Anne Eckardt

Im Wald

Wie undurchsichtige Schleier umhüllten die Nebel die Bäume des Waldes und machten einen tieferen Blick in diesen unmöglich. Doch ich selber achtete nicht darauf. Mein Blick und meine Gedanken waren nur auf ihn gerichtet. Nur sein Gesicht, sein muskulöser Körper, seine Augen, sein Herzschlag. Dies war alles was für mich zählte.

 

Er hielt mich in seinen starken Armen während wir er über den steinigen Weg immer tiefer in die Dunkelheit des Waldes hinein ging. Er schien zu wissen wo er mit mir hin wollte.

Es war bereits spät und mein Kopf war an seine Schulter gesunken, während sich meine Lider schlossen und ich hinab in einen leichten, traumlosen Schlaf hinabsank.

 

Am Anfang hielt ich das alles noch für verrückt: Eine Prinzessin, welche sich in ihren Leibwächter verliebte. Doch zu diesem Zeitpunkt kannte ich sein kleines Geheimnis noch nicht.

Ein Geheimnis mit dem er mich von dem Moment an in seinen Bann gezogen hatte, an dem ich ihn das erste Mal sah.

 

Dieser Bann wirkte in diesem Moment hier zwischen den Bäumen stärker den je und es gab für mich keine Möglichkeit ihm zu entrinnen. Ein ums andere mal hatte ich es probiert und war immer wieder kläglich dabei gescheitert. Wie lächerlich sich dies für ihn, der alle Fäden der Macht über mich in seinen Händen hielt, angefühlt haben musste.

 

Ich fühlte mich wie ein Schmetterling welcher sich im riesigen Netz einer Spinne verheddert hatte und für den es kein Entkommen mehr gab.

 

 

Hier zwischen den Bäumen war dies so oder so aussichtslos.

 

Wobei es in seinem Fall wohl eher so war dass der Schmetterling mehr oder weniger freiwillig in das Netz flog, nur um wenigstens einmal so etwas wie Freiheit, erleben zu dürfen.

 

Eine Freiheit welche es in meinem Leben bislang nicht gegeben hatte und die sich jetzt hier zwischen den Bäumen in einem warmen, angenehmen Gefühl an meinem ganzen Körper äußerte. Dass sich solche grundverschiedenen Dinge wie Freiheit und Gefangenschaft, zusammen tun konnten, nur um meinen Körper mit einem so schönen Gefühl zu durchfluten, war mir bislang unbekannt gewesen.

 

Doch es fühlte sich derart angenehm an, dass ich es nicht einmal in Erwägung zog zu entfliehen.

 

Nur im Traum wollte ich den Versuch wagen, aus seinen Armen entkommen und zurück in die Welt fliehen, aus welcher er mich entführte.

Obwohl es für mich wohl er eine Befreiung war. Weg vom strengen Zeremoniell des Hofes und meinem Vater. Weg von der Pflicht ihm andauernd zu gefallen und eines Tages seine Erwartung zu erfühlen und seine Krone zu erben.

Eingesperrt in dem gleichen goldenen Käfig, in welchem ich bereits seid meiner Geburt lebte.

 

Bis zu jenem Tag an dem Er am Hof erschien. Mein Vater meinte dass es wohl das Beste war, wenn er mir als Leibwächter diente. Wahrscheinlich wurde er ebenfalls von ihm in seinen Bann gezogen, wenn auch nicht so stark wie bei mir.

 

Um so länger er die Position meines Leibwächters innehatte, um so mehr verfiel ich seinem Duft, seinen Augen, seinem Körper, seinem… Bann.

 

Und eben jener Bann war es, welcher mich in seine Arme gebracht und nun zu seiner willen-und wehrlosen Beute machte.

 

Wobei mir dies aber auch mehr wie ein Segen vorkam. Wie ein erlösender Regenguss nach einer langen Trockenzeit.

 

Aber anders wie ein Bauer, welcher genau wusste dass nach dem Regen irgend wann wieder eine Dürre einsetzen würde, war ich mir im Klaren dass es für MICH keine nächste Trockenzeit gab.

 

Bei diesem Gedanken schlug mein Herz zwar etwas schneller, doch achtete ich nicht darauf. Ich gab mich einfach ihm hin, ganz gleich was auch geschehen würde.

 

Nein. Eine zweite Trockenzeit würde ich nicht mehr erleben, genau so wenig wie... den nächsten Sonnenaufgang.

 

„Wir sind da, euer Hoheit“ sagte er plötzlich und vollkommen ruhig. Ich blickte auf und sah mich um. Zunächst nahmen meine Augen nur den vertrauten Anblick der Bäume war, welcher sich jedoch binnen weniger Sekunden änderte.

 

Genau vor mir stand eine, aus einem einzigen, dicken Baumstamm geschnitzte, Bank und ein Tisch.

Doch neben diesem erkannte ich eine frisch ausgehobene Grube.

 

Vorsichtig setzte er mich auf der Bank ab. „Das war geplant...oder?“ fragte ich und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Seid ich euch das erste Mal sah“ antwortete er und lächelte.

 

Mein Blick wanderte zu der Grube, in welche mein schlanker Körper so genau hineinpasste, wie in mein Bett.

 

Meine rechte Hand suchte nach der schlichten, silbernen Kette, welche ich um meinen Hals trug. Ich streifte sie ab und legte sie neben mich. „Bitte gebe sie meinem Vater“ sagte ich, während mein Blick von der Kette wieder zu seinem Gesicht wanderte. „Und sage ihm dass ich jetzt freier bin, als ich es bei ihm jemals war.“

„Sehr gerne Hoheit“ antwortete er. Ich schloss meine Augen und zählte die Sekunden bis es geschah. Eine Sekunde, zwei Sekunden, ...drei Sekunden. Weiter... kam ich nicht.

 

 

Ende

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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