Fritz Lenders

...schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 59 ) Chaos...

... es gab eine Fähigkeit von Anselm, die Ihm schon oft aus mißlichen Situationen herausgeholfen hatte.
Die Fähigkeit.. , unter Druck extrem schnell und perfekt zu funktionieren.

Und trotzdem raste die Zeit dahin.

Draussen vor der Burg krabbelte so langsam die Morgendämmerung über den Wald und hier drinnen im Zimmer sah es aus wie nach einem Gemetzel von Barbaren.

Die Spuren zu verwischen konnte er sich sparen.
Selbst ein ganzer Putztrupp würde Stunden dazu benötigen, die Blutorgie auch nur annähernd zu beseitigen.
Selbst dann wären da ja auch immer noch drei Leichen, die man nicht so ohne weiteres in einer Schublade verschwinden lassen konnte.

Nein, er konzentrierte sich auf das Wesentliche.

Als erstes suchte er das Zimmer mit den Augen ab, ob eventuell irgendwo ein paar Handschuhe herumlagen.
Zwei eingebundene Hände waren nicht weniger auffallend, wie ein Schild auf dem Rücken.., auf welchem das Wort  * MÖRDER *  in roten Buchstaben leuchtete.

Leider wollten sich keine Handschuhe finden lassen.
Also zerrte sich Anselm den Verband von der weniger verletzten Hand und während dieser Tätigkeit sah er in der Ecke einen dieser praktischen Säcke, welche man auf dem Rücken tragen konnte.

Dieses Mädchen, welches vorhin mit der Burgherrin auf den fahrenden Dingern in die Burg gekommen war.., hatte vor ein paar Tagen so eine Tasche auf dem Rücken gehabt, als sie mit dem bärtigen Kerl die Burg verlassen hatte.

Anselm stopfte Alles in den Rucksack, was er als mitnehmenswert erachtete.


Dies waren mal eine Menge an dünnsten und leichtesten Stoffen, ein komplettes Nähset mit Garnen und Fäden, mit Nadeln und Scheren. Zudem fand er es als angebracht, sich auch mit ein paar neuen Kleidern einzudecken.

Huuuh.., und die schöne Unterwäsche, welche auch Armina schon so begeistert hatte.
Der Rucksack war zum Bersten voll.

Fast hätte er das magische Ding übersehen, welches in der Ecke lehnte.

Ein Schnellfeuergewehr, zusammenklappbar und mit vollsten Magazienen ausgestattet.

Wie dieses Ding funktionierte, würde er später herausfinden.
Es wurde Zeit, die Burg zu verlassen.

Die Sache mit den Kindern und dem Kinderfräulein  konnte er vergessen.

Es war keine Zeit mehr zu verlieren.

Eigentlich wollte er sich aus der Burg schleichen, solange noch Alles schlief.
Doch seine innere Stimme warnte ihn davor, weil vermutlich kein Burgbesetzer so blöd sein würde.. und die Festung in der Nacht unbewacht zu lassen.

Es gab eine Möglichkeit.
Das kleine Fenster, drüben in der kalten Kammer lag erstens ziemlich niedrig in Bodennähe.. und war zweitens über der Schlucht angebracht.., aber dennoch in einem einigermaßen bekletterbaren Abstand zum Eckbereich der Burg.. im ganz hintersten Teil.

Wenn er durch das Fenster passen würde.., konnte er sich knapp über dem Abgrund in Nordrichtung bewegen und dann hinten direkt auf einem Umweg in den Wald gelangen.

Kurz flackerten noch störende Mordgedanken durch seinen Kopf.

Wenn er es trotz der Gefahr wagen würde.., in das Zimmer der Kinder zu gelangen.., könnte er sich etwas holen.., was seit ein paar Stunden in seinem Kopf herumgeisterte.

Haare.

Das ältere der zwei Mädchen hatte ziemlich lange, lockige Haare.
Auch die Kinderfrau war in Betracht zu ziehen.

Sie hatte zwar keine Locken, dafür aber einen größeren Kopf.

Wenn er schnell machen würde..., könnte er mit schnellsten Schnitten die Hälser der Gören durchtrennen und sich mit einem aufschneiden der Kopfhaut rund um den Schädel.., die prächtigen Haare einfach herunterziehen.

Wiso sollte es denn schwerer sein, als einem Hasen das Fell abzuziehen ?

Aber dann siegte doch die Vernunft.

Sicher würde er in der Zukunft noch öfters Frauen sehen, die sich anboten.., ihre Haare benützen zu können.

Außerdem schmerzte seine Hand wie die Hölle.

Jede Bewegung ließ seine Nerven erbeben.

Aber in dieser Adrenalin getränkten Ausnahmesituation konnte er die Schmerzen etwas zurück drängen.

Jetzt aber schnellstens raus aus dem Blutbadzimmer...!

Das Gewehr in der schmerzenden Hand und den Rucksack auf den Schultern.. schlich er durch den kurzen Flur hinüber zur anderen Treppe, welche direkt in dem Bereich endete, wo sich auch die Totenkammer befand.

Es war Alles so ruhig auf der Burg und trotzdem brüllte Alles in Anselms Kopf.

* brüllende Stille *  schoß ihm der Spruch durch die Gehirnrinde.

Die Türe zur kalten Kammer knarrzte noch immer so leise.., beim Öffnen und beim Schließen.

Seine tote Frau von damals lag noch immer so friedlich tot  auf dem Tisch.

Gerne hätte er ihr noch ein bischen was an Botschaft mit dem Skalpell auf ihre Haut geschrieben.
Doch leider drängte die Zeit.

Mit einem Blick durch das Fenster erkannte er, daß sich sein Gedächtnis einen kleinen Scherz mit ihm erlaubt hatte.
Von der untersten Kante des Fensterstockes bis auf den kleinen Bereich über der Burgschlucht.., also unten an der Stelle,  waren es sicher 3 Meter.

Er konnte sich aber leider nicht am Fensterstock festhalten und nach unten hängen lassen, weil seine Finger bei dieser Aktion sicher  wieder ausgerissen worden wären.

Zwar hätte er so nur noch einen Sprung von  vielleicht einen Meter zu bewältigen.., aber es ging einfach nicht.

Panisch drehte er sich im Kreis herum.

Irgend etwas zum Festbinden.
Irgend ein Seil oder noch schöner wäre eine kleine Leiter gewesen.

Leider war die Totenkammer kein Gerümpellager. 
Nichts.., einfach gar nichts zum Verwenden.

Und die Minuten sprinteten in Richtung Chaos.

Das Kleid.
Seine Augen frasen sich am Kleid der Toten fest.
Es war eine Möglichkeit.

Zittrig riss er sein Skalpell aus der Tasche.., welches er schon fast nicht mehr aus dem Mund seines Opfers bekommen hätte.. und schnitt so schnell er konnte das Kleid der Toten vom Körper. 


Sorfälltig darauf bedacht, daß er Streifen zur Verfügung hatte.
Er brauchte 6 Streifen.. .

Jeweils drei der Stoffteile band er zusammen und somit hatte er eine Länge von fast  drei Metern.
Nun flocht er die drei Streifen zu einer reissfesten Kordel zusammen.

Puuhh.., Schwerstarbeit, wenn man nur eine Hand zu gebrauchen hatte.

Schnell befestigte er zuerst den Rucksack an der Leine und ließ ihn vorsichtig nach unten gleiten., Als Nächstes gelangte das Gewehr nach draußen.

Und nun mußte er den Strick so befestigen, daß er sich von Aussen wegziehen ließ, sobald er unten war.

Spuren seiner Flucht wären nähmlich ziemlich hinderlich gewesen.., um in den Wald zu entwischen.
Aber ja.., es ging schon.
Er schob  den kleinen Hocker zum Fenster und ließ die Kordel durch das Stuhlbein laufen. 

Noch ein letzter Blick auf seine, nunmehr nackt daliegende Frau.

Schön sah es nicht aus, daß sich eine klaffende Wunde über den ganzen Körper der Toten zog.
Aber Anselm war nicht für seine sensible Seele berühmt.

Es juckte ihn unglaublich in den Fingern.. ihr mit dem Skalpell das Gesicht zu zerfetzen.
Oder gar die Haare  herunter zu zerren.
Warum war er nicht gleich darauf gekommen.

Zittrig und aufgeregt umwickelte er seine Hand mit den Haaren der Frau.. und begriff, daß er leider mit der anderen Hand nicht schneiden konnte.
Abgetrennte Finger waren bei so einer Arbeit äußerst hinderlich.
Und auch fremde Töne...

Er hörte durch die brüllende Stille.., zwei sich unterhaltende Menschen, welche scheinbar auf die Kammer zukamen.

Mit einem Tritt schleuderte er die Tote vom Tisch herunter und zerrte sie vor die Türe der Kammer, welche nach innen zu öffnen war.

Und nun aber schnell.

Mit turnerischer Höchstleistung sprang er schon fast durch das Fenster.

Gerade noch rechtzeitig konnte er das Seil ergreifen und sich in die Dunkelheit abseilen.., welche nun schon fast hellgrau wurde.
Schnell noch den Strick  nach unten gezerrt und vorsicht über dem Abgrund Schritt für Schritt abzuwägen.. in Richtung Burgecke.. in Richtung Wald.

Kurz bevor er die Stelle erreichte, die ihm den Spurt in den Wald erlaubte.., hörte er noch die schreienden Stimmen..

"  Die Frau.. sie liegt vor der Türe. Wir kommen nicht in die Kammer. Sie hat anscheinend noch gelebt.. Hilfeee.., hilfeeeee ... !!! "

* Was für Idioten *  dachte sich Anselm grinsend, als er sich in die Büsche des Waldes schlug.
Bekleidet mit einem Schlafanzug und darunter wie gehabt das hauchdünne Kleid.

Seine Lunge atmete voller Freude die frische Luft des Waldes.
Die sauerstoffreiche Luft der Freiheit.

Noch ein Umweg von ungefähr einer Stunde.., dann würde er wieder bei seinen Mannen sein und der Burg einen kleinen Besuch abstatten.
Mit Rammen, Katapulten und mit  Bogenschützen die jedes Leben auf der Festung vernichten würden.

Das mit seiner Verwandlung mußte erstmal warten.

Er brauchte nun nicht mehr seine Kriegsbeute.. sondern er wollte die ganze Burg.

Naja.., er wollte auch die Haare des Mädchens.
Zumindest bis seine eigenen Haare soweit nachgewachsen waren, bis er sich Zöpfe flechten konnte.
Viele dünne, farbige Zöpfe.

Die Prozedur des entfernen der Kopfhaut des Mädchens.. würde er der Burgherrin zum Geschenk machen.

Sicher würde sie es genießen.., zuzusehen wie sich die Kleine die Seele aus dem Leib brüllte.
Diesmal würde er sich viel Zeit lassen...!

Oh ja.., sehr viel Zeit sogar.

Leider waren die Schmerzen an seiner Hand .., Zeit betreffend.., anderer Meinung.
Über dem Handgelenk zog sich ein feiner. rötlich violetter Strich in Richtung Ellbogenbeuge.

Ein kleines Abschiedsgeschenk seiner ehemaligen Frau an ihn...
Leichengift in offenen Wunden hatte immer kleine Überraschungen im Gepäck...

Zielstrebig.., frierend und auch aufgeregt.., marschierte Anselm in Richtung Soldatenlager.
Seine Hand mußte sich der Wundheiler anschließend unbedingt ansehen.
Aber zuerst würde er das komische Gerät inspizieren, welches er an Armina auch schon gesehen hatte.

Sicher dieses Ding.., welches Köpfe explodieren lassen konnte.

Drüben auf der Burg wurden Armina und die kleine Traudel von Schreien der Burgleute wach.

" Die Frau.. sie hatte noch gelebt und hat sich vor die Türe gelegt.., Sie hat sich in der Angst das Kleid vom Körper gerissen. Neiiiinnn, der ganze Leib ist aufgeschlitzt. Die Walddämonen haben sie geschändet.., weil wir sie noch nicht verbrannt hatten ... "

 

Das Geschrei der Burgbewohner wurde immer lauter und panischer...

Traudel kuschelte sich ängstlich in die Arme von Armina...

" Halte mich ganz fest, bis meine Mama kommt. Du wirst mich beschützen und nicht zulassen, daß mich die Walddämonen holen. Du kannst sie besiegen.., oder ? "

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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