Bettina Forst

Cocoloco geht baden

Es war Sommer, die Sonne schien vom Himmel, und die Bienen summten im Apfelbaum. Cocoloco, der Papagei, lag gemütlich in seiner Hängematte und schaukelte vor sich hin. Cocoloco trug seinen neuen Panamahut und nuckelte an seinem eisgekühlten Kokosnusscocktail. Die Blaumeise mochte auch bei dieser Hitze nicht auf ihren Tee verzichten und trank eine Tasse frischen grünen Pfefferminztee. Die Minze hatte sie selber im Garten gepflückt. Die Blaumeise gab einen Eiswürfel dazu, machte es sich auf ihrem Klappstühlchen gemütlich und fragte: „Na, Cocoloco, was gibt es Neues?“

Als Cocoloco gerade anfangen wollte, der Blaumeise die Neuigkeit zu erzählen, die er gehört hatte, kam auch die kluge Eule angeflattert. Sie grüßte, setzte sich zu den beiden, lutschte genüsslich an ihrem Schokoladeneis am Stiel und erkundigte sich dann: „Na, Cocoloco, was gibt es für Neuigkeiten?“ Cocoloco hatte seine Ohren einfach überall. Ihm entging so schnell nichts, und so wusste er immer, was gerade geschah. Und so erzählte er, dass er mitbekommen hatte, dass Conny und ihr großer Bruder morgen den ganzen Tag lang einen Fahrradausflug machen wollten. „Das bedeutet...“, sagte der Papagei bedeutungsvoll und zwinkerte mit den Augen. „Ja, was bedeutet es denn?“, fragte die Blaumeise neugierig. „Das bedeutet“, sagte Cocoloco, „dass wir morgen den ganzen Tag über den schönen Swimmingpool für uns alleine haben. Wir können morgen ungestört nach Herzenslust im Wasser planschen und spielen und im Pool herumalbern“, sagte Cocoloco, und alle drei freuten sich schon riesig auf das Badevergnügen. Das würde ein schöner Spaß!

Conny und ihr großer Bruder hatten nämlich im Garten jetzt einen Swimmingpool.  Der war nagelneu, rund und himmelblau. Und man konnte ihn einfach aufbauen und wieder abbauen, denn der Pool war aus Gummi. Connys Bruder hatte ihn mit einer Luftpumpe aufgeblasen, und Conny hatte den Pool mit dem Gartenschlauch bis an den Rand mit frischem Wasser gefüllt. Dieser Swimmingpool war einfach klasse. Cocoloco, die Blaumeise und die Eule konnten es kaum erwarten. Endlich durften sie auch einmal in den Swimmingpool!

Am nächsten Morgen pünktlich um zehn Uhr wie verabredet erschien die Blaumeise. Sie hatte eine Luftmatratze dabei und trug einen Strohhut mit rosa Schleife, dazu passend einen Badeanzug mit rosa Pünktchen und eine Sonnenbrille in knallig Pink. 

„Hallo Pinky“, „begrüßte Cocoloco die Meise fröhlich. Er hatte ein Surfbrett unter den Flügel geklemmt und setzte sich gerade seinen Panamahut auf den Kopf. Auch die Eule kam angeflogen. Sie hatte einen roten Bademantel an, ein Handtuch über der Schulter und ließ sich im Liegestuhl neben dem Swimmingpool nieder. Die kluge Eule wollte das nasse Treiben lieber erst einmal aus sicherer Entfernung vom Trockenen aus beobachten und cremte sich das Gesicht mit Sonnenmilch ein. Als die Blaumeise und Cocoloco voller Begeisterung mit Schwung in den Pool hüpfen wollten, rief die Eule: „Halt, stopp, nicht so schnell! Cocoloco, zieh dir besser deine Schwimmweste an und du, kleine Meise, nimmst die Schwimmflügel. Sicher ist sicher.“ Die Blaumeise stülpte sich brav die roten Schwimmflügel über, aber Cocoloco krähte laut: „Papperlapapp, ich kann schwimmen, und ich kann fliegen. Ich brauche keine Schwimmweste. Im übrigen will ich gar nicht schwimmen, sondern surfen.“ Cocoloco ließ sein Surfbrett ins Wasser und sagte stolz: „Außerdem habe ich ein richtig gutes Supersurferbrett, das schwimmt immer oben.“

Die Eule seufzte und sagte nichts mehr. Cocoloco stellte sich auf das wacklige Brett, hielt sich am Segel fest und surfte lustig kreuz und quer durch das Becken. „Platz da! Hier kommt Cocoloco, der Supersurfer. Keiner ist auf dem Brett so schnell wie Cocoloco!“, rief der Papagei und hätte fast die kleine Blaumeise gerammt, die mit ihren Schwimmflügeln im rosa Pünktchenbadeanzug mit Strohhut und Sonnenbrille auf ihrer Luftmatratze lag und mit ihren kleinen Füßen im Wasser plätscherte. Die Eule tat so, als ob sie schlafen würde, blinzelte aber doch immer wieder und vergewisserte sich, dass Cocoloco und die Blaumeise keinen Unsinn machen würden. Doch plötzlich sprang die Eule aus ihrem Liegestuhl auf und rief aufgeregt: „Passt auf! Raus aus dem Wasser! Da vorne kommt eine Windböe!“ Aber zu spät. Die Windböe packte das Segel, schleuderte das Surfbrett hoch in die Luft, Cocoloco verlor das Gleichgewicht, machte einen Salto und stürzte kopfüber ins Wasser. Dann blies der Wind noch einmal heftig in den Pool. Eine große Welle schwappte über der Blaumeise auf ihrer Luftmatratze zusammen, sie schaukelte zur Seite und plumps – schon war die kleine Blaumeise ins Wasser gefallen.

Wie gut, dass die Blaumeise ihre Schwimmflügel angezogen hatte. Sie paddelte und ruderte mit Leibeskräften und erreichte sicher das Ufer. Cocoloco dagegen fuchtelte und strampelte mit seinen Händen, Füßen und Flügeln, um sich über Wasser zu halten. „Na, das nennst du schwimmen? Wenn du gar nicht richtig schwimmen kannst, hättest du besser deine Schwimmweste angezogen“, schimpfte die Eule und warf Cocoloco blitzschnell einen Rettungsring ins Wasser. Der Papagei ergriff mit seinem Schnabel den Rettungsring, kletterte flink nach oben und ließ sich erschöpft auf dem Gummiring an Land treiben. Cocoloco und die Blaumeise waren pitschnass, und das Wasser lief ihnen aus allen Federn. Da standen sie nun wie zwei begossene Pudel. Weil sie mit dem nassen Gefieder nicht fliegen konnten, gab die Eule den beiden Pechvögeln ihr Handtuch, um sich abzutrocknen. Das war ja noch mal gut gegangen! Aber die Blaumeise hatte ihren schönen Strohhut und ihre pinkfarbene Sonnenbrille im Wasser verloren und Cocoloco seinen Panamahut. Die beiden Hüte und die Sonnenbrille waren gesunken und lagen jetzt tief unten am Boden. „Oh je“, jammerte die Blaumeise, „meine schöne Sonnenbrille und mein hübscher Strohhut. Wie holen wir das nun wieder aus dem Wasser?“ Auch Cocoloco hätte seinen Panamahut gerne wieder zurück, den Happyjacky aus Amerika ihm zum Abschied geschenkt hatte. Aber weder Cocoloco noch die Blaumeise konnten schwimmen und tauchen konnten sie erst recht nicht. Was also tun?

Die Eule überlegte kurz, dann verschwand sie und kam nach drei Minuten wieder zurück … mit Taucherbrille im Gesicht, Schnorchel im Schnabel und Schwimmflossen an den Füßen. Sie war entschlossen, wie eine Ente abzutauchen und den Strohhut, den Panamahut und die Sonnenbrille wiederzuholen, da hörten sie über sich ein kreischendes Gelächter. Das konnte nur die Lachmöwe sein. So konnte nur die Lachmöwe lachen. Und tatsächlich, sie war es. Die Lachmöwe sah die Eule und fing noch lauter an zu lachen. Dann setzte sie sich und sagte: „Mutig, mutig. Aber ich glaube, ich kann besser tauchen als du, kluge Eule. Wenn ihr wollt, hole ich euch die Sachen wieder hoch.“ Die Eule, Cocoloco und die Blaumeise nickten dankbar, und schon tauchte die Lachmöwe ab und kam einige Sekunden später mit den Hüten und der Sonnenbrille wieder nach oben. „Danke, du hast uns wirklich sehr geholfen,“ sage die Blaumeise und war überglücklich, dass sie ihren Strohhut und die pinkfarbene Sonnenbrille wiederhatte. Auch Cocoloco freute sich, bedankte sich bei der Lachmöwe und schüttelte und wrang seien klitschnassen Panamahut aus.

„Habt ihr noch mehr Schätze versenkt?“, fragte die Lachmöwe und lachte. Die Eule sah nochmals in den Swimmingpool und sagte: „Vielleicht findest du ja den Schatz im Silbersee. Wie bei Winnetou und Old Shatterhand. Denn ich glaube, da unten blinkt etwas Silbernes.“ Sie zeigte in den Pool und wirklich, da unten am Grund blitzte etwas hell auf. Die Lachmöwe tauchte sofort ab und tauchte mit einem kleinen Silberring wieder auf. Die Eule nahm den Ring, kniff die Augen zusammen und sah, dass im Ring etwas eingraviert war. Ein Name. Sie nahm den Silberring noch näher unter die Lupe und las laut vor: „Conny. Hier steht Conny.“

Es war klar. Conny musste den Ring beim Schwimmen verloren haben. „Wie gut, dass wir ihn gefunden haben“, sagte Cocoloco und frohlockte: „Conny gibt uns bestimmt eine Runde Eis aus als Finderlohn.“ Und tatsächlich. Als Conny und ihr Bruder am Abend von der Fahrradtour nach Hause kamen, überreichte die Eule der überraschten Conny den silbernen Ring und zum Dank bekamen Cocoloco, die Blaumeise, die kluge Eule und die Lachmöwe eine Riesenportion Erdbeereis mit Sahne.

Bettina Forst, bettinaforst@web.de

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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