Wolfgang Scholmanns

Verschüttet

Ich erinnere mich noch gut an die zwei Jungs, die damals bei uns in der Nachbarschaft wohnten. Der eine war zwölf Jahre alt und hieß Jost, der andere war zehn und hieß Jörg. Oft trafen sie sich mit einem Klassenkameraden von Jost, der auf einem nahegelegenen Bauernhof wohnte. Meistens spielten sie Cowboy und Indianer und hatten viel Spaß dabei. Hier und da gab`s schon mal ne kleine Rangelei, doch die Streithähne vertrugen sich wieder schnell.

In den Herbstferien, ich glaube es war im Jahre 1972, sah man die Drei oft in Richtung des am Stadtrand liegenden Waldes fahren. Manchmal hatten sie Werkzeuge sowie Hammer, Pickhacke und Spaten im Gepäck. Den Eltern hatten sie wohl gesagt, dass sie im Wald ein Baumhaus bauen wollten und so vermutete niemand, dass der Grund für ihre Waldbesuche ein ganz anderer war. Sie hatten nämlich den Eingang zu einem alten Schutzbunker, der aus dem zweiten Weltkrieg stammte, freigeschaufelt und erforschten dieses spannende Weltkriegsrelikt.

Eines Nachmittags, es war in der Ferienzeit, stürmte meine Mutter ganz aufgeregt ins Haus und rief nach mir. „Die Nachbarjungen und der Heiner sind im Wald, in einem alten Schutzbunker verschüttet. Ein Spaziergänger hat die Fahrräder von den Jungs und den zusammengestürzten Eingang des Bunkers entdeckt. Er hat sofort die Feuerwehr alarmiert, die jetzt wohl am Unfallort eingetroffen ist.“

Wie wir später erfuhren, hatte die Feuerwehr die Drei, nach einer halben Stunde anstrengender Arbeit, unverletzt bergen können. Erst ein paar Tage später beichtete Jost seinem Vater, dass er in der Garage einen Rucksack deponiert hätte, indem sich Fundstücke aus diesem alten Bunker befanden. Bei der Durchsuchung des Rucksackes entdeckten die Eltern zwei Handgranaten, mit Patronen bestückte Munitionsmagazine, ein altes Essbesteck und einen Blechteller.

Der Bunker wurde ein paar Tage später mit Beton zugeschüttet.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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