Carsten Schranz

Mein Schutzengel hat es nicht leicht mit mir ... Liebe

Es war ein schöner warmer Sommertag. Die Rosen verbreiteten ihren Duft, der Mais stand stolz in voller Kraft auf den Feldern. Der Teer ächzte unter den anhaltend hohen Temperaturen. Kein Mensch war in diesem kleinen wunderschönen Ort zu sehen. Außer an der Eisdiele, wo sich Groß und Klein trafen, um sich abzukühlen. Franz war erst angekommen, in diesem kleinen Ort. Ein Ort mit augenscheinlich wenig Einwohner. Schön gelegen, inmitten der gegebenen Natur. Ohne PKW wirkte es jedoch erstmal wie ein Gefängnis. Franz lief durch die einzige Hauptstraße, vorbei an einem schönen Schloss, einigen Wirtschaften und verlassenen Gewerberäumen. Er dachte bei sich, vielleicht ein wenig Geld aus dem Automaten bei der Bank an der Ecke ziehen und dann wird das alles nicht so schlimm werden. Auch wenn es gefühlt eine Ewigkeit dauern würde, dann wird die Zeit doch schnell vorübergehen. Er realisierte langsam aber sicher, dass er an der Endstation in seinem Leben angekommen sein muss. Im Moment sehr einsam und verunsichert. Sie nennen es „Psychosomatische Klinik“, für ihn wirkte es eher wie ein Gefängnis mit geltenden Regeln und zeitigem Einschluss am Abend. Freiwillig die Freiheit für ein paar Wochen aufzugeben war nicht so sein Ding. Er war immer erfolgreich und zielstrebig. Und nun befand er sich zwischen den ganzen lieb genannten „Schräubchen“ und „Ohrmännchen“. Am Ende der Hauptstraße sah er in der glühenden Hitze einen sprudelnden Brunnen. Die Kinder spielten und kühlten sich ab, die Erwachsenen ließen einfach nur ihre Füße im Wasser baumeln. Franz fühlte sich magisch davon angezogen und seine Füße trugen ihn, trotz Schmerzen und dem langen Tag, dorthin. Als er ankam bemerkte er, dass es an diesem herrlichen Brunnen keinen Platz mehr für ihn gab. Der Brunnen w! ar schö n anzusehen, auch wenn eingerahmt in 70iger Jahre Beton. Eigentlich ging Franz immer selbstbewusst durch das Leben und nahm sich was er wollte. Aber diesmal hinderte ihn etwas daran. Franz blieb einfach vor dem Brunnen, der mit glücklich gefüllten Menschen war, stehen. Gefühlte Stunden stand er da und bewunderte die Leichtigkeit jedes Einzelnen. Die Lebensfreude, welches Wasser in der sonst tristen Betonumgebung am Brunnenplatz den Kindern und Erwachsenen gab. Franz schaute auf seine Uhr. Sie zeigte 14 Uhr an, ein Sonntag. Alle Geschäfte geschlossen und in seiner Klinik hatte man sogenannte Freizeit verordnet. Im fiel das Kino gegenüber auf, welches natürlich erst am Abend öffnete. Auf die Eisdiele an der Hauptstraße hatte Franz nicht wirklich Lust. Er grübelte vor sich hin, in der Hoffnung, dass es ihm keiner anmerkte. Oder noch schlimmer, seine Souveränität in Frage stellte. Zurückgehen und in seinen PKW steigen, die Natur erobern, war für ihn keine Option. Einfach schauen und loszulassen war nicht so seine Welt. Also gab es für Franz nur noch, an dem Standort weiter zu erstarren oder auf sein schönes Zimmer mit dem Blick in den grünen Park zu gehen. Aber es war Franz zu früh, um auf einem Zimmer eingesperrt zu sein und somit verharrte er weiter auf seinem Fleck und schaute auf das kalte sprudelnde Wasser, mit den Menschen im und um den Brunnen herum. Langsam aber sicher lief Franz der Schweiß von der Stirn, seine Muskeln fingen an zu schmerzen. Franz wollte nur noch auf der Stelle in den Boden unter sich versinken. Franz sein Verstand wäre am liebsten gegangen. Doch sein Körper hatte anderes mit ihm vor: „Genau an diesem Ort zu bleiben und Leichtigkeit zuzulassen lernen“. Franz wurde es am ganzen Körper heiß und kalt, sein Mund wurde imme! r trock ener und Keiner in Sicht, der ihn aus dieser Lage befreien konnte. Aus Sekunden wurden Minuten, aus Minuten wurden Stunden. Die fröhlichen Menschen am Brunnen kamen nur noch als dumpfe Ohrgeräusche bei ihm an. Franz war dort gefangen, von Vergangenheit und Gegenwart. Plötzlich spürte er eine warmherzige Hand, die versuchte seine versteinerten Finger zu entfesseln. Eine junge Frau versuchte Franz mitten durch seinen brennenden Seelenschmerz mit Berührungen zu erreichen. Franz kam nicht wirklich zu sich. Er spürte nur die warme Hand mit einem längst vergessenen Energiefluss. In Schattierungen erkannte er die junge Frau und erinnerte sich, sie kurz vorher an dem Brunnen gesehen zu haben. Sie hatte mit ihren Füssen sanft das Brunnenwasser gestreichelt. Franz Verstand suggerierte sofort einen blonden Engel, auch wenn er nicht wusste, wie ihm in diesem Augenblick geschah. Franz holte tief Luft, versuchte Schweiß, Hitzewallungen und Herzschlag wieder in Einklang zu bringen. Dabei hielt die junge blonde Frau weiterhin einfach nur seine Hand, sagte kein einziges Wort. Sie war nur da. Das bunte Treiben am Brunnen ging derweil weiter. Alle lachten, hatten Spaß und Freude mit dem kalten Wasser. Franz konzentrierte sich auf die gegenüber hängenden Kinoplakate. Er lass sie rauf und runter, um seine Gedanken zu sammeln. So souverän er sonst war, so länger dauerte es diesmal. Er stand immer noch starr da, aber zumindest jetzt mit klaren Gedanken. Etwas überhitzt fühlte er sich noch. Der blonde Engel ließ seine Hand nicht los, schwieg und lächelte ihn nur leichtfüßig an. Es wurde auf einmal gespenstig ruhig am Brunnen. Die Menschen schauten auf den blonden Engel und den bewegungslosen Franz. Er wollte sich nicht bewegen, die warme zarte Hand nur halten und spüren. Eine Stille machte sich um die Beiden breit. Sie schauten sich in ihre tiefen blauen Augen. Ihre müden Augen fingen an zu strahlen und Franz räusperte sich mit seinem trockenen Mund. Minuten vergingen bis er die Hand von dem jungen blonden Engel fester und fester drücken konnte. Sie spürte das Wohlbefinden und fragte mit einem charmanten Lächeln, „ob er gerade hier angekommen sei“. Franz wurde verlegen und seine schüchterne Seite kam zum Vorschein. Beide hatten jetzt die Gelegenheit, mit den Anderen die Füße leichtfertig im Wasser zu kühlen. Kinder und Eltern gingen, als der Abend kam. Die Beiden saßen noch lange an dem Brunnen. Sie kamen auch viele Tage immer wieder an diesen bemerkenswerten Ort. Sie philosophierten über das Leben, genossen die Leichtigkeit und lachten sehr viel miteinander und übereinander. Franz, wie auch sein blonder Engel, stellten für sich nach einiger Zeit fest, dass die Narben der Liebe fast jeder aus der Vergangenheit mit sich trägt. Aber, was wären Menschen ohne Liebe und Vergangenheit.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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