Peter Biastoch

Fotosafari 2

Lass uns zu meiner zweiten Safari (2020-05-16) aufbrechen. Diesmal ging es nach Wolkenburg. Auch das befindet sich nicht weiter weg von meiner Wohnung, als Waldenburg. Schon vor ein paar Jahren hatte ich die Zufahrt zur dortigen Papierfabrik gefunden. Es war Winter und schon da waren diese Gebäude verfallen und die dürren, blattlosen Stämme und Äste von Büchen reckten sich gen Himmel. Es sah einfach nur trist und öde aus. An diesem Frühlingstag stellte ich mein Auto, bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel mit Dekorationswolken, auf einen Parkplatz nahe den Ruinen ab und machte mich zu Fuß auf den Weg. Nach nur 50 m war dies der erste Anblick.

Ein Ziegelbau, dessen rote Ziegelsteinwände mit den ockergelben Ziegel der Stützsäulen abgesetzt waren. Zwischen zwei dieser Säulen befanden sich auf jeder der beiden Etagen jeweils zwei Bogenfenster, von über 2 Meter Höhe und mehr als einem Meter Breite. Jedes von einem halbkreisförmigen Bogen aus diesen ockerfarbenen Ziegeln überspannt. Ein ebenerdiges Tor war zugemauert und nur seine Umrisse und die gelben Ziegel darüber lassen seine Größe noch erahnen. Viele der Fensterscheiben waren eingeworfen.

Ich wand mich nach rechts und folgte den teilweise verschütteten und überwucherten Gleisen, zu einem ebenso verwahrlosten Gebäude, das mit einer Laderampe versehen ist und über das man wohl einmal die fertigen Papierprodukte bequem auf bereitgestellte Güterwagen verladen hatte.

Direkt vor dieser Rampe wucherten Sträucher, die inzwischen die Überdachung der Laderampe überragen. Alle Tore ins Gebäude waren verschlossen und man konnte lediglich durch kleine Öffnungen innerhalb dieser Tore ins Innere spähen. Wobei es dort wenig zu sehen gab. Alles leer geräumt, teilweise waren Teile des ehemaligen Daches hinein gestürzt und sorgten für einen chaotischen Anblick.

Um diese Ruine herum führte mich mein Weg an eine Stelle, an der ich auf der gegenüberliegenden Seite eines breiten Wassergrabens noch viele verfallene Firmenreste zu sehen bekam. Doch dort war kein Weiterkommen. Alles war voller Brombeerranken, die sich als Fallstricke über dem Boden schlängelten. Es war zudem auch so dicht bewachsen, dass man nicht sicher sein konnte, wohin man als nächstes seinen Fuß setzen konnte. So trat ich dort den Rückzug an und ging in die entgegengesetzte Richtung.

Das lohnte sich dann auch wieder. Das Gelände wurde etwas freier und man sah sogar die Trampelpfade anderer Wagemutiger, denen man folgen konnte. Ein solcher Pfad führte mich zwischen diese beiden, bisher beschriebenen Ziegelbauten wiederum zu einer Stelle, an der ich dieses Gewässer und die gegenüber liegenden Fabrikteile sehen konnte. Das wurden meine nächsten lohnenden Motive.

Besonders faszinierte mich der fast unbeschädigte und voll verglaste Balkon, der sich über dem Ausfluss des Brauchwasserkanals befindet. (https://www.fotocommunity.de/photo/balkon-peter-biastoch/43925453) Ich kann mir gut vorstellen, dass man von dort aus einen herrlichen Blick über das ganze untere Areal hat. Leider, oder zum Glück, fand ich keinen Zugang in diese Räume! Solche marode Bausubstanz ist nicht ungefährlich und es hat unter den Urbexern (Urbane Explorer, oder städtische Erkunder) auch schon unschöne Unfälle gegeben.

Aber, lass uns weiter gehen. Es gibt noch mehr zu sehen! Nachdem ich an der eingangs beschriebenen Wand dieses Hauses vorüber war, eröffnete sich mir ein Blick auf die Villa des ehemaligen Fabrikbesitzers. Auch sie in einem Zustand vollständiger Verwahrlosung. Eingeworfenen Scheiben, eingestürzte Dachsegmente und überall Bäume und Sträucher, die anzeigen, dass sich die Natur ihren Lebensraum zurück erobert. Fotos von verfallenen Villen gibt es zu Hauf und so habe ich hier auch nur ein besonderes Detail fotografiert, das dem allgemeinen Niedergang noch widersteht.  Die Stuckfiguren von vier hüllenlosen Knaben befinden sich oberhalb eines schwarzen Loches, das einmal der Haupteingang gewesen sein muss. Sie halten eine stilisierte Blütenranke zwischen sich und erscheinen dabei sehr beschäftigt.

Als dies Aufnahme im Kasten war, drehte ich mich noch einmal zurück und sah, dass ein ausgesprochen großer Teil der Fabrik, jenseits des Wasserzulaufes kein Dach mehr besaß. Anscheinend war es herunter gestürzt und lag nun auf der Zwischendecke zwischen Erdgeschoss und oberer Etage. Jedenfalls fielen mir die scheibenlosen Fenster dieser Etage auf, durch die man nun die dahinter liegende Wand, das Gesträusch im Innern und den blauen Himmel erkennen konnte.

Ich machte eine Aufnahme dieser doppelten Fenster mit der Kamera, an der sich mein Teleobjektiv befindet. Im Übrigen finde ich es immer wieder amüsant, wenn ich sehe, wie zufällig vorbei kommende Leute schauen. Da stehe, oder gehe ich, behängt mit Fototasche und vor der Brust zwei Digitale Spiegelreflex-Kameras, jede mit einem anderen Objektiv und in den Augen dieser, vorzugsweise Männer, leuchte ein gewisser Neid auf! Neid, nicht nur auf meine Ausrüstung, sondern wohl auch auf die Freiheit, mir die Zeit für mein Hobby nehmen zu können. Oder auch die Freiheit, mich anscheinend über alle Grenzen und Verbote hinweg  zu setzen. Schließlich wissen sie nicht, dass ich alle verschlossenen Türen respektiere und mir nicht den Zugang zu irgendetwas erzwinge. Aber ihre Fantasie gaukelt ihnen so etwas vor! So auch, als ich schließlich an dieser Fabrikantenvilla vorüber ging und etwas weiter hinten einen Weg auf die gegenüber liegende Seite fand.

Dort entlang war eben ein Kleintransporter gefahren. Ich sah ein offenes Tor und die Leute, die weiter rechts in eine nicht so verfallene Fabrikhalle gingen. Allerdings prangte an diesem Tor ein Schild, mit der Aufschrift: „Privatgelände. Betreten verboten!“ Gut. Ich hielt mich daran, auch wenn das Tor, in diesem Moment offen stand – für andere Urbexer die Einladung ihres Lebens.

Dafür wurde ich allerdings gleich darauf entschädigt! Und das nicht nur von einem unscheinbaren Detail, hoch oben, an einer Wand. Ein äußerst verrotteter Träger, an dem sich noch vier zerstörte Lampenfassungen und ein Verteilerkästchen, von 20 x  20 cm befinden. Nein, ich ging zurück zur Zufahrt. Über eine Brücke, unter der der Brauchwasserkanal für die Papierfabrik verlief. Dann ging mein Blick diesen Kanal entlang und sofort fiel mir die darin befindliche Spiegelung auf. Das wurde für mich das Motiv des Tages!

Also, die Kamera mit dem Teleobjektiv nehmen und ein Foto im Hoch-, eines im Querformat gemacht. Zuhause musste ich nun aus diesen Aufnahmen noch das Bild machen, das ich unterhalb meines kleinen Berichts veröffentlichen werde.

Wieder zuhause holte ich zuerst alles aus den Sensordaten meiner Kameras heraus (Rohdaten im HDR-Programm). Anschließend erhöhte ich das Leuchten der Fabrik und ihrer Spiegelung, im Wasser. Dabei leuchtete allerdings auch das viele Grün rechts und links des Kanals und oberhalb der Fabrikhallen. Also wandelte ich die Aufnahme in Schwarz/Weiß um, und legte dieses, als Bearbeitungsebene über die Farbversion. Diese S/W-Ebene konnte ich nun mit der darunter liegenden,  farbigen Ebene verrechnen lassen. Ich verwendete dabei einen Wert, der das Leuchten des Grüns dämpft, aber noch nicht in Grautöne umwandelt. Zu guter Letzt hieß es nun, die leuchtende Fabrik und ihre Wasserspiegelung wieder freizulegen, indem ich sie auf der S/W-Ebene ausradierte. Somit kam an diesen Stellen die leuchtende Version, die ja nach wie vor unter dieser schwarzweißen lag, wieder zum Vorschein. Das Arbeiten, mit Ebenen und Masken, bedarf einiger Übung, gibt mir allerdings eine riesige, gestalterische Freiheit!

So, nun hatte ich es fast geschafft. Zuerst noch im gewohnten jpg-Format speichern. Dann diese Datei erneut aufrufen, um sie in die beste Form zu bringen. Ich entschied mich, in diesem Fall für einen quadratischen Beschnitt, da mit diesem die wichtigsten bildtragenden Linien und die Verteilung des „Gewichts“ (wo sich welche Bestandteile befinden und wie sie sich gegenseitig ausbalancieren) am vorteilhaftesten zur Wirkung kommen. Zuletzt, mit dem Befehl „Unschärfe maskieren“ nachschärfen, speichern – fertig!

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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