Karin Keutel

Damals wars - Schrecken im Wald

Wenn mein Vater gefragt wurde, was er in seiner Jugend so erlebt hat, konnte er uns Kindern viele Geschichten erzählen, so auch die Geschichte vom:

„Schrecken im Wald“

Damals trug es sich so zu. Er war gerade 13 Jahre alt, wie damals und heute standen
auch unter den Jungen Streiche und Mutproben an.
So kam es, dass er und sein Bruder Gerhard mit den Freunden Erich und Walter,
ihren Mut unter Beweis stellen wollten.
Sie verabredeten sich beim nächsten Gewitter durch den Wald zu streifen. Als dann der Tag kam und ein Gewitter heraufzog, machten sie sich auf den Weg. Nach einer halben Stunde, zwischen Blitz und Donner kamen sie auch an der Schlucht an, die tief in den weit über den Berg führte.
Im Allgemeinen wurde die Schlucht ja Postweg genannt, weil zur damaligen Zeit der
Briefträger jeden Tag zu Fuß die Post in den 6 km auf dem Berg liegenden Ort Friedrichsrode bringen musste.
Das Gewitter hatte sich schnell verzogen und nur noch in der Ferne hörten sie Donnergrollen, aber es nieselte noch leicht.
Als sie schon eine ganze Weile durch die Schlucht gegangen waren, sahen sie plötzlich durch den leichten Regendunst, der sich inzwischen im Wald ausbreitete und die Sicht erschwerte, einen Handwagen stehen, der mit einem Sarg beladen war.
Für die vier Freunde war es unheimlich und sie gruselten sich insgeheim. Sie schauten sich nach allen Seiten um, aber kein Mensch war zu sehen. Doch die Neugierde trieb sie näher an den Handwagen. Als sie kurz davor Standen, öffnete sich knarrend der Sargdeckel und eine
Hand streckte sich nach draußen.
Mit einem lauten Aufschrei, der durch den ganzen Wald hallte, liefen sie so schnell sie konnten zurück in den Ort, wo sie atemlos und ausgeregt, ein jeder bei sich zu Hause ankamen.

Die Eltern seines Vaters führten ein Lebensmittelgeschäft und wunderten sich sehr über ihre beiden Söhne, die plötzlich so aufgeregt und verstört nach Hause kamen.
Sie waren schweigsam und erzählten auch nicht was geschehen war.
Aber die Geschichte sollte sich am nächsten Tag aufklären. Am Vormittag kam ein Kunde in das Geschäft, um einzukaufen. Wie es in einem kleinen Ort so üblich ist, wurde auch hier über dieses und jenes gesprochen
So erzählte der Tischler, der im Ort nur Sargmacher genannt wurde, dass er am gestrigen Tag einen angefertigten Sarg, in den nahe gelegen Ort ausliefern musste. Da er aber unterwegs vom Gewitter überrascht wurde, hatte er sich vor dem Regend schützend in den Sarg gelegt.
Als er dann merkte, dass es nicht mehr auf den Deckel tropfte, öffnete er ihn, um nachzuschauen, ob er weiterfahren kann. Er sah nur noch die unter großem Geschrei davonlaufenden Jungen Emil, Gerhard, Erich und Walter.
Wie mein Vater später erfuhr, haben sich die beiden Männer köstlich darüber amüsiert
Ein wenig Spott mussten die Freunde dann doch noch über sich ergehen lassen

Text ©Karin Keutel 06/20
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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