Hans Witteborg

Erdbeermund

Erdbeermund

(eine Satire besonderer Art)

 

Seit einem Jahr wohne ich im Haus meiner Freundin mit ihr zusammen.

Das Haus war ein alter Bauernhof, den ihr Vater als Gutshof hat

restaurieren lassen und ihr zum Geschenk gemacht. Das war doppelt so teuer als wenn er die Bude abgerissen und hätte neu bauen lassen, aber Väter und Töchter!

Meine Freundin kommt aus einem vornehmen Elternhaus. Das zeigt schon ihr Name: Eleonore Freiin von und zur Heidemühle. Sie ist eine Klasse Frau mit toller Figur und einem ausgewähltem Lebensstil mit exquisitem Geschmack,

Das gilt auch für die Gute Küche, sie ist eine Gourmetin (sagt man wohl heute so) und hier beginnt die eigentliche Geschichte, bevor ihr auf die Idee kommt euch zu fragen, warum dieses tolle Weib ausgerechnet mich zum Freund und Liebhaber erwählt hat!

Es ist der Beginn der Erdbeerzeit.Eleonore liebt diese herrlichen Früchte.

Also macht sie sich auf zum nächsten Bio-Hofladen (Bio muss es sein),

um Erdbeeren zu kaufen.

 

Das tat sie ausführlich. Ihre Beute waren zwei Kilogramm Erdbeeren,

zum sofortigen Verzehr bestimmt, denn direkt frisch vom Feld sind

sie am aromatischen.

sind das nicht ein bisschen viel.... so für zwei Personen?“ wagte ich einzuwenden

ich habe ein ganzes Jahr auf frische Erdbeeren verzichten müssen,

gönnst du sie mir etwa nicht?“

Doch, doch....

Du musst sie ja nicht bezahlen. Wie alles Übrige ja auch nicht. Da meint man Gutes zu tun und dann dasss!“ Hier nimm den Korb und putz sie!!“

Das war ein Befehl, so streng kann Eleonore sein!

Du meine Güte.....bevor du die Stängel entfernst mußt du die Beeren waschen

- oder meinst du der Dreck reinigt den Magen...den deinen vielleicht, meinen nicht!“ das klang recht überheblich und zudem eine Spur zu süffisant.

Nach der gründlichen Dusche der runden Früchtchen, hantierte ich mit dem Küchenmesser, indem ich mich anschickte die Grünansätze zu entfernen.

Laß nur kein Grünzeug dran, wir sind schließlich keine Kaninchen“,

mahnte Eleonore. Ich entfernte den Grünansatz der ersten Beere. „Um Himmelswillen, du verschwendest ja die ganze Frucht, ich mach dir das mal vor“!

Sie ist der Profi....ich der Lehrling.

Nach einiger Zeit:„geht das nicht ein bißchen schneller, du bist wie sonst auch ein richtiger Lahmarsch“!

LAHMARSCH ! Ich musste mich verhört haben. Die wohlerzogene Freifrau konnte diesen Ausdruck nie benutzt haben. Hatte sie aber doooch!Die große Schale war dann endlich proppevoll. Mit spitzen Fingern fischte Madame eine große Beere heraus und probierte sie. „Da muß ich nachsüssen“, stellte sie fest.

Sie holte das Glas mit dem Stevia-Pulver und mischte dieses großzügig unter die Früchte.“Warum nimmst du keinen Zucker“? Kein guter Einwand!

Du willst wohl, dass ich aufgehe wie in Hefekloß oder Diabetes bekomme, ja das willst du sicherlich, du weißt, dass ich schon erhöhte Werte habe“!

Woher sollte ich, nie hätte Eleonore auch nur die kleinste Schwäche zugegeben.

Sie stellte die volle Schale vor mich hin mit den Worten: „Kannst alles alleine essen“! Wie war sie gierig nach frischen Erdbeeren gewesen und nun das!

Versteh einer die Frauen!

Wenn ich fett und krank bin, wirst du sicherlich eine jener Schlampen aufsuchen, die darauf warten treulosen Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ja, gib es zu, du wolltest mich betrügen...oder hast es schon. Armseliger Feigling, du bist nichts als ein treuloses Arschloch. Ach was Arschloch zum Quadrat, hau bloß ab, ekelig mit so einem...mir fehlen die Worte. Ich hatte Eleonore nie betrogen, kein Einwand fruchtete. Ich wurde zum Opfer einer

hysterischen Phantasie. Jetzt war es an mir zu sagen: Scheiß Erdbeeren!

Ich bekam Hausverbot und sie setzte mich vor die Tür.

Oh, süßer Erdbeermund den Schlamassel hast du mir angetan. W A R U M ?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

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