Monika Litschko

Die Kamera - Das vierte Medaillon Teil 4

Da ich jetzt wusste, dass Melanie doch ein Medaillon besaß, welches ihrer Mutter gehört hatte, fragte ich mich, was es mit dem Namen auf sich hatte. Wer und was, war Ida? Verstorbene, die sich aus dem Jenseits melden, wollen trösten oder warnen und es ist somit nichts Ungewöhnliches. Manche nehmen ihren Präsenz wahr und andere eben nicht. Am empfänglichsten ist der Mensch, wenn er unter starkem emotionalem Druck steht. Innerlicher Druck, erweitert die Sinne ungemein. Aber in diesem Fall, hatte die Dame wohl nichts Gutes vor. Dass sie bereits verstorben war, setzte ich voraus.

Ich wartete noch auf Ben, denn es interessierte mich, ob die Spiegel sich widererwarten abhängen ließen. Meine Befürchtung trat ein. So sehr sich Ben, John und David auch bemühten, die Spiegel bewegten sich nicht. Ein Unterfangen, was sich bei aller Anstrengung nicht bewerkstelligen ließ. Sie fachsimpelten, warum die Spiegel sich nicht bewegen ließen. Mussten aber letztendlich resignieren.
 

Nun war es an der Zeit die Pinkerts aufzusuchen, vielleicht bekam ich dort mehr Informationen. Die Pinkerts wohnten in den Hängen des Waldes und nannten ein riesiges Holzhaus ihr Eigen. Es war schon beeindruckend, was ich sah. Meine Kamera fing das Anwesen und den angrenzenden Wald ein, der beschützend über alles wachte. Es war später Nachmittag als ich das Haus betrat, welches mir den Atem verschlug. Das riesige Wohnzimmer schien überwiegend aus bodenhohen Fenstern zu bestehen, die den Raum lichtdurchfluteten. Ein weißes Ledersofa, ein schmaler länglicher Tisch, zwei schmale weiße Schränke und ein paar Aquarelle, mehr zählte nicht zur Einrichtung. Wenig war mehr, das wurde hier bestätigt. Die offene Küche war im Landhausstil eingerichtet und geschmackvoll dekoriert. In die obere Etage führten gleich zwei kurze Treppen, die sich gegenüber lagen.

Ich ging nach oben, um mich umzuschauen. Auch hier war es geräumig und hell. Ich hatte es auch nicht anders erwartet. Von vier Zimmertüren, war eine angelehnt und es zog mich dorthin. Ein Mädchen, von etwa zwölf Jahren stand am Fenster und starrte nach draußen. Sie bewegte sich nicht, also ging ich zu ihr und filmte sie von der Seite, da es anders nicht ging. Ihr Blick war starr und leer, auch das übliche Blinzeln fehlte. Da ich nichts machen konnte, verließ ich sie und suchte die anderen Zimmer auf. Ich fand einen Mann im mittleren Alter, der bewegungslos, mit ausgestreckter Hand, vor einem Kleiderschrank stand. Ein weiteres Mädchen, bestimmt ihre Schwester, lag auf dem Bett und schaute, ohne sich zu bewegen, in ihr Handy. Ich nahm an, dass die vierte Person auch, irgendwo so verharrte. Als ich die letzte Tür öffnete, stand ich in einem Badezimmer. Es war dunkel, nur die Blitze, die hin und wieder aufflammten, sorgten für Licht. Eine Frau stand vor einem ovalen Spiegel, der über dem Waschbecken angebracht war. Ihre rechte Hand, aus der eine Kette hing, lag auf dem Rahmen. Mit leeren Augen, in denen nur das Weiße zu sehen war, schaute sie in den Spiegel, in dem schwarze schwere Wolken trieben. Ich zoomte ihre Hand nah heran und sah, dass sie etwas in den Rahmen drückte. Es lag auf der Hand, dass es ein Medaillon war. Medaillon Nummer zwei. Also wurden vier Medaillons gebraucht, um etwas in Gang zu setzen. Melanies Medaillon schien eine wichtige Rolle zu spielen und sie durfte es auf keinen Fall hergeben.

Da ich bei den Pinkerts nichts ausrichten konnte, ging ich zu den Millers, die drei Häuser weiter wohnten. Auch dort herrschte eine ähnliche Situation. Die Eltern saßen bewegungslos am Frühstückstisch und verharrten in skurrilen Posen. Mr. Miller war im Begriff ein Brötchen aufzuschneiden und Mrs. Miller hielt eine halbvolle Kaffeekanne in der Hand, wie in einem Wachsfigurenkabinett. Ich ging weiter durch das Haus und fand ein etwa zwanzigjähriges Mädchen, das in seinem Zimmer vor einem Spiegel stand und ebenfalls ein Medaillon in den Rahmen drückte. Auch hier zuckten Blitze durch die Dunkelheit und ließen die blonde Schönheit mit den weißen Augen, bizarr und entstellt aussehen. Ich konnte mir zwar ausmalen, was sich bei den Edwards abspielte, aber auch ihnen musste ich einen Besuch abstatten.

Die Edwards wohnten direkt am Marktplatz in einem windschiefen Fachwerkhaus. Mittlerweile war es dämmrig und ich sah von der Straße aus schon die Blitze, die hinter den Butzenscheiben der Haustür aufleuchteten. Als ich die Tür öffnete, begann das Schauspiel. Wieder stand ein Mädchen, ich schätzte sie auf siebzehn Jahre, vor einem Spiegel und drückte ein Medaillon in den Rahmen. Als ich mich umdrehte, um zu gehen, fing sie an zu sprechen.
„Sie wird kommen, denn Sie ist das Feuer. Sie ist die Herrschaft und die ewige Verdammnis. Wir zwingen dir, Iris, unseren Willen auf. Binde deinen Geist an das vierte Medaillon.“

Ich musste zurück, aber schnell. Die Zeit war gekommen, mich mit Senoknanok und Marius zu verbinden.

©Monika Litschko

 

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Monika Litschko).
Der Beitrag wurde von Monika Litschko auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Die Gereimtheiten des ganz normalen Lebens von Petra Mönter



Ein kleiner Kurzurlaub vom Ernst des Lebens.

Petra Mönter's Gedichte beschreiben das Leben - auf humorvolle Art und Weise. Herzerfrischend und mit dem Sinn für Pointen. Es ist es ein Genuss Ihre Gedichte, welche alle mit schönen Zeichnungen unterlegt sind, zu lesen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Unheimliche Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Monika Litschko

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Kamera - Das vierte Medaillon Teil 6 von Monika Litschko (Unheimliche Geschichten)
Lena von Christopher O. (Unheimliche Geschichten)
Meine Bergmannsjahre (dreizehnter Teil) von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)