Heinz-Walter Hoetter

Der Schatz im Ungeheuer

 

 

 

 

Das Unterseeboot Oktopus wurde vom Kapitän Blaubart gesteuert, der gerade vor wenigen Augenblicken auf seinem Monitor eine große, dunkle Unterwasserhöhle entdeckt hatte. Sofort schaltete er die interne Lautsprecheranlage ein und machte eine kurze, aber klare Durchsage.

 

„Hier ist Käpt'n Blaubart. Ich rufe Taucher Nautilius. Mach' dich bitte sofort fertig zu einem Ausflug in eine vor uns liegende Unterwasserhöhle! Ich will sehen, was es da zu entdecken gibt.“

 

„Hier ist Nautilius! Habe alles verstanden Käpt'n. Sobald ich den Taucheranzug angelegt habe, werde ich das U-Boot verlassen und die Höhle untersuchen. Ich melde mich dann wieder.“

 

Nach etwa 15 Minuten verließ der Taucher Nautilius über eine Ausstiegsschleuse im Heck das schlanke Unterseeboot und schwamm mit einer Kamera ausgerüstet auf die dunkle Unterwasserhöhle zu. Als er den Eingang erreicht hatte, machte er sofort ein paar Aufnahmen. Die Bilder übermittelte er direkt an die Kommandozentrale.

 

„Schaut euch das mal an!“ rief Käpt'n Blaubart. „Das sind ja unglaubliche Bilder. Der Eingang sieht ja aus wie ein riesiger Fischmund.“

 

Gespannt schauten die übrigen Besatzungsmitglieder in der Steuerzentrale auf die dort installierten Monitore.

 

Plötzlich war der Taucher Nautilius nicht mehr zu sehen.

 

„Hier ist Käpt'n Blaubart! Melde dich Nautilius! Wo bist du gerade? Wir können dich nicht mehr sehen.“

 

Es dauerte eine ziemliche Weile, bis sich Nautilius überraschend wieder meldete.

 

„Ich wollte gerade den Scheinwerfer an meinem Taucherhelm einschalten, doch irgend etwas stimmt mit dem Schalter nicht. Ich bin damit beschäftigt, den Schalter wieder in Gang zu bringen. Die Höhle ist ziemlich dunkel und ich kann im Augenblick selbst nichts so richtig erkennen. Ansonsten ist mit mir alles in Ordnung, Käpt'n. Sobald der Scheinwerfer funktioniert, melde ich mich wieder.“

 

Der Taucher Nautilius klopfte mit der rechten Hand ein paar Mal gegen den Helm. Dann drückt er mehrmals auf den Schalter des Unterwasserscheinwerfers und plötzlich leuchtete ein heller Lichtkegel die gesamte Höhle aus.

 

„Es gibt hier wirklich einige unglaubliche Dinge zu sehen“, rief Nautilius in sein Mikrofon. „Aber irgendwie habe ich das komische Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt“, sagte er über Funk zu seinem Käpt'n.

 

Der war sichtlich erleichtert und schaute sich die Höhle etwas näher an seinem Bildschirm an.

 

„Was sind das für komische Steine, die da aus dem Boden ragen. Die sind ja richtig spitz. Geh' mal ein wenig näher ran, Nautilius! Sei aber vorsichtig! Diese Dinger kommen mir gar nicht wie Steine vor, sondern sehen sehen eigentlich wie überdimensionale Zähne aus“, bemerkte Käpt'n Blaubart.

 

Nautilius näherte sich mit seiner Kamera behutsam den seltsamen geformten Gebilden und erschrak im nächsten Moment ziemlich heftig.

 

„Käpt'n, das sind keine Steine sondern riesige Zähne! Ich glaube, wir haben hier gar keine Höhle entdeckt, sondern ein riesiges Meeresungeheuer, das wohl gerade schläft. Ich bin direkt in sein großes Maul hinein geschwommen.“

 

„Komm da sofort wieder raus, Nautilius!“ rief Käpt'n Blaubart ins Mikrofon. Er machte sich natürlich große Sorgen um seinen einzigen Taucher an Bord.

 

„Sei aber so leise wie möglich, sonst wacht das schlafende Ungeheuer wohl möglich noch auf und schluckt dich runter. Ich öffne derweil die Heckschleuse, damit du wieder gefahrlos ins U-Boot gelangen kannst. Beeil dich, Nautilius!“

 

"Ay, ay, Käpt'n“, gab Nautilius mit gedämpfter Stimme zur Antwort und wollte jetzt nur noch aus dem riesigen Maul des schlafenden Ungeheuers so schnell wie möglich verschwinden. Er versuchte dabei so leise wie möglich zu sein.

 

Doch es war schon zu spät.

 

Das schlafende Meeresungeheuer wachte ganz plötzlich auf, machte auf einmal sein gigantisches Maul ruckartig zu und spülte den verzweifelten Taucher mit einer riesigen Menge Wasser zusammen einfach runter in seinen Magen.

 

„Das Ungeheuer hat Nautilius verschluckt!“ rief Käpt'n Blaubart voller Entsetzen. „Wir müssen ihn da sofort wieder rausholen. Macht einen Torpedo mit dem Elektroschocker bereit. Ich will dem Ungeheuer direkt an der Nase einen Stromstoß versetzen, dann muss es vielleicht kräftig niesen und Nautilius kann so wieder befreit werden. Wir müssen es jedenfalls versuchen. Los, macht schnell“

 

Die Mannschaft arbeitete jetzt wie ein Uhrwerk, denn alle wollten ihren Kameraden Nautilius retten.

 

Käpt'n Blaubart steuerte das Unterseeboot Oktopus jetzt ganz vorsichtig an die riesigen Nasenlöcher des Ungeheuers heran und schoss im gleichen Moment einen Torpedo ab, auf dem vorne am Bug ein gefährlicher Elektroschocker angebracht war. Kaum war der Torpedo in einem der beiden Nasenlöcher des Ungeheuers verschwunden, drückte Käpt'n Blaubart den roten Knopf der Fernsteuerung und löste damit einen gewaltigen elektrischen Blitz aus.

 

Das Monster richtet sich plötzlich steil nach oben auf, kniff erschrocken seine Teller großen Augen zusammen und musste plötzlich so heftig niesen, dass der Taucher Nautilius aus der Nase wie eine Rakete hinaus geschossen wurde. Fast wäre er dabei gegen die Metallwand das U-Bootes geschleudert worden. Aber er hatte noch mal großes Glück gehabt. Dann wurde er sofort mit einem Schleppseil eingefangen und in die Heckschleuse des Unterseebootes geholt.

 

Käpt'n Blaubart eilte nach dieser gelungenen Aktion sofort runter in die Schleuse zu Nautilius. Als er dort ankam, war das Wasser bereits schon abgepumpt und sein Taucher stand glücklich und zufrieden im Trockenen.

 

„Da hast du ja noch mal richtig Schwein gehabt, Nautilius! Das Ungeheuer hätte dich beinahe mit samt dem Taucheranzug gefressen. Aber mir kam sofort die Idee mit dem Torpedo und habe einen unserer Elektroschocker vorne auf die Spitze installiert. Selbst ein so großes Ungeheuer kann einen derart gewaltigen Stromschlag in der Nase nicht aushalten. Es musste quasi gezwungenermaßen niesen und hat dich wieder im hohen Bogen ausgespuckt, wie wir alle gesehen haben. Das war Rettung in letzter Sekunde.“

 

„Danke Käpt'n! Sie haben mir damit ganz klar das Leben gerettet. Wir können uns alle auf sie verlassen, wenn es mal brenzlig wird. Nun, ich habe übrigens im Magen des Ungeheuers eine ganze Menge Dinge entdeckt, die es wohl überall auf dem Grund des Meeresbodens gefunden haben muss und dann verschluckt hat. Darunter war auch eine alte Schatzkiste mit Goldmünzen, die ich noch schnell mit einem Haken an meinem Sicherheitsgürtel befestigen konnte, bevor sie den Blitz des Elektroschockers ausgelöst haben. Mit der Kiste zusammen bin ich dann aus dem Maul raus geschleudert worden. Jetzt sind wir alle reich, denn die vielen Goldmünzen sind ein Vermögen wert.“

 

Kapitän Blaubart und die gesamte Besatzung des Unterseebootes Oktopus kamen einige Zeit später alle zusammen, um die geöffnete Schatzkiste und die wunderschönen Goldmünzen darin zu bestaunen, die immer noch wie neu glänzten, obwohl sie bestimmt schon sehr lange im Magen des Ungeheuers gelegen haben mussten.

 

„Gold altert eben nicht und hält sogar Säure aus“, murmelte Käpt'n Blaubart leise in seinen Bart hinein, grinste dabei verschmitzt übers ganze Gesicht und wies seine Leute an, jedem seinen gerechten Anteil zu geben.

 

Ein großer Jubel brach unter der Besatzung aus, denn jetzt waren sie alle reich geworden.

 

So macht man das eben unter Seeleuten und guten Kameraden, wenn sie mal einen Schatz gefunden haben, was ja auch nicht alle Tage vorkommt.

 

 

ENDE

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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