Istvan Hidy

Kommunikaze

Mit dem klassisch-aufgeklärten Motto: "Gesunder Geist in gesundem Körper" ist für uns Zivilisationsschwächlinge, Sport fast ein notwendiges Muss. So ist der Dauerlauf eine der meistbetriebenen Sportarten geworden und erfreut sich immer mehr an Popularität.

Bei meinen Läufen denke ich immer mit Ehrfurcht an den Marathonmann, den ersten Marathonläufer. Um 490 geschieht es bei der Schlacht von Marathon. Nachdem die Griechen die Perser geschlagen hatten, lief ein einsamer Läufer die 42 KM lange Strecke nach Athen kündete an: „Sieg! Wir haben gesiegt!" -und brach tot zusammen. Das ist die kurze Geschichte.

Aber wer war er, der klassische Held der Willenskraft und die Vaterlandsliebe? Wir kennen nicht mal seinen Namen. Was für ein Grund, was für ein Motiv bewegte ihm?

- War er ein Soldat?

Nein. Soldat konnte er nicht gewesen sein. Mit aller Achtung von seiner vollbrachten Leistung, aber wenn er gekämpft hätte, wäre er nach den damaligen Kampfhandlungen fix und fertig, und käme nie auf die Idee nach Athen aufzubrechen.

- Ein Drückeberger war er mit Sicherheit auch nicht. Wenn jemand aus Angst der Schlacht ausweicht, der jagt sich nicht zu Tode, um mit letzter Kraft zu sagen: Wir haben gesiegt!

- Wir können auch mit guten Gewissen behaupten, dass er kein Sportler war.

Damals in Athen blühte ein entwickeltes Sportleben. Pompöse Wettkämpfe wurden veranstaltet. Als Sportler hätte er seine Kraft mit Sicherheit besser eingeteilt.

- War er ein Bote?

Wenn er ein Bote gewesen wäre, hätte man ihm mindestens ein Pferd bereitgestellt. Miltiades veranlasste es mit Sicherheit nicht, ihn nach Athen zu entsenden. Er hatte noch alle Hände voll zu tun den erneuten Landungsversuch der Perser zu verhindern.

Wer war er also, der erste Marathonläufer?

Er konnte nur ein Athener Bürger sein, der sich in Marathon aufhielt, gekämpft hat er nicht, ein Drückeberger, ein Sportler ein Bote war er auch nicht. Ein stiller Beobachter?!? Gab es schon so was?

Über die „Stille“ hinaus könnte er nur so ein Mensch gewesen sein, in dem, wie sein besonderes Unternehmen und sein tragisches Tod beweist, unlöschbar die Sehnsucht der Kundgabe loderte.

Ich behaupte, dass er nur ein Journalist gewesen sein konnte.

Wie bitte? Ob damals keine Zeitungen gegeben haben? Stimmt! Aber Journalisten.

 

Der Journalist ist nicht unbedingt nur ein Beruf, er ist mehr ein Verhalten. Ein Drang nach Informationsverbreitung. Der Journalist ist eine bestimmte Wesensart, er spürt eine unwiderstehliche Sehnsucht, von Beobachten, Aufzeichnen und Informieren. Solche Typen gab es immer und wird es auch immer geben. Wann so eine Gattung dann für sich ein entsprechendes Umfeld mit Redaktion findet, das hängt nicht mehr von ihm, sondern von der geschichtlichen Situation ab.

 

Der Marathonmann, der erste Marathonläufer, behaupte ich, war also ein Journalist. Derjenige der imstande ist 42 KM zu laufen, nur deshalb, weil er benachrichtigen will, es konnte nur ein Journalist gewesen sein. Für einen urwüchsigen Journalisten ist es von Bedeutung, dass er berichtet, was er weiß, und eben zuerst! Er war nicht nur ein Läufer, sondern ein Vorläufer des heutigen Journalismus, ein leidtragender Journalist, das Opfer seines Berufes geworden ist. Nicht das erste und nicht das letzte Opfer des Informationsdranges, ein Kommunikaze.

 

Wenn Sie, liebe Leser, einen Marathonlauf sehen oder an einem sogar teilnehmen, denken und erinnern Sie sich mit Respekt an ihn, den ersten Marathonläufer. Aber sehen Sie bitte in ihm nicht nur den Athleten. Er ist ein Held der Information und ein Vorbote des Journalismus.

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