die Kuh ließ sich davon nicht beeindrucken und fraß in aller Ruhe weiter. Das laute Geschrei, das die Kinder bei ihren Vertreibungsversuchen von sich gegeben hatten, war wohl bis in Oma Dorfhexchens Häuschen gedrungen, denn sie sahen sie und die Mutter eilig in Richtung Garten laufen.

“Da ist die Lisa schon wieder ausgebrochen. Möchte mal gerne wissen, wie sie es immer schafft über den Weidezaun zu kommen”, schimpfte die Omi. “Das ist in diesem Sommer schon das dritte Mal, dass sie sich über meine Kräuter hermacht. Scheinen ihr wohl ausgezeichnet zu schmecken.”
Kaum hatte sie ausgesprochen, hörten sie jemanden rufen: "Lisa, Lisa wo steckst du denn schon wieder?"

“Ach da kommt Bauer Friedhelm schon. Lisa gehört ihm und er hat bestimmt geahnt, wo er sie finden würde. Es ist Melkzeit, da wird er sie vermisst haben.”

“Liebe Frau Baltasar, da hat die Lisa es schon wieder auf ihre Kräuter abgesehen. Tut mir unendlich Leid. Den Schaden werde ich Ihnen natürlich ersetzen.”

Zum ersten Mal hörten sie nun den Namen der Omi Dorfhexe. Baltasar hieß sie also.

“So hieß doch auch einer der heiligen drei Könige.” flüsterte Frank seiner Schwester zu. “Vielleicht ist die Omi ja mit ihm verwand.” Anna steckte ihm die Zunge raus und wandte sich von ihm ab.

„Papperlapapp Bauer Friedhelm. Da gibt’s nichts zu ersetzen. Die Kräuter wachsen im Nu wieder nach.“

“Na, dann bringe ich ihnen gleich nach dem Melken eine Kanne Milch vorbei”, entgegnete der Bauer. Er hatte einen Strick mitgebracht und diesen der Lisa um die Hörner gebunden. Die war zunächst ein wenig störrisch aber nachdem er sie ein bisschen gestreichelt und ihr etwas ins Ohr geflüstert hatte, trottete sie ihm ganz brav hinterher.

“So, jetzt habt ihr die Lisa mal kennen gelernt.” lachte Oma Dorfhexe. “War bestimmt nicht ihr letzter Besuch bei mir.”  

Die Mutter schaute auf die Uhr und sagte, dass sie jetzt nach Hause müsse. Sie würde mit dem Fahrrad schon mal vorfahren und Anna und Frank in einer Stunde zum Abendbrot erwarten.

“Auf Wiedersehen, Frau Baltasar. Kommen Sie doch am nächsten Wochenende zu uns. Dann können wir mal in dem alten Fotoalbum blättern.”
Frank sah seine Mutter fragend an.

“In dem alten Fotoalbum?”

“Ja mein Junge! Ihr wisst doch, dass ich hier in der Gegend aufgewachsen bin. Als ich mich vorhin mit der Frau Baltasar unterhalten habe stellten wir fest, dass wir einen gemeinsamen Bekannten haben. Ein entfernter Verwandter von mir, ich glaube es war der Cousin meiner Mutter, ist mit Frau Baltasar zur Schule gegangen. Ich habe ihr gesagt, dass ich noch ganz viele alte Fotos zu Hause habe und jetzt wollen wir bald mal nachsehen, ob ihr früherer Schulkamerad vielleicht auf irgendeinem der Fotos zu entdecken ist. So, jetzt muss ich aber los. Vater kommt gleich und da möchte ich das Abendbrot auf dem Tisch stehen haben. Auf Wiedersehen Frau Baltasar und danke für alles."

“Schön, dass wir uns kennen gelernt haben.” sagte die Omi und winkte der Mutter noch lange hinterher.

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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