Fritz Lenders

... schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 60 ) Angriff

... Traudel kuschelte sich in Arminas Arme und fühlte sich plötzlich sicher und gut aufgehoben. Gleichzeitig mit Anne, welche ob des Lärmes ebenfalls in das kleine Zimmer von Traudel schlich.. und sich noch halb im Schlaf.. zu den Beiden in die Kissenhöhle hinzu kuschelte..., betrat auch Adelheid das Zimmer.

Beim Anblick der drei Menschen, welche ihr so sehr am Herz hingen..., hätte sie fast zu weinen begonnen.
Doch das war nun wirklich nicht möglich, denn Sentimentalität war im Moment ziemlich fehl am Platz.

" Na ihr Drei.., fühlt ihr euch wohl in dem kleinen Fuchsbau ? "

Adelheid kniete sich vor das Kissengebilde und gab allen Dreien einen herzhaften Kuss...

" Ich werde euch Maria herüber schicken, denn die wird sich um euch kümmern und anziehen, ich muß inzwischen mit Armina runter zu den Soldaten, nachsehen, ob es Probleme auf der Burg gibt. "

Gesagt , getan war Maria die Kinderzofe schon kurz darauf mit den zwei Mädchen beschäftigt und Armina als auch Adelheid sausten mitten in das personifizierte Grauen, welche sich im Moment im Burghof breit machte.

Beim um die Ecke laufen, sahen die Beiden schon den halb zugedeckten Leichnam von Anselms ehemaliger Frau.
Deutlich sichtbar zog sich eine klaffende Wunde über den ganzen Körper der Toten.

Dieser schreckliche Anblick der Toten, hätte auch mehr hartgesottenere Männer aus der Bahn geworfen.

Wie war die Frau nur zu so einer Wunde gekommen ?

Welche Bestie trieb auf der Burg ihr Unwesen ?



Zeitgleich liefen einige der Zeitsoldaten , gemeinsam mit Joshua  Müller.., dem so plötzlich rekrutierten , neuen Arzt.. hektisch  in Richtung der kleinen Treppe im Hinterbereich, welche zu dem wundervollen, neuen Atelier führte, welches so schnell so schöne neue Kleider hervor gezaubert hatte.

Und mit dem aufheulen der Sirene.., mit dem sofortigen Alarmzustand der Burg... , welche alle Mannen sofort zu den Waffen rief..,  flackerten auch schon  die neuesten Aufnahmen der Drohnen über den Monitor unten im Hof.

Im morgendlichen Licht der Sonne.., wurde ein  unglaubliches Massaker in den Felsen der Schlucht sichtbar.
Körperteile und ein Torso ohne Kopf und Glieder lagen versteut in den Steinen der Schlucht verteilt.

Etwas weiter unten lag eine Frauenleiche, die scheinbar bis vor kurzem noch gelebt hatte, weil sich eine Blutspur quer über den Abhang nach unten zog.
Starre Augen und schneeweisses Gesicht ließen jedoch sofort erkennen, daß sich der Tod  schon unwiederruflich die Lebensgeister der armen Frau geholt hatte.

Adelheid und Armina hielten sich vor Entsetzen die Hände vor den Mund.
Dann wurde für zwei Sekunden eine Aufnahme auf der Monitorfolie  zu einem  roten Ball gelenkt.

Ein roter Ball in der Schlucht zwischen Felsen.

Ein roter Ball mit zwei Augen und Haaren...

 


Adelheids Schrei gellte durch den gesamten Burgbereich.
Nur eine Sekunde lang.
Dann war Totenstille.

Adelheid hielt sich die Hand vor den Mund.. aber kein Ton verließ mehr ihre Kehle.



Helmreichs Blick.. war gebrochen und die toten Augen wollten zur Burg schauen.
Sie konnten es nicht.
Sie würden es nie wieder können.

Der Kopf des Burgherren war vom Körper getrennt worden und lag einsam, abseits seiner verstreuten Glieder und weit weg von seinem Körper.

Adelheid zog Armina mit ruhiger Stimme und schockbleichem Gesicht  in den Burgbereich zurück.

" Du nimmst dein Gewehr und ich benütze den Bogen.
Wir haben nicht viel Zeit.

ES ist für mich so gut wie sicher, daß der Tod meines Mannes auf die Bischofssoldaten zurückzuführen ist. 

 Wenn wir jetzt nicht schnell reagieren, werden die Soldaten von  drüben im Wald,  die Burg erobern.
Ich spüre, daß die Burg im Todesnebel untergehen wird. "

Die zwei Frauen schlüpften hurtig in ihre Kampfhosen, Armeestiefel und die Schutzwesten.

 

Adelheid zeigte nicht viel Regung, es war erkennbar daß sie unter einem fürchterlichen Schock stand.

 

" Armina.., die Soldaten aus der Zukunft sind wundervolle Menschen mit unglaublicher technik. Aber glaube mir, den Soldaten des Bischofs sind sie absolut nicht gewachsen. Sie haben keine Ahnung, was Krieg in unserer Zeit bedeutet.  Sie haben eine Gabe.., welche sie jeden Krieg verlieren lassen würde. Sie haben Skrupel ! "

Als sie als Abkürzung nicht über die große Treppe zurück in den Hof liefen, sondern die kleine Treppe nehmen wollten, welche am Atelier vorbei führte, 
sahen sie das Blutbad, welches Anselm unter den drei Männern angerichtet hatte.

Armina erkannte mit tiefster Trauer, daß ihre zwei Begleiter vom Dorf.., welche sich so freudig als Begleitschutz  zur Verfügung gestellt hatten.., brutal  niedergemetzelt worden waren.

Ebenso auch der Elekriker, welcher so bunte Kleider in so kurzer zeit gezaubert hatte .

Warum konnten Menschen so sein?

 

Einerseits so unglaublich kreativ und liebenswert.. und andrerseits so abartig grausam, wie der Mörder, welcher sich scheinbar in die Burg eingeschlichen hatte.

Welche Bestie war in der Burg am Werk ?

Auf der Monitorfolie konnte man derweil erkennen, daß in der Nähe der Leichenkammer ein buntes Seil am Boden lag.
Ebenso konnte man von der Drohne aus erkennen, daß das   geöffnete Fenster der Totenkammer eine ziemliche Schwachstelle der Burg war.

Jeder einigermaßen geschickte Bergwanderer oder Kletterer konnte mit einfachsten Hilfsmitteln in die Burg eindringen, und noch einfacher war es, die Burg zu verlassen.

 

Aber wie konnte auch nur Irgendjemand ahnen, daß sich Mörder und abscheuliche Verbrecher durch den abgeschiedensten raum der Burg, Zutritt verschaffen würden ?

Wer war so kaltblütig, durch die Totenruhe in ein Haus einzudringen ?

Innerhalb kürzester Zeit waren die reparierten Maschienenkanonen in Stellung gebracht und an den Türmen richteten die Scharfschützen ihre Präzisionsgewehre in Richtung Waldbereich aus.

 

Vorrausschauend wurde damals das Burgtor nicht frontal am Zufahrtsweg angebracht, sondern der Weg führte in einem weiten Bogen zur rechten Seite hinüber, welche direkten Zugang zu einem zweiten Weg bot, welcher eine überstürzte Flucht in den Wald erleichterte .

 

Damit mußten eventuelle Angreifer erst mal die ganze seitliche Flanke der Burg passieren und somit durch den Blick und Schußbereich der zwei Türme , umständlich zum Tor zu gelangen.

 

Durch den Wald war es leider nicht möglich.., zumindest nicht für schweres Kampfgerät, weil das Dickicht undurchdringlich war und bis auf einen kleineren Feldweg  kein Zugang geboten war.

 

Natürlich aus berechnetem Grund.

Armina und Adelheid liefen  schnellstens zum Tor und warteten auf den Quads sitzend  darauf, daß die Brücke herunter gelassen wurde.

Mit dem berühren des Bodens der Brücke.., sauste auch schon zugleich ein ziemlicher Steinangriff in Richtung Burg.

Die Katapulte schleuderten Steine und  spitze Holzstücke  in Körben gesamelt..., quer durch das Gelände und seitlich gegen das Tor.

Mitten im Schauer der Felsbrocken.. sausten die zwei Frauen mit den Fahrgeräten über die Brücke.

Ihr Ziel war der seitliche Weg in den Wald, welcher ziemlich weit an den Stellungen des Bischofs vorbei führte.



Leider schlug in dem Moment, als die Zwei beschleunigen wollten, ein ziemlicher Felsbrocken direkt auf den vorderen Teil von Adelheids Quad ein.



Die Maschiene blieb schlagartig stehen und die Burgherrin wurde in hohem Bogen von ihrem Fahrzeug geschleudert.

Dadurch Armina etwa vorne fuhr, bemekte sie den Zwischenfall zuerst nicht.

Sie wunderte sich nur, warum plötzlich eine Gruppe von etwa 6-8 Bischofskriegern so wild brüllend.. in Richtung Burg rannten.

Sie wunderte sich auch noch etwas.., daß plötzlich einer aus der Horde von einem Pfeil aufgespiest..., zuckend in die Wiese purzelte.
Schon weniger wie eine halbe Sekunde später der Zweite.

Armina blickte über ihre Schulter zurück zu Adelheid und sah die tapfere Burgfrau, wie sie selenruhig, sich mit einem Knie am Boden  abstützend..,
den Bogen zum dritten mal spannte und zum wiederholten Male einen der Angreifer in die Welt der Toten beförderte.

Die Distanz der Männer zur Frau betrug vielleicht noch 100 Meter.

Von der Burg aus war momentan keine Hilfe zu erwarten, weil sich alle Augen der Verteidiger in die andere Richtung bewegten, wo sich unter stetem Angriff von fliegenden Steinbrocken.., Angriffsmaschienen über Angriffsmaschienen in die gefährliche Nähe der Burgmauer drängten.

Bogenschützen deckten die Festung mit ihren überdimensionalen Pfeilen ein, welche mehrere Menschen auf einmal in den Bereich der Waldgeister befördern konnten.

Oben auf der Burg wurden Gewehrsalven gegen die Holzgeräte gefeuert.., aber die Soldaten aus der Zukunft hatten die Angriffslust, die Taktik der Bischofskrieger und auch die Wiederstandkraft von einfachem Holz.. schlicht und ergreifend unterschätzt.

Armina brachte schnellstens ihr Gewehr in Stellung und erlegte ebenfalls innerhalb einer Zeitspanne von 4 Sekunden.., drei der Angreifer.

Drei restliche Bischofssoldaten warfen sich unterm Laufen zu Boden und entfernten sich unter steten, rollenden und dann wieder robbenden  Bewegungen voneinander.

Ein unmöglich zu treffendes Ziel, wenn man in Eile war.

Adelheid sprintete zum Quad von Armina und gemeinsam sausten sie in den Schutz des Grünes, der Bäume.

Die drei Männer des Bischofs bewegten sich zurück zur Truppe.

Der stellvertretende Anführer  winkte die Drei zu sich heran und beruhigte die Angriffskrieger, daß sie gegen solche Waffen unmöglich hätten gewinnen können.

Als sich die anfängliche Angst der Männer in erleichtertes Aufatmen verwandelte.., tönte leider auch schon eine altbekannte, wesentlich erbarmungslosere Stimme in ihre Richtung.

" Wir werden über dieses Thema zu gegebener Zeit ausführlich diskutieren. Wenn ihr beim nächsten Angriff nicht schon automatisch zu Helden werdet.., wird euch eine kleine Befragung sicher selber bewusst machen, wo der Fehler lag, daß schon wieder eines der Fahrgeräte entkommen ist. Ebenso wie die zwei Frauen.., welche euch so unrühmlich besiegt haben "...

Vor den Männern stand der Anführer, welcher aus der Burg entkommen, durch den Wald marschiert.. nun wieder bei seiner Truppe war.
Bekleidet mit einem Schlafgewand, welches blau-rot gestreift war.. und mit solch Frauenschuhen.. in die man so einfach heineinschlüpfen konnte.

Zwei lädierte Hände.
Eine Hand dick und weiß.., naja.., ehemaligst weiss.. , eingebunden, die zweite Hand schorfig und blutverkrustet.
Über den Kopf, genauer gesagt.. über das eine Auge eine schwarze Augenklappe, unter der man ebenfalls Verbandsmaterial erkennen konnte.. 
und  irgend etwas Zartes unter der Bettbekleidung Anselms  hervorschimmernd.

Die Drei konnten sich nicht so richtig entscheiden, ob sie Lachen oder zittern sollten.

Der Anführer sah aus wie ein Hampelmann.
Ein Hampelmann mit merkwürdigen Frauenstoffen unter seiner ohnehin schon bunten Aufmachung.

Zwei der Männer entschieden sich trotzdem und auch vorsichtshalber..., Angst zu haben.
Der dritte war so unvorsichtig.., etwas dümmlich zu grinsen.

Was an sich vielleicht nur mit ein paar Schlägen mit der Peitsche ausgestanden wäre.

Leider war er aber so unvernünftig.., direkt auf die heraushängen Stoffe des Kleides von Anselms toter Frau zu grinsen.

Was er am Ende seines Lächeln  noch mitbekam.. war , daß der Anführer erst an sich selber herunter blickte.., als Zweites mit der Hand den Stoff erfühlte.. und als Drittes und Letztes..., wie Anselm das kurze Schwert eines der anderen Männer aus der Scheide zog und es dem Grinser mit ziemlicher Härte mitten in das Gesicht schlug.

Nicht mit der flachen Seite.., sondern mit der scharfen Seite, welche dem Gesicht des Mannes eine blutige Spur von Kinn bis zur oberen Augenbraue zog.
Die Lippe und zwar Ober sowohl auch Unterlippe wurde dabei von dem Metall gespalten und das Nasenbein bis zum Anschlag zertrümmert.

Der Arme Verwundete würde den Angriff überleben aber mit Sicherheit würde er keine Frau mehr abbekommen.


Es sei denn sie wäre blind gewesen.
Keine Frau suchte sich mit Vorliebe ein Monster aus.
Denn wie ein Monster würde er im  weiteren Verlauf seines Lebens aussehen.

Oder aber die Burg würde ihr Versprechen aufrecht erhalten und wirklich immer noch jeden Verletzten verarzten.

Leider war aber gerade der Angriff in vollen Gängen .

Die fliegenden Insekten, welche aus dem Burgbereich aufstiegen und Metalldosen abwarfen, welche Nebel über dem Kampffeld verteilten, machten ein entkommen auf die Burg ebenfalls unmöglich.

Der Mann begriff.., er würde als entstellter Mensch weiterleben müssen.

Solche Gedanken beschäftigten hingegen Armina und Adelheid nicht gerade.
Sie sausten in rasenden Adrenalinflug durch den Morgen.. in den Wald.


Sie mußten sich  so positionieren, daß sich die Bischofskrieger  zwischen der Burg und den Frauen befanden.

Also sie würden die angreifenden Soldaten Anselms.. sozusagen in die Zange nehmen.

Durch die besondere Reichweite ihrer Waffen, konnten die Frauen beachtlichen Schaden bei den vorrückenden Truppen verursachen.


Allerdings  musten sich die zwei Frauen auch um einen eventuellen Fluchtweg kümmern, welcher schnellstens aus einer Gefahrenzone herausführte, falls sich der Anführer der Truppen dazu entschloss..,  ebenfalls Männer im weiten Bogen  hinter die Frauen zu bringen.

Dann wären nämlich sie selber eingekesselt gewesen.

Es war ohnehin eine zittrige Angelegenheit, zu zweit den Angriff zu Fall zu bringen.

Adelheids Plan war leider etwas zu undurchdacht und zu schnell beschlossen worden.
Armina war natürlich auf der Seite der Frau.. aber auch sie zweifelte an der Vernunft des Plans.

Immerhin hatte wenigstens die Schlagkraft der Truppe des Bischofs wirklich um knapp 45 Mann nachgelassen.

Nein.. seit neuestem waren es ja noch 6 Soldaten weniger.
3 mit Pfeilen in den Körpern und weitere Drei mit bösen Schußverletzungen.

Armina brachte sich hinter dem Quad in Stellung und visierte durch den Sucher des Zielfernrohres die Truppe im Wald an, welche sich zwischen den Zelten aufhielt.
Es handelte sich um die Gruppe der Angreifer in etwa 800 Metern Entfernung, welche sich ausruhen durften, wie man erkennen konnte.

Scheinbar hatten sie die Angriffe in der Nacht ausgeführt und hatten nun Ruhezeit.



" Na dann wollen wir mal für ein bischen Unruhe sorgen.. "

Adelheit schlich sich mit dem Bogen in der Hand näher an das Lager heran.



Aber wie konnte sie nur so alle Vorsicht außer Acht lassen ?
Als Burgherrin hätte sie unbedingt wissen müssen, daß auch ein Ruhelager.. nie unbewacht sein würde.

Leider übersah sie in ihrem Zorn und in ihrer Trauer einfach die zwei Männer, welche sich im Abstand von 30 Metern zueinander im Unteholz verborgen hielten.

Wenigstens verfolgte Armina den Weg der Burgfrau mit dem Zielfernrohr  und konnte so einen der Männer ausfindig machen, weil sein Metallhelm in der Sonne, welche ab und zu ein paar Strahlen in den Wald schickte.., glitzerte.

Armina war natürlich  auch ein Mädchen des Waldes.. und so wußte sie ja auch doch  schon mehr über die Gefahren eines Hinterhaltes.
Adelheid schlich sich ahnungslos in weniger als 3 Metern an einem der Männer vorbei, welcher sich hinter einem Baum versteckte und sein Messer schon griffbereit in der Hand hielt.

 

Armina konnte der Burgfrau nichts zurufen, weil sie sich nicht verraten wollten.

Also plante sie, den Soldaten auszuschalten, sobald sein Kopf wieder in Schußrichtung war.

Als jedoch  Adelheid sich in der Position befand, welche der Angreifer als perfekt erachtete.., , hörte sie das kurze rascheln der Bekleidung des Mannes und auch den herausgestoßenen Atem.

Reaktionsschnell ließ sie sich  zu Boden fallen, drehte sich auf den Rücken und konnte durch bloßen Zufall.., mit beiden Händen die zum Stoß herabschnellende Hand erwischen.

Leider traf die Klinge des Messers dennoch ihre Wange und hinterließ eine böse Stich-Schnittverletzung.

Adelheid spürte das Brennen sehr wohl, aber es war ihr in dieser Sekunde total egal.

Es ging nicht um Schönheitsfragen.. sondern um Leben und Tod.

Mit äußerster Anstrengung hielt sie die Hand umklammert, welche mit dem Messer noch weiteren, schlimmeren Schaden anrichten wollte.
Das Messer befand sich schon wieder in bedrohlicher Nähe ihrer Wange.

Der auf ihr liegende Mann schlug ihr mit seiner freien Hand wie ein Berserker.. in rascher Folge mindestens 5 mal in die Seite.

Adelheid wurde es schwarz vor Augen und die Luft zum atmen konnte nicht mehr in ihre Lungen gelangen.

Nur  einem instinktiven Lebenswillen zum Dank.., hielt sie noch immer die Hand mit dem Messer nach oben.

Schon erfolgte ein weiterer Schmerzangriff.
Der Mann hatte ihr mit seinem Knie.., mit voller Wucht zwischen die Beine geschlagen.

Würde sie nun in Kürze mit Helmreich wieder vereint sein ?

Nein, sie durfte ihre Kinder nicht in den Gefahren des Krieges alleine lassen.

Mit unglaublicher Willenskraft hob sie ihren Kopf an, drückte sich an der schwebenden Messerklinge vorbei und spürte sehr wohl.., wie die rissige Schneide.. direkt in ihre Wunde  schnitt.

Der Schmerz raubte ihr fast den Verstand.

Noch ein kurzes Reissen ihres Fleisches am entfindlichen Mundbereich.., 
dann hatte sie das gefunden, wonach sie suchte.

Ihre Zähne schloßen sich um die weiche Seite des Gelenkes des Mannes.

Ihre Zähne bohrten sich in den dünneren Knochen des Handgelenkes an der Kleinfingerseite.

Sie hörte voller Genugtung,, wie der Knochen zwischen ihren Zähne zersplitterte.., wie  sich eine Sehne mit den Zähnen aus der Hand des Mannes heraus reissen ließ.. und oh ja.., sie schmeckte den metallischen Geschmack seines  Blutes in ihrem Mund.

Wundervoll.

Mit dem herunterfallen des Messers begann auch die schrille Stimme des Angreifers.., den Wald in Aufruhr zu bringen.

Nur ganz kurz. Denn nach der ersten Schreiorgie...,
zerplatzte der Kopf des Mannes.

Blut und Gehirnmasse gemischt mit Knochensplittern und Tränen von ihr selber.

Adelheids Gesicht hatte viele verschiedene Stoffe auf der Haut.

Als sie fast ohnmächtig unter dem fast kopflosem Mann begraben wurde, setzte ganz langsam auch ihr Atemrhytmus wieder ein.

Leider konnte sie sich nicht mehr befreien.

Voller Panik bemerkte sie, wie Armina scheinbar ihr Gewehr auf Dauerfeuer umgestellt hatte, denn in Richtung Lager , woher die Männer  nach dem alarmierendem Schrei  des Mannes sprinteten, welche sich ausruhen wollten, spritzten plötzlich abgeschossene Äste , Steinsplitter und natürlich Stahlkugeln durch die Gegend.

Was zur Folge hatte.., daß sich der Sprint sofort wieder in die entgegengesetzte, andere Richtung  veränderte.

Schon waren die helfenden Arme von Armina unter Adelheids Körper und zogen sie unter dem Toten heraus.



" Jetzt müssen wir aber schnellstens flüchten. Momentan gibt es hier kein Weiterkommen. Wir fahren ins Dorf.. "

Armina gab Adelheid einen Kuss auf die Haare..

" Ach ihr lieben Geister des Waldes!  Was hast du dir denn da eingefangen ?  Das werden wir aber sofort versorgen müssen. Los komm, wir müßen schnellstens  ins Dorf"

Armina brach fast das Herz, als sie die schlimme Wunde diesen geliebten Geschöpfes sah...!
Hoffentlich hatte sie in ihrem Zimmer  genügend Sachen um die Verletzung heilen zu können.

Helene hatte ihr mit dem Quaddrokopter eine Menge an Sachen geschickt, welche sie im Falle eines Falles vor dem Schlimmsten bewahren sollte.

Auch Dinge zum Heilen und verarzten.

Das Problem... !!!
Sie hatte absolut keine Ahnung wie es geschehen würde.., aber Everie würde ihr sicher helfen, wenn sie über Monitor Verbindung bekamen.

Drüben an der Burg zerbarst gerade die Mauer, an der das Burgtor befestigt war.


Die Bischofskrieger lauerten in einer Entfernung von weniger als 100 Metern und warteten auf die Gelegenheit.., 
die Burg zu überrennen...!

 

Was natürlich dazu führte, daß die Verteidiger nun Granaten einsetzen mußten.

Leider war auch diesmal wieder der Erfolg des Bombenangriffes auf die Soldaten von Anselm von mäßigem Ergebnis gekrönt,  weil die Holzschilde, welche aus fast 20 cm dicken Stämmen bestanden und auf Rollen durch die Gegend geschoben wurden.., die Explosionen und die Splitterwirkungen einfach absorbierten.

 

Die Soldaten verstanden sehr schnell, warum sich manche Kriege einfach nicht gewinnen ließen.

Deswegen, weil man die gegnerische Armee  zu unrecht unterschätzte.

 

Jedenfalls wurden im Dauerfeuer der Maschienenkanonen schnellstens im Bogen um den Angriffspunkt der Burg.., Drähte in drei Reihen gespannt.

In einem Halbkreis von knapp 70 Meter vor der Burg, in ungefähr 40 Metern und die letzte Spule spannte sich 20 Meter  vor dem Tor durch das Gras.

 

In Windeseile schafften die Techniler Verbindungen und setzten die Drähte unter Strom. 

Diesmal unter eine Spannung von 220 und 380 Volt.

 

Die Drähte zogen sich durch Erdspieße gehalten in einer undankbaren Höhe von 80 cm über dem Boden.

Es konnte kein Krieger unten durch krabbeln, ohne Gefahr zu laufen, gegrillt zu werden und durch die unbequemen Kampfsachen, welche die Angreifer trugen.. konnten sie leider auch nicht oben drüben steigen.

 

Diesmal würde es auch nichts helfen, wenn die Soldate der gegnerischen Armee die Drähte wegzogen, denn der Strom blieb konstant in den Drähten.

So oder so würde irgendwer auf jeden Fall die unliebsame Erfahrung machen.., Solarenergie in gebündelter Form  zu kosten.

 

Armina sauste derweil wie der Blitz in Richtung Dorf um Adelheid zu verarzten.

 

Hier und jetzt hätte sie sich jeden Versuch ersparen können.

Was hätte sie auch machen wollen ?

 

Die Burg lag im Dauerbeschuß und Verbandsmaterial gab es nur noch im Dorf.

 

Also schnellstens die restlichen 12 kilometer nach Hause gerast und wie  ein Wiesel ins Haus gerannt.

 

"  Hilfe.., ich brauche Hilfe, Brunhilde.., wo bist du ? "

 

" Ja,ja.., jetzt beruhige dich erst mal. "

 

Die Küchenfrau von Bruno lief erschrocken aus dem Haus des Dorfvorstehers..

 

" Na toll, das habt ihr wieder wundervoll hinbekommen.  Vielleicht seid ihr wirklich noch wie zwei kleine Gören . Man sollte euch den Arsch versohlen.., auch wenn es ein Arsch einer Burgherrin ist.  "

 

Kräftig stützend, schleifte Brunhilde Adelheid hurtig ins Haus.

 

" Hole mir Jemand sauberes Wasser.. "  brüllte die resolute Frau laut durch das Dorf.

 

Inzwischen hatte sich Adelheid  auf einen Stuhl gesetzt und wollte abwinken, einfach nicht zu viel Umstände zu  machen.

Immerhin sah sie ja ihre eigene Wunde nicht.

 

Als einer der Dorfbewohner einen Kübel mit Wasser in die Küche brachte.., wollte Brunhilde sofort mit einem feuchten Lumpen über Adelheids Gesicht wischen.

 

Gerade noch rechtzeitig konnte Armina den Arm der Frau zurückhalten.

 

" Moment, das machen wir so nicht. Helene hat mir ein bischen über Krankheiten erzählt, welche man nicht sehen konnte, aber die sich in unsauberen Sachen ansiedelte. Ich habe  so weisse Pillen, die wir in das Wasser geben, denn zum Aufkochen ist keine Zeit.

 

Die Wunde blutete  leicht aber beständig weiter. 

Adelheid wurde es so schummrig vor den Augen, daß sie sich mit dem Gesicht auf die Tischplatte legte und teilnahmslos zusah.. wie Armina und Brunhilde  Alles vorbereiteten.

 

Langsam begannen auch die Tränen aus den Augen der Burgherrin zu laufen. 

 

 Was war in den letzten Tagen nur Alles über sie hereingebrochen ?

 

 So viele Dinge und Situationen, welche es zu verarbeiten gab. So viel Neues.

Und Armina !

 

 Sie schloß die Augen.

 

" Halte sie fest.. "  rief Armina panisch,  als Adelheid vom Stuhl zu rutschen drohte. 

 

Gemeinsam hoben die Frauen den zierlichen Körper von Adelheid auf den Tisch und  der Dorfbewohner, welcher den Wasserkübel herangeschafft hatte.., mußte den Kopf  der Frau stabil halten.

 

Lieber hätte er im Wald Holz gehackt oder seinetwegen auch ein großes Loch gegraben, denn der Anblick von Adelheids Wunde war nicht gerade etwas für Weichlinge.

 

Erstmal hatte Armina wirklich Probleme, mit dem säubern der Wunde.

 

Leider konnte sie keinen Kontakt zur Burg bekommen, weil scheinbar wieder mal die Funkstation in Schutt und Asche lag.

Andrerseits war aber auch keine Zeit zu verlieren.

 

 Schnellstens die kleine Glasflasche mit der rötlichen Flüssigkeit.

Aus einer Verpackung riss sie zudem ein weiches, weissesTuch.

 

" Liebling, es wird ein bischen brennen.., aber es muß sein.. ! "

 

Armina hätte ohne zu zögern mit Adelheid getauscht.. als sie die Jodtinktur über die Wunde schüttete.

 

Das Aufstöhnen Adelheids  fuhr Armina bis in die hinterste Herzkammer.

 

Sie streichelte die Haare aus dem schweissnassen Gesicht der Frau und hauchte ihr noch schnell einen Kuss auf die Stirn.

Was wiederum Brunhilde ein bischen ungläubig zu Armina blicken liess.

Sie sah aus wie eine heldenhafte Kämpferin und war dennoch so unglaublich zärtlich und sanft.

 

" Jetzt versuchen wir, die Wunde zusammenzuhalten.  Ich glaube, das Schlimmste war es schon. Es sieht immer am Anfang schlimmer aus wie es in Wirklichkeit ist. "

* Du wundervolle Frau, ich werde immer an deiner Seite bleiben, egal wie dein Gesicht auch später aussehen mag. Du bist die Frau, die mich davor bewahrt hat.. verrückt zu werden. ich liebe dich *  ...  dachte sich Armina  während sie die Klettpflaster über die Wunde legte.

Eine Narbe würde auf alle Fälle bleiben, aber Adelheid hatte später sicher genügend Fantasie, sich eine Frisur zurecht zu legen, die das Schlimmste überdecken würde.

Außerdem war es für Armina unbedeutend.

Sie liebte die Frau bedingungslos.

Ebenso, wie es vor Tagen noch für Helene gewesen war.

 

Das Leben verlief ziemlich schnell für die Frau.

 

" Jetzt noch einen weichen Verband über die Katastrophe und schon ist der Schaden behoben "..

Armina lächelte Adelheit etwas Zuversicht in die Augen.

 

 " WIr  werden uns jetzt erstmal etwas ausruhen und  zur Ruhe kommen und du  mußt überdies auch noch die scheußlichen Pillen nehmen, welche mir Helene damals für meine Schulter gegeben hatte. Du wirst gleich eine interessante Erfahrung machen.  Mund auf.. und brav schlucken.. "

 

Als Adelheid würgte und sich beinahe übergeben mußte, ob der scheußlichen Bitterkeit in ihrem Mund... hielt Armina sie in den Armen und wische ihr liebevoll die Lippen ab. 

 

Und tatsächlich fielen Beide in einen Schlaf, welcher schon fast als Koma verglichen werden konnte.

Traumatische Erlebnisse wurden am besten im Schlaf verarbeitet.. !

 

Bruno stand an der Türe und überlegte.., wie er eigentlich die Sache so ansehen sollte ... ?

 

Hatte er jetzt eine Tochter verloren ?

Oder war es plötzlich keine Tochter mehr ?

Warum hatte sie ihr Herz an eine Frau verloren ?

 

Und warum fanden es alle im Dorf als in Ordnung an ?

War er jetzt der Einzige, welcher an der Situation zweifelte ?

Oder war er vielleicht weniger klug als er selber von sich dachte?

 

Naja.., er könnte es auch so sehen, daß er eine Tochter dazu bekommen hatte.

Und was für eine wundervolle Tochter.

Na schön.

Dann hatte er jetzt also zwei Kämpferinnen

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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