Fritz Lenders

... schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 51 ) zurück ins Leben

... während Anselm der Anführer  der Bischofstruppen also im Bett liegend, seine bösen Gedanken im seinem Kopf herumsausen ließ ...


... versuchte Armina zum wiederholtem male  Kontakt zur Burg aufzubauen.
Die Ohrknöpfe schafften im Moment keine Verbindung, deshalb entfernten beide Frauen die Metallteile aus den Gehörgängen.

Über das Funkgerät war leider auch keine Stimme von Everie zu bekommen.
Allerdings bemerkte Armina, daß sich mit dem magischen Elektroteil aus der Zukunft wesentlich mehr  machen ließ, als nur zu sprechen.

Durch das Drücken der Knöpfe ließ sich der Standort des Benützers des Gerätes ermitteln.
Durch das anleuchten von Dingen oder auch Personen, ergaben sich dazu noch  viel mehr Informationen.

Zum Beispiel leuchtete Armina probeweise den Körper von Adelheid an und sofort erschien auf der großen Monitorfolie im Zimmer der Hinweis, daß die Burgfrau erhöten Herzschlag hatte und die Körpertemperatur ebenfalls leicht erhöht sei.
Als Armina den ganzen Körper der Frau von oben bis unten anleuchtete.., erschien die weitere Information, daß alle Organe in Ordnung seien.., jedoch im Intimbereich erhöhte Durchblutung stattfände.

Als nun Armina etwas ängstlich vor Sorge.., über den intimen Bereich der Burgherrin streichelte.., kollabierte das Informationsaufkommen an der Folie .

* hyperventilierende Atmung, erhöhter Herzschlag, Hitzeansammlungen im Vaginalbereich , Flüssigkeitsaustritt in den Drüsen der Vagina.. und.. und.. und.. *



" O je, da werden wir aber scheinbar von dem Gerät ganz genau kontrolliert....  "



flüsterte Adelheid zu Armina.



Das Dorfmädchen  hatte ebenfalls begriffen, daß ihre eigenen Finger die Burgfrau zum kochen brachten.
Interessant.

Ebenfalls bemerkten sie gemeinsam, daß durch kombiniertes drücken der Tasten am Gerät, verschiedene Möglichkeiten angeboten wurden.
Denn als Armina die Wand im Zimmer anleuchtete, welche durch  das Regal mit  Bekleidungen und Geräten  verbaut war.., sahen die Frauen sofort Vorschläge am Monitor, wie man Platz sparen könne und welche anderen Modelle an Regalen es gäbe.

Na das würde sie dem Dorfschreiner mal zeigen.

Als Armina hingegen den Comboundbogen anleuchtete, gab die Monitorfolie  den Bauplan des Bogens, sowie auch die technischen  Daten und die Bedienungshinweise preis.

Ebenso spielte sich die Geschichte beim Scharfschützengewehr ab.


Alle Schritte wurden detailiert beschrieben. 

 Wie man das Gerät auseinanderbauen konnte und wie es wieder zusammenzufügen war.
Ebenso die Hinweise auf Störungen, welche beim anvisieren von Zielen in  großen Entfernugen zu beahchten seien.
Da wäre zum Beispiel der Wind, welcher eine Kugel aus dem Gewehrlauf in andere Bereiche verschieben würde als das gewünschte Ziel.
Auch  mußte man scheinbar beachten, daß andere, unbeteiligte Menschen gefährdet seien, wenn sie sich hinter dem zu terminierenden Objekt befanden.

Während nun Armina  sich entschied, auf der kleineren Monitorfolie ein bischen Musik laufen zu lassen.., bekam sie automatisch auch gleich jeweils die Informationen des Sägers und den Liedtext.., auf der großen Folie  präsentiert...,
zudem auch noch die Austellung der Instrumente, welche in dem Musikstück benützt wurden.

Alles in Allem ein unübersichtliches Angebot von Informationen und Möglichkeiten, welche sich aus dem kleinen, handlichem Gerät ergaben.
Im Laufe der nächsten Stunden begriff Armina und auch Adelheid, daß dieses kleine Gerät eigentlich ein Begleiter durch den gesamten Alltag war.

Von Kochgerichten bis zu Informationen über essbare Pflanzen und ebenso über giftige Kräuter. 
Pflanzen aus denen Arznei hergestellt werden konnte genauso wie auch Kräuter die sich zum herstellen von verschiedenen Tinkturen und Cremen eigneten.

Leider ließ der Kontakt immer mehr nach, je weiter sich die zwei Frauen von der Musikkonsole in Arminas Zimmer entfernten.
Scheinbar barg der schwarze Metallkasten viel, viel mehr an Dateien, als nur Musik.

Im Bereich des Waldes laß Armina dann auf dem kleinen Display am Funkgerät, daß die Verbindung zum Hauptserver unterbrochen wurde und mehr Informationen derzeit nicht verfügbar wären.

Besser war da wiederum  die Brille des abgestürzten Piloten.


Die gab auch Informationen preis, jedoch nur aus dem begrenzten Informationsbereich, welcher irgendwann eben eingespeichert wurden.
Leider kam aber auch hier gerade im Moment die Information..:  Energiestand nur noch bei 14 %. Bitte umgehend aufladen !

Naja, so nach und nach würde sich Alles verstehen und einsetzen lassen.
Aber im Moment erklang plötzlich die Stimme Everies aus dem kleinen Handgerät, zu den zwei Frauen.

" Hallo Armina.., der Informationsbereich und auch die Antenne an der Burg wurde getroffen deshalb gab es für die Zeit der Instandsetzung keinen Kontakt. Nun sind wir wieder begrenzt verbunden. Die Techniker sind am Arbeiten und zudem haben sich aus irgend einem Grund die Soldaten vor der Burg in den Wald zurück gezogen.. "

Everies Stimme klang ziemlich gelassen, es war also in diesem Moment keine Gefahr gegen die Burg zu erkennen.

" Hallo Herr Everie.., wie geht es Helmreich und meinen Töchtern ? "

Adelheids Stimme war ziemlich aufgeregt und irgendwie hörte Armina auch ein bischen an schlechtem Gewissen aus den Tönen der Burgfrau heraus.
Natürlich nicht verwunderlich, denn die Burgherrin hatte letzte Nacht nicht gerade in braven Kinderbüchern gelesen, sondern war im heißen Raum der Gefühle herumgeflattert.

Tja.., geflattert war da noch ziemlich vorsichtig ausgedrückt.

Genaugenommen hatten die Beiden, Armina und Adelheid,  Sturzflüge in die Tiefen  der Hitze.., Farben und Explosionen der Sinnlichkeit unternommen.
Adelheid hatte keine Ahnung gehabt, was sich aus einer Nacht voller Verlangen und Abenteuerlust.. ergeben konnte.
Jetzt wußte sie es.

Diese 5 Minuten des Liebesaktes zwischen Mann und Frau waren unbedeutend.. im Vergleich  zu explodierenden 2 Stunden oder auch mehr..., des Begehrens , Streichelns und Küssens zwischen den beiden jungen Frauen.

Eine komplett andere Welt.
Eigentlich sogar ein anderes Sonnensystem.
Selbst dies war noch milde ausgedrückt.

Die Frage war nun.., wie konnte man sein Leben leben ohne andere Menschen zu verletzen ?
Wie konnte sie Burgherrin bleiben, fürsorgliche Mutter und brave Ehefrau...
wenn das Feuer zwischen ihr und Armina so hell loderte ?

Sie wußte es einfach nicht.
Als denkende und intelligente Frau war ihr natürlich klar, daß die Füße wieder nüchternen, anständigen Boden betreten mußten.
Daß  Gefühle wirklich hinten angestellt sein sollten.
Vielleicht heimliche, sehnsüchtige, einsame  Träume in der Nacht, welche Niemanden schadeten.

Leichter gesagt, als getan.
Wie konnte man auch logisch denken.., wenn das Gehirn in den Flammen der Lust verdammpft war ?

" Professor   Everie.., ist mein Mann bei Ihnen in der Nähe ? Ich möchte gerne mit ihm sprechen "

" Hallo Adelheid.. " ... 
  klang es aus dem kleinen Lautsprecher.... 
  "  Hallo Mama, wann kommst du wieder zurück .. " 
 hörte sie auch die hellen Stimmen ihrer beiden Töchtern durch den Äther plappern.

" Hallo ihr Drei.., ich bin hier im Dorf und werde so schnell wie möglichst zurück zu euch kommen. Bei mir ist Alles ruhig, es sind keine Krieger des Bischofs zu hören oder sehen. Ich vermisse euch auch so sehr und freue mich, euch wieder in die Arme schließen zu können. "

Bei diesen Worten lief ihr eine kleine Träne über die Wange.
Auch Arminas Herz bekam einen Riss.

Was dachten sie sich auch dabei ?
Wie konnten die Zwei denn vom Leben erwarten, daß sich Alle Menschen nach ihnen richteten ?
Wie konnten sie denn denken, daß sich plötzlich die ganze Welt nur noch um sie Beide  drehte ?

Andrerseits.., hatte Everie denn nicht auch gesagt, daß das Geschick der Erde verändert werden musste ?
Daß die Menschen ein besseres Lebensbewußtsein bekommen sollten.
Leider betraf das aber nicht Armina und Adelheid.
Denn um die Beiden glücklich leben lassen zu können.., mußten erst mal Drei andere Menschen unglücklich werden.

Helmreich und die beiden Töchter von Adelheid.

" Wir können aber immerhin noch ein paar Stunden zusammen sein und mit den Maschienen herumfahren. Wir können noch für ein paar Stunden in der Sonne durch die Welt sausen. Oder ? "

Armina sah mit rasendem Herzen zu Adelheid.
Diese wiederum wurde in einem Strudel der Gefühle gerummgewirbelt.

" Nein, ich glaube es ist für alle Menschen um uns herum das Beste, wenn ich so schnell wie möglich zur Burg zurückkehre.. " 

Irgendwie wollte die Burgfrau bei diesen Worten am liebsten sterben.
Das Herz wurde ihr so schwer.
Sie liebte ihre Familie von ganzem Herzen..
Aber ganz im Innersten, sehnte sie sich mit jeder Faser des Herzens nach Armina.

Man konnte es drehen und wenden wie man wollte..., aber es lief immer wieder zu Armina hinaus.

Sie war nicht automatisch von den Gefühlen nach Frauen gefangen.
Es war nun nicht einfach so, daß sie sich  auf die Seite der Männer hingezogen fühlte oder  auf die Seite der Frauen.
Schlicht und ergreifend war es eben so.., sie fühlte sich zu Armina hingezogen.
Mit aller Macht der Erde.. oder wenn man es anderst ausdrücken wollte... mit aller Macht der sinnlichen Liebe.

" Adelheid, ich vermisse dich so unglaublich. Auch die Kinder und genauso die Menschen auf der Burg. Aber im Moment wäre es mir fast lieber, dich im Dorf in Sicherheit zu wissen. Wie du sicher gehört hast, sind im Burggelände ein paar unerklärliche Morde passiert und wir haben noch keine Verdächtigen finden können. Die Kinder werden Tag und Nacht von Soldaten der Zeitmenschen beschützt und jede Person auf der Burg durchkämmt die Räume von oben bis unten. Aber irgendwie ist alles so unsicher. Ich möchte dich wirklich lieber sicher im Dorf wissen, als unsicher an meiner Seite. Ich liebe dich so sehr.. aber momentan ist es so am Besten. "

Helmreichs Stimme war für Arminas Herz die reinste Heilkur.
Auch wenn es total egoistisch war.., so freute sie sich über jede Minute mit der schönen Frau an ihrer Seite.

Auch Adelheid versuchte im Moment gerade zu ergründen.. ob das Schicksal von den Geistern des Waldes gelenkt wurde .
Sie wollte zurück zur Burg und ihre Pflichten auszuführen..
aber das Schicksal oder auch Helmreich oder der Himmel...,
hielten sie zurück bei Armina.

Sobald sich in Adelheids Kopf der Name Armina breit machte..
sobald sie vor ihrem geistigen Auge die Buchstaben des Namens des Mädchens sah.. wurde es ihr ganz warm ums Herz.
Trotz des natürlich erkannten  Egoismuses..., Betreff ihrer eigenen Wünsche, wollte sie die geschenkte Zeit mit Armina in vollen Zügen genießen.

Die Strafe würde sie vom Leben zu einem anderen Zeitpunkt schon erhalten.
Na und ?
Sie würde die Strafe mit erhobenen Hauptes empfangen und ertragen.

Und jetzt würde sie am liebsten mit Armina im Bett liegen und den Duft ihrer Haut einatmen.
Besser gesagt.., wollte sie auf der Stelle mit ihrer Zunge ganz tief in Arminas Honigtöpf`chen eintauchen.
O ja.. 
und wie sie das wollte.

Das Feuer in ihr und auch zwischen ihren Beinen wurde zum Inferno.

Als sie so in Flammend stehend ihren Gefühlen nachhing..., stupste  Armina sie nekisch an..

" Na du schöne Burgfrau..., wollen wir ein bischen durch die Gegend sausen oder möchtest du lieber Bischofskrieger an Bäume nageln ? "

Während dieser Worte strich ihr Armina mit dem Zeigefinger sinnlich die Wirbelsäule entlang.

" Oder soll ich mit meiner Zunge  ein bischen.... "


Anselm hatte diesbezüglich ähnliche Gedanken , Zungen betreffend.
Allerdings nicht unbedingt romantischer oder zärtlicher Natur.
Er war sich nicht sicher, daß er seine Tarnung aufrecht erhalten könnte.

Was wäre, wenn sich unter seinen Mannen auch nur eine einzige Person befunden hätte, welche eventuell wirklich beim Bischof im Schreibzimmer gearbeitet hatte ?

Immerhin waren es schon oft vorgekommen, daß sich  Soldaten bei ihm melden mußten, welche noch nicht mal Ausbildungen erhalten  hatten.
Oft waren es einfach in Ungnade gefallene Männer, welche sich im Schlachtfeld aufopfern durften.


Und was wäre nun, wenn sich unter den verräterischen Männern , welche so schändlich von seiner Truppe hinweg, in den Schutz der Burg geflüchtet waren.. auch nur eine einzige Person befunden hätte, welche sich vorher in der Nähe des Bischofs herumgetrieben hatte. ??

Eine einzige verräterische Zunge konnte alle seine Pläne zunichte machen.
Unbedingt mußte er auch den Pfeilidioten los werden.
Dies war schon mal eine ersichtliche Gefahrenquelle.

Außerdem mußte er zum Turm rüber, wo sich in Kürze seine Leute um Informationen zu erhalten.., befinden würden.
Na gut.. Eines nach dem Anderen.

Zuerst zum Turm.

Er drückte hastig auf die Taste, welche ihm die wundervoll duftende Krankenfrau gezeigt hatte.
Vielleicht hatte er Glück und sie wäre noch nicht in der Schulung.
Vielleicht.., und darauf hoffte er.., vielleicht würde sich die Türe öffnen und der hübsche  Engel der Kranken.. in der Raum schweben.

Leider öffnete sich kurz später die Türe.. und ein Kopf mit einem metallischem, gläsernen Gestell auf der Nase.. lugte um die Ecke des Türrahmens in seine Richtung.

" Leider ist Momentan Niemand auf der Krankenstation und ich bin eigentlich selber krank. Aber vielleicht kann ich doch etwas helfen. Was ist mit den Fingern  ? Ich kann nämlich keine Pillen verteilen, weil ich mich damit nicht auskenne. "

Anselm war sich nicht sicher.., ob es wirklich die Stimme seiner ehemaligen Frau sein könne ?
Vielleicht gaukelten ihm seine Schmerzen in den Fingern auch komische Bilder vor, denen er nicht unbedingt vertrauen konnte ? 
Besser gesagt waren es die kleinen, scheußlich schmeckenden Pillen, welche ihm die Realität so bunt und verdreht präsentierten.

" Ich möchte eigentlich nur aus dem Bett aufstehen und für eine kurze Zeit etwas in der Burg herumlaufen. Ich möchte etwas in Schwung kommen. Das Bett macht mich so müde und ich will nicht dauernd schlafen.  Vielleicht können sie ja ein bischen mit mir durch den Burghof gehen und mir Alles zeigen Es wäre so schön. Ich möchte so gerne das Leben der Burgleute kennenlernen. Bitte. "

Die Krankenhelferin wollte am liebsten gleich wieder die Türe schließen, weil sie einfach ganz alleine sein wollte um mit keinem Menschen zu tun zu haben .
Seit 20 Jahren überfielen sie immer wieder solch traurige Gefühle.. in denen sie es am besten finden wollte, zu sterben. 
Irgendwie würde es sich in ihre Gefühlswelt am besten einfügen, so leicht wie ein Vogel.., von der Burgmauer.., von ganz oben am Turm.. herabzufliegen.
Wie eine Schwalbe durch die Lüfte zu sausen und im Wald zu den Geistern zu schweben.

Wie schön..
wie verlockend
so sehnsüchtig...!

Vor Tagen, als die fremden Wanderer mit dem Metallungeheuer auf dem Burghof so viele Dinge mitbrachten, hatten sich auch die kleinen Leiden der Menschen verändert.
So hatten sich die Soldaten gewundert, warum sie immer so vorsichtig an die Türen herantrat und stets mit den Fingern die Holzlaibungen abtastete... bevor sie die Türklinken fand.

Helene hatte dann ziemlich schnell herausgefunden, daß sie ganz einfach eine gewaltige Sehschwäche hatte.
Mit dem Ergebnis, daß nun also die Krankenhelferin, welches sie seit kurzem war.., mit einer Brille durch die Gegend ief.
Die Ärztin hatte ihr gesagt, daß in ein paar Tagen etwas anderes für ihre Augen zum sehen vorbereitet wurde.

Sie hatte ihr so winzige, runde Scheiben gezeigt, welche sich später über die Augen stülpen würden und ihr wieder zum bessern sehen verhelfen konnten. 


Ganz, ganz winzige Scheiben.
Nur so groß wie das Grün auf ihren Augen.
Noch kleiner sogar.

Leider war die Heilerin nun aber tot.

Zudem war auch noch ein Ereignis auf sie eingedonnert, welches sie wieder in die Traurigkeit stürzen ließ.
Einer der Männer, welche seit kurzem auch auf der Burg um Hilfe ansuchten.., hatte eine ähnlich grausame Stimme, wie damals vor einer Ewigkeit der Mann, welcher ihre ganze Familie töten ließ.

Vermutlich töten ließ.

Ihre Eltern, ihre Schwester und das Nachbarsmädchen waren an den Füßen aufgehängt worden und tagelang  mit auf den Rücken gebunden Händen in der Küche gehangen.
Keiner konnte die Schreie der armen Menschen hören, weil ihnen im Hals irgend etwas durchschnitten worden war.

Nach zwei Tagen waren die vier Menschen einfach  grausam erstickt .., wie es die Nachbarsleute so erzählten.

Sie war damals im Wald versteckt gewesen und nur durch Zufall wurde sie von Adelheid, der Burgherrin gefunden und auf die Festung gebracht, wo sie ab dieser Zeit  Schutz und Arbeit fand.

Leider wurde aber durch diesen grausamen Angriff auf ihre Familie.. ihre Psyche so sehr geschädigt.., daß sie fast nicht mehr sprach und eben immer wieder in diese traurige Stimmung verfiel, in welcher sie den Tod als so sehsüchtigst erwarteten Freund betrachtete.

Nun sollte sie also mit diesem Mann durch die Burg spazieren.., wo sie doch viel lieber über die Felsenklippe.., von drüben vom Westturm gesprungen wäre.

Aber vielleicht würde eine freundliche Tat.., von den Geistern des Waldes als Geschenk an das Leben betrachtet werden ?
Vielleicht ?

" Na gut.., ich werde sie begleiten aber sie müssen alleine entscheiden, ob sie sich so viel zumuten können. Wie ich gehört habe, sind ihre Finger abgetrennt worden und dananch irgendwie zurück genäht worden.  Aber vielleicht wird etwas Bewegung wirklich gut tun Ich gehe mit ihnen zum Turm, von den Stufen aus, kann man die ganze Burg so schön überblicken. Auch die Aussicht über die Schlucht ist wirklich zauberhaft.. "

hoffentlich ist es einfach nur eine Sinnestäuschung meines Kopfes, wie schon so oft zuvor. Warum sollte eine Stimme aus einem so weit entferntem Leben, plötzlich auf der Burg auftauchen ? 

 Die Frau ging zum Bett von Anselm und half dem Mann aus dem Bett in seine Schuhe, welche er momentan benützen sollte.
So weiche Schuhe hatte der Komandant  in seinem Leben noch nie auf seiner Haut fühlen dürfen.
Fast schwebend ging er neben der Frau aus dem Zimmer.

Nach weniger als einer Minute bekam aber sein Kreislauf einen kleines Problem.

Er strauchelte und mußte sich hastig an den Arm der Frau klammern.
Mit wesentlich mehr Kraft als er ihr zugetraut hätte.. konnte ihn die Pflegerin stützen.
Aber mit jedem Schritt, den er in Richtung Burghof machte, kam etwas mehr Kraft in seine Knochen.
Allerdings empfand er es als ziemlich angenehm, von der Frau gestützt und geführt zu werden.

Immerhin hatte es so den Anschein, als ob ihn die Frau zum Turm leiten würde.
Obwohl eigentlich Niemand in ihre Richtung blickte.
Irgendiwe  waren Alle so beschäftigt.
Die Burgmauer war an drei Stellen beschädigt.

Oh ja.., die Katapulte hatte gute Arbeit geleistet. Und immerhin waren es seine Anweisungen, welche die Treffer erzielen konnten. Genaue Koordinaten.., errechnet von ihm höchstpersönlich ...!

Jedenfalls wuselten Alle durcheinander um Ordung zu schaffen und um Reparaturen auszuführen.

Und auszuführen war nun eben auch die Aufgabe der Frau.
Sie führte Anselm zum Turm aus... und langsam trippelten die beiden die Stufen nach Oben.

" Es ist so schön dort oben. Alles so ruhig und der Duft des Waldes weht herüber. Sie werden begeistert sein. "

Die Frau versuchte einfach mit Anselm ein leichtes Gespräch zu führen.
Eigentlich wollte sie die Stimme des Mannes hören, wollte sie sich Eindrücke einverleiben.., die ihre Ängste bestätigen oder aber verflüchtigen sollten
Leider war aber Anselm nicht so sehr bereit, zu viel zu reden.
Sehr wohl war ihm bewußt, daß viele Worte.., vielleicht viele Wunden aufreissen konnten.

" Ich bin oft oben am Turm und sitze einfach auf der Brüstung, zwischen den Zinnen und lasse meine Füsse nach unten baumeln. Manchmal bekommt man so ein Gefühl.. wie ein kleiner Vogel durch die Luft flattern zu können "

Ja, wir werden sehen, wie das Vögelchen flattern kann... ,  dachte sich Anselm , vor Zynismus triefend.

Oben am Turm erkannte er schnell, daß von keiner Seite Blickkontakt bestand.
Der Turm hatte rundum verlaufende Zinnen und gab wirklich eine atemberaubende Aussicht zur Schau.
Nur an der ganz linken Seite, konnte man ein bischen um die Ecke blicken, also zu der stinkenden Güllegrube.

Tatsächlich sah er auch im langsam dämmrig werdenden Nachmittag, daß sich eine grün gekleidete Gestalt durch das hoch wuchernde Gestrüpp zur Burgmauer heranschlich.

In der Nische der rechten Turmseite , zwischen den Zinnen, saß die Begleiterin von Anselm.
Sie wiegte sich mit geschlossenen Augen im sanften Abendwind  und wippte mit den Beinen.

Der sich heranschleichende Mann im Gebüsch würde sicher noch einige Minuten brauchen, bis er die Mauer erreicht hatte.

Anselm stellte sich hinter die Frau in der Nische, zwischen den Zinnen und legte seine Hand auf deren Schulter.

" Es ist sehr gefährlich, so über dem Abgrund zu sitzen. Man könnte schnell nach unten stürzen. Ich glaube nicht, daß so ein Fall in so große Tiefe überlebt werden kann. "

Die Frau griff mit ihren Händen zu der Hand auf ihren Schulter und hielt sich mit beiden Händen an Anselm fest.

" Vielleicht wäre es dann einfach Schicksal. Vielleicht wäre es einfach eine Erlösung. Manchmal sehne ich mich danach.. wie ein Vogel nach unten zu fliegen. Ich habe oft solche Gedanken.. seit meine Familie so schlimm ums Leben kam.  Immer und immer und immer wieder "

Ihre Hände schlossen sich etwas fester um die Hand von Anselm..

" Und seit gestern plagen mich diese Gedanken wieder so sehr. Ich dachte sogar, daß sie die gleiche Stimme haben.., wie damals der Mann, welcher  an dem Drama Schuld hatte. Aber ich bin einfach nur verwirrt. Sie sind Anselm von der Truppe vom Wald. Der böse Mann hingegen hieß Bertram ... "

" Bertram von Eichenwald... "      entfuhr es Anselm aus Versehen...

" Geister des Waldes, steht mir bei.. "   antwortete die Frau panisch, als sie die Worte des Anführers hörte, welche so aus Versehen den Mund des Mannes verlassen hatten.

Zu spät.


Mit einem Ruck packte er die Frau am Schulterbereich ihres Kleides und riss sie nach vorne in Richtung Schlucht.
Gleichzeitig schlug er ihr mit Gewalt so fest seinen Ellbogen zwischen die Schulterblätter, daß er förmlich Knochen splittern spürte.
Die Frau wollte panisch schreien , aber der Schlag nahm ihr die Luft zum atmen.
Ruckartig, unterm Sturz in die Tiefe, gelang es ihr, sich so zu drehen, daß sie sich mit beiden Händen an der Brüstung festklammern konnte.

Mit den zarten Frauenfingern an der Steinbrüstung sich festklammernd, konnte sie noch immer keinen Laut aus ihrer Kehle bringen, weil sie einfach noch immer keine Luft bekam.

War vielleicht früher so oft der Gedanke willkommen, in die Schlucht zu springen.., so übermannte sie jedoch nun der Wille , zu überleben.
Mit tränenden Augen blickte sie in das Gesicht von Anselm.

" Vor über 20 Jahren hast du mir meinen Sohn genommen, bevor er geboren wurde. Vielleicht kannst du ihn in Kürze begrüßen.. .! Und sage ihm bitte... daß es mir ohne Kinder besser geht. Man ist dann nicht erpressbar.. "

Mit diesen Worten hob er einen Stein vom Boden des Turmes auf und schlug ihn so fest er konnte, auf den Handrücken der Frau.
Er blickte fasziniert auf sein Werk, weil er deutlich erkennen konnte, wie sämliche Knochen des Handrückens zerschmettert wurden.

Eine hellrote, blutige Spur hinter sich herziehend, glitt die Hand der Frau ins Leere.

Unglaublich musste er feststellen, daß die Todesangst einer Frau soviel Kraft verleihen konnte..., daß sie sich auch mit nur einer einzigen Hand  am Turm festhalten konnte.
Im ersten Impuls wollte Anselm mit dem Stein auch die zweite Hand zertrümmern.
Aber dann überlegte er es sich doch noch  schnell.

Seine grausame Sadistenseite sprang ransend schnell über ihn und ließ ihn wohlig erzittern.

Er griff mit seiner gesunden Hand nach den , sich an den Stein klammernden Fingern seiner ehemaligen Frau.. und bog sie ganz langsam nach hinten.. in Richtung Handrücken. 
Mittelfinger und Ringfinger .


Er  wälzte sich förmlich  in den Schmerzen der Frau.


Als dann das Knirschen der Knochen und das ploppen der reissenden Bänder  die Finger sozusagen nach hinten umfaltete..., 
stürzte die Frau mit weit aufgerissenem Mund und panischen Augen in die Tiefe.

Drüben im Gebüsch war der Soldat aus seinen eigenen Reihen an der Mauer angelangt.
Gurrend imitierte er einen Auerhahn.

" Sei still du Idiot, ich bin schon hier.. " 

 ...  flüsterte Anselm nach unten.


"Wir greifen die Burg von Osten an. Und zwar genau in einer Stunde. Das Gefecht soll die ganze Nacht dauern, aber keine Katapulte und keine Rammen. Nur Pfeile. Brennende Pfeile. Und unbedingt nur auf die Ostseite schießen. Ich will keine Eroberung. Der Angriff muß noch vor Anbruch des Morgens beendet werden. Die Burg soll nur beschäftigt sein. "

Ohne sich zu verabschieden, drehte sich Anselm um und blickte nach unten in die Schlucht. Ein großer, roter Farbklecks zeigte ihm die Stelle, wo seine ehemalige Frau den Ritt zu den Geistern unternehmen durfte .


Gefahr erkannt, Gefahr gebannt  würde er sich gedacht haben, hätte er in unserer Zeit gelebt..





 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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