Frank Heidelbacher

Am Ende des Tages

Viele kennen bestimmt das Märchen vom Fischer und seiner Frau, welche unersättlich immer mehr verlangt und am Ende nichts mehr hat…

Dies ist eine abgewandelte Kurzvariante vom Fischer, seiner Ex-Frau und seiner neuen Familie.

Aber lest selbst.

Ich will, mit diesen oder ähnlichen Worten können auch sehr angenehme Zeiten beginnen. Ich will mehr und ich will des Auto, das Haus und noch mehr kann auch sehr unangenehm sein…

Es wird manipuliert und mit Vorwürfen gearbeitet, um das Ziel „Ich will noch mehr zu erreichen…“.

Blöd ist nur, wenn das kleine Fischerlein über genügend Selbstbewusstsein, nicht über ein aufgeblasenes Ego, das vom Fremdbild bestimmt ist, wie ihn andere haben möchten, verfügt und er sich kurzerhand die Wasserschlange gegen eine Nixe tauscht.

Unwahre widerliche Vorwürfe sind nichts für ehrbare kleine Fischerlein.

Und Neptun, den Sohn von ihm und Wasserschlange, sollte er auch nicht mehr sehen. Das hatte Hydra, die Mutter von der Wasserschlange so festgelegt.

Es wurde Gericht gehalten, um dies abzuklären. Die Entscheidung fiel eindeutig aus. Fischerlein und Wasserschlange verpflichteten sich zum Wohle Neptuns zu handeln.

Dagegen konnte nicht einmal Hydra etwas machen.

Dies funktionierte einige Zeit gut. Doch das Fischerlein stellte irgendwann fest, dass seine Wohltaten Neptun nicht erreichten.

Und wieder ging es los mit Vorwürfen.

Unwahre widerliche Vorwürfe sind nichts für ehrbare Fischerlein.

Über Umwege erreichte er Neptun und machte ihm verständlich, immer für ihn da zu sein, wenn er sich melde.

Eine Wasserschlange wäre keine Wasserschlange, wenn sie keine Forderungen stellt. Ihr Erfolg war jedoch begrenzt und scheiterte an der Realität. Fischerlein störte sich nicht daran, da er es als seine Pflicht sah, in dieser Form für Neptun zu sorgen. Er hätte gern mehr geboten, aber die Wasserschlange wollte nicht.

Nach einer Dekade fiel der Wasserschlange ein, Neptuns letzte Wurzeln zum Vater zu beseitigen. Neptuns lästiger Beinamen sollte beseitigt werden.

Also wird rotzfrech die Forderung gestellt und noch mehr verlangt.

Das war zu viel für Fischerleins Seele. Er widersprach vehement und setzte den besten Boten in Gang, der seine Nachricht inhaltssicher überbringen sollte.

Doch was musste er feststellen. Die Botschaft konnte nicht übergeben werden. Wasserschlange war verzogen.

Eine Wasserschlange wäre keine Wasserschlange, wenn sie nicht nur keine Forderungen stellt sondern auch lügt.

Irgendwie musste Fischerlein ihr mitteilen, dass die Botschaft an einem sicheren Ort hinterlegt wurde. Er suchte in der weltweiten Schlammzone des Ozeans und war erstaunt, was er entdecken musste.

Neben einer Erreichbarkeit breitete die Wasserschlange ihr halbes Privatleben in der Schlammzone des Ozeans aus. Aber was Neptun betraf, ließ sie keine Informationen zu Fischerlein kommen.

Eine Wasserschlange wäre keine Wasserschlange, wenn sie nicht nur keine Forderungen stellt, lügt, sondern auch falsches Spiel spielt.

Sie will ja mehr.

Über die Schlammzone des Ozeans erreichte er die Wasserschlange. Ihre Antwort war grandios. Fischerlein wurde angeherrscht, was ihm einfiele, sich so zu melden, er habe ja ihre Kontaktdaten.

Schon richtig, deswegen konnte der Bote die Nachricht auch nicht überbringen.

Das ist mein Teil der Schlammzone, der ist verboten für Dich und Deine Familie. Zu mir besteht absolutes Kontaktverbot, außer ich in Form als Neptuns Mutter.

Sauber, dachte sich Fischerlein, die Wasserschlange hat schon 3 Köpfe. Sie entwickelt sich wohl zur Hydra.

Selbst seine Nixe meinte, irgendwo tut sie einem leid. Du würdest ja viel mehr für Neptun wollen.

Fünf vor zwölf, kurz vor Ende des Tages, wenn Neptun umbenannt, vom Vater entfremdet und manipuliert wurde, wird das Fischerlein, das alle seine Kinder gleich behandeln wollte, schweren Herzens einen Entschluss treffen.

Wenn es 12 Uhr schlägt, wird das Fischerlein, seiner Nixe, welche zeitlebens keine unverschämten Forderungen stellte, nie log und das Fischerlein immer unterstützte, alles vermachen.

Damit endet eine Dekade später auch der Teil seiner gesetzlichen Pflicht.

Wenn es so weit kommen muss, bitte sehr. Die Zeit läuft.

Das Fischerlein sieht es mittlerweile gelassen.

Ja schreit ruhig nach noch mehr, ohne kleinsten Verpflichtungen nachzukommen. Es ist alles andere als pfiffig, mit unhaltbaren Vorwürfen und überzogenen Forderungen zu agieren ohne seinen Teil beizutragen.

Am Ende des Tages bleibt das Fischerlein der Vater Neptuns und ihr geht leer aus. Wie ein ausgehöhlter Kürbis zu Halloween, in den man eine Kerze hineinstellt, damit wenigstens etwas herausscheint...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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