Wolfgang Scholmanns

Oma Dorfhexe Teil 11 - Ein dringender Arzttermin

„Du Anna”, sagte Frank, „die Oma hat aber oft Rückenschmerzen. Vielleicht sollte sie doch einmal zu einem Arzt gehen.”

„Weiß auch nicht, aber wir können es ihr ja mal vorschlagen.”

Zuhause erzählten sie der Mutter von Oma Dorfhexes Rückenleiden. „Menschen, die in ihrem Leben so viel gearbeitet haben, bekommen irgendwann solche Wehwehchen und ab einem gewissen Alter treten diese Probleme immer häufiger auf. Wir können ihr ja vorschlagen, dass wir sie zu einem Arzt begleiten. Ich wüsste da auch schon einen. Mein Vater hatte ja auch oft solche Rückenbeschwerden und da hat man ihm damals dazu geraten, den Dr. Müller aufzusuchen. Der hat seine Praxis in der Stadt, in der Nähe von Omas Wohnung.”

„Ich weiß wo das ist.” sagte Frank. War schon mit unserer Oma dort. Der hat so einen riesigen Bart und eine runde Brille.”

„Genau, mein Junge. Hast du dir ja gut eingeprägt”, lachte die Mutter. „Also, ich werde die Frau Baltasar morgen besuchen und mit ihr darüber sprechen. Alte Menschen sind da etwas komisch und manchmal auch etwas ängstlich.“

Am nächsten Tag fuhr die Mutter schon früh mit ihrem Fahrrad zur Oma Dorfhexe. Die Kinder sollten diesmal nicht dabei sein, denn sie war der Meinung, dass es besser sei, wenn sie über so ein wichtiges Thema mit der alten Dame alleine sprechen würde.

Sie wunderte sich, dass die Vorhänge an den kleinen Fenstern noch zugezogen waren. Die Oma war doch eigentlich immer recht früh auf den Beinen. Die Tür war nicht abgeschlossen, aber trotzdem klopfte sie vorsichtig an, um die Oma nicht zu erschrecken.

„Hallo Kinder! Ich liege noch im Bett. Mein Rücken schmerzt heute so, dass ich gar nicht richtig hochkomme."

„Ich bin es, Frau Baltasar!” rief die Mutter und lief schnell in die Schlafstube, um nach der Omi zu sehen.

„Ach, ich dachte schon, es wären Anna und Frank. Was führt Sie denn so früh zu mir?”

„Die Kinder haben mir von Ihren ständigen Rückenschmerzen erzählt, und da wollte ich Ihnen anbieten, dass ich Sie zu einem Facharzt begleite.”

„Wissen Sie, gute Frau, ich habe die ganze Nacht kein Auge zu gemacht. Die Schmerzen werden immer schlimmer und mir kam auch schon der Gedanke, einen Arzt aufzusuchen.”

„Hören sie, Frau Baltasar. Ich werde gleich von Zuhause aus den Dr. Müller anrufen. Das ist, glaube ich, der beste Orthopäde weit und breit. Ich werde ihn um einen schnellen Termin bitten. Wir fahren dann mit dem Auto meines Mannes zu ihm. Der muss dann mal mit dem Bus zur Arbeit fahren.”

“Das ist aber lieb von Ihnen. Hoffentlich ist Ihr Mann aber auch damit einverstanden”, erwiderte die Oma Dorfhexe.

„Ganz bestimmt ist er das. Er hilft immer, wenn es ihm möglich ist. Einer der Gründe, warum ich ihn geheiratet habe!” Jetzt lachten sie beide und die Frau Baltasar sagte noch: „Wird wohl nicht der einzige Grund gewesen sein.”

„Ich mach Ihnen noch das Frühstück. Was mögen Sie denn morgens, Tee oder Kaffee?”

„Lieber Kaffee, der bringt meinen Kreislauf in Schwung. Dazu bitte zwei Scheiben Schwarzbrot mit Kräuterquark. Finden Sie alles in der Küche nebenan.”

Die Omi strahlte vor Freude, als die Mutter ihr das Frühstück ans Bett servierte.

„Das ist das erste Mal seit meiner Kindheit, dass ich mit einem Frühstück im Bett verwöhnt werde. Als kleines Mädchen, ich hatte Grippe oder so, hatte meine Mutter mir auch mein Frühstück ans Bett gebracht. Da kam ich mir vor wie eine feine Dame.”

„Mach ich doch gerne”, Frau Baltasar. So, jetzt fahre ich nach Hause und kümmere mich um den Arzttermin. Bleiben Sie im Bett liegen?”

„Werde wohl, nach dem Frühstück, aufstehen und mich ein wenig vors Haus setzen”, sagte die Omi. „Wenn ich erst einmal etwas im Magen habe, wird`s schon klappen.”

„Ich warte doch lieber noch, bis Sie fertig sind. Gemeinsam werden wir Sie schon wieder auf die Beine kriegen”, entgegnete die Mutter.

Als die Oma Dorfhexe ihre Morgenmahlzeit verspeist hatte sagte sie mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen: „So, dann wird die alte Frau mal versuchen, aus dem Bett zu kommen.” Sie setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und die Mutter griff ihr unter die Arme. Es funktionierte und nach einer Weile lief die Oma schon ganz alleine ins Bad.

„Erst einmal in die heiße Wanne”, sagte sie. „Das tut meinem Rücken immer besonders gut.”

„Na hoffentlich kommen Sie da auch gleich ohne Hilfe wieder hinaus. Ich muss nämlich jetzt los. Habe noch ganz viele Sachen zu erledigen.”

„Wenn ich mein Bad genommen habe, bin ich wie neu geboren. Geh`n Sie nur unbesorgt nach Hause und vergessen Sie nicht, die Kinder von mir zu grüßen.”

„Mach ich, Frau Baltasar. Auf Wiedersehen.”

Anna und Frank, die schon ganz ungeduldig auf die Mutter gewartet hatten, empfingen sie mit einem Meer voller Fragen.

„Wie geht es Frau Baltasar, hat sie noch Rückenschmerzen, ist sie mit einem Arztbesuch einverstanden?”

„Nun mal langsam, meine Lieben. Frau Baltasar ist einverstanden. Die Rückenschmerzen plagen sie so sehr, dass sie schon selbst auf den Gedanken gekommen ist, einen Arzt aufzusuchen. Jetzt seid mal still, denn ich muss den Dr. Müller anrufen und ihn um einen schnellen Termin bitten.” Die Kinder lauschten gespannt, als die Mutter mit der Arztpraxis telefonierte.

„Also, morgen früh um 9 Uhr. Vielen Dank!” hörten sie die Mutter sagen.

„So, ihr habt ja mitbekommen wann der Termin ist. Nun geht gleich zur Oma Dorfhexe und teilt ihn ihr mit. Sagt ihr noch, dass ich sie um 8.15 Uhr abholen werde.”

Die Oma Dorfhexe war überrascht.

„So schnell schon? Eigentlich geht es mir nach dem heißen Bad schon wieder viel besser.”

„Aber das mit dem heißen Bad, hält ja gar nicht lange vor. Die Schmerzen kommen doch immer wieder”, sagte Anna, die ganz verzweifelt dreinschaute. „Nun guck mal nicht so traurig, meine Kleine. Die Omi wird schon mit eurer Mutter den Arzt aufsuchen. Also morgen um 8.15 Uhr. Ihr könnt mir noch ein wenig die Gartenbeete herrichten. Die haben`s mal wieder nötig.” „Machen wir gerne”, sagte Frank. „Ich hab schon gesehen, dass das Unkraut überhand genommen hat.” Die Oma Dorfhexe gab den Kindern die Gartenwerkzeuge und war erstaunt darüber, wie akkurat und sorgfältig sie den Garten von dem wuchernden Unkraut befreiten.

„Ihr seid mir zwei richtig kleine Gärtner. Schön habt ihr das gemacht und so ordentlich.” Anna und Frank freuten sich über das Lob und bedankten sich bei der Oma.

„So, da seid ihr mir aber wirklich eine große Hilfe gewesen. Stellt die Gartengeräte bitte wieder in den Holzschuppen. Ich hole uns schon mal etwas zu trinken.”

Die große Kanne mit dem leckeren Saft, die Omi auf den Tisch gestellt hatte, war im Nu leer, denn die Gartenarbeit hatte die beiden Kinder recht durstig gemacht.

„Sie haben wieder Schmerzen, nicht?” fragte Anna, der aufgefallen war, dass die alte Dame ihren Oberkörper hin und her drehte.

„Ein wenig, mein Kind. Geht jetzt lieber nach Hause. Ich nehme noch ein heißes Bad und lege mich dann wieder ins Bett. Sagt eurer Mutter, dass ich um 8.15 Uhr parat stehen werde und grüßt sie recht herzlich von mir. Und hier ...”, sie kramte eine Flasche unter dem Tisch hervor, „habt ihr noch einen Liter Saft. Ihr seid ja heute so fleißig gewesen.”

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Oma Dorfhexe - Eine kleine Geschichte vom Niederrhein von Wolfgang Scholmanns



Anna und Frank ziehen mit ihren Eltern in ein kleines Dorf am Niederrhein, wo sie die alte Dame kennen lernen, die die Dorfkinder oftmals mit dem Namen "Oma Dorfhexe" betiteln.

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