Fritz Lenders

...schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 56 ) zurück zur Burg

... während Anselm in seinen, für ihn ziemlich ungewohnten Träumen in den Schlaf versank...,
bereiteten sich drüben im Dorf Armina und Adelheid auf die Reise durch die Nacht vor.

Wie immer war Bruno, Arminas Vater, gegen den riskanten Aufbruch zur Burg.

Da er leider, wie so oft, auf verlorenem Posten kämpfte..., gegen die Vorhaben seiner Tochter, bat er sie letztendlich wenigstens, einen oder zwei zuverlässige Krieger aus dem Dorf mitzunehmen.

Es war mittlerweile 21.00 Uhr abends und in vielen Häusern war das Licht der Kerzen schon seit einiger Zeit erloschen.

Viele Dorfbewohner hatten nicht viele Kerzen und andere brennbare und vor Allem.., leuchtbare Substanzen waren entweder gar nicht vorhanden..oder wenn schon, dann mit ziemlicher Russentwicklung verbunden.

Das Leben im 11. Jahrhundert spielte sich überwiegend bei Tageslicht ab.
Sogar auf den Burgen und auch auf Schlössern war nach Sonnenuntergang nicht mehr viel Bewegung zu erkennen.

Kerzen waren nicht gerade billig und daher Kerzenzieher .., welche meistens auch für die Herstellung von schönen Düften verantwortlich waren.., ein gefragter und begehrter Berufszweig.

Ebenso wie  der neugierige Mann vom Dorfrand, welcher vor einiger Zeit das Quad so unternehmungslustig besprungen hatte.
Selbiger war nämlich genau zu dieser Minute im Dorf unterwegs, um seine Kerzen anzubieten, welche er am Waldrand in seiner Abgeschiedenheit produzierte und die Menschen damit glücklich machte..

Seit einiger Zeit experimentierte er an Kerzen, welche Düfte verbreiteten und außerdem fast russlos die Umgebung erleuchteten.

Irgendwie waren komischerweise die meisten Hausbesitzer von duftenden Kerzen absolut nicht angetan.
Die Männer wollten Kerzen, die ihren Dienst versahen also  schlicht und ergreifend.. brannten.

Jedoch die Frauen rissen ihm die Produkte aus den Händen.
Leider gestaltete sich der Verkauf an Frauen meistens zielich langwierig..., weil die weiblich Kundschaft nicht so kurz und bündig einen Verkauf tätigte.. sondern ausprobieren wollte.., testen, vergleichen und dennoch eine Ewigkeit brauchte, um endlich einen Abschluß des Verkaufes zu erledigen.

Der Verkauf einer oder mehrerer Kerzen an männlich Kundschaft dauerte in der Regel knapp 5 Minuten.
Ein kleines Schwätzchen ein kurzer Witz und fertig war die Sache.

Der Verkauf an eine Frau war unmöglich unter einer halben Stunde durchzuziehen.
Völlig unmöglich !!

Genau gesagt, hatte er heute Abend erst einen Kunden gehabt, welcher seine Produkte kaufen wollte.
Eine KUNDIN...!
Dieses Verkaufsgespräch hatte exakt von Sonnenuntergang bis jetzt gedauert.
Also über eineinhalb Stunden.

Er gestand sich immer mehr ein, daß Frauen ziemlich eigen waren.
Sehr, sehr kompliziert.

Sehr duftbezogen und auch wesentlich geschmackvoller als Männer...
aber dennoch sehr zeitraubend.


Es ging eben um Geschäft.
Er wollte verkaufen und die Menschen sollten kaufen.
Punkt.

So kam es jedenfalls, daß er am Haus von Bruno vorbei schlenderte und durch das Fenster die hell erleuchtete Stube bewunderte.
Wenn sich diese merkwürdigen Bälle, welche so raumfüllend leuchteten.., weiter verbreiteten..,  konnte er sein Geschäft vergessen.

Doch als er weitergehen wollte, kam gerade Brunhilde aus der Türe, auf dem Weg zu ihrem kleinen Wohnhaus, in dem sie seit Ewigkeiten alleine die Abende verbrachte.

"  Na, Bienenmensch.., willst du wieder deine Kerzen loswerden ?  Komm mal mit zu mir zum Haus, ich brauche ein paar dickere Kerzen für die Laterne. "

Brunhilde wollte ihn am Jackenärmel mit sich ziehen. 
Leider blieb er aber mit seinem geflochtenen Korb am Fensterbrett hängen.. und der Inhalt seines Verkaufsbeutels entleerte sich auf der Holzveranda vor Brunos Haus.

Mit den Kerzen strömte zugleich ein wundervoller, blumiger Duft aus dem Behälter.

" Ach herrjeh.., hoffentlich sind meine kleinen  * Nachtaufheller *  heil geblieben !? "

Schnell aber dennoch sehr vorsichtig sammelte er die Kerzen wieder ein.
Jedoch den Duft, welcher in der Luft hängenblieb konnte er natürlich nicht in seine Tasche stecken.

Brunhilde blieb auf der Stelle stehen und schupperte in die Abendluft...
Welch sinnliches Aroma.
Zugleich wurde wegen des Getümmels in der Dunkelheit.., auch die Türe zu Brunos Wohnhaus geöffnet.

" Was ist denn das für ein Gestank.., Bienenkerl.., was hast du mir da vor die Türe gekippt.? Sollen alle Katzen und Hunde in der Nacht an meinem Haus schnüffeln und kratzen ? "

Brunos struppiger Kopf schimpfte in die Nacht.

" Bruno, sei einfach still und schließe für einen Moment die Augen.. damit der Geruch endlich mal auch dein verdrehtes Gehirn bezirzen kann... "

Brunhildes Stimme lockte jedoch auch Armina und Adelheid ins Freie.

" Na das ist ja mal etwas Anderes als der ewige Jauchegeruch des Dorfes. "  strahlte Armina in die Dunkelheit, in Richtung Kerzenzieher, welcher übrigens Paul hieß.

" Auch Adelheid war von den Düften ziemlich angetan.

" Jetzt kommt ins Haus zurück und laßt euch nicht von dem Kerzenmenschen den Kopf verdrehen. Wir werden die Sache mit der Fahrt zur Burg bereden und im wesentlichen.. werden wir uns über die Gefahren  einer Fahrt bei Nacht unterhalten. Ohne einen oder zwei Begleitern lasse ich euch auf keinen Fall in die Dunkelheit. Neue Waffen hin oder her.. Ich will nicht nochmnal einen Menschen verlieren. Punkt ! "

Wie immer wurde Brunos Kopf beim errregten Sprechen dunkelrot. 

Paul der Kerzenzieher und Schöpfer von neuen Düften.. stand bei der Gruppe und blickte interessiert in die Gesichter der Anwesenden.. als ob er selbstverständlich zur Familie gehören würde.

" Was starrst du denn so durch die Nacht ? Willst du etwa mit den komischen Maschienen in die Nacht fahren. Als Begleiter und Beschützer ? Ha.., das wäre ja wirklich das Lustigste, was ich seit langem gerhört hätte.... "

Bruno lachte als Einziger über seinen, vermeintlich erheiternden  Witz.

" Ja, würde ich sogar sehr gerne ! Wenn ich meine Kerzen mitnehmen darf.  Auf der Burg hatte ich immer gute Abnehmer für meine Produkte. Und meistens bekam ich sogar etwas zum essen , damit ich  die Heimfahrt nicht  hungrig antreten mußte. "

Brunos Kopf, der sich gerade ob seines Witzes schüttelte.. und seine zotteligen Haare durch die Luft schleuderte..., blieb ruckartig  stehen und seine Augen starrten Paul glühend an.

" Wie willst du denn meine zwei kleinen ... Menschleins ...  vor Unheil bewahren ? Die vermutlich im Gebüsch lauernden Bischofssoldaten mit deinen Kerzen erschlagen ? Oder was ? Außerdem brauchen wir zwei Begleiter, welche schon zusammen gekämpft haben, damit wenigstens ein bischen Schutz gewährleistet ist !  "

Bruno brachte mit seiner Stimme deutlich zum Ausdruck, daß er auf die Fähigkeiten, Kampf betreffend.. , des Bienenwachskünstlers nicht sehr vertraute.

" Ohh, ich bin vielleicht nicht so stark wie die  Dorfkrieger.., aber ich kann besser mit Pfeil und Bogen umgehen, wie jeder Andere in weiter Umgebung. Mit dem Schwert wird mich vermutlich selbst ein Kind besiegen.. nur wird Keiner mit seinem Kampfmesser auch nur in meine Nähe kommen, weil ich ihn schon in einer Entfernung von bestimmt 50 Metern oder auch mehr.. aufgespießt hätte. Meine Pfeile treffen immer ihr Ziel. "

Dies war der Stolz von Paul des Kerzenmannes. 
Vielleicht konnte er nicht so gut kämpfen..
... aber mit Pfeil und Bogen war er unbesiegbar.

" Na komm.., Paul, zeige mal was du kannst.. und überzeuge meinen Vater... "
Armina hielt den Combountbogen in der Hand.

Brunos Tochter und auch Adelheid erklärten zusammen die Besonderheiten des Bogens aus der Zeit von vor  1000 Jahren in der Zukunft.

" Wenn du versuchst die Sehne zu ziehen, wirst du bemerken, daß es am Anfang fast unmöglich wirkt.  Nur mit wirklich stärkster Anstrengung läßt sich der Bogen spannen. Aber wenn der kritische Punkt überschritten ist, geht es fast kinderleicht. Die Spannung wird durch das Rollensystem aufgebaut und du erreichst eine Reichweite von über 150 ja sogar 200 Metern. Vorne, das kommische Teil welches wie ein zweiter Pfeil herausragt.. ist sozusagen wie ein Balanzependel. Er gibt dem Bogen die Ruhe zum ziehlen. Und nun zeige uns mal mit einem Probeschuß.., was du leisten kannst. "

Während Adelheid, die ja schon mit dem ersten Schuß die zwei Bischofskrieger außer gefecht gesetzt hatte..  Paul die Details des Kampfgerätes erklärte ,
 Lief Armina  indessen die Dorfstrasse entlang und setzte drei verschiedene Ziele in 80 in 120 und in 150 Metern Enfernung.
Jeweils einen Holzblock mit einer brennenden Kerze darauf.
zumindest bei dern ersten beiden Zielen.

Am dritten Holsstück legte sie eine eine dicke Kerze ab, welche jedoch keine Flamme hatte.

Paul übte mit ein paar Zügen an der Sehne des Bogens und war sichtlich erstaunt.., wie straff die Bespannung am Anfang wirklich war.
Jedoch wie es Adelheid beschrieben hatte.., ließ ab dem toten Punkt,  der Bogen das totale Ziehen des Abschußdrahtes zu.
Er war sehr gespannt, was diese Teil aus der Zukunft besser konnte, als sein Langbogen.

Aber schon beim Betrachten der Glasfieberpfeile wurde ihm klar.., daß dieser Pfeil fast ohne Luftwiederstand.., schnurstracks sein Ziel anfliegen würde.

" Aber das letzte Ziel, in so weiter Entfernung in der Nacht werde ich nun wirklich nicht treffen können.
Ich kann es ja nichtmal sehen. "

Paul spannte den Bogen.

Surrend sauste der Pfeil in die Dunkelheit und vernichtete die erste Kerze.

" Die Kerzen müßt ihr mir aber bezahlen.., das wird euch ja wohl klar sein. Oder ? "

Und schon spannte sich der Bogen , bereit zum zweiten Vernichtungsschlag gegen die Kerzen ..
Auch die 120 Meter waren für Paul erreichbar. 
Obwohl er fast selber daran zweifelte..., spaltete der Pfeil die Kerze in 120 Metern der Dunkelheit.
Wenigsten ging auch kein Wind.., was die Sache natürlich ungemein erleichterte.

Leider konnte der Bogenschütze die dritte Kerze so gut wie gar nicht sehen.150 Meter und nur ein unsicheres, fahles Leuchten im Halbmondlicht.
Doch Armina setzte ihm die Pilotenbrille auf und Paul entfuhr ein erschrockenes.., erstauntes und bewunderndes Stöhnen.

" Das ist ja jetzt hoffentlich nicht mit Zauberwerk und schlechten Wünschen zu erklären ? "

Grün, grün und nochmals grün.. leuchtete es vor Pauls Augen.
Und trotzdem sehr winzig das Ziel,  so weit hinten im Waldgebiet.

Langsam spannte er die Sehne.., ließ sich wirklich sehr viel Zeit beim zielen.
Senkte zwischendurch den Bogen nochmals.. weil seine Hand zu zittern begann und ließ dann aber doch den Pfeil mit einem Zischen in die Nacht entschwinden.
Armina und auch Adelheid hatte die Kerze im Visier des Gewehres beziehungsweise im Visier des Helmes.

Und unglaublich.
Der so zart wirkende junge Mann hatte auch das dritte Ziel sozusagen getötet.

" Damit eines klar ist.., wenn er mitfahren darf, komme ich selbstverständlich auch mit ! "

Aus der Dunkelheit erklang eine Stimme von drüben, von der Ecke des Hauses.

Der Dorfschreiner trat in den Lichtschein, welcher aus der Stube von Brunos Haus auf die Strasse fiel.

" Er ist der beste Bogenschütze im Augsburger Kreis. Stimmt.  Aber ich bin auch einiger Fähigkeiten kundig. Keiner kann so gut klettern wie ich. Schon als Kind bin ich in den Felsen der Burg herumgehangen und noch nie mußte ich gerettet werden. Außerdem kann ich mit Seilen und Netzen umgehen, welches jeden Angriff mit einem Schwert oder auch mit einer Axt unmöglich macht. Auch wenn ihr euch lieber auf dicke Arme und Muskeln verlassen würdet.., kann ich euch sagen, daß ein funktionierendes Gehirn wesentlich gefährlicher ist. Ich bin euer zweiter Mann für die Nacht. Und Bruno..., ich versichere dir, daß wir Armina und die Frau aus der Burg unversehrt zur Festung bringen werden.. und wenn sie wollen.. auch wieder zurück. Versprochen.., bei den Geistern des Waldes ! "

Armina schüttelte die Schultern.
Auch Adelheid ließ sich von der Zuversicht des Mannes überzeugen.

" Na gut.., dann wären wir jetzt also zu viert. Ich nehme kurz mit der Burg Kontakt auf und dann geht es los. Das Gepäck ist schon bereits im Rucksack, die Waffen sind bereit. "

Armina lief ins Zimmer und besprach mit Everie, welcher um diese Zeit schon geschlafen hatte.., das Wesentliche.
Durch die Ohrknöpfe waren sie einigermaßen verbunden, während sie durch die Nacht in Richtung Burg sausen würden.
Leider würde zwar immer wieder eine Empfangsunterbrechung stattfinden, weil die Schäden am  Sender in der Burg  noch nicht ganz behoben waren, aber im Großen und Ganzen sollte Alles gut klappen.

Auf der Burg wurde Alles vorbereitet, denn in einer Entfernung von knapp 2 Kilometern, würde ein Motorradteam mit vier Soldaten..  die Zwei Quads mit den vier Menschen vom Dorf abholen und eskortieren.

Auch Anselm bekam etwas vom unruhigen Herumgerenne in der Burg mit.
Da er sich momentan auf der Suche nach einem Ort befand, wo er seine Blase entleeren konnte, fragte er eben einen der Soldaten, welcher sich an der großen Folie aufhielt, die  in der sogenannten Komandozentrale an der Mauer gespannt  war, was denn los sei.

Zugleich erblickte er auch die zwei Frauen, die zu dieser Zeit noch im Zimmer von Armina, drüben im Dorf aufgehalten hatten.

Na toll.
Es war unschwer zu erkennen, daß es sich bei einer der zwei Frauen um das Mädchen handelte, welche vor einigen Tagen von  der Burg, mit dem Rucksack über die Schultern, gekommen war.., auch zugleich um die freche Frau handelte... welche auf dem Quad sitzend...,einem seiner Männer das Gebiss ramponiert hatte.

Im Normalfall würde eigentlich jetzt seine Hand zu dem Skalpell zucken.. welches er natürlich immer noch im Verband an der Hand verborgen hatte.

Doch interessanterweise dachte Anselm jetzt nicht an Mord oder Rache.. sondern er wollte irgendwie einfach nur die Frau kennenlernen, welche scheinbar so mutig war.
Auch die andere Frau hatte so ein gewisses Etwas  an sich.

In seinem Kopf machte sich sofort wieder ein ungewohnter Gedanke breit. 
Was wäre, wenn sie sich anfreunden könnten ?

* Die unbesiegbaren Drei *

Na klar..., da war er ja schon wieder am abschweifen vom Wesentlichen.
Wie konnte das wohl immer wieder passieren ?
Könnte es sein, daß er durch den Schock des Angriffes.. auch sein analytisches Denken verloren hatte ?


Hoffentlich nicht !

Aber wenn schon ein Trio der Frauen.., dann hoffentlich mit seinem roten Kleid bekleidet.

Übrigens sollte er sich auch seine Haare wieder schnellstens lang wachsen lassen.

Verdammt. 


Er wollte nicht so denken.
Frauen waren zum Kinder gebären da.. naja und um in der Nacht ein bischen Spaß zu haben...

Aber wie würde es wirklich sein, wenn sie zusammen einen Freundeskreis hätten...?
Könnten sie dann manchmal Gedanken austauschen ?
Zusammen spazieren gehen ?
Sich gegenseitig Kleider ausborgen oder zusammen neue Kleider entwerfen ?

Nein...


Er würde ab sofort nicht mehr so dümmlich denken.
Er wollte wieder der gefürchtete Komandant sein.


Gemeinsam mit seiner Zange  würde er sich wieder an den Schmerzen der Menschen gütlich tun.


Oh ja...

Oder er würde... , und das gefiel seinem neuen Bewustsein fast  noch besser..., schöne Kleider entwerfen.


Verflucht !!!

Weniger als eineinhalb Stunden später sausten die Soldaten aus dem Burgbereich in die Nacht um die Frauen abzuholen.

Anselm wollte eigentlich zurück in sein Bett, als ihm die Idee kam, schnell nochmals zum kalten Kämmerchen zu schleichen und sich eventuell um den Burgherren zu kümmern.

Die Hektik in der Burg fand eigentlich drüben im Kommandoraum statt und in der Mannschaftsküche, wo sich Gundel und der Koch aus der Zukunft.. ein bischen um den Menüeplan von morgen kümmerten... und sich auch ein bischen näher kamen.


Gundelheid war eine dralle Person mit ein paar Pölsterchen an den richtigen Stellen.
Der Koch hingegen war ein zaundürrer Mann von fast 190 cm  Körpergröße.

" dich werde ich in der nächsten Zeit etwas füttern müssen, damit du mir nicht in der Mitte auseinander fällst.  "  
lachte die Köchin so liebevoll in Richtung  des Küchenmannes...

" Na da wirst du aber zaubern können müßen , Ich esse schon nicht gerade wenig..., aber alleine schmeckt es einfach nicht so gut. Vielleicht könntest du mir ab und zu bei meinen Mahlzeiten etwas  Gesellschft leisten ? Es wäre bestimmt schön. "


Der Koch war sichtlich von Gundel ebenso angetan wie umgedreht.
Wieder zwei Herzen.. über  denen etwas Sternenstaub in der Luft glitzerte...!

Anselm schlich sich wie ein Dieb in die Kammer mit den zwei Toten.

Seine ehemalige Frau lag noch immer so friedlich tot auf dem Tisch.
Das Kleid.. so schön , so fein.., so luftig.

Eigentlich war sie schon immer so groß wie ich.., dachte sich Anselm.
Aber es waren wichtigere Angelegenheiten zu erledigen.

Er zerrte Helmreich aus dem Haufen an Stoffteilen hervor und schleifte ihn zum Fenster.

Unglaublich, wie schwer ein toter Mensch zu bewegen war.


Warum mußte dieser Idiot denn eigentlich in die Kammer kommen ?
Er war selbstverständlich selber an seinem Tod schuld.
Und ja.., mal ehrlich ..., es hätte ja auch noch schlimmer kommen können.


Das Gehirn von Anselm versuchte sich die Trgödie etwas aufzuschönen.

Er hätte ja auch krank werden können.
Drüben beim Bischof lag so eine Nonne.
Vielleicht noch jünger als 30 Jahre.
Sie war krank und schrie oft vor Schmerzen.
Niemand konnte ihr helfen und dennoch wollte sie einfach nicht sterben.
Obwohl Anselm ihr angeboten hatte.. sie kurz und schmerzlos zu den Geistern zu schicken.

Naja, er war eher etwas generft gewesen von den gepeingten Lauten, welche die Nonne herausweinte in ihrem Leiden.


Jedenfalls hätte der Burgherr auch so enden können.
Wer weiß ?
So gesehen war Anselm eigentlich der Retter vor der Krankheit...
Dachte er sich zumindest so zurecht.., wie es ihm am besten passte.

Nun jedenfalls stand ein Problem an.
Dieser Burgherr würde niemals durch das Fenster passen.
Außerdem hatte der Bischofmann auch nur eine einzige Hand zur Verfügung.


Leider.

Mit etwas Mühen legte er den Burgherren vor das Fenster und schätzte in etwa ab, wo das Problem sein könnte.

Also die Beine trugen schon mal einiges an Gewicht bei.
Auch die Arme hatten etwas an Körpermasse .


Wenn er nun den Kopf, die Arme und die Beine entfernen würde.., könnte er sich das ekelhafte Gerutsche und den Gestank ersparen, 
wecher seiner unzähligen Erfahrung nach immer entstand, wenn sich der Bauchinhalt über den Boden verteilte.
Wirklich immer total grausam.

Weniger als 10 Minuten später flogen schon die Beine und die Arme von Helmreich durch die Nacht in die Tiefe der Schlucht.
Diesmal in weitem Bogen, so daß sie auch wirklich nach  unten in den Abgrund  gelangten.
Der Kopf hinterher.

Anselm war nicht stolz auf sein Werk.
Aber mit dieser letzten Frefeltat wollte er entgültig sein bisheriges Leben abschließen.

Als mit unglaublichen Mühen und Schmerzen in den Händen.. endlich der Körper des Burgbesitzers über die Maurer nach unten stürzte.. war im Gedanken des Anführers endlich das alte Leben entfernt und er konnte seine Gefühle an die Luft lassen.

Die Frage war nur.. wie würde er leben können ?
Als Anführerfrau.. oder was ?


Und wie konnte er die abendlichen Befehle von Burgturm flüstern.. wenn er doch lieber in sanftes Tüll gehüllt sein wollte ?

Da sah er plötzlich aus den Bergen von Stoffteilen ein blaues Kleid herausragen..,!

Nur ein paar Spitzen und Schleifen waren zu sehen.. aber Anselms Augen verfingen sich sofort darin.

Als er das Kleid an den Körper seiner ehemaligen Frau anhielt.., schätzte er ziemlich genau ab, daß die Größe passen sollte.
Außerdem war auch diese Kleid ziemlich zart beschaffen.

Vielleicht.. Hmmm ?

Er selber hatte ja nur sein Gewand an, welches ihm von der Burg zur Verfügung gestellt worden war.
Leicht auszuziehen .
Ein kurzer Gedanke verzauberte ihn...

Innerhalb einer halben Minute war Anselm nackt in der Totenkammer und zerrte mit fahrigen Fingern der einen Hand.. das Kleid vom Körper der Toten.
Eigentlich wollte er zuerst das andere Kleid über deren Körper überstreifen.

Aber er konnte der Versuchung einfach nicht wiederstehen.
Mit noch nie erlebter Erregung schlüpfte er in das zarte Gewebe, welches vor einer Minute noch seine Frau getragen hatte.

Und er verstand absolut nicht.., warum er nicht schon immer dieses unglaubliche Gefühl der totalen Sinnlichkeit... auf seiner Haut hatte explodieren lassen ?


Wirklich ein Traum.
Ein Traum aus noch nie erlebter Sexualität.

Leider mußte er nun aber schnellstens wieder seine Klamotten über diesen Traum aus feinsten Stoffen.., überziehen.
So schade.
Er hätte sich  gerne im Spiegel angesehen.

Und noch die akrobatische Leistung.., der Frau das andere Kleid überzustreifen.

Endlich Alles erledigt.
Wurde auch wirklich Zeit.


Die Tür knarrte leise hinter ihm, als er wieder zurück auf den Burghof schlich.

Schon auf der Treppe stehend.. wurde er Zeuge, wie Armina und Adelheid mit zwei Quads und jeweils zwei Männern hinter sich sitzend , in den Innenbereich fuhren.
Alle zusammen stiegen von den Maschienen und blickten erleichtert um die Runde.

Paul und auch der Schreiner des Dorfes staunten über die Beleuchtung des Innenhofes.. und dann trafen sich die Blicke der Drei.

Paul, Anselm und der Schreiner.

Wenn es Magie gab.. dann fand sie in dieser Sekunde statt.


Oder aber... Menschen mit anderen Neigungen waren sensibler für ihre Mitmenschen...
... dies war natürlich auch möglich...




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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